Vor drei Jahren habe ich ein paar Tage Urlaub in Edinburgh verbracht. Ein Urlaub, von dem ich heute noch schwärme. Wer schon einmal in Prag war und begeistert war von der Altstadt, die man dort sehen kann - der muss wirklich mal nach Edinburgh. Traumhaft trifft es kaum. Es kommt eher einer Zeitreise gleich.
Aber heute soll es nicht um Edinburgh selber gehen, sondern um das Nationalmuseum. Und das ist unbedingt einen Besuch wert.
National Museums Schotland:
Unter dem Begriff National Museum of Scotland gibt insgesamt sechs Museen:
1. National War Museum
2. National Museum of Costume
3. National Museum of Rural Life
4. National Museum of Flight
5. National Museums Collection Centre
6. National Museum of Scotland.
Nr. 6 möchte ich heute vorstellen.
Wo finde ich es:
National Museum of Scotland
Chambers Street
Edinburgh EH1 1JF
Telefon: 0300 123 6789
Fax: 0131 220 4819
Website: http://www.nms.ac.uk
Das Museum befindet sich in der Altstadt Edinburghs (Old Town.) Von der Royal Mile sind es keine fünf Minuten zu Fuß bis zum Museum.
Öffnungszeiten:
Täglich von 10:00 – 17:00 Uhr
Eintrittspreis:
Wie in den meisten großen Museen in Großbritannien ist der Eintritt kostenlos.
Was gibt es alles zu sehen:
Das Museum ist in verschiedene Galerien aufgeteilt.
Grand Gallery:
Die Grand Gallery befindet sich im Erdgeschoss, in einem sonnendurchfluteten Atrium. In dieser Galerie finden sich hauptsächlich sehr große Ausstellungsstücke, vom Statuen über das Skelett eines Riesenelchs bis zu einem Theodolit (ein Vermessungsgerät).
Ich muss ehrlich zugeben, dass mich diese Galerie nicht so wirklich gefesselt hat.
Discoveries:
In dieser Galerie geht es um das „Erbe Schottlands“, d.h. um Dinge, die Schotten erfunden oder entdeckt haben. Aber auch um die, die nach Schottland gekommen sind, um Dinge zu lernen. So findet sich in dieser Galerie z.B. ein Portrait von Alexander Dalrymple. Noch nie gehört von dem Mann? Er war der erste Hydrographer des Marineministeriums. Unter anderem kann man auch noch ein assyrisches Relief sehen, dass dem Museum von Sir James Young Simpson gestiftet wurde. Was die Verbindung dieses Reliefs zu der Galerie ist? Sir James Young Simpson hat die Anwendung von Chloroform in der Medizin vorangetrieben. Und er war Schotte.
Ich muss ehrlich zugeben, dass ich auch durch diese Galerie ziemlich schnell durch war.
Window on the World:
Windows on the World zieht sich über insgesamt vier Stockwerke. Gezeigt wird hier ein Ausschnitt aus allen Bereichen, die im Museum gezeigt werden. Sozusagen als Blick in die Welt.
Scotland:
Das war meine Lieblingsgalerie, in der ich mehr Zeit verbracht habe, als in allen anderen Galerien zusammen. Hier geht es um die Geschichte Schottlands von den frühen Anfängen bis zur heutigen Zeit. Besonders angetan hatte es mir der Teil „Early People“. Ur- und Frühgeschichte ist eines meiner Steckenpferde und mein Schwerpunkt liegt dabei seit Jahren auf Großbritannien. Hier konnte ich endlich einen Teil der Objekte sehen, über die ich bisher nur gelesen hatte. Z.B. die Ballachulish Figur. Hierbei handelt es sich um die älteste menschliche Darstellung, die je in Schottland gefunden wurde (1.200 v. Christus). Wahrscheinlich wurde die Holzfigur als Opfer dargebracht. Oder die 5000 Jahre alten, geschnitzten Steinbälle, die in Aberdeenshire gefunden wurden.
Ich kann nicht alle Ausstellungsstücke aufzählen. Aber noch heute läuft mir ein kleiner, angenehmer Schauer über den Rücken, wenn ich an diese Galerie denke.
Natural World:
In dieser Galerie wird die Geschichte unseres Planeten beleuchtet. Außerdem wird neben den in Schottland wild lebenden Tiere auch die Diversität der Pflanzen- und Tierwelt weltweit beleuchtet. Für mich eine ganz interessante Galerie – aber nichts, was ich in anderen Museen nicht auch schon gesehen hätte.
World Cultures:
Hier werden unterschiedliche Kulturen unserer Welt beleuchtet. Es handelt sich wohl um einige der ältesten Ausstellungsstücke des Museums im Sinne von „die, die wir am längsten in unserem Besitz haben“. Ich fand auch diese Galerie ganz interessant, habe aber schon bessere Ausstellungen über dieses Thema in anderen Museen gesehen.
Science and Technology:
Das ist jetzt wirklich nicht so meins. Wir sind relativ schnell durch diese Galerie gegangen und nur bei einigen Ausstellungsstücken stehengeblieben. Interessant fand ich z.B. die Glasvitrinen mit den unterschiedlichen Telefonen. Es ist schon erstaunlich, wenn man vor Augen hat, wie sich das Telefonieren über die Jahre so entwickelt hat. Hat noch jemand in Erinnerung, wie die ersten Handis ausgesehen haben?
Art and Design:
Der interessanteste Teil dieser Galerie war für mich das alte Ägypten. Es geht doch nichts über mumifizierte Lebewesen *g* Ansonsten ging es unter anderem noch über die verschiedenen Stilepochen in Europa und die Entwicklung der Herstellungsweise von Skulpturen.
Ausstellungen:
Regelmäßig gibt es Sonderausstellungen im Museum. Im Moment läuft unter anderem eine über die Lewis-Schachfiguren. Diese Schachfiguren wurden vermutlich in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts in Norwegen hergestellt und 1831 auf der Isle of Lewis (Hebriden) gefunden. Elf der Figuren (insgesamt ist es ein Satz von 78 Figuren) gehören dem National Museum. In dieser Ausstellung sind jetzt insgesamt 30 Figuren zu sehen. Und wer diese Figuren einmal gesehen hat, verliebt sich sofort – egal, ob man Schach mag oder nicht. Jede Figur ist einzigartig.Mehr Informationen gibt es hier:
http://www.nms.ac.uk/our_museums/national_museum/lewis_chessmen_unmasked.aspx
Die Dachterrasse:
Wenn man kein Interesse an Geschichte hat (gibt es das?), dann gibt es immer noch einen Grund in das Museum zu gehen: die Dachterrasse. Von dort oben hat man eine fantastische Aussicht auf Edinburgh. Und das kostenlos.
Der Museumshop:
Seufz. Abgesehen davon, dass man dort Nachbildungen der Lewis-Schachfiguren kaufen kann und ich mir bis heute in den A... beißen könnte, dass ich nicht zugegriffen habe, gibt es eine Menge interessanter Bücher, schöner Postkarten und anderer Dinge, die man nicht braucht. Ein paar nette Mitbringsel für die Lieben zuhause lassen sich hier kaufen. Und die, die – wie ich – der Geschichte Schottlands verfallen sind werden wohl kaum ohne ein paar Bücher wieder da raus kommen.
Fazit:
Einen Besuch des Museums kann ich nicht nur, nein, ich muss ihn sogar empfehlen. Hier sollte eigentlich jeder etwas finden, was ihn interessiert. Der Eintritt ist kostenlos und die Dachterrasse absolut empfehlenswert. Von mir gibt es fünf volle Sterne und die Hoffnung, dass ich es irgendwann noch einmal nach Edinburgh und in das Museum schaffe.