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Erfahrungsbericht

für New Orleans
Nächsten Bericht ansehen "New Orleans - Schinkengasse..."
5 Sterne irgendwie angenehm verrückt Bericht mit Bildern
265 von 265 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro faszinierende Stadt mit mediteranem Flair

Kontra Massentourismus, viel Nepp

Detailbewertung

Preis-/Leistungsverhältnis
Anbindung
Sehenswürdigkeiten
Sicherheit
Gastfreundlichkeit

Der Autor

pekru Seit 1 Mai 2000

bis auf weiters ciao-fern mehr

210 Mitglieder vertrauen mir

Bei meinen verschiedenen Touren durch die Vereinigten Staaten sind mir zwei Städte besonders in Erinnerung geblieben. Beide werde ich auf jeden Fall noch einmal besuchen, denn sie sind es wirklich wert. Nur zwei oder drei Tage vor Ort sind da viel zu wenig, um sie richtig für sich zu erschließen und zu erfassen.
Die eine, von der ich nach Jahr und Tag nach wie vor fasziniert bin ist Chicago, die andere New Orleans, die Stadt am Golf von Mexico liegt und durch die der Mississippi in zwei großen Schleifen fließt, kurz bevor er den Golf erreicht.


Dass, was es ausmacht!

Bevor wir nach New Orleans kamen, machten wir uns darüber Gedanken, warum allein die Nennung des Namens uns Europäern den Glanz in die Augen treibt! Ist es die Musik, die bewegte Geschichte oder die Lage am Golf?
Wahrscheinlich ist es eine Mischung von allem, und auf jeden Fall auch die Menschen, die diese Stadt bewohnen!

Um nicht gleich als Newbee aufzufallen muss man wissen, wie man den Namen dieser Stadt eigentlich ausspricht. Die Betonung liegt nämlich auf dem "O" und nicht auf der zweiten Silbe "leans". New Oooorleans (etwa wie awful) verbessert uns unser Busfahrer, bevor wir ihn verlassen. Auf jeden Fall sind wir in dieser Hinsicht jetzt gerüstet.


Ein wenig Hintergrundwissen!

New Orleans ist Louisianas größte Stadt, und war auch zunächst die Hauptstadt dieses Bundesstaates. Aufgrund der exponierten Lage am Golf, den damit verbundenen verschiedenen Flaggen die hier wehten, hielt man es für ratsam nach Baton Rouge umzuziehen und ist dort geblieben. Im Verlaufe der Zeit gaben Spanier, Engländer und Franzosen hier den Ton an. Erst Napoleon, der Geld für seine Kriege brauchte, verkaufte das für ihn so ferne Land für fünfzehn Millionen USD an die amerikanische Union. Damals eine unerhört hohe Summe.


The Big Easy

Unser Hotel liegt in der St. Charles Street, nur drei Blocks von der legendären Canal Street entfernt, welche die linke Grenze (vom Mississippi aus gesehen) eines besonderen Viertels ist. Die rechte Begrenzung wird durch die Esplanade Avenue gebildet. Dazwischen liegt das French Quarter. Wie bei vielen amerikanischen Städten verlaufen auch hier die Strassen schachbrettmusterartig, entweder in Nord/Süd- oder Ost/West-Richtung. Das macht es uns Touris leicht, uns zurecht zu finden.

Natürlich haben wir es uns trotz später Abkunft und nach langer Fahrt nicht nehmen lassen, noch die Canal Street zu überqueren. Auffällig ist dabei, dass die meisten Fußgänger ganz unamerikanisch völlig undiszipliniert sind. Ob die Ampel rot oder grün zeigt, so ziemlich jeder betritt die Straße wann und wo er / sie will, und die Autofahrer passen sich an. Irgendwann schließen wir uns dem allgemeinen Trend an.

Direkt auf der anderen Seite beginnt die Bourbon Street. Während es hier am Tage nie menschenleer, also immer etwas los ist, ohne zu übertreiben, Leute hier tobt am Abend das Leben.
Bei Temperaturen um die 35 Grad Celsius sind natürlich überall Fenster und Türen weit auf, und aus allen ist laute Musik zu hören. Irgendwie fühle ich mich an St. Pauli erinnert, denn vor fast jeder Kneipe stehen "Aufreißer", die die Vorzüge des dahinter liegenden Etablissements anpreisen. Allerdings fehlen die bezüglichen Damen in den Fenstern.

Wir finden unsere Kneipe und dort wird Life-Musik geboten. Für eine Cola (cirka 0,5 Liter inklusive eines gehörigen Schusses Rum), sowie vier Flaschen Bier (four for one) zahlen wir knapp 19 USD, was für die Location schon fast wieder billig erscheint.
Die Musik nimmt uns mit, aber schon nach etwa dreißig Minuten ist es vorbei. Die Band packt ihre Instrumente ein und zieht weiter. Übrigens eine Menge der Gäste ziehen mit. Kurz darauf treffen die nächsten Musiker ein und nach kurzem Soundcheck geht die Post ab.

Die Müdigkeit eines langen Tages holte uns ein. Beschwingt durch unsere neuen Erfahrungen erreichen wir bald unser Hotel.

Parallel zur Bourbon Street verläuft südlich davon die Royal Street. Dort haben wir uns am nächsten Vormittag um 09:30 Uhr im "the Court of two Sisters" zum Jazz Brunch verabredet. Das ist zwar nicht ganz billig, wir zahlen so um die 40 USD, dafür ist das Buffet jeden Cent wert. Unter kühlem Blätterdach, nahe einem plätschernden Springbrunnen, genießen wir vom Feinsten. Dabei biegen sich die Buffettische unter der Last von Flusskrebsen, BigShrimps, Salaten aller Art, Geflügel heiß und kalt, Eier in jeder Fasson, Cajun- und kreolische Spezialitäten und natürlich einem Extratisch mit süßem Kuchen und Nachtisch. Wer in den USA vernünftiges Brot vermisst hat, kann spätestens hier warmes Baguette-Brot genießen.
"All you can eat", begleitet von den Rhythmen der dreiköpfigen Jazzband. Dabei, steht man vor dem Lokal, läuft man fast daran vorbei. Nur ein kleines Schild weist auf das Lokal hin. Dabei gilt, wer hier ohne Reservierung ankommt, wird in den meisten Fällen keinen Platz finden.


French Quarter

Den ganzen Nachmittag durchstreifen wir dieses alte Stadtviertel dessen Straßennamen alle auf seinen französischen Ursprung hinweisen.
Fast alle Häuser sind sehr schön erhalten bzw. in Stand gesetzt. Da New Orleans im Bürgerkrieg ohne Kampf eingenommen worden war, reichen manche der Häuser bis in diese Zeit.

Während sich in der Dauphin Street Galerie an Galerie reiht, flippt meine Frau in der Royal Street förmlich aus. Hier findet man fast in jedem Haus ein Antiquitätengeschäft. Nur mühsam kann ich sie davon zurückhalten, jedes einzeln zu durchstöbern. Mit der Zusage, dass wir hier noch mal hinkommen, weiß ich sie fortzulotsen.

Die Menschen, die hier leben und arbeiten, sind von besonderer Art. Als man im letzten Jahrhundert das Viertel einreißen wollte, um eine Schnellstraße mit Brücke über den Mississippi zu bauen, da war man sich im Protest einig. Letztlich hatten sie Erfolg. Statt eines Abrisses wurde nun saniert.
Im Protest zwar einig, ist man in der Art zu leben und sich selbst zu darzustellen, so manches Mal schon sehr skurril dar.

Vom sicheren Platz aus, durch die offenen Fenstertüren eine Lokals, beobachten wir das Leben auf dem Platz vor der St. Louis Cathedral. Ein alter Mann mit einem bunten Narrenhut (die kann man hier überall kaufen) auf dem Kopf steigt auf einen Fußhocker und spritzt mit Wasserpistole die vorbeigehenden Passanten nass. Als ihn das Wasser ausgeht, packt er seinen Hocker unter den Arm und zieht, ohne auch nur ein Wort gesagt zu haben, wieder von dannen. Dabei würdigt er seine Umgebung offensichtlich keines Blickes. Leider ging das alles so schnell, dass ich noch nicht einmal ein Foto davon machen konnte.

Oder, zwei Männer führen an einer langen Leine eine Anzahl von Möpsen über den Platz. Während der erste nur voranschreitet, ist der hintere bemüht, während des Gehens das zu entsorgen, was die lieben Kleinen so fallen lassen. Einerseits ist das seine Pflicht, zum anderen wirkt sein Gehopse irgendwie grotesk.

Der Platz zwischen der Kathedrale und dem Jackson Square ist von kleinen Ständen besetzt. Hinter diesen bieten Frauen die Kunst des Hand- und Kartenlesens an, teilweise in verwegenen bunten Kleidern.

New Orleans ist als die Geburtsstätte des Jazz bekannt geworden. Bekannte Musiker wie Louis Armstrong, Buddy Olden, King Oliver und Sidney Bechet sind hier groß geworden. Ihre Musik kann man natürlich überall kaufen.
Da ist es nicht verwunderlich, dass am späten Nachmittag eine Brass Band für kleines Geld die Menschen erfreut.

Das French Quarter lernt man am besten zu Fuß oder mit der Pferdekutsche. Kennen wobei der Kutscher sich auch als Stadtführer betätigt. Die Preise hängen von der Größe der Kutsche ab. Je mehr Passagiere Platz haben, umso preiswerter ist es.

Allerdings ist auch Negatives zu berichten. An manchen Stellen stinkt das French Quarter zum Himmel. Die Ursache für den Gestank ist schnell gefunden, denn jeden Tag werden, nachdem die Müllabfuhr da war, die Tonnen und Container mit Wasser auf dem Gehsteig ausgespült und gereinigt. Das graue Schmutzwasser verdunstet in der Hitze oder versickert noch auf dem Bürgersteig. Teilweise, betritt man lockere Einzelsteine, schwappt es in den Fugen hoch. Und das ganze wiederholt sich jeden Tag, fünf Tage die Woche bei mehr als 30 Grad Celsius schon am frühen Vormittag! Meine Frau sagt, dass sie New Orleans allein am Geruch schon erkennen würde. Irgendwie unangenehm und unhygienisch, aber letztlich erträglich.


Eine Flussfahrt

Was macht man am Abend vor der Weiterfahrt? Nun, schon in Deutschland hatte ich eine sogenannte "Candlelightdinner-Fahrt" auf dem Mississippi auf einem der alten Schaufelraddampfer gebucht. Irgendwie hatte ich mir das sehr romantisch vorgestellt.
Leider holte mich die amerikanische Realität sehr schnell ein. Zwar gab es Candlelight, aber zum Dinner standen wir in einer Schlange am kalten Buffet an, dessen Qualität ich mit "gerade noch akzeptabel" bewertet habe. So ein wenig enttäuscht war ich da schon!
Die Fahrt ging fast drei Stunden den Mississippi rauf und runter, New Orleans bei Nacht vom Fluss aus. Bei einem Preis von fast 50 USD nicht wirklich empfehlenswert.


Fazit

Natürlich ist New Ooorleans absolut empfehlenswert. Es gibt wohl kaum eine Stadt in den USA, die uns Europäern sofort so vertraut zu sein scheint. Ebenso ist es mit den dort lebenden Menschen.

Für Leute, die gerne durch die Galerien und Antiquitätenläden ziehen, ist hier schlichtweg das Paradies!

Wer nur den Mississippi befahren will, der kann das hier auch unentgeltlich tun, denn vom Ufer des French Quarter's zur gegenüberliegenden nördlichen Seite verkehrt eine Fähre im Pendelverkehr.

Bevor wir diese Stadt verlassen, haben wir uns fest vorgenommen, hierher noch einmal zurück zu kommen.

Von mir fünf große Ciao Sterne!

Bilder

für New Orleans
Türschild "two Sisters"
von pekru pekru

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Kommentare

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  • Superhubert 08.12.2007 07:22
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • modschegibbchen 05.02.2007 11:50
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    habe beim lesen überlegt, dass du ja vor katrina dort warst und was wirst du dir gedacht haben als du in erinnerung an diese pulsierende, sehr sehenswerte stadt mit ihrem eigenen flair die bilder der vernichtung nach dem hurrikan gesehen hast... lg heike

  • zwecke79 21.01.2007 19:32
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Power-Surfer 12.08.2006 13:39
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • nicky82 06.07.2006 11:28
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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