Myanmar, Burma, Allgemeines

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Survivaltips für Selbstfahrer

5  12.06.2001

Pro:
Seife dichtet den Tank ab  -  total !  ; - )

Kontra:
Es darf nicht regnen !  Und Bananen eignen sich nur zur Kühlerabdichtung !  ; - )

Empfehlenswert: Ja 

MKohlhass

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Auch wenn die nachfolgenden Tips dem einen oder anderen unglaublich erscheinen - mir haben sie, wenn schon nicht das Leben gerettet, so doch eine ganze Menge Ärger erspart. Ich gebe aber zu, daß, wenn ich das Ganze nicht selbst erlebt hätte, ich auch Schwierigkeiten hätte, es so zu glauben.

Daß Myanmar (früher Burma) jahrelang für Ausländer unzugänglich war, bedauerte ich als Südostasien-Fan schon lange. So wurde ich hellhörig, als ich im Frühjahr 94 bei einem Aufenthalt im nordthailändischen Gerzstädtchen Mae Sai erfuhr, daß das Militärregime in Rangoon, oder zumindest die lokalen Machthaber in der Provinz Keng Tung, offensichtlich aus Mangel an Devisen, Ausländern die Einreise ermöglichten.

Bei einem kurzen Erkundungstrip ins burmesische Grenzstädtchen Tachilek stellte ich zu meiner freudigen Überraschung fest, daß ich nicht unbedingt an einer organiserten Tour in einem Kleinbus teilnehmen mußte, sondern man mich - bei Zahlung einer entsprechender "Gebühr" - sogar mit dem eigenen Wagen einreisen lassen würde.

Auch wenn die Unterkunft in Keng Tung in einem Hotel des burmesichen Miltärs aus Kontrollgründen vorgeschrieben war, war das unabhängige Reisen für den Abenteurer in mir ein verlockendes Angebot. Und da sich auch die "Transitgebühr" nach meinen eigenen Maßstäben in Grenzen hielt, besorgten wir uns in Chiang Rai, der nächsten größeren thailändischen Stadt, einen Geländewagen (Suzuki, Jeeps gab es keine) und machten uns auf nach Burma!!! Durch Hinterlegung unserer Ausweise dachte die Mietwagenfirma den natürlich unerwünschten Grenzübertritt zu verhindern, doch auch das schafften wir... ;-)

Der burmesiche Grenzoffizier in Tachilek sprach Deutsch, da er in Ostberlin seine Ausbildung erhalten hatte... Lächelnd nahm er die Dollars und meinte, daß wir in 6 - 7 Stunden in Keng Tung erwartet würden, da man für die rund 120 km so lange brauchen würden. Na ja, daß wir keine mitteleuropäischen Maßstäbe anlegen durften, war uns schon klar, aber so lange??? Wir hatten doch einen Geländewagen... Mit dem Selbstbewußtsein des Camel - Manns machten wir uns auf den abenteuerlichen Weg.

Nach 3 Stunden und 60 km hatten wir gerade das einzige in unserer Karte verzeichnete Dorf Möng Hpaiak (Dorf??? 3 - 4 Hütten!) hinter uns gelassen und uns war klar, daß wir eher 7 als 6 Stunden benötigen würden... Etwas anderes ließ die ungeteerte Schotter- und Staubpiste, die sich kurvenreich durch grüne Dschungeltäler wand, gar nicht zu. Später überschlug ich, daß wir von den 120 km vielleicht 20 km im dritten, 30 km im zweiten und den Rest im ersten Gang zurückgelegt hatten.

Und nach einer weiteren Stunde passierte es! Wir waren gerade ausnahmsweise einmal etwas schneller, als es gewaltige Schläge tat - erst vor, dann unter, schließlich hinter unserem Suzuki. Ich hatte nichts auf unseren Wagen zukommen sehen! Doch beim Aussteigen sahen wir sofort das Malheur: die Stoßstange, wohl schon zuvor stümperhaft angeschweißt, hatte sich durch die extreme Belastung der schlaglochreichen Strecke gelöst und sich unter Motor und Boden hindurch nach hinten verabschiedet.

Den unglaublichen Geräusch nach erwartete ich einen ruinierten Motor, doch der hatte das Ganze gut überstanden. Wie wir allerdings zu zweit in der plötzlichen Stille des Urwalds standen, hörte ich ein rinnendes Geräusch. Oh nein, der abgebrochene Halter der Stoßstange hatte den Tank aufgeschlitzt. Durch den fingerlangen Riß rannte der Sprit unerbittlich in den Urwaldboden.

Umweltaspekte, die einem jetzt beim Lesen im saturierten Deutschland spontan in den Sinn kommen mögen, waren mir in diesem Augenblick wahrlich egal. Angesichts der Einsamkeit unseres Unglücksortes - uns waren auf der gesamten Strecke weniger als ein Dutzend Fahrzeuge begegnet - den extrem schlechten Streckenbedingungen, der Schwere des Schadens und des völligen Ausgeliefertseins dachte ich zum ersten Mal, daß ich wirklich verdammt tief in der Sch... steckte. Angesichts der momentanen Hilflosigkeit überkam mich zum ersten Mal das Gefühl, daß ich es nicht mehr ohne weiteres nach Hause, zurück in die organisierte Geborgenheit schaffen würde. Eher als Zeichen der Ohnmacht, denn als koordinierte Gegenmaßnahme fing ich einen knappen Liter Benzin in einer Wasserflasche auf. Und der Sprit lief und lief....

Doch es geschehen Zeichen und Wunder. Auf einmal hörten wir in der Ferne ein Motorengeräusch und kurze Zeit später bog ein Mazda Pick-up um die letzte Kurve. Nach seinem Zwangsstopp - wir standen ja mitten auf dem "Feldweg" - sprangen knapp zwei Dutzend Menschen von der Ladefläche: Bauern, Kinder, ein Mönch im safrangelben Gewand, Soldaten, Arbeiter - handelte es sich doch um ein Sammeltaxi (eines von vielleicht einem halben Dutzend pro Tag), das zwischen der Grenze und Keng Tung verkehrte.

Die "Crew" sprang aus dem Fahrerhaus, checkte blitzartig die Situation, die ich mit Händen, Füßen und Gesten zu erklären versuchte, fragte erst nach Bananen - wieso Bananen? - und dann nach Seife - wieso Seife? Ich wußte gar nicht mehr, wie mir geschah. Natürlich hatten wir weder Bananen noch Seife mit dabei, von einem kleinen Stückchen in unseren Kulturbeuteln abgesehen. Aber der Fahrer hatten schon eine Tüte voller Kernseifebrocken aus der Innenseite seiner Tür gezogen und noch während der Sprit lief und lief und lief, mischte ein anderer unter ständigem Kneten einen zähen Brei aus der Seife. Dieser wurde dann auf den Riß geschmiert - und ich traute meinen Augen kaum zu trauen: der Spritfluß stoppte.

Das konnte doch nicht wahr sein! Egal, in meiner Verzweiflung griff ich nach jedem Strohhalm. Laß die Eingeborenen nur machen, Du hast mit Deiner westlichen Weltsicht hier sowieso keine Chance, dachte ich bei mir. Doch meine Ratio schlug immer wieder durch! "Hält sowieso nicht" war noch ein harmloser Gedanke, "die sich in das Benzin auflösende Seife wird den Motor vollends ruinieren" schon bedrückender. Doch die Helfer ließen sich nicht beirren.

Und was soll ich sagen? Es ist unglaublich, aber wahr. Der Tank war mit diesen einfachen Mitteln erst einmal provisorisch dicht.

Die Tanknadel zeigte zwar nach Abschluß der Abdichtaktion zwar 0 an, aber mit meinem geretteten Liter ging es, nachdem sich das bunte Völkchen wieder auf die Ladefläche begeben hatte, in gemeinsamer Fahrt erst einmal eine Stunde weiter zur nächsten Ansiedlung zum Spritfassen. Hier lebten meine Bedenken natürlich wieder auf: würde dieses Provisorium danach dem erhöhten Druck standhalten? Schließlich war der Tank bis hierhin fast leer. Andererseits war die Seifenpaste inzwischen so trocken und vom Staub bedeckt, das ich Schwierigkeiten hatte, die Reparaturstelle überhaupt zu finden. Unglaublich!!!

Apropos Tankstelle: aus was besteht eine burmesische Tankstelle?
1. Einem Benzinfaß
2. Einem Stein, auf dem das Faß erhöht steht
3. Einem Schlauch, an dem der Tankwart mit dem Mund saugt.
4. Einer 2 Liter Plastikflasche Cola oder Fanta (Etikett egal), in die das Benzin laufen gelassen wird (Flasche dient als Maßeinheit). Anschließend wird der Sprit aus der Flasche in den Tank gefüllt und dieser Vorgang bei 40 Litern eben 20 x wiederholt.
That`s it!

Mit ausreichender Menge Sprit versorgt - vorsichts-halber tankten wir für die restlichen 40 km nur die entsprechende Menge - waren meine Bedenken aber noch lange nicht beendet. Auch wenn wir das unsägliche Glück hatten, außerhalb der Regenzeit dieses Malheur erlebt zu haben (Regen = Wasser + Seife...) , so bereiteten mir die über unseren Weg immer wieder laufenden Nebenbäche des Dschungelflusses größte Sorgen. Diese Furten waren - Gott sei Dank - nie so tief, daß sich unsere Tankabdichtung aufzulösen drohte. Wie in einem bösen Traum setzten wir unseren Weg mit latenten Bedenken und Zweifeln Richtung Keng Tung fort. Nach knapp 8 Stunden kamen wir denn auch in der rund 30.000 Einwohner zählenden Provinzhauptstadt an, wo das Militär am Hotel schon recht unruhig auf unsere per Funk angekündigte Ankunft wartete.

Da ich mich hier auf den unglaublichen Survivaltipp "Seife dichtet Tank ab" beschränken will, möchte ich die aus Reisesicht eigentlich noch interessanteren Eindrücke dieses faszinierenden, unberührten Teils der Welt hier nur stichwortartig wiedergeben:
- Verfallende, einstige italienisch-britische Kolonialpracht
- unvorstellbar niedriger Lebensstandard
- unvergeßliche Erlebnisse bei den Ärmsten der Armen, in einem Kinderheim
- unglaubliche Arbeitsbedingungen an der Baustelle der von China gebauten Verbindungsstraße zum Indischen Ozean (Abtragung eines Berges mit bloßen Händen)
- Drastische Verdeutlichung der Abhängigkeit von infrastrukturellen Monopolen: ein alles beherrschendes Wasserkraftwerk: steht die Turbine dort still, geht nichts mehr
- Treten der Menschenrechte mit Füßen: mit Hand- und Fußketten versehene Häftlinge, die um Eßbares betteln, Straflager, in denen der unter einem Sonnenschirm von Gefangenen massiert werdende Aufpasser wie im Klassiker Papillon die Steineklopfer beaufsichtigt
- Faszination, die man als "Weißer" immer noch erregen kann
- Beeindruckende buddhistische Kultur, in Form von Tempeln, Priestern und Klosteranlagen

und, und, und... Es gäbe noch so viel zu sagen, doch irgendwo muß Schluß sein.

Resumee: Seife dichtet Tank ab und schadet auch offensichtlich nicht dem Motor, denn wir haben es so sogar zurück nach Chiang Rai geschafft! Und die kurz nachgefragten Bananen(schalen) sollen übrigens - nach meinen Erkundigungen - der Kühlerabdichtung dienen. Drum haben wohl auch alle Profis, die burmesischen Könige der Feldwege, für den Fall der Fälle einen Beutel Kernseife und einen Strunk Bananen dabei.

Da ich - Gott sei Dank - mit dem Wasser keine Probleme hatte, muß ich diesem Survivaltipp einfach Glauben schenken. Aber das mit der Seife ist schlichtweg Fakt.

;-) Gruß MKohlhass

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
dragon-mann

dragon-mann

05.03.2005 05:58

was es alles so gibt!klasse Bericht,hat echt Fun gemacht beim Lesen und mich wieder an meinen Trip nach Myanmar erinnert.Gruss

aquarius2

aquarius2

27.11.2002 10:22

Das ist ja Zufall, war auch 1994 in Thailand und habe einen Ausflug nach Burma gemacht, aber bin das 1999 mit einer Reisegruppe wiedergekommen...

aswie

aswie

25.09.2002 16:35

Ich bin erstaunt zu lesen, daß die Militärregierung erst 1994 das Land für Touristen geöffnet hatt. Ich war nämlich 1990 schon dort und war damit in meinem Bekanntenkreis schon ein "Nachzügler". Gruss aswie

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