Mount Sinai - Mosesberg, St. Catherine's Protectorate, Sinai

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Mount Sinai - Mosesberg, St. Catherine's Protectorate, Sinai

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Herr Moses, wir kommen!

5  06.03.2012

Pro:
Sehenswert, Sonnenaufgang

Kontra:
Kein Spaziergang !

Empfehlenswert: Ja 

GrafenMark

Über sich: 3. KF vorbei, schön war's. Vielen Dank für die vielen BH, persönlich folgt!! - Bevorzuge Berichte au...

Mitglied seit:07.05.2001

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Die letzte Etappe unserer Ägyptenrundreise vor dem „Urlaub“ sollte der Mosesberg sein, Dschebel Mussa genannt.
Ausgangshotel war das Hotel Morgenland. Man übernachtet dort, wobei die Nacht nur bis ca. 0 h geht, denn Aufbruch zum Berg ist 1 h.


EIN PAAR WORTE VORAB

Für uns war der Grund der Besteigung des Mosesberges lediglich der, daß es zur Rundreise gehörte. Viele (die meisten, schätze ich) gehen dort aus Glaubensgründen hin. Ich werde hier also nichts christliches oder Bibelzitate schreiben. Der Bericht schildert unseren Auf- und Abstieg und meine persönlichen Eindrücke und unser Erlebnis.


FAKTEN

Der Berg ist auf der Sinai-Halbinsel und 2285 m hoch. Man weiß heute nicht mehr die genaue biblische Lage des Sinai, setzte sie aber mit diesem Berg gleich.

Man gelangt über eine ausgebaute Straße bis zum Katharinenkloster in rund 1585 m Höhe, danach kann man über einen Fußweg selbst gehen oder auf Kamelen bis kurz unterhalb des Gipfels reiten. 700 m Höhe bzw. 2,5 km sind das dann noch. Der letzte Abschnitt, steile 300 m über ca. 750 in Stein gehauene Stufen muß dann wirklich zu Fuß überwunden werden. Diese letzten 300 m beginnen in der Elija-Mulde, wohin sich Moses zurück gezogen haben soll, um die Gebote zu empfangen.
Will man komplett die ganze Strecke zu Fuß gehen, muß man 4000 Stufen hoch klettern. Und wieder runter...

Auf dem Gipfel ist eine Moschee aus dem 12. Jhdt. und eine Kapelle, die Moses und der heiligen Dreifaltigkeit geweiht ist. Die Kapelle wurde 1934 auf Ruinen einer unter Kaiser Justinian zwischen 548 und 565 gebauten Basilika.

Im Winter fällt hier auch Schnee, was beim Aufstieg mit mangelnder Ausrüstung Probleme bereiten kann.

Die Gegend ist sehr ungastlich, Felsen, Sand, Staub.


AUSRÜSTUNG?

Grund des Aufstiegs ist ja, den Sonnenaufgang zu erleben, also gegen 6 h oben zu sein. Die Stunde vor dem Sonnenaufgang ist die kälteste und wenn man bedenkt, daß man auf 2285 m hoch geht, sollte man planen.

Der eine oder andere wird vielleicht sagen, „wieso, in Ägypten wird es nicht kalt“. Weit gefehlt, es geht auf um die die 0 Grad herunter und ist oben auch zugig. In Shorts und Flipflops höchst unangenehm.

Kleidung:
Wie gesagt, lange Hose, die man später evtl. kürzer machen kann, Pullover, Windjacke, Mütze + Handschuhe. Feste Schuhe, Wanderschuhe sind ratsam. Socken.
Flipflops sind schon wegen der Bodenbeschaffenheit gefährlich.

Essen + Trinken:
Wasser darf auch hier nicht fehlen, Schokoriegel sind bis zum Sonnenaufgang zu empfehlen, danach schmelzen sie... „Bifi“ oder sowas sind auch nicht verkehrt.
Bilder
  • Mount Sinai - Mosesberg, St. Catherine's Protectorate, Sinai Kurz vor Sonnenaufgang
  • Mount Sinai - Mosesberg, St. Catherine's Protectorate, Sinai Da ist sie!
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Mount Sinai - Mosesberg, St. Catherine's Protectorate, Sinai Kurz vor Sonnenaufgang
Gegen 5.45 h

Taschenlampe:
Braucht man, um den unebenen Boden besser zu sehen.

Gute Verfassung:
Ist sinnvoll, sonst bleibt man besser unten.

Höhenangst:
Sollte man auch unten lassen.


UNSER BERG

Aufbruch am Kloster war 1h. Es war mein Geburtstag und wir hatten schon bei der Buchung Monate vorher gesagt, daß wir mit Kamelen hinauf reiten wollten. Und auch wieder hinunter, wir sind keine Wanderer und wollten auch in Ägypten keine werden.

Unser Reiseführer hatte uns vorher informiert: Medikamente mitnehmen, die wir brauchten, abends kein Schlafmittel nehmen, bei Kreislauf- oder Herzproblemen nicht hinauf gehen, mit passender Kleidung, das war uns aber klar. Manchen Leuten wohl nicht, deshlab muß man es als Reiseführer erzählen.

Wir fuhren zusammen zum Kloster, welches man aber nicht sehen konnte, es war ja noch Nacht. Aber wir waren nicht die einzigen Verrückten, die um diese Zeit dort herum liefen, es waren reine Völkerwanderungen, buchstäblich, denn man hörte alle Sprachen.

Unser Reiseführer verschwand kurz und kam mit Hassan zurück, unserem Bergführer. Nun gab er die Verantwortung ab, Hassan mußte uns an einem Stück wieder bei ihm abgeben...

Es gab keine Beleuchtung, nach der Sicherheitskontrolle tappten wir im Dunkeln. Und holten unsere Taschenlampen hervor.

Wir gingen zu einem Sammelplatz für Kamele und wurden für 2 Tiere ausgewählt.

Ich hatte bei meinem Bericht zum St. Simeonskloster/Assuan schon einiges über Kamele bzw. Dromedare geschrieben und werde das jetzt nicht wiederholen. Während die Tiere dort und auch an Stränden „zum Spazierenreiten“ andere Sattel haben, die mehr an Kissen erinnern, haben diese hier richtig feste Sattel, die auch den Reiter „einklemmen“. Beim Aufstieg war das noch nicht so wichtig, aber bergab schon.

Es war nicht kalt, eher angenehm. Wir hatten lange Hosen an, wir konnten sie später kürzen. Feste Schuhe, wir trugen stabile Turnschuhe, T-Shirt, Pulli darüber, Windjacke. Ich hatte mein Tuch mit, mein Mann eine Kappe.

Einige sah man mit Mützen und Handschuhen. Jeder wie er meint. Andere waren in kurzer Hose, T-Shirt und Latschen da. Z. T. wirklich in Flipflops. Ich kann das nicht nachvollziehen, man würde hier auch nicht in Badelatschen auf die Zugspitze gehen!

Wir stiegen auf „unsere Kamele“ respektive Dromedare und los ging es. Der Aufstieg dauert geritten ca. 2,5 – 3 Stunden. Es war gemütlich und man konnte den Sattel auch getrost los lassen. Wir mußte beide zwischendurch absteigen, weil sie sich gelockert hatten. Die Tiere liefen ohne Führung frei hinauf.
Neben der Strecke sah man die Taschenlampen derer, die zu Fuß hinauf gingen. Sie waren ein wenig entfernt, damit sich Tiere und Läufer nicht gegenseitig behinderten.
Wir sollten keine Lampen anmachen, damit wir unsere Kamele nicht irritierten. Wir brauchten aber auch keine, da wir nur ritten, war es hell genug, der Mond schien. Zu sehen gab es nicht viel, wie wir später im Hellen sehen sollten.

An der Strecke sind Rast-Zelte. Beduinen verkaufen hier Getränke, Snacks und Süßigkeiten. Es gibt keinen Strom, Petroleumlampen geben Licht.

Als wir am Kamelziel angekommen waren, mußten wir erst einmal unsere Knochen sortieren, man merkt schon die Stunden auf dem Kamel.

Dann ging es zu Fuß weiter.

So, hier kam nun der Moment, wo ich mir sagte „was machst Du eigentlich hier??“

750 Stufen, ich weiß nicht, wer den Begriff „Stufe“ für diese Tritte gewählt hat und ich weiß nicht, wie er zählte...
Es waren gefühlte 5000 in Stein gehauene unterschiedlich hohe Kletterhilfen... anders kann man es nicht nennen. Geländer oder Seil an der Seite gibt es nicht.
Ich bin zwar zu klein geraten, laufe aber regelmäßig, aber ich mußte irgendwann passen. Bzw. ich hätte mir das wahrscheinlich nicht eingestanden, aber Hassan meinte nach einer Weile, ich solle nicht weiter gehen und parkte mich in einer windgeschützten Ecke. Er gab mir noch seine Fellweste und ging mit meinem Mann weiter. Aussicht hatte ich auch, es war also egal. Ich konnte nicht mehr und konnte mir so die Leute ansehen... Es war okay und sicher die richtige Entscheidung.

So gingen mein Mann und Hassan allein weiter.

Nach ca. 30 Minuten war Hassan wieder da und wir gingen zusammen „gegen den Strom“ zu einem Rastzelt. Ich war bei weitem nicht allein, die nicht bis rauf ging. Viele Personen jeden Alters gingen zurück.

Ich trank einen Tee, mit Zucker übrigens, knabberte ein paar Sonnenblumenkerne.

Es wurde kühler und gegen 5.15 h brachte Hassan mich zu einer Nische, wo Französinnen und Brasilianer waren, und wir den Sonnenaufgang perfekt sehen konnten.
Wir machten gegenseitig Fotos und es fand sowas wie „Völkerverständigung“ statt.

Kurz vor dem tatsächlich Aufgang wurde es kühler, ich war froh um meinen Schal. Gegen 6 h war die Sonne da, es wurde fotografiert, was die Kameras hergaben.

Vom Gipfel hörte man nichts, ich ließ mir aber erzählen, daß kurz vor 6 in der Kapelle dort die Glocke läutete und die verschiedenen Gruppe christliche Lieder anstimmten und beteten. Es war da oben schon ein erhebendes Gefühl.

Dann suchte ich die Toilette auf. Das mich kein hochtechnisierte Toilette erwarten würde, war mir klar, ich rechnete mit „Loch in Felsspalte“ und wurde überrascht. Das „Häuschen“ war mit Teppichen ausgelegt, es gab eine Toilette! Naja, ohne Spülung, klar, vermutlich war sie auf der Felsspalte, aber egal. Sie erfüllte ihren Zweck und war vergleichsweise sauberer als in den Städten. Es kostete 1 €, aber egal.

Ich hatte von meinem Platz einen guten Blick auf die Elija-Mulde, ich saß direkt darüber.

Und ich sah, wie die Menschenmassen wieder herunter liefen. Ein Brasilianer mußte sich hinlegen, er war völlig fertig.
Irgendwann gegen 6.30 h kam auch mein Mann zurück und ich hatte das Gefühl, daß er gleich umfiele... Er war platt und mußte erst einmal Cola trinken. Aber er war völlig begeistert und froh, oben gewesen zu sein.

Kurz vor 7 gingen wir hinunter zum Kamelsammelplatz und wollten wieder hinunter reiten. Die Tiere waren irgendwie genervt und eines biss unsere Hassan. Sie sind alles andere als „nette Streicheltiere“.
Als wir aufsteigen sollten, legten wir Veto ein, denn die beiden lagen direkt an einer kleinen Mauer vor dem Abgrund. Sie gingen ein paar Schritte zum Berg, dann konnten wir aufsteigen.

Ich war das erste Kamel *gg* und mir folgte mein Mann und weitere. Durch den kameleigenen Passgang merkt man bergab sehr stark, vor allem, wenn das Tier die Stufen hinunter geht. Es fällt vorne sofort ab. Wir mußten uns den ganzen Weg über festhalten. Mein Kamel ging etwas gemäßigt, aber die nach mir „zack, unten“.

Es war ja nun hell und wir konnten sehen, was wir da getan haben! Unglaublich, Felsen, steile Abhänge, rechts oder links vom Weg... Keine Sicherungen. Irre sag ich Euch. Hier gäbe es so etwas niemals. Dazwischen Touristen, die einfach quer liefen, mit Latschen durch Felsen...

Inzwischen war es warm, wir zogen aber nichts aus, denn verschwitzt im Wind wäre sicher nicht gut gewesen.
Als wir unten waren, merkten wir keinen Knochen mehr. Rücken und Beine schmerzten, mein Mann wollte kein Rührei zum Frühstück, und wir waren uns sicher, am nächsten Tag nichts mehr bewegen zu können!

Unten übernahm uns unser Reiseführer, der noch ein paar Stunden geschlafen hatte.

Wir tranken etwas, gaben Hassan noch einen Betrag und fuhren dann zum Hotel zurück. Hier sollten wir duschen, packen und frühstücken. Dann sollte es nach Sharm elSheikh gehen, in den Urlaub!


FAZIT

Die Besteigung des Mosesberges ist sicher ein Erlebnis und wir möchten es nicht missen. Aber noch einmal würden wir es nicht machen. Jeder, der in einem Reiseführer darüber liest, denkt, das es leicht ist. Das ist es aber nicht, im Gegenteil. Wer irgendwelche Probleme hat, sollte es sich überlegen.
Hier ist m. E. auch ein großer Fehler bei den Veranstaltern, die Tour wird als viel zu einfach beschrieben. Ich weiß nicht, was sie machen, wenn etwas passiert. Umknicken ist da glaube ich das kleinste Problem.

Wie auch immer, es war ein tolles Erlebnis!

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
t.schlumpf

t.schlumpf

21.12.2012 02:37

bin da ;o)

Ofenmaus

Ofenmaus

03.06.2012 13:55

Hier mein nachgereichtes "BH" :)

Ofenmaus

Ofenmaus

31.05.2012 23:56

Richtig klasse geschriebe! BH folgt :)

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