Norwegen, Reiseerlebnisse

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Prämierter Erfahrungsbericht

Ja, vi elsker dette landet!

5  24.10.2009

Pro:
Unglaubliche, oftmals noch wilde  Naturschönheiten / netter Menschenschlag / lebendige Geschichte

Kontra:
verdammt teuer

Empfehlenswert: Ja 

ausforming

Über sich:

Mitglied seit:19.10.2002

Erfahrungsberichte:196

Vertrauende:85

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Jedes Jahr stellt sich die gleiche Frage: Urlaub am Meer, oder in den Bergen? Nord- und Ostsee hatte ich seit langem nicht mehr gesehen, die Schweizer Berge mussten auch schon einige Jahre ohne mich auskommen, was macht man also dieses Jahr? Nunja, wenn man sich nicht entscheiden kann, eben beides. Da die Schweiz und Schleswig-Holstein leider ein wenig auseinanderliegen, musste eine andere Lösung her. Was lag also näher, als sich endlich an die Verwirklichung eines Urlaubstraumes zu machen und eine Gegend zu besuchen, die beides vereint, das Meer und die Berge. Zwei der skandinavischen Hauptstädte kannte ich bereits, nun sollte die atemberaubende Landschaft an der Reihe sein. Mein Bruder Oliver (doktorpepper) und ich begaben uns also auf einen Roadtrip in den Norden, hin zu Fjorden und Bergen, kargen Hochebenen und grünen Tälern. Für 19 Tage bereisten wir Dänemark, Schweden und vor allem Norwegen. Stellt sich nun noch die Frage, wie man so einen Urlaub in einem Bericht verarbeitet. Einzelne Gegenden und Städte könnten locker einen eigenen Bericht füllen und wären noch immer nicht ausreichend gewürdigt, doch gehen dann die ein oder andere nette Begegnung und manche Merkwürdigkeit verloren. Nun, ich habe mich für eine Kombination aus mehreren Dingen entschieden. Zum einen eine Art Reisetagebuch, dadurch hat man einerseits den zeitlichen, aber auch einen örtlichen Zusammenhang, zum andren fasse ich ein paar Tipps und interessante Hinweise in einer eigenen Rubrik zusammen und gebe als letztes noch einen Überblick über die aus meiner Sicht schönsten Sehenswürdigkeiten. Diese Aufteilung sollte es dann allen ermöglichen, die Kapitel zu lesen, die sie wollen.

REISETAGEBUCH


02. August 2009 Wir müssen verrückt sein

Das erste Ferienwochenende in Baden-Württemberg, einen besseren Starttermin hätten wir uns kaum aussuchen können. Einmal quer durch Deutschland, das konnte ja heiter werden. Doch bevor wir starteten, galt es zunächst das Gepäck in der A-Klasse unter zu bringen. Und das war schon das erste Problem, eines war nämlich schnell klar: Das kriegen wir da nie im Leben alles rein. Also was lässt man da? Das hängt natürlich auch davon ab, was man im Urlaub vorhat – und wie das Wetter ist. Letzteres kann man nur schlecht einschätzen, packt man nur warmes Zeug ein, hat man ständig 25° (alles schon erlebt), umgekehrt ist es genauso. Eine gesunde Mischung ist also unerlässlich, genauso wie festes Schuhwerk – man will ja auch mal wandern – und eine Grundausrüstung zum Campen. Selbst wenn man wie wir vorwiegend in Hytten übernachten möchte, ein Zelt zur Sicherheit schadet nicht und selbst in den Hytten braucht man Schlafsäcke wenn man sich nicht kostenpflichtig Bettzeug ausleihen will. Letzten Endes mussten dann doch ein paar Klamotten dran glauben, aber der Rest passte dann wenigstens in den Wagen und wir konnten die erste Etappe bis Flensburg in Angriff nehmen.
03. + 04. August 2009 Auf nach Oslo

Wenn man mit dem Auto nach Norwegen will, gibt es natürlich mehrere Möglichkeiten. Verschiedenste Fähren verkehren zwischen Deutschland, Norwegen, Dänemark und Schweden, welche man in Anspruch nimmt, hängt von verschiedenen Punkten ab. Da wir auf jeden Fall Kopenhagen mitnehmen wollten, entschieden wir uns für die Fähre zwischen Helsingør (DK) und Helsingborg (S). Diese hat zudem den Vorteil, dass sie täglich im Halbstundentakt verkehrt, der Nachteil ist allerdings, dass man die komplette Strecke in Schweden fahren muss, so dass man, inklusive der Fahrt durch Dänemark, zwei Tage bis Oslo einplanen muss. Allerdings liegen auf der Strecke dorthin einige Städte, die durchaus eine Rast wert sind. Sei es das backsteinlastige Odense, das nette Nyborg mit der knapp 2,7 Kilometer langen Brücke über den Großen Belt, die dänische Hauptstadt Kopenhagen, zugleich die Heimat der - im wahrsten Sinne des Wortes - Kleinen Meerjungfrau, auf schwedischer Seite die, bei Sonnenschein wahrscheinlich ergiebigere Großstadt Göteborg und , direkt hinter der norwegischen Grenze , der pittoreske Stadtkern des alten Frederikstad. Natürlich ließen sich zu allen dieser Städte komplette Berichte füllen, doch dazu müsste man länger vor Ort sein und zudem passen, abgesehen von Frederikstad, die Städte auch nicht in die Kategorie.

Wenn man sich wie wir für diesen Landweg nach Norwegen entscheidet oder zumindest eine Fähre nach Göteborg nimmt, kann man auch einen ersten Eindruck davon bekommen, was in Norwegen für Strapazen auf den Geldbeutel zukommen. Als wir die letzte Ausfahrt der Autobahn auf schwedischer Seite nahmen und uns für eines der angeschilderten Kaufparadiese entschieden hatten, landeten wir an einem recht speziellen Ort. Wir haben einen gigantischen Zigarettenladen erlebt, Norweger im Lebensmittelkaufrausch, Süßigkeiten bis zum abwinken und – man bedenke das Land in dem man sich noch befindet – groß nur in einer Währung ausgezeichnet – Norwegischen Kronen. Den zweiten Vorgeschmack auf das norwegische Preisniveau bekommt man dann direkt hinter der Grenze an den Tankstellen: Die Preise steigen und die Währung ist im Gegenzug auch noch weniger wert, so dass man trotz landeseigenem Ölhahns deutsches Niveau erreichte.
05. August 2009 Ab auf die Ski und rein in die Stadt

Nach einer ziemlich langen Suche hatten wir endlich vor den Toren Oslos eine Unterkunft gefunden. Zwar noch keine echte Hytte, sondern mehr eine verkappte Jugendherberge, aber das störte wenig. Da wir nicht mit dem Auto nach Oslo hineinfahren wollten, entschieden wir uns für die Bahn, was uns zum Bahnhof nach Ski führte. Von dort kamen wir innert zwanzig Minuten ohne Probleme direkt ins Zentrum.

Über Oslo könnte man zwar einiges schreiben, allerdings möchte ich mich im Folgenden recht kurz halten und auf meinen Bericht in der entsprechenden Kategorie verweisen, der im Großen und Ganzen noch stimmen müsste.
Oslo hat natürlich durchaus einiges zu bieten, vor allem was Museen anbelangt. Seien es Kunstmuseen, oder solche, die von der norwegischen Entdeckerlust erzählen, wie das Frammuseum oder das Kon-Tiki-Museum, in dem Thor Heyerdahls Vermächtnis bestaunt werden kann. Ansonsten ist natürlich noch der Vigelandspark zu empfehlen, der im Sommer um ein Vielfaches schöner ist als im norwegischen Frühling. Ein neues Monument der Stadt, das ich noch nicht kannte, ist die frisch eingeweihte Oper, die sich als Eisscholle in Glas und Marmor aus dem Hafenbecken erhebt und deren Dach zu einem schönen Blick über die Stadt einlädt. Die Architektur ist zwar nicht jedermanns Sache, aber interessant und speziell ist der Entwurf schon. Doch wer einen wirklich grandiosen Blick über Oslo ergattern möchte, der muss zum Holmenkollen. Diesen Weg haben wir uns allerdings gespart, da die dortige Schanze abgerissen wurde, um einer neuen Platz zu machen, die zur Skisprung-WM im Jahre 2011 fertiggestellt sein wird.

Am Ende des Tages kehrten wir dann wieder in unsere Bleibe zurück, die wir gleich für zwei Tage gebucht hatten, da wir uns die Weiterfahrt nach einem in der Regel ermüdenden Tag in der Großstadt nicht mehr antun wollten.

06. + 07. August 2009 Das Tal der Täler

Wenn man in Oslo ist, steht man vor einer Richtungsentscheidung, fährt man nach Westen oder Süden in Richtung der Fjorde, oder begibt man sich in den Norden, hinein ins felsige Herz Norwegens. Wir entschieden uns für letzteres und fuhren über Hamar und Lillehammer, den beiden größten Städte Ostnorwegens hinein ins Gudbrandsdal, dem Tal der Täler. Am ersten Tag standen die beiden Städte auf dem Plan, wobei Hamar neben der interessanten olympischen Eislaufhalle noch die unter einem gläsernen Kirchenschiff geschützten Ruinen der alten Kathedrale und das norwegische Eisenbahnmuseum zu bieten hat. In Lillehammer befindet sich dann natürlich ein Museum über die Olympischen Spiele von 1992 und Maihaugen, eines der schönsten Freilichtmuseen des Landes. Und auch wenn Lillehammer nicht unbedingt die schönste Stadt ist, so ist die Lage am Ufer des Mjøsasees durchaus sehenswert. Als Ausgangspunkt für die nächsten beiden Tage wählten wir daher auch eine kleine Hytte am Rande des Sees. Und als kleinen Tipp, die an fast allen Parkplätzen der Gegend angebotenen Erdbeeren gehörten zu den Besten, die ich bislang gegessen habe.

Während der Mjøsasee noch der geographische Vorposten des Gudbrandsdals ist, ging es am folgenden Tag direkt hinein in das Tal der Täler. Das recht breite, an seinen Hängen von Wäldern umrahmte Tal wurde nicht zuletzt durch den Titelheld aus Ibsens wohl berühmtestem Stück bis weit über die Grenzen Norwegens hinaus bekannt. Doch auch abseits von Peer Gynt gibt es im Gudbrandsdal einiges zu sehen. Seien es kleinere Dörfer, die Stabkirche von Ringeby mit ihrem markanten roten Turm, kleinere Wasserfälle, Flussläufe oder die Ausläufer des bergigen Nationalparks Rondane. Die verkehrstechnische Anbindung ist ebenfalls bestens, führt doch mit der E9 die Hauptverkehrsader in Richtung Nordkap durch das Land. Wobei man hier nochmals deutlich hervorheben muss, dass Hauptverkehrsader eine meist zweispurige Straße im guten Bundesstraßenzustand meint, autobahnmäßig ausgebaute Abschnitte sucht man glücklicherweise nahezu vergebens.
Den nördlichsten Punkt des Tages hatten wir dann in Otta erreicht, wo eine kleine Passstraße in Richtung Mysuseter nach rechts abzweigt und sich den Hang hinauf windet. Belohnt wurden wir bei diesem Vorgeschmack auf den weiteren Urlaubsverlauf mit einem schönen Blick hinunter ins Tal. Doch das eigentliche Ziel ist nicht Mysuseter, sondern die Kvitskriuprestene, die einzigen Erdpyramiden Norwegens. Und an dieser Stelle schon einmal die Mahnung zur Geduld, man fährt eine ganz schöne Weile ehe ein kleiner mautpflichtiger Feldweg wieder hinunter ins Tal führt. Wir versuchten also unseren Wagen so hinter dem Vordermann am Abhang zu parken, dass genügend Platz für die entgegenkommenden Autos vorhanden war und stiegen aus, um die Mautgebühr in eine kleine Papiertüte zu stecken und anschließend die Fahrt in die Tiefe anzutreten. Hier ist nun ebenfalls wieder Geduld gefragt, denn bis zum Parkplatz bei den „Weißen Priestern“ ist es abermals eine längere Fahrt, so dass wir nach einigen Minuten eine Reieführerkonsultation mit unseren norwegischen Vorderleuten hatten. Vom Parkplatz aus musste das norwegische Ehepaar und wir dann nur noch fünf bis zehn Minuten ein steiles Stück den Berg hinauf laufen und kann die Erdpyramiden – noch – bewundern. Ich sage hier bewusst noch, denn auf alten Bildern sieht man, wie viele Pyramiden hier einmal standen, das ist zu unserem diesjährigen Besuch kein Vergleich mehr.

Zurück wollten wir natürlich nicht den gleichen Weg nehmen wie auf der Hinfahrt, zumal uns auch deutlich wurde, dass man besser nicht mehr Hytten für mehrere Tage bucht sondern einfach drauflos fährt. Erstens verkuckten wir uns gewaltig in den Dimensionen des Landes, was auf der Karte nach einem Katzensprung aussieht, sind eben schnell mal über 100km, zweitens kommt man mit Tempo 80 - oftmals auch nur 60 und auf unbefestigten schmalen Feldwegen freiwillig auch noch weniger - nicht so schnell voran wie mit 180 auf einer deutschen Autobahn und drittens gibt es an fast jeder Abfahrt Hinweisschilder auf Hytten, die
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Norwegen, Reiseerlebnisse Ålesund
Ålesund: Jugendstilzentrum, Sicht vom Hausberg
stundenlange Suche um Oslo herum war also wohl auf die Hauptstadt zurück zu führen.
Eine interessante Alternative zur Hauptstraße ist der Peer-Gynt-Veg, eine recht breite, allerdings nicht unbedingt voll befestigte Straße, die sich am westlichen Hang des Gudbrandsdals auf eine Hochebene hinaufschlängelt und durch eine heideartige Landschaft mit einer Vielzahl kleiner Teiche und Seen führt. Einziger Nachteil, auch diese Straße ist in Privatbesitz und kostet Maut. Zudem ist sie mit einer elektronischen Schranke weitaus besser gesichert als der Weg zu den Priestern. Allerdings kann man mal versuchen mit Münzen zu zahlen, wenn man Glück hat, fallen die gezählten Münzen noch immer unten aus dem Rückgeldschlitz heraus;-)

Als Abschluss des Tages besuchten wir dann noch das Freilichtmuseum Maihaugen in Lillehammer. Maihaugen gilt als eines der schönsten Freilichtmuseen des Landes, so dass wir uns trotz der verbliebenen gerade einmal einen Stunde Öffnungszeit noch für den Besuch entschieden. Man muss sich dann nur bewusst sein, dass es keinen Abendtarif gibt und der Park auch noch bis in die Nacht hinein offen hat, dann natürlich mit geschlossenen Häusern.

08. + 09. August 2009 Ab ins Reich der Riesen

Kurz vor Lillehammer, direkt bei unserer Hytte, fuhren wir gen Westen ins benachbarte Valdrestal und von dort weiter gen Norden und gelangten so nach Beitostølen, dem Vorposten der norwegischen Berge. Fährt man wie wir im Sommer durch den kleinen Ort, so bekommt man wohl nur eine vage Vorstellung davon, was sich hier im Winter abspielt. Ferienhotels, die an internationale Massentouristik erinnern, ein Skiladen am nächsten und natürlich sonntags geöffnet. Wir beschlossen, dass wir uns dieses Szenario im Sommer getrost schenken können und betraten direkt hinter den letzten Häusern Jotunheims die mythologische Heimat der Riesen. Und der Name ist Programm, wenn die Fahrt durch immer kargere Höhen führt, die letzten Sträucher längst Flechten, Moosen und etwas Gras gewichen sind und die Landschaft von Felsbrocken, kleinen Teichen und den schneebedeckten Gipfeln der höchsten Berge des Landes dominiert wird, dann wird einem bildlich vor Augen geführt, warum dieser Landstrich diesen Namen erhalten hat. Der in den Höhen stärkere Wind mit seinen kalten Böen tut ein Übriges, um an die Existenz der Eisriesen zu glauben. Nach und nach erreicht die Straße wieder tiefere Gefilde, die obligatorischen Holzstangen, die im Gebirge die Strecke markieren verschwinden und neben der Fahrbahn tauchen wieder erste Bäume auf. Nun ist man nicht mehr weit entfernt von Gjendesheim, einem der wenigen Orte Norwegens, an denen der Massentourismus seine Krallen zeigt.
Wer möchte kann von hier aus mit dem Boot direkt in den Nationalpark fahren, bei schönem Wetter interessanter – aber auch anstrengender – ist die Wanderung über den Besseggengrat nach Mumurubu und der anschließenden Bootsfahrt zurück. Da die Wanderung allerdings fünf bis sechs Stunden dauert, sollte man einplanen rechtzeitig am Ausgangspunkt zu sein und nicht erst gegen Mittag. So konnten wir selbigen Grat natürlich nur noch anreißen und mussten dann leider wieder umkehren.

Über die Trollhauptstadt Dombås gelangten wir am kommenden Tag ins Dovrefjell. Auch wenn in Jotunheim die höchsten Berge stehen, auch Rondane und Dovre haben einiges an Höhen zu bieten, wenngleich die hochalpinen Eindrücke fehlen. Etwas abgelegen von den Hauptverkehrsrouten gelangten wir zum Weltkulturerbe Røros, einer kleinen recht gut erhaltenen Bergwerksstadt, die neben dem gut erhaltenen Stadtkern etliche Abraumhalden und bergmännische Museen zu bieten hat und zudem unsere letzte Station in Ostnorwegen war, ehe wir mit Trondheim den nördlichsten Punkt unserer Reise erreichten und uns den berühmten Fjorden im Westen zuwendeten.

10. + 11. August 2009 Metropolen, Kriegsspuren, Kleinode und trollige Wege

Die aktuelle Hauptstadt hatten wir ja bereits gesehen, nun war die alte Wikingerhauptstadt Nidaros, besser bekannt unter ihrem heutigen Namen Trondheim. Während die Fahrt ins Zentrum, vorbei am Stadion der ehemaligen Fußballgroßmacht Rosenborg nicht unbedingt Lust auf mehr macht, ist das eigentliche Stadtzentrum immerhin etwas vielversprechender. Die Hauptsehenswürdigkeit stellt wohl der Nidarosdom dar, Norwegens wichtigste Kirche. Vom Turm des wuchtigen Bauwerkes genossen wir die schöne Sicht über die umliegenden Viertel, den Hafen und die auf einem Hügel thronende Festung Kristiansten. Allerdings muss ich alle vorwarnen, man sollte nicht allzu dick sein – besser gesagt man sollte ziemlich dünn sein, um sich einer der halbstündlich stattfindenden Aufstiege anzuschließen. Ebenfalls lohnenswert sind der alte Bischofspalast und ein Aufstieg durch das alte Hafenviertel hinauf zur zugegebenermaßen etwas langweilig wirkenden Festung.

Nach Trondheim ging es dann auf die schöne Abzockstrecke in Richtung Kristiansund. Abzockstrecke darum, weil es massenhaft Tunnels und Brücken gibt und diese in Norwegen Maut kosten. Anfangs noch recht günstig, steigert sich der Preis bis kurz vor Kristiansund auf 95 Kronen. Davor war es zwar billiger, allerdings musste man an automatischen Stationen passgenau mit Münzen zahlen, andernfalls zahlte man eben zu viel, denn Rückgeld gab es keines. Genauere Ausführungen zum Mautwesen in Norwegen gibt es im Kapitel „Tipps und Tricks“.

Zusammen mit dieser Mautstrecke trat auch eine weitere Veränderung ein, allerdings eine ziemlich üble: Das Wetter wurde katastrophal. Kristiansund sparten wir uns im Prinzip vollständig und auch der Weg nach Ålesund bestand aus starkem Dauerregen, der wenig Hoffnung auf Besserung ließ. Das im Zweiten Weltkrieg zerbombte Molde musste also auch links liegen bleiben und auch das kleine Ålesund schien das gleiche Schicksal zu ereilen. Doch der Wettergott hatte anscheinend mit uns und dem Anfang des 20. Jahrhunderts abgebrannten und danach zum Jugendstilzentrum erneuerten Städtchen ein Einsehen und ließ die Weltuntergangsstimmung drei oder vier Kilometer vor Ålesund in strahlend blauen Himmel umschwenken. Somit konnten wir den Stadtkern genießen und uns Anschließend die auf vielen Postkarten und Kalendern verewigte Aussicht vom unterbunkerten Hausberg Aksla genießen. Und man muss auch zugeben, die Ansicht ist völlig zurecht auf so vielen Bildern zu sehen. Die Schmale Landenge, die hügelige Fjordlandschaft, viele kleine Inseln, Norwegen par excellance.

Von Ålesund aus ging es wieder etwas zurück in Richtung Trondheim, denn unser nächstes Ziel war die Trollstige, eine serpentinenreiche Straße, die sich an Europas höchster nahezu senkrechten Felswand empor schlängelt.
Kurz darauf hatten wir dann wieder das schlechte Wetter eingeholt und machten uns auf den Aufstieg in der Trollwand. Mit zunehmender Höhe, also schneller als man es sich vorstellt, nahm der Nebel wieder zu und so konnten wir von der oben angebrachten Aussichtsplattform leider nicht einmal mehr die erste Kehre der Straße sehen. Eindrucksvoll war der Weg dennoch.

12. -14. August 2009 Königlicher Besuch in den Fjorden

Nach den schönen Fjorden westlich von Trondheim, ging es für uns nun tiefer hinein ins Fjordland, hin zu den berühmtesten Meeresarmen, die das Land zu bieten hat. Namentlich zu nennen sind hier auf jeden Fall der unter Welterbe stehende Geirangerfjord und der Sognefjord mit über 200 km Länge der größte von allen.
Dabei präsentieren diese beiden Fjorde auch einen recht guten Überblick über die Vielfalt der norwegischen Küste. Auf der einen Seite der doch schon schmale, von steil aus den Fluten heraufragenden Felswänden begrenzte Geiranger, auf der anderen der sehr breite Sognefjord mit den vielen, teilweise von größeren Straßen gesäumten Nebenarmen.

Bei der Anfahrt zu den Fjorden, insbesondere beim Geiranger, kommt einem allerdings die fantastische Natur ein wenig in die Quere. So schön steile Felsen sind, die Straßen nach Geiranger sind durchaus ernst zu nehmende Pässe, die man nicht als Führerscheinneuling in Angriff nehmen sollte, zumal die Sichtverhältnisse bei Nebel gegen Null tendieren können. Dieses zweifelhafte Vergnügen hatten wir beim Verlassen des Dorfes gen Süden. Da wurde plötzlich der vor uns fahrende Reisebus zum gern gesehenen „Rammbock“, der den Weg nach oben freiräumte. Wir näherten uns dem, im Gegensatz zum Fjord, nicht gerade sehenswerten Dorf ja von Norden, so dass wir auf halber Höhe einen Blick auf den Meeresarm ergattern konnten. Dabei sahen wir schon, dass ein großes Kreuzfahrtschiff im Fjord vor Anker lag und ein zweites gerade einlief. Ich hoffte zwar auf ein Hurtigrutenschiff, doch was für ein Koloss da wirklich einlief, bemerkten wir erst im Hafen mehrere hundert Meter tiefer, als die aufgescheuchte Touristenmenge lauthals die Queen Mary II. ankündigte. Wenn solch ein Pott zwischen zwei weiteren Traumschiffen im schmalen Fjord wendet, wird einem erst bewusst, wie groß diese Schiffe sind.
Um den Fjord in seiner vollen Schönheit zu genießen, verließen wir allerdings das Dörfchen Geiranger wieder undbegaben uns mit einem Boot auf den Fjord. Die Fahrt war nicht besonders teuer und bot einen guten Blick auf die berühmten „Sieben Schwestern“, den versoffenen „Freier“ und mehrere aufgegebene Bauernhöfe, zu denen man teilweise von kleinen Anlegern aus über schmale Pfade emporsteigen kann (man frage mich bitte nicht, wie man da hochkommen soll, die Ausrüstung der Wanderer war allerdings nicht bergsteigetauglich)

Während der Geiranger einen Tagesausflug wert ist, kann man am Sognefjord ohne Probleme mehrere Tage zubringen. Es gibt mehrere Fähren über den Fjord und natürlich auch mehrere Straßen und Ortschaften. Wir trafen etwa auf halber Strecke auf den Fjord und wendeten uns ins Landesinnere in Richtung Osten. Der Schlechtwetterfront immer ein paar Minuten voraus, so dass wir zum Mittagessen ein wenig Wurstbrot hinunterschlingen konnten, fuhren wir am alten Badeort Balestrand vorbei gen Urnes, wo Norwegens älteste noch erhaltene Stabkirche steht. Urnes, an der Mündung des Lustrafjordes in den Sognefjord gelegen, erreichten wir mit einer winzigen Fähre, auf die man zur Abwechslung mal rückwärts auffahren musste. Die ebenfalls als Weltkulturerbe eingestufte Stabkirche an sich ist sehr klein, mag aber ein Kleinod sein, sofern sie nicht gerade zur Renovierung ausgebeint ist. Nähere Details zur Geschichte von Ort und Kirche erfuhren wir dann in einer englischsprachigen Führung.

Da wir noch zum größten europäischen Festlandsgletscher, dem Jostedalsbre, wollten, fuhren wir auf einer der schmalsten Straßen unserer Reise um den Lustrafjord herum und stießen Tags darauf ins Gletscherland empor.

Wie bereits erwähnt, ist der Jostedalsbre der größte Gletscher Festlandeuropas und entsprechend groß. 25 Gletscherzungen erstrecken sich von den Bergen in die Täler und bieten viele Möglichkeiten für Erkundungen. Eine der am leichtesten zu erreichenden Gletscherzungen ist der Nigardsbre, in dessen Nähe auch ein Gletscherzentrum eingerichtet wurde. Hier kann in einem kleinen Museum wissenswertes über Gletscher erfahren werden und auch Karten für geführte Wanderungen können erstanden werden. Vom Gletscherzentrum führt eine schmale Mautstraße etwa drei Kilometer zu einem Parkplatz am Gletschersee von dem ein felsiger Weg zum Gletschertor führt. Allerdings ist felsig unter- und Weg übertrieben. Eine wild wechselnde Mischung aus riesigen Felsen, ein paar Holztreppen und gespannten Hilfsseilen wird von verteilten roten Markierungen notdürftig zusammengeführt. Wem das zu beschwerlich ist, der kann eine kleine Bootstour über den grünlichen See machen. Er sollte sich allerdings bewusst sein, dass auch nach dem Bootsanleger noch einiges auf den Wanderer zukommt. Wer halbwegs gut zu Fuß ist, sollte also durchaus die Klettertour in Angriff nehmen, zumal der Gletscher als Paradebeispiel für Familien gilt.

Am Gletscher selbst begann dann der beste Erdkundeanschauungsunterricht für Stoff der unteren Klassen. Angefangen vom Gletschersee über die Moräne, die den Weg zur Zunge erschwert hat, bis hin zum Gletschertor, aus dem der Gletscherbach entspringt, ist alles vorhanden. Und um die Macht des Gletschers zu erahnen, muss man sich direkt neben den Gletscher stellen (ist zwar verboten und notdürftig abgesperrt, allerdings hält sich keiner dran - sollte man von einem Eisbruch erschlagen werden, zahlt aber die Lebensversicherung wohl eher nicht). Wer noch mehr will, der kann sich Steigeisen ausleihen und einer der geführten Touren anschließen.

15. + 16. August 2009 Rekorde, Rekorde, Rekorde

Von den eisigen Höhen Breheims ging es gen Borgund und am kommenden Tag, wieder einmal bei strömendem Regen, in die dortige Stabkirche. Die Stabkirche Borgunds ist eine etwas größere und nebendem die einzige, die seit dem Mittelalter in ihrer Gestalt erhalten blieb. In der recht schlichten Kirche wird mehr als deutlich, wie dunkel es damals im Innern zuging. Lediglich einige kleine Bullaugen unter dem Dach sorgen für einen leichten Lichtschimmer. Man stelle sich nur einmal vor, wie eine entsprechende Predigt im Zusammenspiel mit den allgegenwärtigen Drachenschnitzereien auf die mittelalterliche Bevölkerung gewirkt haben muss.

Direkt bei Borgund ist noch einer der schmalsten Fjorde Norwegens, der ebenfalls unter Welterbe stehende Naeroyfjord. Auf Grund des Wetters fuhren wir allerdings direkt in Richtung Flåmsbahn. Um dorthin zu gelangen kann man über den Berg fahren oder unter ihm hindurch. Wir wählten letzteres, wenn es mal wieder regnet und die Sicht nicht vorhanden ist, kann man sich auch den längsten Straßentunnel der Welt antun, das sind dann immerhin 29 Kilometer trockene Fahrt. Nach kurzer weiterer Fahrt erreichten wir Flåm, die Talstation der gleichnamigen Bahn. Da die Flåmsbahn Teil der Touristiktour „Norway in a Nutshell“ ist, hatten wir zum ersten Mal eine grandiose Touristenmasse vor sich. Eigentlich hätten wir uns die Fahrt bei schlechtestem Wetter hinauf nach Myrdal sparen können, aber wenn man einen Eisenbahnfan dabei hat, muss man eine der steilsten Adhäsionsbahnen der Welt einfach fahren – und die norwegische Lorelei am Wasserfall zeigt einem auch wieder, dass es Jobs gibt, die einen wie einen begossenen Pudel dastehen lassen.

Nach einem absoluten Zweier-Mini-Ciao-Stammi in Voss (ohne den doc, aber mit Yju2001 / an dieser Stelle liebe Grüße an Julia) fuhren wir (nun wieder der Doc und ich) in die alte Hansestadt Bergen mit dem berühmten Hafenviertel Bryggen. Über Bergen könnte man vermutlich Abhandlungen schreiben, einzig wir haben zu wenig dafür gesehen. Was ich sagen kann: Bergen scheint schön zu sein, für einen verregneten Sonntag war auch verdammt viel los und der Fischmarkt wäre bei Sonnenschein sicherlich reizvoller gewesen.

Doch sosehr wir in den letzten Tagen vom Wetter benachteiligt wurden, für die letzten Tage hatte der Wettergott ein Einsehen und bescherte uns eines, wenn nicht sogar das Highlight des gesamten Urlaubs.

17. + 18. August 2009 Am Abgrund

Die Fähre in die Heimat war gebucht, nun mussten also noch drei Tage gefüllt werden. An sich im Westen Norwegens nichts schwieriges, bei absolutem Regenwetter aber dennoch nicht so einfach, zumal wir noch etwas vorhatten, das wir unbedingt erleben wollten: Den Preikestol bei Stavanger zu erklimmen. Man fährt also etwas abseits der Hauptstraßen, macht einen Abstecher nach Haugesund zu einem Nationalmonument für König Harald Hårfagre, 872 Norwegen geeint hatte und timet das ganze noch so, dass man für die letzten beiden Übernachtungen auf norwegischem Boden eine Hytte in der Nähe von Tau bezieht. Und wie bereits oben angekündigt, der Wettergott hatte ein Einsehen und wir konnten am letzten Tag den Preikestol in Angriff nehmen. Die Preikestolhytte, deren Parkplatz als Ausgangspunkt für die Wanderung dient, ist bestens ausgeschildert und entsprechend der Touristenströme der große Parkplatz nicht ganz billig. Das Geld lohnt sich aber auf jeden Fall, nur sollte man recht früh dort sein, um vor dem Hauptansturm am Preikestol zu sein, sonst hat man vermutlich nicht allzu viel vom dortigen Aufenthalt.
Vom Parkplatz aus führt ein ganz passabler, wenngleich recht steiniger und steiler Weg zu einem ersten Plateau, von wo aus es mal mehr, mal weniger steinig etwas ebener weitergeht. Allerdings sollte man sich weder vom ersten Anstieg, noch vom gemäßigten weiteren Weg täuschen lassen, der eigentliche Spaß kommt nämlich erst noch. Kann ich den Beginn noch besten Gewissens als Weg bezeichnen, fällt mir das später nur noch mit Geröllhalden und Felsabbrüchen, sowie ab und an mit einem inbegriffenen Bachlauf, deutlich schwerer. Erholen konnten wir uns auf den moorigen Zwischenstücken, die von den typischen Holzstegen überspannt werden. Zu allem Überfluss ist der Weg zum Preikestol auch noch eine Wanderautobahn. Da wir morgens aufgestiegen sind, kamen uns also die Massen beim Abstieg entgegen. Man stelle sich als Vergleich einfach mal das Verkehrsaufkommen der A8 auf einem Feldweg vor;-)

Doch für all die Mühsal wird man auf dem Preikestol entschädigt. Dieses 600m hohe Felsplateau über dem Lysefjord mit seinen senkrecht abfallenden Wänden ist – klare Sicht vorausgesetzt – atemberaubend. Ein Foto am Rande der vollkommen ungesicherten Kanzel, sei es stehend oder sitzend, ist natürlich Pflicht. Eines war jedenfalls sicher: Hier hatten wir den krönenden Abschluss unserer Norwegenreise.

19. + 20. August 2009 Scheiden tut weh

Am Mittwoch setzten wir dann mit der Fähre von Tau nach Stavanger über und schauten uns die Ölstadt ausgiebig an. Gammel Stavanger mit seinen alten Holzhäusern, der Hafen mit dem futuristischen Ölmuseum oder der alte Feuerwehrturm bieten sich als interessante Ziele an. Zu guter letzt führte uns der Weg dann nach Tananger bzw. Sola, einem Vorort Stavangers, in dem die Fähre nach Hirtshals in Dänemark ablegen sollte. Am Abend fuhren wir dann auf unsere letzte Fähre und schliefen - so gut es eben ging - an Bord, um am kommenden Tag die lange Fahrt gen Süden anzutreten. Und noch ein letztes Mal sollten wir Glück haben, denn von der Nordspitze Dänemarks bis nach Sindelfingen ohne Stau, das hat man auch nicht alle Tage.

TIPPS & TRICKS


Übernachten:

Wie mehrmals erwähnt, nächtigten wir zumeist in Hytten. Alternativ gibt es auch einzelne Zimmer (rom), die zumeist weniger gemütlich, aber dafür auch etwas billiger sind (Ausnahmen bestätigen die Regel). Hytten gibt es in verschiedenen Komfortklassen, die billigsten sind kleiner und man muss die sanitären Anlagen des Hyttendorfes oder des Campingplatzes benutzen. Der Preis für eine solche Hytte schwankt etwa zwischen 250 und 500 NOK (die Kosten fürs Duschen habe ich hier mal mit eingerechnet – kostet allerdings nicht überall extra) Was die Einrichtung anbelangt, findet man von spartanisch über ganz nett bis hin zu urgemütlich alles. Wobei billig nicht immer spartanisch und teuer gemütlich bedeutet. Die größeren Hytten erreichen locker Hotelzimmerpreise und waren daher nicht für uns erschwinglich.
Maut:

In Norwegen gibt es vielfältige Mautsysteme, sowohl private als auch öffentliche. Die privaten sind mehr oder weniger gut ausgestattete Stationen und die Maut ist im Normalfall erschwinglich. Ob man zahlt hängt von der Station ab und davon wie ehrlich man ist. Bei abgelegenen Straßen besteht vermutlich kaum die Chance, dass man als Mautpreller erwischt wird. Allerdings sollte man sich auch immer im Klaren darüber sein, dass diese Straßen unterhalten werden müssen. Abgesehen vom Peer Gynt Veg, an dem uns die elektrische Mautstation die Münzen trotz Quittung wieder ausgespuckt hat – was man eigentlich auch als gezahlt werten kann -, haben wir jedenfalls immer die Maut entrichtet.

Etwas komplizierter wird es mit den öffentlichen Mautstationen. Wer länger in Norwegen ist, sollte sich eine AutoPass-Konsole zulegen, mit der elektronisch die Maut erfasst und abgerechnet wird. Solch ein Gerät lohnt sich für den normalen Urlauber allerdings nur bedingt, so dass man bei den Mautstationen die Tore für den Münzschalter oder ein mit Kassenwart besetztes Häuschen ansteuert. An sich wäre die Sache damit erledigt, gäbe es seit neuestem nicht noch vollautomatische Mautstationen, bei denen man, ob man nun AutoPass hat oder nicht, einfach durchfährt. Wer ohne Konsole durch eine solche Station fährt, kann bei Tankstellen in der Nähe (sind auf Infotafeln am Straßenrand verzeichnet) zahlen. Dazu hat man drei Tage Zeit und muss neben seinem Nummernschild noch die Zeit der Durchfahrt angeben. Macht man dies nicht, kommt die dritte Zahlungsvariante, die einen ein paar Monate nach dem Urlaub in Form einer Rechnung wieder einholt (ich warte immer noch drauf, alle Mautrechnungen haben wir nämlich garantiert nicht an Tankstellen beglichen). Man spart sich dabei zwar das genaue Nachzählen der Mautstellen, allerdings kostet eine Überweisung nach Norwegen rund zehn Euro (macht zum Gesamtpreis des Urlaubs allerdings auch nichts mehr)
Routenplanung:

In den ersten Tagen wird man schnell feststellen, dass 100km nicht gleich 100km sind. Norwegen besitzt praktisch keine Autobahnen und die Höchstgeschwindigkeit beträgt im Normalfall 80km/h, oftmals auch nur 60, ob man diese dann auch fahren kann, ist nochmals etwas völlig anderes. Ist man das Vorankommen von deutschen Straßen gewohnt, merkt man sehr bald, dass man in Norwegen langsamer unterwegs ist. Dies muss man sich bei der Tagesplanung immer bewusst sein. Fährt man einfach drauf los, spielt es zwar keine Rolle, wenn man sich zeitlich verkalkuliert, hat man jedoch eine Hytte für mehrer Tage gemietet, muss man halt auch wieder zurück. Da es, zumindest im August, genügend Hytten gibt, sollte man daher auch nur jeweils für eine Nacht mieten.
Gerade im Fjordland kommen zu den langen Strecken und den speziellen Straßen auch noch Fähren, die Zeit in Anspruch nehmen. Die Fähren im Landesinneren fahren regelmäßig, so dass man kaum länger als eine halbe Stunde warten muss und sind preislich meist erschwinglich. Für Auto mit Fahrer und einem Beifahrer haben wir meist um die 100 NOK bezahlt (ca. 12€). Die Alternative wären lange Umwege oder Tunnelstraßen bzw. Brücken, die dann wieder Maut kosten. Zudem haben Fähren den Vorteil, dass man zu einer Pause „gezwungen“ wird, was auch immer recht erholsam ist.
Allgemeine Straßeninfos:

Norwegische Straßen sind in der Regel in recht gutem Zustand, allerdings oftmals sehr eng. Eine normale deutsche Einbahnstraße ist breiter als ein Großteil der norwegischen Straßen. Mittelstriche sucht man daher oftmals vergeblich. Dafür findet man umso öfter Schafe, die es sich auf der Straße gemütlich gemacht haben, alternativ können es auch mal Kühe sein, die einem in perfekter Formation entgegenkommen. Das Tempolimit hat also seinen Sinn. Ansonsten ist kein großer Unterschied zum Fahren in Deutschland. Das Abblendlicht muss an und die Vorliebe für zweispurige Kreisverkehre ist unübersehbar, aber ansonsten gibt es keine Große Umstellung. Wer sich also von einem Linksabbiegerpfeil bei der Einfahrt in einen Kreisverkehr nicht verwirren lässt und Fahrpraxis besitzt, der sollte zurecht kommen.
Wenn der Magen knurrt:

Wer eine Tour wie wir fährt, der braucht zumindest für morgens und abends essen. Mittags kann man meist bei irgendwelchen Imbissstellen, Selbstbedienungsrestaurants oder ähnlichem Essen, doch in den Hytten gibt es so etwas im Normalfall nicht. Auch noch die kleinste und spartanischste Hytte war mit einer Kochplatte ausgestattet, so dass man sich Dosen warm machen kann. Geschirr muss allerdings oft genug gestellt werden, gehört also unbedingt ins Reisegepäck. Wir haben diese Möglichkeit zwar ab und an genutzt, uns aber meist mit Brot, Wurst und Honig begnügt. Doch auch hier lauern Schwierigkeiten, die es zu umschiffen gilt. Zunächst einmal ist, abgesehen vom Brot, alles ein wenig teurer als bei uns (die bereits angesprochene Umrechnung mal zwei). Dann ist etwas, das wie Nutella aussieht, nicht unbedingt Nutella, sondern eine caramellisierte Zuckerpampe, die in Norwegen meinetwegen beliebt ist, für uns allerdings nahezu ungenießbar war. Zweitens ist Dauerwurst eher schwer zu bekommen (für eine Kühltasche reichte der Platz im Auto nicht mehr). Jedenfalls waren wir froh, als wir eine große, schon im Laden ungekühlte Wurst, salamiartigen Erscheinungsbildes aufgetrieben hatten. Die Betonung dieses Satzes liegt auf salamiARTIG, man sollte nämlich lesen was man sich da in den Wagen legt. Die Mischung aus Schafsherzen, Schweinezunge und Pferd war jedenfalls recht geruchsintensiv und geschmacklich recht ungewohnt, entfaltete allerdings mit der Zeit eine nicht erwartete Gewöhnung. Am Ende ist man also doch noch auf den Geschmack kommen (und das lag nicht nur am Preis von über zehn Euro;-).
Fähren:

Fähren benutzten wir in den knapp drei Wochen insgesamt elf Mal. Die innernorwegischen ersetzen im Fjordland teure Brücken und Tunnel und sind dementsprechend Teil der Straße. Die Preise sind ok, der Fahrplan regelmäßig. Lange warten mussten wir selten, man sollte allerdings erst gegen zehn Uhr am Anleger sein, davor fahren in abgelegenen Gegenden die Schiffe noch nicht. Das Benutzen der Fähren ist recht simpel, gezahlt wird entweder vor dem Auffahren oder, vor allem bei den etwas größeren, an Bord. An Bord gibt es in der Regel ein Bistro oder ein kleines Restaurant und die einzige „böse“ Überraschung war die winzige Fähre hinüber nach Urnes, auf die verkehrt herum hinaufgefahren werden musste.

Die interessanteren Fähren sind die, um nach Norwegen zu gelangen. Wie bereits recht am Anfang erwähnt, gibt es sehr viele solcher Fähren zwischen Deutschland und Skandinavien. Ein Patentrezept für die Auswahl gibt es nicht, welche man nimmt, muss man von den individuellen Plänen abhängig machen. Für die Rückreise spielten für uns vor allem zwei Punkte eine wichtige Rolle. Zum einen wollten wir ja noch auf den Preikestol und wussten, dass da Wetter erst in einigen Tagen besser werden sollte. Da wir einen bestimmten Rückreisetag ins Auge gefasst hatten, mussten wir nur noch zwischen Stavanger und Kristiansand als Starthafen wählen, alles andere hätten wir ohnehin nicht mehr erreicht. Der zweite Punkt war dann die Fahrtzeit. Von Kristiansand fahren zwar täglich zwei Fähren ab, allerdings nur zu Zeiten, die eine Übernachtung in Dänemark oder Deutschland notwendig gemacht hätten. Weder 19:00, noch 12:00 Ankunftszeit in Hirtshals wären für die Durchfahrt geeinigt. Von Stavanger läuft zwar nur zwei Mal die Woche ein Schiff aus und die Fahrt ist mit zwölf Stunden deutlich länger und teurer als die dreistündige Überfahrt von Kristiansand, doch wenn man morgens gegen 8:00 anlegt, kann man sich die Fahrt in einem Rutsch vornehmen.

Allerdings sollte man eines unbedingt beachten: Ein Platz an Bord ist nur nach vorheriger Buchung sicher. Auf gut Glück am Hafen zu stehen, kann besonders in der Hochsaison einige Tage warten bedeuten. Da viele Hytten Wireless Lan anbieten, empfiehlt es sich also einen Laptop mitzunehmen und sobald man abschätzen kann wann man von wo aus fahren will, zu buchen.
Finanzen:

Für eine Onlinebuchung ist dann natürlich eine Kreditkarte notwendig, die allerdings auch sonst im Land nicht schadet. Es gab Parkscheinautomaten, die nur mit einer solchen funktionierten und auch das Tanken geht in abgelegenen Regionen teilweise nur mit Kreditkarte. Ansonsten ist die übliche Währung die Norwegische Krone, in Touristenhochburgen kann man aber auch schon mal mit den anderen skandinavischen Währungen, Euro, Dollar, Pfund, Yen oder Rubel zahlen.

KURIOSES, ERLEBNISSE UND SONSTIGE FESTSTELLUNGEN

LKWs:
Aus Deutschland kennt man es, man fährt zügig eine Straße entlang und dann taucht das Übel in Form eines Lastwagens vor einem auf. Langsam, schlecht zu überholen und schlichtweg ein unliebsames Verkehrshindernis. Zugegeben, das gibt es natürlich auch in Norwegen, allerdings haben wir nur zwei Mal einen langsamen Lastwagen vor uns gehabt, ansonsten legen die ein ziemliches Tempo vor und scheuchen einen fast schon die Pässe hinauf. Keine Ahnung ob die einen stärkeren Motor eingebaut haben, jedenfalls lag es nicht nur am reduzierten Tempolimit. Fast jeder Lastwagen in Norwegen war den Berg hoch schneller wie die deutschen auf ebener Strecke.
Und die Steigerung des Verkehrshindernisses ist ja bekanntlich der Traktor. Kann man in Deutschland ind der Regel noch gut überholen, fällt das bei einer sehr kurvenreichen Straße nicht mehr ganz so leicht und bei Gespannen ist die Sache ungleich schwerer. Nun sind Traktoren in Norwegen auch nicht viel schneller als in Deutschland, allerdings hat jeder – und das waren einige – in Regelmäßigen Abständen am Straßenrand angehalten um den Verkehr vorbei zu lassen. An dieser Stelle also ein großes Lob an die norwegischen Landwirte, da bin ich aus Deutschland ganz anderes gewohnt, da wird notfalls auch eine vielbefahrene Autobahnumleitung praktisch lahmgelegt ohne mit der Wimper zu zucken.

Ja wo sammer denn?
Wenn man Norwegisch lernt, dann will man es auch anwenden und wo geht das besser als in Norwegen – sollte man meinen. Da packt man sein Norwegisch raus, versucht eine Hytte zu mieten und erhält als Antwort: „Sorry, I only speak english“. Aber meistens gelang es ganz gut, in wenigen Fällen war es auch notwendig (Faustregel: Je billiger die Hytte, umso eher kann die umso ältere Vermieterin nur Norwegisch). Erreicht haben wir jedenfalls alles, egal ob es Fragen zum Campingplatz, oder das Ausdrucken der Onlinebestätigung der Fährenbuchung. Letzteres war gar nicht so einfach, wenn man es mit jemandem zu tun hat, der von Computern null Ahnung hat und wirklich nur Norwegisch spricht, denn da fehlte mir dann wirklich das Vokabular;-)

Norwegisches Baustellenmanagement:
Alternativ kann man es auch als norwegische Arbeitsbeschaffungsmaßnahme bezeichnen. Aus der Schweiz kannte ich bereits das Berufsbild des Baustellenamplers, also jemandem, der die Autos am Anfang einer Baustelle anhält. Die Norweger haben dieses System perfektioniert und noch das Follow-Me-Wägelchen aus dem Flughafen dazugenommen. Zugegeben, bei kilometerlangen Baustellen mit mehreren Haarnadelkurven, die folglich nicht einsehbar sind, hat das ganze seinen Sinn, aber im ersten Moment kommt es einem schon absurd vor hinter so einem Karren herzuzuckeln.

SEHENSWÜRDIGE SEHENSWÜRDIGKEITEN

Sehenswürdig ist natürlich noch mehr, hier kommt aber meine Favoritenliste aus diesem Urlaub:

Preikestol
Mit Abstand die Krönung unseres Urlaubs. Das 600m hohe Felsplateau über dem Lysfjord in der Nähe Stavangers bietet all das, was Fjordnorwegen so besonders macht. Wilde, raue Natur, ungezähmte Naturgewalten und ein Ausblick, der seines gleichen sucht. Der Aufstieg vom Parkplatz ist anstrengend und nicht ganz einfach, so dass ich zu festem Schuhwerk rate. Turnschuhe gehen zwar auch, aber die sind später eventuell ruiniert. Um den Schwierigkeitsgrad des Aufstiegs noch zu erhöhen, kann der Aufstieg mit eingegipstem und am Körper fixiertem Arm absolviert werden oder einer Kletterpartie mit Säugling auf dem Rücken begonnen werden. Wer das jetzt für eine schlechte Satire hält, den muss ich leider enttäuschen, wir haben’s mit eigenen Augen gesehen. Beides muss zumindest verdammt anstrengend sein – zurück muss man ja auch wieder -, aus meiner Sicht allerdings auch ziemlich riskant.
Aber wer fit und gesund ist, der sollte den Aufstieg bei schönem Wetter auf jeden Fall in Angriff nehmen. Auch mit kleineren Kindern ist die Wanderung gut möglich, dauert dann eben etwas länger als die 1,5 Stunden, die wir einfach unterwegs waren. Auf dem Preikestol kann man dann ein gemütliches Picknick veranstalten und dabei die Fjordlandschaft bestaunen.

Geiranger
Eine Bootstour auf dem Geiranger ist eigentlich Pflicht. Hier wird einem bildlich vor Augen geführt, wie hart das frühere Leben in Norwegen war. Wenn man sich vorstellt, wie die abgelegenen Höfe früher bewirtschaftet wurden, welche Anstrengungen notwendig waren, um sich das Notwendige zum Leben von der Natur abzutrotzen, dann ist man wahrlich froh, in der heutigen Zeit zu leben.

Jotunheim
Jotunheim ist mehr als nur der Nationalpark. Jotunheim ist die alpine Region Norwegens mit allem was dazugehört. Im Sommer sicherlich deutlich ruhiger als im Winter, doch auch in der „warmen“ Jahreszeit finden sich viele Urlauber ein. Zwischen den größeren Touristenmagneten bleibt allerdings genügend Raum, um sich der Einsamkeit hinzugeben und sich den kalten Wind um die Ohren wehen zu lassen.

Oslo und ein paar andere Städte
Mit allzu hohen Erwartungen sollte man eigentlich in die wenigsten norwegischen Städte gehen, sonst wird man meist enttäuscht. Doch nach Norwegen fährt man auch nicht, um sich die Architektur von Großstädten zu Gemüte zu führen. Ein paar Städte und Ortschaften sollte man sich dennoch auf di Liste setzen. Dazu gehört sicherlich Oslo, erst recht wenn man sich für Museen begeistern kann.
Ansonsten gefielen mir das alte Kathedralenviertel von Hamar, das weiße Stavanger und vor allem Ålesund, das sowohl architektonisch als auch von der landschaftlichen Lage überzeugen kann.

FAZIT

Was bleibt zu sagen? Norwegen ist immer eine Reise wert. Wer oftmals noch unberührte Natur erleben möchte, der ist in diesem Land absolut an der richtigen Adresse. Die Naturgewalten treten hier in einer Vielfalt auf, wie man sie selten sieht. Hochgebirge und Meer, oftmals nur durch wenige Kilometer getrennt. Karge steinige Hochplateaus und heideartige Ebenen auf der einen Seite, auf der anderen grüne, blühende Täler. Zudem ein sympathischer Menschenschlag und viel Tradition, von Stabkirchen hin zu alten Höfen und Grabfeldern. Allerdings gibt es auch das moderne Norwegen, angetrieben vom Öl. Und auch wenn man im Landesinneren nicht direkt etwas von der Ölindustrie sieht, am Preisniveau merkt man den Wohlstand des Landes mehr als deutlich. Doch die Kosten eines solchen Urlaubes sind eigentlich auch die einzigen wirklich negativen Seiten. Das Wetter spielt in drei Wochen immer mal wieder verrückt, hier ist dann eben gute Ausrüstung und notfalls ein paar Tage Geduld gefragt.

Letztendlich hat mich das Land schlichtweg fasziniert und ich werde sicherlich wiederkommen. Denn auch wenn wir einiges von Norwegen gesehen haben und weit über 6000km im Auto zurückgelegt haben, unser Wendepunkt Trondheim liegt in Richtung Norden gerade mal am ersten Drittel der Strecke zum Nordkap, es gibt also noch viel zu entdecken in diesem Land, das man einfach nur lieben kann - oder wie es am Anfang der Nationalhymne heißt:

Ja, vi elsker dette landet!.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
MarenF

MarenF

05.11.2011 17:14

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presscorpse

presscorpse

26.06.2011 15:11

Wahnsinn! BH! LG

Mogli2309

Mogli2309

19.06.2011 19:26

das waren viele Erinnerungen

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