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Erfahrungsbericht

für Neulandhalle, Kaiser Wilhelm Koog
5 Sterne Ein Ort mit Vergangenheit
137 von 137 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro viel Platz, günstige Unterkünfte, viel Natur

Kontra man muss sich vielleicht doch ein wenig mit der Vergangenheit auseinandersetzen

Detailbewertung

Preis-/Leistungsverhältnis
Anbindung
Sehenswürdigkeiten
Sicherheit
Gastfreundlichkeit

Der Autor

Sylviane Seit 17 Aug 2001

***beLIEve ***Vielen Dank für ALLE Bewertungen! Bitte nicht böse sein, wenn ich derzeit nicht in... mehr

557 Mitglieder vertrauen mir

Heute möchte ich gerne über die Neulandhalle bei Friedrichskoog berichten. Da sie etwas außerhalb liegt, habe ich sie mit der Ortsangabe Kaiser-Wilhelm-Koog als bekannten Koog in der Nähe eintragen lassen. Ganz genau ist sie aber eher im Dieksanderkoog beheimatet, der in den Kaiser-Wilhelm-Koog übergeht. Doch der bekannteste Ort in der Nähe ist Friedrichskoog, ein bekanntes Feriendomizil. Die anderen Köge bestechen eher durch ihre Einsamkeit und die wenigen Häuser, die man dort finden kann, dafür aber Natur pur. Doch nun weiter zur Neulandhalle.

Bekanntschaft habe ich schon im vergangenen Jahr mit der Neulandhalle machen können. Dann hat dort nämlich mein Ältester seine Konfirmandenfahrt dorthin unternommen. Die Neulandhalle ist heute im Besitz der evangelischen Kirchen und daher eben auch bevorzugtes Ziel für die angehenden Konfirmanden. Im vergangenen Jahr habe ich aber nur davon gehört und die Erfahrungen meines Sohnes geschildert bekommen. In diesem Jahr war es anders. Dieses Mal war es nun mein jüngerer Sohn, der mit der Kirche in die Neulandhalle fahren sollte. Da Fahrgemeinschaften gebildet werden sollten, erklärten wir uns in diesem Jahr auch bereit, die Kinder dorthin zu fahren, da wir ja über ein entsprechend großes Auto verfügen und so einige Kinder transportieren können. So kam ich dann auch einmal in den Genuss genaue Einblicke in die Neulandhalle werfen zu können.

Neulandhalle. Unter dem Begriff hatte ich mir irgendwie ein modernes Gebäude mit viel Glas vorgestellt, vielleicht einer großen Turnhalle noch anbei, die den Bedürfnissen der Kinder von heute gerecht werden könnte. Nun fuhren wir also im Konvoi mit den anderen Eltern zur Neulandhalle und waren glatt drauf und dran vorbeizufahren, denn mit unseren Vorstellungen hatte dieses Haus nichts gemeinsam. Es war ein eher altes Haus, das auf einem kleinen Hügel stand. Parkähnlich erstreckte sich der Garten hinter dem Haus und dort sah man Zelthäuser neben einem großen Sport- und Freizeitbereich stehen.

Informationen zur Neulandhalle:
Nachdem wir nun unseren Kevin dort abgegeben hatten, besuchten wir Schwiegereltern und ich erhielt von Schwiegervater einige interessante Informationen über die Neulandhalle. Inzwischen im Kirchenbesitz war die Neulandhalle ein Bauwerk, das an nicht ganz so schöne Zeiten erinnerte. Unter Adolf Hitler war das Gebäude damals entstanden und zwar im so genannten Adolf-Hitler-Koog, der nun der Dieksanderkoog ist. Ein wenig befremdlich wirkte diese Feststellung auf mich. Doch ich ließ mir weiter erzählen, was es mit der Neulandhalle zu damaligen Zeiten auf sich hatte.
1935 wurde das Gebäude gebaut. Es galt als Gemeinschaftshaus für die dort angesiedelten Landwirte und diente zu nationalsozialistischen Schulungen. Das Bauwerk sollte damals beeindrucken und erfurchterheben. So war der Eingang eng und dunkel gebaut, um dann in einer Halle zu enden, die mit Malereien und Sinnsprüchen sich erhob, die in plattdeutsch gehalten waren, eben der Sprache der hiesigen Bauern. Schwiegervater erzählte von prächtigen Wandbildern, die die Bauern unter anderem bei der Arbeit zeigen sollten, doch dieses ist inzwischen natürlich alles verschwunden und an den Nationalsozialismus erinnert hier nichts mehr, auch wenn das Haupthaus nahezu so erhalten geblieben ist von seiner Außenoptik her.
Nach der Hitlerzeit diente die Halle als Lazarett für Verletzte des Krieges. Dann war es mal eine Art Jugendherberge, mal ein Gasthaus. Inzwischen ist es wie gesagt seit 1972 in Kirchenbesitz.
Es gibt Legenden um die Neulandhalle. Kein Wunder bei der Vergangenheit, die das Gebäude aufweisen kann. So gibt es die Legende der verschwundenen Glocke des Glockenturms des Gebäudes. Einige behaupten, die Glocke liege noch heute unter einer Straße im Koog, ein anderer behauptet, sie ist eine Wanderglocke, die durch die Stallungen der hiesigen Landwirte ziehen soll und nie zur Ruhe kommen. Fakt ist, die Glocke von einst, die zu Hitlers Zeiten läutete, ist verschwunden und wird nie wieder wie einst ihren Ton verlauten lassen. Ein Erlebnis, das wir auch nicht unbedingt missen werden.

Eine weitere Geschichte wusste Schwiegervater von der Neulandhalle zu berichten. Denn ein solches Gebäude mit der Vergangenheit zieht Geschichten einfach an und die werden in der Umgebung dann bekannt. So heißt es, dass in den Säulen der Neulandhalle eine Kassette eingearbeitet war mit unbekanntem Inhalt. Es handelte sich um eine so genannte Grundsteinkassette. Was der Inhalt dieser Kassette war, weiß niemand. Und es wird auch niemand mehr herausfinden. Ein Täter konnte nie ermittelt werden, aber mit der Kassette ist wieder ein Stück der unschönen Vergangenheit verloren gegangen und ein neuer Geist konnte in die Neulandhalle einziehen und das hat er mit dem kirchlichen Träger dann auch grundlegend getan. So wechselte die Neulandhalle ihre Bestimmung der so genannten Anti-Kirche Hitlers zum Ferienlager für heutige Christen.

Seit 1973 ist die Neulandhalle nun ihrer Bestimmung nach eingeweiht und bietet den Besuchern Erholung für Leib und Seele.

Gäste:
Im Haupthaus der Neulandhalle können bis zu 36 Personen untergebracht werden. Ebenso befinden sich im Haupthaus die Küche und die Speisesäle.
Im Freizeithaus können 28 Personen untergebracht werden.
In den Zelthäusern auf dem weitläufigen Gelände können dann noch einmal bis zu 36 Personen untergebracht werden. So können insgesamt 100 Menschen in der Neulandhalle Platz finden. Da die Objekte, Zelthaus, Haupthaus und Freizeithaus getrennt von einander eingenommen werden können, gibt es also auch die Chance verschiedene Gruppen unanhängig von einander zu bewirten.

Meine Eindrücke:
Mein Sohn war mit seiner Gruppe im Freizeithaus untergebracht. Das war ein großes Gebäude mit verschiedenen Schlafeinheiten, die in eine Art Zeltdach gipfelten. Ein großer Gemeinschaftsraum für gemeinsames Arbeiten oder Vergnügen war gegeben. Die Schlafräume aber waren in den nett anmutenden Zeltdachbereichen des Hauses, die dem Ganzen eine tolle Optik verliehen. Die Zimmer waren für jeweils 6 Personen ausgerichtet, die im unteren Bereich in Etagenbetten nächtigen konnten. Oben konnten dann noch zwei Personen in der Spitze des Daches schlafen. Ein beliebter Schlafplatz für die Kinder, den jedes Kind gerne belegt hätte. Doch einem Streit darum wird clever vorgebeugt, in dem zwei Freiwillige für eine unbekannte Aufgabe gesucht werden... Clever, clever.
Es gibt noch weitere Schlafabteilungen dieser Art in dem Haus. Dann gibt es einen Waschraum und Zimmer für das Begleitpersonal.
Die Einrichtung mit Bett, Schrank und Tisch und Stuhl ist zweckmäßig, aber nicht hässlich. Die tolle Bauweise des Hauses macht Lust auf das campieren darinnen. Ich war begeistert, meinen Sohn hier zu wissen und ahnte, dass er eine Menge Spaß haben würde.
Des weiteren habe ich mir die Zeltdachhäuser im hinteren Bereich des Geländes angesehen. Sie stehen am äußersten Punkt des Grundstückes und bilden somit wirklich die Möglichkeit einer separaten Gruppe. Ein großer Spiel und Sportplatz trennte diese Zeltdachhäuser von dem Freizeithaus und auch vom Haupthaus. Hier gab es vier kleinere Häuser wie mir schien und ein Gemeinschaftshaus. Eine Feuerstätte befand sich in der Mitte der Zelthäuser. Dieser Bereich war sehr interessant und ansprechend. Abenteuer pur in gewisser Weise für den verwöhnten Stadtmenschen.Spielplatz/Sportplatzberei​ch:
Unter einem großen hölzernen Kreuz fand man dann den Spiel und Sportbereich vor. Fußballtore ließen auf die Möglichkeit zum Fußballspielen schließen und auch anderen sportliche Aktivitäten konnte man hier nachgehen. Alles war sauber, gepflegt und in gutem Zustand.

Was kann man alles von der Neulandhalle aus unternehmen:
Da meine beiden Söhne ihren Ausflug dorthin im September gemacht haben und leider beide Male das Wetter nicht ganz so mitspielte, konnten meine Söhne wenig an Programm erfüllen. So haben beide einen Ausflug in die nahe Seehundstation von Friedrichskoog unternommen, sind mit dem Rad gefahren und haben sich ansonsten viel auf dem Gelände aufgehalten.
Im Sommer bietet sich aber ein Ausflug an den Deich von Friedrichskoog an mit seinen Badestellen. Weiter kann man herrliche Ausflüge nach Brunsbüttel von dort aus machen oder aber auch etwas weiter ins Landesinnere nach Meldorf oder Heide, der Kreisstadt fahren. Wer aber am Meer bleiben will, kann sich Friedrichskoog als Ziel nehmen. Hier ist immer etwas los, besonders am Wochenende gibt es hier viele Gelegenheiten zum Besuch eines Flohmarktes oder Fischmarktes, die sehr ansprechend sind.

Wie ist man untergebracht:
Für die Konfirmandenreise mussten meine Söhne selbst ihre Bettbezüge mitnehmen. Bettzeug ist vorhanden, aber die Bezüge nicht. Man kann sie sonst auch mieten gegen einen geringen Betrag, doch ich denke, das Mitnehmen ist eine geringe Mühe und so kann man das Geld einfach sparen.
Wie gesagt, mein Sohn war im Freizeithaus untergebracht. Hier haben sie genächtigt und ihre Besprechungen und Konfirmandenunterrichtsstunden abgehalten. Zum Essen ging man dann ins Haupthaus in den Speisesaal. Hier bekamen die Kinder nicht nur ihre Mahlzeit, sondern sie mussten auch kleinere Küchendienste erledigen. Vor den gedeckten Tisch setzte sich hier keiner ohne einen Handschlag zu tun. Eine wie ich finde durchaus gute Regelung, die das Arbeiten in der Gruppe stärkt.
Sie bekam im Haus sowohl Frühstück, Mittag und Abendessen.

Essen:
Das Essen war reichhaltig und auf die kindlichen Geschmäcker abgestimmt. Meine Söhne waren von den Gerichten begeistert und haben mir das Essen in den höchsten Tönen gelobt und geschildert.

Preise:
Die Preise können natürlich schwanken von Saison zu Saison. Daher kann ich meine Preise nur als Richtwert angeben. Mit einem Tag im Freizeithaus inklusive drei Mahlzeiten liegt man bei etwa 24 Euro für Kinder ab 7 Jahren. Ein Erwachsener zahlt knappe 27 Euro und kleinere Kinder zwischen 2 und 6 Jahren um die 19 Euro. Ich denke, das sind Tagespreise mit Vollpension, die sich sehen lassen können. Für diese Preise kann man in den meisten Fällen sonst nicht einmal essen gehen, wenn man sich für drei Mahlzeiten beköstigen will. Ich denke, da gibt es nichts zu klagen.

Sonstiges:
Für 3 Euro kann man sich pro Tag ein Fahrrad ausleihen, um die schönen Köge der Umgebung zu erkunden.

Parken:
Vor der Neulandhalle stehen Parkplätze zur Verfügung. Ebenso kann man seitlich bis ans Freizeithaus heranfahren, um dort gut ein- und ausladen zu können.

Gäste:
In erster Linie Konfirmandengruppen aus dem norddeutschen Bereich. Gerne aber auch Schulklassen und andere Gruppen.
Programme können auf Wunsch bei der Leitung der Neulandhalle erfragt und zusammengestellt werden.

Meine Meinung zu der Neulandhalle:
Wie gesagt, wir haben es hier mit einem geschichtsträchtigen Ort zu tun. Mich selbst hat es ein wenig befremdet, dass es sich um ein Bauwerk handelt, das einst aus Adolf Hitlers Beständen kam und sogar in einem Koog liegt, der einst seinen Namen trug. All dieses war mir bis dato unbekannt gewesen. Ein etwas merkwürdiges Gefühl im Magen, das ich nicht verleugnen kann, ließ mich denn nun einen Blick auf diese Stätte werfen. Und wie beschrieben erinnert nichts mehr an diese unglückselige Zeit lange vor meiner Geburt. Ich habe einen Ort gefunden, wo junge Menschen im Namen der Kirche zusammenkommen, die Spaß haben, etwas lernen und sich in der Gemeinschaft wohl fühlen.Nichts erinnert hier mehr an Naziparolen und ich muss auch zugeben, hätte mein Schwiegervater, der ja diesen schrecklichen Krieg noch als Kind mitgemacht hat, nichts von diesen Dingen erzählt, ich hätte es als zugezogene Dithmarscherin auch nicht gewusst. Ebenso wenig mein Mann. Das zeigt mir doch, dass die Geschichte verblasst und es zeigt mir auch, dass man Dinge aus dieser Zeit durchaus anders nutzen kann. Nun könnte doch wohl kaum ein Träger des Gebäudes andersgearteter sein als die Kirche. Die Kirche, die damals so verpönt gewesen ist. Sie ist Träger der heutigen Institution der Neulandhalle. Sie wagt es auf diesem Boden ihre Kinder in eine Freizeit zu schicken und ich muss sagen, meine Hochachtung dafür.
Meine Hochachtung dafür, dass hier der Mut gezeigt wird, dass diese schlimme Zeit vorbei ist und wir nach vorne schauen müssen. Und das tun wir wie die Medien heutzutage zeigen, gerade in diesen letzten Wochen, viel zu wenig. Daher habe ich nichts dagegen, wenn meine Kinder unter den Fittichen der Kirche in einem Freizeitcamp Ferien machen, das einst von Hitler gegründet und erricht wurde. Denn diese Zeit ist vorbei, das Gebäude steht noch, aber das ist auch alles. Ein neuer Zeitgeist ist eingekehrt und die Geschichte ist nicht vergessen, aber wohl doch verblasst mit den Jahren.

Fazit:
Daher gern alle Sterne von mir für die Neulandhalle bei Friedrichskoog. Sie ist heute eine kirchliche Einrichtung, über alles hinwegblickend, was sich einst dort abspielte und für mich ein Zeichen, dass das Gute über das Schreckliche gesiegt hat und zwar so stark, dass wir vor alten Gemäuern keine Angst mehr zu haben brauchen und sie zu unseren heutigen Bedürfnissen umfunktionieren, egal wer ihren Bau einst veranlasst hat.

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Kommentare

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  • togri 09.01.2008 09:15
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Hatma 27.12.2007 11:43
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • IchbinWinnetou1978 07.11.2007 11:21
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • jeffy1968 02.11.2007 14:02
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • ThN 01.11.2007 06:03
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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