Nordinsel allgemein

Erfahrungsbericht über

Nordinsel allgemein

Gesamtbewertung (20): Gesamtbewertung Nordinsel allgemein

 

Alle Nordinsel allgemein Testberichte

 Eigenen Erfahrungsbericht schreiben


 


Weltreise Teil 6: Neuseeland - Die Nordinsel (1)

5  11.04.2007

Pro:
Land und Leute .  .  .

Kontra:
sehr touristisch .  .  .

Empfehlenswert: Ja 

pocoloco26

Über sich:

Mitglied seit:23.01.2003

Erfahrungsberichte:17

Vertrauende:9

Diesen Bericht empfehlen auf Google+
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 44 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Wellington ist eine nette Stadt. Viel schoener als ich erwartet hatte. Eigentlich hatte ich mit einer ziemlich anonymen Stadt gerechnet, die nichts weiter als den Titel der Hauptstadt aufzuweisen hat. Aber weit gefehlt... Manchmal ist es fuer Laender nicht einfach, sich fuer eine Hauptstadt zu entscheiden. Neuseeland, das nahezu aus gleich grossen Inseln besteht, gehoert zu diesen Laendern. Schliesslich will keine der Inseln benachteiligt werden. Auf beiden Inseln leben insgesamt nur 3,5 Mio. Einwohner. Zwei Drittel davon leben jedoch auf der Nordinsel und davon wierderum die Haelfte in Auckland (oder wenn du willst, ein Drittel der Gesamtbevoelkerung). Auckland liegt aber ziemlich im Norden der Nordinsel. Das ist weit weg von der Suedinsel und man hat sich darum wohl lieber fuer Wellington entschieden. Wellington ist naemlich von allen Staedten die ganz im Sueden der Nordinsel liegen die groesste und so zur Hauptstadt geworden. (Ich frag mich gerade, ob du das alles wissen willst.) Wie auch immer, die Stadt hat einiges zu bieten. Das erfahre ich nur, weil ich entgegen meiner urspruenglichen Planung laenger bleibe. Da ich aber etwas zu sehr durch die Suedinsel gerast bin, muss ich mal ein paar Gaenge zurueckschalten. Mit Urlaub oder Erholung hat das wenig zu tun. Ich bin fast jeden Tag zwischen sieben oder acht aufgestanden und nur selten hab ich mal zwei Naechte im selben Bett gepennt.


Naja, in Wellington kann ich mich ein wenig erholen. Nie habe ich in einer Stadt von dieser Groesse mehr Cafes, Restaurants und Bars gesehen. Sie wechseln sich in den Strassen quasi ab. Die meisten haben dazu huebsche Balkons, die natuerlich als erstes besetzt werden. Am Wochenende ist es fast unmoeglich, hier einen Platz zu finden. Das Nachtleben ist legendaer. Da ich zufaellig an einem Wochenende da bin , bekomm ich das ganz gut mit. Einmal steh ich in einem Supermarkt vor einem Bierregal, als mich drei Maori anquatschen. Alle ungefaehr 2 Meter gross, baertig und bestimmt ueber 120 Kilo schwer. Richtige Brocken sind das. Koennten glatt Drillinge sein. Das glaub ich so lange bis ich deren Namen erfahre. Alle drei heissen Joe. Sie wollen von mir wissen, ob ich - der 'Boss' wie sie mich immer nennen - ihnen ein paar Bier durch die Kasse schleusen kann. Sie waeren erst 17 und da ist es noch nicht erlaubt. Ich wuerde wetten, dass keiner an der Kasse sie je nach einem Ausweis fragen wuerde. Die sehen aus wie Mitte dreissig...

Nach ein paar Tagen ist mein Hunger aufs Reisen wieder geweckt. Ich will weiter in den Norden. Aus der Stadt zu trampen ist jedoch nahezu unmoeglich. Ich fahr mit dem Zug nach Paraparaumu, der naechsten kleineren Stadt. Dort steh ich kaum an der

Bilder von Nordinsel allgemein
  • Nordinsel allgemein Bild 46008732 tb
  • Nordinsel allgemein Bild 46008769 tb
  • Nordinsel allgemein Bild 46008909 tb
  • Nordinsel allgemein Bild 46008967 tb
Nordinsel allgemein Bild 46008732 tb
Auf dem Vulkan...
Strasse als ein junge Kiwi haelt. Er hat ein Jahr in der Schweiz gelebt und spricht jetzt eine Art Deutsch. Wie kann man in der Schweiz Deutsch lernen wollen?? Ausserdem ist er U21-Handball-Nationalspieler. Dabei ist er hoechstens 1,70 m gross und hat die Beine eines Storches. Konnte mir natuerlich nicht die Frage verkneifen, ob er mit einem Storch gewettet hat. Naja, wahrscheinlich spielt hier kein Schwein Handball und man ist automatisch Nationalspieler.

Spaeter nehmen mich zwei Maori-Maedels mit. Falls du dir bei dem Wort Maori an dem Kopf kratzt: Das sind die Ureinwohner Neuseelands. Obwohl "Ur" ein bisschen uebertrieben ist. So lange sind sie auch noch nicht hier. Mit ihrem Tanzeinlagen haben sie aber schon Captain Cook gehoerig Angst eingejagt. Die Maedels fahren jedenfalls einen dicken Schlitten und fuerchten offensichtlich weder Tod noch Teufel. Sie geben richtig Gas. Dieser 'Ride' ist tatsaechlich ein Ritt. Die Musik ist laut und ich rede kein Wort mit ihnen. Ich hab nichts dagegen. Mal nicht die "Where do you come from?"-Frage. Ausserdem war ich letzte Nacht auf Tour und hab nur drei Stunden gepennt. Unglaublich, aber ich schlaf sogar bei dieser Tour ein. Irgendwann schmeissen mich die Maedels an einen Ort, zu dem ich gar nicht wollte raus.

Zum Glueck geht es schnell weiter. Ein Ehepaar erbarmt sich. Sie ist aus Schottland und er stellt mir tausend Fragen, auf die es keine Antworten gibt. So will er z. B. wissen was ein Haus in Deutschland kostet. Oder wieviel man in Deutschland verdient. Die beiden lassen mich an einem Dorf raus, das nicht kleiner sein kann. Ich steh an der Kreuzung und seh vielleicht eine Handvoll Haeuser. Hier hat glaub ich jemand die Zeit angehalten. Ich seh ueberhaupt keine Bewegung. Schon gar keine Autos. Irgendwann laeuft einer in Zeitlupe ueber die Strasse. Wenn hier auch keiner die Uhren angehalten hat, langsamer laufen sie auf jeden Fall. Nach knapp zehn Minuten kommt das erste Auto. Ich geb mein bestes Laecheln, aber er drueckt nur auf die Tube. Mist. Die naechsten drei Autos fahren immer in eine andere Richtung. Aus purer Langeweile mal ich mir ein grosses Schild aus meiner Mueslipackung: "Trust me, I'm german". Und es klappt tatsaechlich. Ein Ehepaar sieht, lacht und haelt. Die beiden sind nett und bringen mich direkt zu meinem Hostel in Turangi. Der Mann ist uebrigens seit kurzem auf Ahnenforschung. Erst kuerzlich hat er rausgefunden, dass seine Urgrossmutter aus Deutschland kommt. Die sucht er jetzt und fragt mich, ob ich den Namen 'Meyer' schon mal gehoert habe...

In Turangi ist nicht viel los. Die Stadt lebt von der Naehe zum Tongariro Nationalpark. Aeusserst beliebt ist da vor allem das 'Tongariro Crossing': Ein Daywalk (Tagesspaziergang klingt nicht so cool) durch die Highlights des Nationalparks. Ich will das auch machen. Genau wie die taeglich etwa 300 anderen Touristen auch. Die Aussichten auf diesem Track sind wirklich umwerfend. Zuerst sieht man nur diesen riesigen Vulkan vor sich. Da soll es raufgehen?? Kaum zu glauben, dass ich da oben in wenigen Stunden stehen soll. Kein Wunder, dass einige Abschnitte ganz schoen steil sind. Mir geht die Pumpe wie nie zuvor. Wahrscheinlich auch, weil ich mich einem Typen an die Fersen geheftet hab, der den Berg nur so hochspringt. Irgendwann bin ich voll platt und lass ihn ziehen. Spaetestens aber nach dem ersten richtigen Anstieg entschaedigt die Aussicht fuer alle Anstrengungen. Auf Wolkenhoehe kann man unendlich weit ins Land schauen.

Spaeter gehts durch riesige, schlafende Krater. Von ganz oben winkt schliesslich die Aussicht auf kleine esmerald-gruene Kraterseen. Bei einigen Kratern dampft es ganz schoen. Das stinkt erbaermlich nach Schwefel. Ein Typ sieht wie ich mein Gesicht verzieh als wuerde ich in eine Zitrone beissen und sagt: "It wasn't me!" 10 Minuten spaeter lauf ich ihm wieder ueber den Weg. Wieder stinkt es, wieder verzieh ich mein Gesicht und wieder hoer ich "It wasn't me!" Haha. Wahrscheinlich erzaehlt er jedem diesen Witz und weiss gar nicht mehr, wem er ihn schon alles erzaehlt hat, so dass einige zweimal herhalten muessen. Von nun geht's fast nur noch bergab. Durch das ganze Geroell rutscht man bei jedem Schritt einen Meter tiefer. So kann man schoen den Moon-walk ueben. Nach einigen Stunden gehts dann wieder in den Wald. Das war's dann mit der Aussicht. Dafuer ist es schoen schattig und erfrischend. Die letzten zwei Stunden sind eigentlich nur noch Stufen. Irgendwann fliegen einem die Knie foermlich auseinander. Nicht gerade ein Vergnuegen fuer kaputte Fussballerknie. Erst recht nicht nach 18 Kilometern und mehr als 1000 Metern Hoehenunterschied.

Insgesamt ist es aber echt ein schoener Track. "Leider" seh ich das nicht alleine so und es ist dementsprechend viel los. Zum Glueck hatte ich aber wirklich schoenes Wetter. Ein Kumpel ist einen Tag spaeter gelaufen und hat nichts gesehen. Das ist dann wirklich aetzend. Die Erwartungen sind gross und koennen bei schlechtem Wetter einfach nicht erfuellt werden. Man zahlt fuer alles, man quaelt sich hoch und wieder runter und hat nichts davon. Zudem ist es dann auch richtig gefaehrlich.


Am naechsten Morgen fruehstuecke ich mit einem Maedel aus Ganderkese. Hab leider ihren Namen vergessen. Danach fahr ich mit Ryan nach Taupo. Ryan kommt aus Anchorage in Alaska und entspricht so gar nicht dem Stereotypen eines US-Amerikaners. Er ist weltoffen, verstaendnisvoll und kann zuhoeren. In Taupo findet sich in meinem Hostelzimmer eine bunte Truppe zusammen: Ein Brasilianer, eine Norwegerin, ein Englaender, ein Argentinier, ein Belgier und ich. Alle sind auf eigene Faust unterwegs. Bis auf den Englaender machen alle sogar eine Weltreise. Und bis auf den Englaender sind alle schon ganz gut in der Welt rumgekommen und sprechen mindestens drei Sprachen. Ausserdem sind alle ziemlich fussballverrueckt. Auch der Englaender. Jeder redet mit jedem ueber irgendwelche fernen Laender. Die Sprachen springen nur so durch den Raum. Und auch wenn vielleicht am meisten Englisch gesprochen wird, so kann der Englaender am wenigsten mitreden. Er laechelt die meiste Zeit ueber diese turbulente Runde. Das schlechteste Englisch spricht uebrigens der Brasilianer. Er ist Englischlehrer.

Ach, es ist einfach herrlich mit denen zu plaudern. Bis tief in die Nacht diskutieren wir ueber "Vor- und Nachteile" verschiedener Laender. Ausserdem koennen wir uns letztlich doch noch auf die Austragungsorte der Fussballweltmeisterschaft bis ins Jahr 2022 einigen. Am naechsten Morgen rede ich kurze mit dem Englaender. Er erzaehlt mir, dass er in der letzen Nacht beschlossen hat, in Zukunft mehr zu reisen und mindestens eine Fremdsprache zu lernen...

In Taupo will ich einen Skydive machen. Aus 12 000 Fuss. Hier soll es so guenstig sein wie nirgendwo. Einen Skydive finde ich laengst nicht so schlimm wie einen Bungeejump. Beim Skydive bin ich so weit oben, dass ich den Boden gar nicht mehr seh. Ausserdem hab ich noch jemanden direkt hinter aus dem mir. Erst zum aus dem Flieger schubsen und dann zum Haendchen halten. Am Mittag werde ich abgeholt. Man erklaert mir kurz meine Rechte und was neben dem Tod noch alles passieren kann. Mein Puls und mein Herz gehen in unterschiedlich Richtungen, wenn du verstehst was ich meine. Wir kommen beim Flughafen an und ich seh den kleinen Flieger. Und dann, nachdem ich noch gewogen wurde, werden urploetzlich alle Spruenge gecancelt. Weil die Wolken auf einmal zugezogen sind. Ich weiss nicht, ob ich mich freuen oder aergern soll. Ich werde auf den Nachmittag vertroestet. Am Nachmittag dann auf den naechsten Morgen. Mann! Ich will nicht meine letzte Neuseeland-Woche auf einen Skydive warten. So faellt das Springen aus. Stattsdessen leih ich mir ein Mountainbike und rase wie ein Irrer durch die Gegend. Es gibt nicht viele Sportarten bei denen man sich so verausgaben kann wie beim Mountainbikefahren. Ich muss das Rad bis 20 Uhr wieder abgeben und deswegen maechtig auf die Tube druecken. Zwei Minuten vor Toreschluss komm ich an. Ich bin richtig platt und schlaf in der Nacht wie ein Stein...


Diesen Bericht empfehlen auf Google+
Sponsoren-Links
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
fabilanger

fabilanger

12.04.2007 11:58

Ich glaube ich hätte nen Lachanfall gekriegt, wenn der Typ mit dem "It wasn't me" mir das ins Gesciht gesagt hätte... ^^

benjaminrostock

benjaminrostock

11.04.2007 13:19

Wie immer !! Grüße aus Heidelberg

esp1

esp1

11.04.2007 12:42

nach neuseeland würde ich gerne im nächsten jahr fahren, hoffentlich klappt es. lg

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 2821 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"besonders hilfreich" von (5%):
  1. fabilanger
  2. benjaminrostock

"sehr hilfreich" von (95%):
  1. Leo56
  2. Tau-Bai-Bai
  3. hundeliebe02
und weiteren 39 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.