Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main

Erfahrungsbericht über

Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main

Gesamtbewertung (7): Gesamtbewertung Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main

 

Alle Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main Testberichte

 Eigenen Erfahrungsbericht schreiben


 


Das (eine) Highlight in Frankfurt

4  06.07.2001

Pro:
Ausgewogene Sammlung, gute Inszenierung

Kontra:
FFM, Wie immer der Eintritt

Empfehlenswert: Ja 

Lonemower

Über sich:

Mitglied seit:13.03.2001

Erfahrungsberichte:19

Vertrauende:3

Diesen Bericht empfehlen auf Google+
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 28 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

s tut mir außerordentlich leid, aber ich werde wohl etwas positives über Frankfurt am Main schreiben müssen.
Nein, keine Angst, ich nehme nicht die hessischen Stoffel in Schutz, die bei 100 000 Kirchentagsbesuchern die S-Bahnen im normalen (unter anderem Feiertags-) Takt fahren lassen und sich auch sonst von allem, was kein Geld abwirft herzlich wenig beeindrucken lassen. Ich werde nicht zum Apologeten dieses obskuren Nationalgetränks 'Äpfelwein', dessen Plural-Konstruktion allein uns Schauer über den Rücken jagt und von nächtens 'Autosbahnen' und von 'Rinderfleisch' albenträumen läßt.

Aber in dem unwiderstehlichen Drang, alles haben zu wollen, was man kaufen kann und was andere auch haben, haben die Frankfurter ein ganzes Ufer interessanter Museen für dieses und jenes gekauft. Ich war in einem Museum, das nicht am Ufer, sondern einen Steinewurf (Äpfelwein) vom Dom stand: Im Museum für Moderne Kunst.

Das Gebäude ist, wenn ich es von Einheimischen recht erklärt bekommen habe, auf einer dreieckigen Brache angelegt, auf der man ohnehin nichts Vernünftiges (ie. ein Bankenhochhaus, ein Parkaus oder ein Kaufhaus oder Onkel Dagoberts Geldspeicher) hätte bauen können. Außerdem kostet das Museum Eintritt (was in Deutschland leider die Regel ist) und bringt damit sogar etwas Geld ein. Sieben DM kostet es, einen Tag durch die Hallen zu schlendern und es ist wohl noch nicht einmal zuviel verlangt, wenn man bedenkt, daß man für knapp 2,50 gerade mal eine Kurzstrecke S-Bahn-Fahrt bekommt und für 3,50 diesen fürchterlichen vergammelten Äpfelsaft.

Doch zu dem, was uns im Innern erwartet. Man könnte vergessen, daß man in Frankfurt ist!
In der Verteilerhalle betritt man schon das erste Kunstwerk, das sich freilich erst erschließt, wenn man sich zu den oberen Ebenen heraufgearbeitet hat und von einem der kleinen (sehr kleinen) Balkons hinab in die Halle schaut. Fluchtpunktperspektive heißt das, was der Fliesenleger dort ganz mustergültig umgesetzt hat, und mit einem gläsernen Dach, weißen Wänden und dem hellen Fluchtpunktboden ist allein diese lichtdurchflutete Halle schon ein Genuß. Ein Narr jedoch, wer verharrt! Wer den Gang zur Tate Modern nach London scheut, findet maßgebliche Werke auch in Frankfurt.
Die großformatigen Photographien von Andreas Gursky zum Beispiel, die in der Tate auf den Verteilerfluren hängen, finden ihre Brüder und Schwestern in Frankfurt. Das Supermarktphoto, eins von den Bildern des Bonner Bundestags uswusf.

Die Siebdrucke von Andy Warhol, ja die mit den schwarzen Opfern von Gewalt und die mit den Verkehrsunfällen, die auch in der Tate Modern hängen - andere Teile der Zyklen hängen in Frankfurt gerade vor der Haustür.

Es gibt eine Treppe mit Photographien von Asiatinnen, die wenig anhaben - Photographien, die zum Teil sehr offensiv sind wohl als anstößig gelten würden. Ich habe sie betrachtet, nachdem Prof. Dr. Matthias Kroeger sie in einem Vortrag über Paul Tillichs Theologie der Kultur beschrieben hat. Seine Schlußfolgerung war, daß die Schönheit der Schöpfung und ein bestimmter Imperativ (bei Marx geborgt: der Umsturz allen, was Menschen knechtet) aus aller Kunst spreche. Bei diesen Photos meine ich verstanden zu haben, was er meinte. Daher der kleine Exkurs, Verzeihung.

Sehr beachtenswert ist noch eine Reihe von Schwarz-Weiß-Photos, die meistens Unterdrückte oder Benachteiligte zeigen - Häftlinge, Kinderarbeiter, Bürgerkriegssoldaten, Jugendliche in der Westbank in den Achtzigern (für Freunde klassischer Kfz: bei einem Photo steht im Hintergrund ein Simca F1).
Einige Installationen, eine Reihe schöner Collagen und Der Mönch, ein wunderschönes Bild, das aber möglicherweise nach dem Kirchentag entfernt worden ist.

Wie jedes 'gute' Museum für moderne Kunst hat auch das Frankfurter MMK jene wunderbare Mix tur zu bieten, die einerseits große Namen und Must-have-(seen)-Werke genauso ausstellt wie Werke von Leuten, deren Namen man noch nie gehört hat. Für mich immer wieder schön, daß Kunst nicht nur aus dem Kunstdruckklapperdisplay der Buchhandlungen, aus Mainstream-Berühnmteheiten oder längst bekannten Namen besteht, sondern immer weiterlebt und immer neue Namen produziert, die in nicht mal zwanzig Jahren schon wieder Must-haves sind oder einfach nur verwunschen schöne Werke geschaffen haben.

Aber wenn Ihr danach noch einen trinken geht, bestellt Euch lieber 'ne Cola. Oder ein Licher.


Diesen Bericht empfehlen auf Google+
Sponsoren-Links
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
henfield

henfield

06.07.2001 20:10

...*lol*...och, zu modern Kunscht pascht so´a äbblwoui doch ganz guud

OldSchool

OldSchool

06.07.2001 15:41

Toller Schreibstil. Grüße, OldSchool.

andrea-hh

andrea-hh

06.07.2001 15:31

Frankfurt ist nicht gerade Deine Lieblingsstadt, oder? Niemand sagt da aber "Äpfelwein" zu diesem sauren Gebräu, sondern Äbbelwoi - oder Aschebäschä (zu deutsch: Aschenbecher) *g*. Ich finde FFM einfach nur groß und grau - kann verstehen dass meine Mutter aus ihrer Geburtsstadt geflüchtet ist. Gruß, Andrea

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 951 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"sehr hilfreich" von (100%):
  1. jozhik
  2. choco-cookie
  3. ExpoJunkies
und weiteren 25 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.
Verwandte Tags für Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main