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Erster Bericht und erster Teil zur Reisebeschreibung:
۞ЖЖЖ۞ Einleitung ۞ЖЖЖ۞Wenn man den Namen Mustang hört, denkt manch einer zunächst an ein Auto, den Ford Mustang, manch einer an ein Pferd, manch einer an die Jeansfirma, die 1932 gegründet worden ist, man wird jedoch selten jemanden finden, der das kleine Königreich Mustang im Himalaya, welches lange Jahre auch das verbotene Königreich genannt wurde, kennt.
Letztes Jahr, im Sommer 2004, führte mich eine Reise dorthin.
Von dieser Reise und dem Königreich Mustang mit der Königsstadt Lo Mantang möchte ich berichten.
Zunächst einmal jedoch werde ich in einem ersten Bericht ein wenig über die durchaus interessante, vielen jedoch auch völlig unbekannte Geschichte des Königreiches schreiben. Wer sich nur für die eigentliche Reise begeistern kann, sollte diesen Bericht vielleicht gleich scrollen und zum zweiten Bericht übergehen.
Die Geschichte des Königreiches Mustang kann man heutzutage bis ins 7. Jahrhundert unserer Zeitrechnung zurückverfolgen. Im heute westlichen Teil Tibets gelangte ein Feldherr, Srong- Btsan- Sgam- Po, zu hohem Ansehen, weil er eine große Region mit Namen Se- rib unterwarf. Srong- Btsan- Sgam- Po wurde so zwar zum ersten tibetischen König, doch eine weitere, wesentlich kleinere und unzugänglichere Region mit Namen Lo, auch Glo bo genannt, schien uneinnehmbar und anerkannte den König nicht. Aufzeichnungen entlang der Seidenstraße und frühe chinesische Quellen berichten von erbitterten Kämpfen, bei denen schließlich der Herrscher des Reiches Lo gefangen genommen worden ist. Das Reich stand forthin unter tibetischem Einfluss, was nicht nur politischen, sondern auch einen religiösen Einfluss bedeutete. Animistischer Shamanen- und Götterglaube, die Bon- Religion, wurde zugunsten von frühen buddhistischen Ansätzen unterdrückt. Einen nicht unbedeutenden Einfluss auf die Abkehr vom Bonglauben soll einer Legende nach der Wandermönch Padmasambhava ausgeübt haben.
Legendenbildung um Aktivitäten des Mönchs Padmasambhava sind im tibetischen Glauben häufig anzutreffen. Historischen Dokumenten zufolge hat ein Mönch aus Indien mit Namen Padmasambhava tatsächlich während des 8. Jahrhunderts das Großreich Tibet bereist. Mehrere Klöster berufen sich auf seinen Namen. So soll er in Tibet die Klöster Samye, das erste buddhistische Kloster Tibets, und im Land Lo das Kloster Lo Gekar gegründet haben. Verbürgt ist, dass sich ein Mönch oder auch buddhistischer Lehrmeister dieses Namens im Jahre 747 in Lhasa aufgehalten hat. Dass seine Reise durch das Tal des ehemaligen Reiches Lo geführt hat, ist sehr wahrscheinlich, da es nur wenige Wege von Westen nach Tibet über die Pässe des Himalaya gibt.
Der Legende nach soll Padmasambhava einen Dämonen Form einer Schlange, einen Naga, besiegt haben, der die Menschen in Lo bedrohte. Der Dämon gefährdete jeden, der ihm nicht die gewünschten Opfergaben brachte, Tiere, auch Menschenopfer waren üblich. Die Gier des Dämonen, der über das Wasser herrschte, wuchs und seine Wünsche waren für die Bevölkerung nicht mehr zu erfüllen. Der Dämon ließ die Quelle, die den Fluss speiste, der das Tal fruchtbar machte, versiegen. Was der Dämon allerdings nicht bedacht hatte, war seine eigene Abhängigkeit vom Wasser. Padmasambhava lockte den Dämon, der selbst in der Sonne und Hitze schmachtete, zu einer Felshöhle und wies ihm den Weg in die dunkle Kühle des Grundes. Nachdem der Schlangengott in der Tiefe verschwunden war, verschloss Padmasambhava den Eingang mit einem Felsen, setzte sich darauf und meditierte. Der zornige Dämon konnte nicht entweichen, da Padmasambhavas spirituelle Kräfte den Stein an seinem Platz hielten. Dennoch drohte der Schlangengott jeden zu vernichten, sobald Padmasambhavas Kräfte nachlassen sollten oder er einmal seinen Platz verließe. Die Erzählung der Bewohner des heutigen Mustang lässt nun den Mönch einhundert Tage auf dem Stein sitzen, ohne zu essen oder zu trinken. Padmasamhava machte dies offenbar nichts aus, dem Dämon hingegen umso mehr. Dieser flehte bald seinen Bezwinger an, ihm Nahrung zu verschaffen. Padmasambhava schaffte ein kleines Loch im Stein und forderte vom Dämon zuerst das dringend benötigte Wasser für das Tal und seine Bewohner. Nachdem der Dämon hatte die Quelle wieder sprudeln lassen, forderte Padmasambava ein, dass der Schlangengott sich für immer in die Tiefe des Gesteins zurückzöge und über die Quelle wache. Der Dämon, dem Hungertod nahe und besiegt durch Padmasambhavas Kraft, ging auf diesen Handel ein. Demnach ist das Tal des Kali Gandaki wieder durch den großen Fluss gespeist, auch wenn die Hochebenen an Fruchtbarkeit verloren haben.
Der Legende nach lebt der Schlangengott noch immer unter Gestein und traut sich nur manchmal nachts in kühler Witterung aus seinem Versteck.
Der Kampf gegen einen großen Dämon der Bon- Religion war jedenfalls gewonnen und Padmasambhava hatte eine eindrucksvolle Demonstration des frühen buddhistischen Glaubens geliefert. Ihm gelang mit der Verschmelzung beider Religionen, da er den Göttern des Bon- Glaubens einen Platz zuerkannte, die Akzeptanz des Buddhismus im Tale Lo.
Der Felsen mit Padmasambhavas Fußabdruck ist, sofern man der Legende Glauben schenkt, übrigens noch heute in der Rangchyung Höhle zu sehen.
Mehr als zwei Jahrhunderte stand das Land Lo unter tibetischer Regierung. Im 12. Jahrhundert gelangte es unter den Einfluss des Königs von Maryul, heute Ladakh.
Westliches Tibet und östliches Tibet waren aufgrund von Thronfolgestreitigkeiten verfeindet und bekämpften einander. Der Süden des Reiches, Lo, wurde vernachlässigt und fiel nach einer niedergeschlagenen Rebellion der Bon Anhänger einer der herrschenden Familien zu. Guge, Purang, Mangyul und Maryul, königliche Provinzen Tibets, erhoben zunehmend Machtansprüche. Maryul übernahm nach langen Kämpfen den südlichen Landesteil mit Lo und somit auch die wichtige von Norden nach Süden verlaufende Handelsroute im Himalaya.
Mangyul, durch den folgenden Handel und auch Zölle erstarkt, weitete seine Machtansprüche aus. Kriegerische Aktivitäten in den Provinzen Tibets erregten schließlich das Interesse Chinas und der Mongolen unter Kublai Khan.
Kublai Khan, der sich selbst zum Buddhismus bekannte, zudem ebenfalls an den Verbindungswegen interessiert war, übertrug einem Sakya Mönch nach seinem Sieg die Verwaltung Tibets und seiner Provinzen.
Nach dem Tod Kublai Khans 1294 war die Vorherrschaft der Sakya Mönche geschwächt, das große Reich konnte nur schwer kontrolliert werden und die ehemaligen Herrscherfamilien der Provinzen erhoben sich erneut.
Durch Heirat mit Sakya Anhängern verbunden und jahrzehntelang unterstützt, erhoben Mitglieder des Hauses Gung Thang ihren Machtanspruch und wurden die neuen Herrscher der südlichen Gebiete Tibets. Aus nördlichen Landesteilen, aus der Dolpo- Region, heute Nepal, erhob sich das Königreich Jumla. Aus den Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft gingen als Teil eines Vertragsabschlusses unabhängige Provinzen hervor, da einige der Gebiete nur symbolischen Kontrakten unterlagen. Das Land Lo jedoch, sollte noch ein weiteres Jahrhundert warten, ehe es unabhängig werden sollte, weil die Nordsüdroute weder von Jumla, noch von Gung Thang aufgegeben wurde.
Die von Kublai Khan seinerzeit begründete Yuan Dynastie, als deren erster Kaiser er unter dem Namen Shizu in Peking nach Unterwerfung und Einigung Chinas geherrscht hatte, verlor an Einfluss auf Tibet und somit auch an Einfluss auf die besetzten Provinzen. Die Provinz Lo erhielt keine Unterstützung, Tributzahlungen beider Reiche, Gung Thang und Jumla, wurden den Einwohnern abgepresst. Der stetige Kampf schwächte jedoch beide Reiche, sodass der Herrscher von Gung Thang sich als erster mit geschickten Verhandlungen an Tibet wandte, da auch Tibet die Nordsüdroute als Handelsweg nutzte und Zölle erhob.
Die kriegerischen Auseinandersetzungen in der Provinz Lo behinderten auch für Tibet geschäftliche Beziehungen und schmälerten die Einnahmen. Somit stimmte Tibet zu, Gung Thang zu unterstützen. Der nächste Schritt, den der Herrscher von Gung Thang ergriff, war die Bewohner von Lo zu überzeugen, auf seiner Seite zu kämpfen. Als Preis wollte er die Lockerung der Tributzahlungen und die Unabhängigkeit gewähren. Jumla verlor den Kampf um die südliche Provinz. Lo, Jahrhunderte Spielball der Mächte und in der Position, nichts zu verlieren zu haben, klagte daraufhin seine Unabhängigkeit ein. Sowohl Gung Thang als auch Tibet mussten zustimmen.
Erst Mitte des 15. Jahrhunderts, um 1440, erlangte das Land Lo somit seine Unabhängigkeit zurück. Der von Gung Thang eingesetzte Provinzhalter musste zurücktreten und die Bewohner von Lo wählten ihren eigenen König, den ehemaligen Verwalter, A- Ma- Dpal.
Da weder Tributzahlungen an Gung Thang, noch Jumla, keine Steuern mehr an Tibet abzugeben waren, verfügte der König von Lo über ein ansehnliches Vermögen, welches er innerhalb seiner nur kurzen Regierungszeit in den Aufbau alter Forts, Klöster und in einen neuen königlichen Palast investierte.
Den königlichen Palast verlegte er vom Süden, Lower Lo, in den Norden, Upper Lo, da die Grenze noch immer von Jumla bedroht schien. Der Palast wurde in Charang errichtet, später dann wurde im Hochtal nahe der tibetischen Grenze die Königsstadt Lo Manthang gegründet, die bis zum heutigen Tag Sitz des Königs, des Raja, ist.
Nach einer Erzählung soll König A- Ma- Dpal, auf der Suche nach einem geeigneten Platz für seinen neuen Palast eines Nachts einen Traum gehabt haben. Buddha selbst riet ihm sich bei der Auswahl auf eine weiße Ziege zu verlassen. Diese würde ihm, so Buddhas Rat, durch Auswahl ihres Schlafplatzes den rechten Ort für die neue Königsstadt zeigen.
A- Ma- Dpal ließ sich am nächsten Morgen eine weiße Ziege bringen, löste deren Kette und ließ das Tier frei. Der König folgte der Ziege nach Upper Lo. Dort, in der fruchtbaren Hochebene, lief die Ziege stetig hin und her. Das Tier fraß hier und dort ein Kraut und lief weiter. Zu wohlschmeckend schienen die Gräser und Kräuter, als dass die Ziege sich zum Schlafen legte. Ständig entdeckte sie eine neue Mahlzeit, fraß ein bisschen und trottete weiter.
A- Ma- Dpal, erschöpft und verzweifelt, da er sich die Auswahl eines geeigneten Platzes wohl einfacher und bequemer vorgestellt hatte, folgte dem Tier jedoch unermüdlich. Über eine Woche lang soll die Ziege durch die Hochebene zur Grenze Tibets gestreift sein, bevor sie, ermüdet und überfressen, tot zusammenbrach. A- Ma- Dpal sah dies als ein Zeichen für den rechten Platz und als ein Zeichen dafür, dass es gutes Weideland gäbe und baute dorthin seinen Palast und die Königsstadt Lo Manthang.
Unter König A- Ma- Dpal erlebte das Königreich Lo mit dem für damalige Verhältnisse prachtvollen Königssitz Lo Manthang seine Blütezeit. Andererseits schürte es den Neid der anderen Reiche, da diese für die Nordsüdpassage durch das Tal Zölle zu zahlen hatten, was wiederum den Reichtum des kleinen Königreiches mehrte. Der Sohn A- Ma- Dpals, A- Mgon- Bzang- Po, herrschte nach dem Tode seines Vaters, 1447, sein Bruder, dMag- Pon, wurde nach Willen des Vaters zum obersten Heerführer ernannt. Die ungleichen Brüder regierten zwar 35 Jahre lang, doch war dies nicht nur eine Zeit der Unabhängigkeit, sondern auch eine Zeit der erneuten Kriege für das kleine Königreich, da sie nicht nur Verteidigungsschlachten zu schlagen hatten, sondern auch anstrebten, das Reich zu vergrößern.
Erst einer der drei Söhne A- Mgon- Bzang- Pos, Bkra - Shis- Mgon, der den Thron seines Vaters erbte, schaffte es, dem Land Lo zu einem anderen, als einem kriegerischen Ruf zu verhelfen. Er machte Lo zu einem Ort kultureller und religiöser Bedeutung, indem er Schulen und Klöster einrichtete, die zum Treffpunkt buddhistischer Gelehrter wurden. So wurden zum Beispiel buddhistische Schriften dort aus dem Sanskrit zum ersten Mal ins Tibetische übersetzt und aufgeschrieben.
Die Zeit des Friedens jedoch fand ein jähes Ende, als das Reich Jumla um 1750 Lower Lo besetzte und am Grenzort Kagbeni ein Fort errichtete. Lo musste sich geschlagen geben, da es auf eine Schlacht nicht vorbereitet gewesen war. Hunderte Lopas wurden in Lower Lo getötet, Jumla plünderte, erhob Steuern und Zölle und schnitt Upper Lo vom Handelsweg ab. Hunderte Lopas flohen nach Upper Lo, eine Nahrungsmittelknappheit forderte erneut Opfer und Lo musste sich notgedrungen an das einzige Reich, welches bisher keine Bedrohung mehr dargestellt hatte und welches über die nördliche Grenze, da der Süden besetzt war, erreichbar war, wenden: Tibet. Das friedliche Miteinander, der religiöse Austausch beider Länder sollte jedoch nur bedingt eine Hilfe für Lo erbringen. Durch Unterstützung Tibets, welches selbst bereits unter chinesischer Besatzung litt, konnte lediglich erreicht werden, dass Lo weiterhin quasi pro forma ein Königreich bleiben sollte, stets jedoch Jumla unterstand. Hohe Steuern und Zölle waren fortan von jedem Lopa an Jumla zu zahlen, der König von Lo geriet in die Rolle einer Marionette.
Die Unterdrückung durch Jumla jedoch währte nicht lange.
1766 schwang sich ein Feldherr, Prithvi Narayan Shah, von Westen, Indien, auf, der Herrscher über das Kathmandutal zu werden. Als Herrscher von Gorkha unterwarf er nacheinander Kathmandu, Patan, Bhaktapur, die Königsstädte, und brachte den Ost-West- Handelsweg unter seine Kontrolle. Mit der Eroberung des gesamten Kathmandu- Tales von Westen dehnte der Gorkha sein Herrschaftsgebiet aus und schaffte eine west-östlich verlaufende Grenze, die er nach dem Sieg über Jumla und Vertreibung der Belagerer Los nun auch zwischen Tibet und der Ebene Nordindiens ausdehnte. Dieser Zeitpunkt wird unter anderem als quasi Beginn des heutigen Staates Nepal angesehen.
Das Land Lo, zwischen den Mächten wieder einmal als Spielball umhergereicht, wurde kurzerhand in das nun entstandene Großreich eingemeindet. Die Gorkhas übernahmen die Kultur der dort ansässigen Bewohner, die sie als ihre eigene Kultur auf das gesamte von ihnen eroberte Land als Staatskultur übertrugen. Die Sprache der Gegend jedoch, die zur tibeto- burmesischen Sprachfamilie gehört, wurde von den Gorkhas nicht übernommen. Sie übertrugen ihre eigene, der indo- arischen Sprachfamilie angehörige und dem Hindi nahe stehende Sprache auf das ganze Land.
Der Unterwerfungsprozess, der von Prithvi Narayan Shah eingeleitet worden war, wurde auch von seinen Nachfolgern fortgesetzt. Das Reich nach Norden hin auszudehnen, gelang den Gorkhas jedoch nicht.
Schon 1644 hatten die Manchu die Kaiserstadt Peking erobert, die Qing Dynastie hatte die Macht übernommen und vergrößerte das chinesische Reich nach Süden, nach Tibet.
Der 5. Dalai Lama versuchte mit friedlichen Verhandlungen zu vermitteln, dennoch gelang es den Manchu, Lhasa zu besetzen. Es handelte sich dabei jedoch nicht um eine Eroberung Tibets, sondern um geschickte Anpassungspolitik, einen schleichenden Prozess.
1717 schon hatten die Mongolen Tibet erneut überfallen, China eilte zu Hilfe und schützte den Dalai Lama, gewann so das Wohlwollen der tibetischen Bevölkerung. Der chinesische Kaiser entsandte 4000 Soldaten und neutrale Beobachter nach Lhasa, die die tibetische Regierung vor weiteren Übergriffen schützen und politisch beraten sollten. Mit der Zeit jedoch begannen die Manchu ihren Einfluss auf die Regierung Tibets auszubauen. Von 1728 an waren die Manchu in Lhasa stationiert, Tibet wurde mehr und mehr ein Protektorat der chinesischen Regierung und geriet mehr und mehr unter militärische Kontrolle Chinas.
Somit war es für die Gorkhas, verlorene Schlachten sind ein Zeugnis dafür, ein unmögliches Unterfangen, auch Tibet in das nun große Gorkhareich einzugliedern.
Die Expansion des Reiches wurde somit nach Westen vorangetrieben. Dabei stießen die Gorkhas jedoch weit in das Gebiet der britischen Ostindien Kompanie vor, sodass Großbritannien 1814 Nepal den Krieg erklärte, den die Gorkhas nach zwei Jahren verloren. Der daraus resultierende Friedenvertrag begrenzt noch heute die Landesgrenzen und das Hoheitsgebiet von Nepal.
Lo, das nun unter nepalesischer Herrschaft stand, litt einerseits unter und profitierte jedoch auch von dem Friedensvertrag Nepals. Das Interesse an dem kleinen Reich, ausgelaugt und verarmt durch jahrhunderte lange Kämpfe erlahmte. Die Nordsüdroute war als Handelweg relativ uninteressant geworden, da Tibet als möglicher Handelpartner unter dem Einfluss Chinas stand, der durch die Gorkha- Kriege nun möglich gewordene Ostwest- Weg wurde als bequemere Handelroute und Salzstraße genutzt.
Lo hatte als Gorkha Provinz bereits im 18. Jahrhundert einen neuen Namen erhalten.
Der Beinamen und die heute gebräuchliche Bezeichnung Mustang ist lediglich eine Kurzform des Wortes Mönthang aus dem Hindi, was man etwa mit: viele Ziegen übersetzen könnte. Mustang, was man etwa "Muhstong" aussprechen sollte, ist also eine Hindi Verballhornung des Stadtnamens Lo Manthang, der später stellvertretend in seiner Kurzform für das Königreich stehen sollte. Von den Bewohnern, den Lopa, wird der Landstrich noch immer Lo genannt, lediglich die Hauptstadt nennen sie bei ihrem Namen Lo Manthang oder kurz Lo, da sie auch für die heutigen Bewohner stellvertretend für das gesamte Königreich steht.
Weitab der neuen Handelsroute lag nun das kleine Reich, ein Teilstaat Nepals, und bewahrte sich aufgrund von geschickten Verhandlungen seine Souveränität.
1846 entmachtet die Dynastie der Rana die herrschende Shah- Familie und führt nach britischem Vorbild das Amt des Premierministers ein.
Ein Vertrag zwischen der nepalesischen Regierung und den Adelsfamilien aus Mustang verlangte lediglich jegliche militärische Unterstützung der Bewohner Upper Mustangs gegen eine Steuer von jährlich 5 Pferden an Nepal. Militärische Unterstützung jedoch konnte das kleine, immer wieder unterdrückte Reich schon längst nicht mehr garantieren. Es war von einem einst an Kunstschätzen und Kultur reichen Land zu einem verarmten, vernachlässigten Landstrich verkommen. So behielt der alte Vertrag bis heute seine Gültigkeit und die Souveränität des Königs, der einen Sitz im Parlament inne hatte, ist auch heute noch vertraglich geregelt.
1950, nach einer Revolution in Nepal junger Aktivisten, stärkte die damalige Regierung Nepals die Rolle des kleinen Feudalstaates geradezu, weil er, fernab der Zivilisation und vom Weltgeschehen fast vergessen, alte traditionelle Werte konserviert hatte.
1951 wird in Nepal mit indischer Hilfe das alte Königsrecht wieder hergestellt.
König Mahendra löst 1959 das Parlament auf und ab 1961 ergeht das Verbot jeglicher Parteien.
۞ЖЖЖ۞ Geschichte des Königreiches VI, das verbotene Königreich ۞ЖЖЖ۞
Da das kleine nepalesische, dennoch autonome Königreich Mustang eine direkte Grenze zu Tibet besitzt, in einer dazu unzugänglichen Bergregion liegt, zogen sich tibetische Widerstandskämpfer, die so genannten Khampakrieger, über die Grenze nach Mustang zurück. Zu der Zeit des sogenannten Kalten Krieges sollen die Khampakrieger gar logistische Unterstützung von der CIA erhalten haben. Nepal schloss daraufhin, da es einen Übergriff Chinas fürchtete, 1960 die Grenze zu Tibet und ließ Truppen aufmarschieren. Die USA verlor das Interesse an Tibet mit der Annäherung an China in den 70er Jahren, die Khampa erhielten keine Unterstützung mehr, konnten aber auch nicht nach Tibet, ihrer Heimat zurück und begannen Tempelschätze zu rauben, um sich zu ernähren. Da man auf nepalesischer Seite zudem einen Guerillakrieg befürchtete, schloss man kurz darauf auch den Zugang nach Upper Mustang von Süden aus und riegelte den Landstrich komplett ab und versuchte ihn auf Druck Chinas unter Kontrolle zu bringen, was vielen Khampa und Loba das Leben kostete. Als nun politisch hochbrisante Zone war Mustang schließlich absolutes Sperrgebiet.
Man isolierte das kleine Königreich von der übrigen Welt, die Truppen Nepals hielten sich verstärkt in den Grenzbereichen auf und hinderten selbst die Einwohner Mustangs, die nicht einmal mehr einen Passierschein zum Grenzübertritt bekamen, obwohl auch sie tibetische Wurzeln haben, am Überschreiten der Grenze nach Tibet. Aus der Gegend heraus in südlicher Richtung konnte ein Bewohner Mustangs ebenfalls nur erschwert reisen, da jede Bewegung mit eventuellen Widerstandskämpfern in Verbindung gebracht wurde.
Da sich das Interesse der Welt verständlicherweise nach Tibet ausrichtete, wurde das kleine Königreich als verbotene Gefahrenzone von der Welt kaum registriert, vom eigenen Staat, Nepal, fast vergessen.
Da die Verhandlungen um Tibet nicht voran gehen, eine Gefahr von China aber auf militärischer Basis nicht mehr zu befürchten ist, lockerte Nepal die Grenzbestimmungen für die Bewohner Mustangs Anfang 1990. Das kleine Land, welches sich jedoch über 30 Jahre hinweg sich selbst überlassen war, hatte wieder einmal den Spielball der Mächtigen gegeben, hatte als Pufferzone gedient, war als das verbotene Königreich in die Annalen der Weltgeschichte eingegangen.
Seit 1992 darf man, sofern man als einer von maximal 500 Besuchern jährlich von der nepalesischen Regierung die Erlaubnis erhält, das verbotene Königreich bereisen. Dies allerdings nur, wenn man ein sattes quasi Eintrittsgeld, welches Mustang nur in geringem Maße zugute kommt, bezahlt, einen staatlich geprüften Guide vorweisen kann und Selbstversorger ist. Der jahrelang noch verlangte militärische Verbindungsoffizier, der jeden Schritt, den man macht, überwacht, muss seit 2003 nicht mehr als Begleitung mitgenommen werden.Wessen Interesse nun geweckt ist, der möge zum zweiten Bericht übergehen.
Achtung, dies ist der erste Berichte des Autors
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yesup 06.02.2011 14:30
kenthan 30.12.2007 12:22
soviel mühe muss belohnt werden :)
bongilein 08.12.2007 15:11
Leuchttuermin 29.07.2007 15:02
Wow, ich hoffe, ich habe noch ein Bikinioberteil frei für dich! :-)
Stevedi 06.11.2005 15:25