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Museum Bayrisches Vogtland, Hof

Erfahrungsbericht

für Museum Bayrisches Vogtland, Hof
4 Sterne Museum Bayrisches Vogtland in Hof/Saale
59 von 59 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro uriges kleines Museum

Kontra nix

Detailbewertung

Preis-/Leistungsverhältnis
Anbindung
Öffnungszeiten
Spaßfaktor

Der Autor

SabineG1959 Seit 16 Okt 2004

Hallo, Ihr Lieben! Leider habe ich ernsthafte Augenprobleme und kann nich so viel lesen, wie ich... mehr

63 Mitglieder vertrauen mir

Museum Bayrisches Vogtland

Am 22. Oktober 2005 fand in Hof im Museum Bayrisches Vogtland von 12.00 bis 18.00 Uhr ein Museumsfest mit Tag der offenen Tür statt. Da mich dieses Museum schon lange reizte, ich aber nie zuvor das Glück hatte, dort vorbei zu kommen, wenn es geöffnet hat, nahm ich nun diese einmalige Gelegenheit zu einem Besuch wahr.

Laut Homepage http://www.stadt-hof.de/hof_deu/index.ht​m befindet lautet die Adresse: Unteres Tor 9 in 95028 Hof. Da ich ja immer mit dem Zug unterwegs war, bin ich - wie üblich - dort durch die ganze Stadt oder den romantischen Weg an der Saale entlang gelaufen, was aber wirklich schon eine kleine Wanderung ist. Die Homepage habe ich angegeben, weil man dort unter "Adresse" den in Blau geschriebenen Straßennamen anklicken kann und dann einen Auszug aus dem Stadtplan erhält. An einen großen Parkplatz kann ich mich nicht in der Nähe erinnern, aber es gibt Parkmöglichkeiten an der Straße, und mit Hilfe des Stadtplans findet man das Auto ja dann auch wieder. (Ich geb's ja zu: mit dem Autofahren hatte ich es bis jetzt nicht so, habe alles zu Fuß und per Bahn erledigt …)

Geöffnet ist das Museum wie folgt:

Samstag, Sonntag und Feiertage 10.00 - 16.00 Uhr
Montag geschlossen
Dienstag 10.0 - 17.30
Mittwoch 10.00 - 17.00 Uhr
Donnerstag 8.00 - 14.00 Uhr
Freitag 13.00 - 17.00 Uhr
Führungen nach Vereinbarung unter Telefon-Nr. 09281/839050
An Feiertagen, die auf einen Montag, Dienstag, Mittwoch oder Freitag fallen sowie am 01.01., Ostersonntag, Pfingstsonntag, 24.12., 25.12. und 31.12. bleibt das Museum geschlossen.


Eintrittspreise:

Erwachsene 2,50 €
Erwachsene in Gruppen ab 10 Personen je 1,25 €
Kinder u. Jugendliche (6-17 Jahre), Schwerbeschädigte, Auszubildende,
Studenten, Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger (gegen Vorlage des Ausweises) 1,25 €
Kinder u. Jugendliche in Gruppen ab 10 Personen 1,00 €
Familienpauschale (wenn die Summe der Einzelpreise höher liegt) 7,50 €
Kinder unter 6 Jahre,
Busfahrer, Gruppenleiter und -begleiter (mind. 10 Teilnehmer)
frei
Führungen (zusätzlich zum Eintritt) 15,00 €


Nachdem nun das Organisatorische geklärt ist, kommen wir also zum Inhaltlichen. Zunächst einmal: was ist das Vogtland?

Das Vogtland wurde benannt nach den Vögten von Weida, die das Gebiet vom 12. bis 15. Jahrhundert beherrschten. Zitat aus www.weida.de: "Heinrich I. und seine Nachfahren residierten in der Burg und machten Weida zum Regierungssitz eines Landes, das bis heute den Namen VOGTLAND trägt. Weida und seine bedeutendste Sehenswürdigkeit, die Osterburg, ist somit die Wiege des Vogtlandes. Anfang des 15. Jahrhunderts erlosch der Einfluß der Vögte. Ihr Herrschaftsgebiet fiel an das sächsische Adelsgeschlecht der Wettiner." Und die Wettiner sind das Herrschergeschlecht aus Dresden/Sachsen (August der Starke war Wettiner.)

Das Vogtland besteht aus dem südlichen Teil von Sachsen und reicht nach Thüringen, wo Weida liegt und mit einem Zipfel nach Bayern herein bis zur Stadt Hof an der Saale.


Das kleine Museum ist untergebracht in den Räumen des alten Hospitals, das gleich vor den Stadtmauern außerhalb Hofs errichtet worden war Dazu gehört die kleine Hospitalkirche, die leider schon geschlossen hatte, als ich das Museum wieder verließ.

Der Eingang zum Museum befindet sich links im Innenhof - siehe Foto zu diesem Thema. Man kommt in einen größeren Raum mit einem dieser schönen Gewölbe, für die ich ja hier so schwärme. Links befinden sich die Kasse und drei Modelle von Hof aus verschiedenen Epochen sowie einige historische Ausstellungsstücke. Rechts im "Saal" hatte man aus Anlass des Festes Biergartenbänke und -tische aufgestellt. Es gab einige Stände mit Informationen und vor allem mit Ess- und Trinkbarem. Da das Museum wirklich sehr klein und urig ist, entstand eine mehr oder weniger gemütliche Enge.

Von diesem Raum aus gab es eine klar und deutlich erkennbare und eine verwinkelte und fast versteckte Treppe in die erste Etage. Dort kann man historische Möbel bewundern und bekommt einen Einblick in die Hofer Gewerbe. Es wurde eine komplette Schuster- und Bürstenmachereinrichtung vor dem "Wegwerfen" gerettet, wo man einen Einblick erhält, wie früher Bürsten und Schuhe hergestellt wurden. Des weiteren wurde vieles aus der Textilindustrie ausgestellt, so dann man einen guten Überblick über die Entwicklung der Technik im Textilgewerbe erhält.

Leicht zu finden war dann die Treppe in das nächste Geschoss, in dem sich der alte Schulraum befindet, in dem im Rahmen von Führungen auch Unterricht wie in der guten alten Zeit abgehalten wird. Außerdem lagen dort Zettel aus mit dem Alphabet in Sütterlinschrift.

Schwieriger war es da schon den anderen Aufgang in den Naturkundlichen Teil des Museums zu finden, der über eine andere Treppe als die zum Schulraum in einen anderen Gebäudeteil führt. In dieser Ausstellung gibt es einige Räume mit ausgestopften Tieren zu bestimmten Themen, ebenso eine Schmetterlingssammlung. Im allgemeinen bin ich nicht so begeistert von ausgestopften Tieren, irgendwie tun sie mir ja leid. Andererseits sehe ich aber auch, dass man sie auf diese Weise gut betrachten und erkennen lernen kann.

Außerdem gab es auch Steine, also Mineralien, und Fossilien.

~*~

Nun aber wieder zurück zum Museumsfest:

Den ganzen Tag über gab es kleiner Veranstaltungen von jeweils 30-60 Minuten Dauer. Da das Fest ja vorbei ist, nenne ich hier nur die Themen, um einen kleinen Überblick über die gebotene Vielfalt zu geben:

- historische Leierkastenmusik vor und später auch im Museum
- ein Gang durch das Museum unter Leitung des Museumsdirektors
- Mobiles Klangerlebnis des Pneumonorchesters "Die Pressackwürger"
- Hofer Stadtgeschichte
- Schulstunde anno dazumal, Klasse 1-3
- Wirtschaft und Handwerk in Hof
- Auftritt eines Falkners
- Jagdkundliche Führung
- Textilstadt Hof
- Die Hussiten kommen
- Schulstunde anno dazumal, Klasse 4-6
- Klassische Gitarrenmusik
- Die Hofer Stadtmodelle
- Sagenhaftes Hof
- Dudelsackmusik
- Kehraus "Die Pressackwürger"
- Lebendige Begegnungen mit Menschen in historischen Kostümen


Da ich erstens nicht den ganzen Tag da war und auch einiges gleichzeitig statt fand, habe ich natürlich nicht alles gesehen und gehört. Fast komplett habe ich aber die Musiker erlebt, da der Leierkastenspieler auch noch später im Museum gespielt hatte. Das Gitarrenkonzert fand im improvisierten Restaurant bei Kaffee und Kuchen statt, die Pressackwürger zogen lärmend mit ihren selbst gemachten Instrumenten durch das ganze Haus. Den Dudelsack habe ich leider nicht erlebt, möchte zu dem Thema aber noch anmerken, dass der Dudelsack ursprünglich in ganz Europa verbreitet war und nicht nur ein typisch schottisches Instrument war

Den Gang durch das Museum habe ich erstmal allein unternommen und mir alles angesehen, was mich interessierte. Die Hofer Stadtgeschichte wurde anhand der drei im Foyer ausgestellten Modelle erklärt und später ergänzt durch die Erläuterungen der drei Modelle, wobei bei letzterem Vortrag der Schwerpunkt mehr auf der Industriegeschichte lag.

Das hintere Modell der drei befindet sich auf der linken Seite hinter der Information, wo man auch normalerweise die Eintrittskarten kauft. Es zeigt die Lage Hofs zwischen Fichtelgebirge, Frankenwald und Bayrischem Vogtland, außerdem auch die Flüsse hier und die Straßenverbindungen etc. Das ganze ist dreidimensional und dadurch sehr anschaulich.

Die anderen beiden Modelle befinden sich auf der gegenüberliegenden Seite. Das hintere zeigt Hof im 16. Jahrhundert, das vordere zu beginn der Industrialisierung Anfang des 20. Jahrhunderts.

Auf dem älteren ist noch gut zu erkennen, wie die Stadt Hof als befestigte Stadt neben dem kleinen Dörfchen Rekkenze in der strategisch günstigen Saaleschleife gegründet worden ist. Hof besaß Stadtrechte und damit auch eine Stadtmauer An diesem ebenfalls dreidimensionalen Modell lässt sich wunderbar erkennen, wie genial diese Befestigung angelegt wurde.

Das Dorf Rekkenze bildet heute mit der Altstadt gemeinsam die City, also Innenstadt, von Hof und gehört mit zur Fußgängerzone.

Warum man früher Städte immer NEBEN den schon vorhandenen Dörfern und nicht aus diesen heraus gegründet hatte, habe ich an anderer Stelle erfahren. Und zwar lag es an den bereits vorhandenen Bodenrechten der Bewohner. Da man diese berücksichtigen musste, legte man die Städte, die der Befestigung von Grenzen oder wichtigen Handelswegen oder …. dienen sollten, immer neben den schon vorhandenen Orten, also quasi auf neutralem Boden, an.

Irgendwie wurden die Städte im Fichtelgebirge immer wieder durch große Feuersbrünste zerstört, so also auch Hof. Auf dem alten Modell fällt auf, dass die Häuser alle mit dem Giebel zur Straße standen, also von der Straße aus gesehen folgendes Muster bildeten: ^^^^^^^^^^^^^^^. Die Dächer waren mit Schindeln gedeckt, also mit Holz, so dass die Funken, wenn es erst einmal brannte, rasend schnell von Dach zu Dach übersprangen.

Da jede der Städte hier im Fichtelgebirge ihre eigenen Sagen und Geschichten zu den jeweiligen Stadtbränden hat und ich nun schon so viele davon gehört habe, kann ich die von Hof leider nicht mehr eindeutig zuordnen. Als Gegenmaßnahme und zur Sicherheit wurden Fachwerkhäuser und Schindeldächer verboten. Ebenso durften die Giebel nicht mehr zur Straße zeigen. Nun mussten also die Dächer zur Straße zeigen und vom Nachbarhaus durch eine Steinmauer getrennt werden.

Im Jahre 1553 wurde Hof von den Hussiten belagert. Davon gibt es ein Bild, wonach das Modell gestaltet wurde. Leider weiß ich nicht mehr, wie das ausging und finde auch nichts darüber hier im Internet. So verstehe ich also meine Andeutungen über das, was war eher als Neugierigmachen auf das Museum ….

Auf dem letzten Modell vom Beginn des 20. Jahrhunderts sind bereits einige Fabriken zu erkennen. Nachdem im Fichtelgebirge, das im Mittelalter das Ruhrgebiet Deutschlands war, die Bodenschätze wie Gold und Zinn etc. weitgehendst abgebaut waren, lebten die Menschen hier hauptsächlich von der Textil"industrie", und so hingen die ersten Fabriken hier mit der Textilindustrie zusammen.

Auch die Schienen und der 1848 erbaute jetzige alte Bahnhof sind auf dem Modell gut zu erkennen. 1880 wurde der jetzige Hauptbahnhof gebaut, der mit all seinen vielen Gleisen ebenfalls gut zu erkennen ist. Im Gegensatz zu dem alten Bahnhof, dessen Überreste noch in der jetzigen Innenstadt zu sehen sind - es befindet sich eine Kneipe darin - ist der neue ein Durchgangsbahnhof, der nun wieder Bayern mit Sachsen verbindet. Aus diesem Grunde hatte er damals einen bayrischen und einen sächsischen Teil. Dazwischen befindet sich noch heute der Königssaal, der den Treffen der Königshäupter beider Länder diente. Leider ist dieser wunderschöne Saal durch einen modernen aber guten Schnellimbiss mit Internetzugang leicht verhunzt. Nachbarsaal jedoch befindet sich eine ansprechende Theke/Bar. Dieser Raum wird für Veranstaltungen genutzt und ist normalerweise nicht zugänglich.

~*~

Außer den geschichtlichen Vorträgen - außer den obigen noch den über die Entwicklung der Webereitechnik - besuchte ich noch einen der vogelkundlichen Vorträge bei den ausgestopften Vögeln, wo uns vieles über die heimische Vogelwelt erzählt wurde, was sehr interessant war.

Ich denke, noch mehr Einzelheiten zu diesem mehr als interessanten Nachmittag würde den Rahmen hier restlos sprengen. Ich hoffe, ich konnte Euch ein wenig neugierig machen auf unsere Geschichte hier oder Geschichte im Allgemeinen und auf dieses kleine Museum hier.

Ich freue mich auf Eure Kommentare, Anregungen, eventuelle Korrekturen - der Besuch ist wirklich lange her, und ich habe seitdem so viel Neues gelernt und erfahren, dass ich manchmal vielleicht nicht mehr alles so 100% zuordnen kann. Ich gelobe Besserung, habe nun auch wieder regelmäßiger Zugang zum Internet.

Alles Liebe von Sabine


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Kommentare

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  • arbeitsmaus 28.10.2006 21:43
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • hr.biernot 05.08.2006 12:09
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • petra64 18.05.2006 16:20
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • modschegibbchen 10.05.2006 10:26
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    interessanter tip, auch wenn die entfernung etwas groß ist. was mich sehr verwundert hatte, waren die doch eher für heutige verhältnisse günstigen eintrittspreise... lg heike

  • Liebchen0583 05.05.2006 18:41
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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