Monte Albán

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Siedlung auf abgetragenem Berg

5  25.12.2005

Pro:
besonders beeindruckend, Bergspitze vor 2500 Jahren abgetragen

Kontra:
nichts

Empfehlenswert: Ja 

Carsten1962

Über sich:

Mitglied seit:10.11.2004

Erfahrungsberichte:69

Vertrauende:74

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 204 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Der sechste Tag meiner Mittelamerikareise begann mit einem Ausflug nach Monte Alban. Monte Alban war die Hauptstadt der ehemaligen Zapoteken- und Mixtekenreiche. Die Ausgrabungsstätte liegt nur ca. 12 km westlich von Oaxaca entfernt. Der Eintritt entspricht dem Standard der historischen Stätten, 38 Peso. Das entspricht ein wenig mehr als 3 Euro. Ihre Besonderheit ist, dass sie auf einem Berg liegt, dessen Spitze vor mehr als 2500 Jahren abgetragen wurde. Dabei entstand ein 400 m mal 200 m großes Plateau. Wenn man bedenkt, dass dies alles von Hand und ohne Werkzeuge aus Metall geschehen ist, ist es schon außergewöhnlich beeindruckend. Vor allem dann, wenn man dies vor Ort erleben darf. Da auswärtige Reiseleiter keine Führungen machen dürfen, wurde für die Führung durch die Ausgrabungsstätte ein deutschsprachiger indianischstämmiger Führer angeheuert, der uns alles sehr interessant beschrieben hat:

- Historie
- Nördliche Plattform
- Pelotaballspielplatz
- Großer Platz
- Südliche Plattform
- Museum
- Fazit


Historie
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Die Geschichte Monte Albans muss man in mehrere Phasen aufteilen. Diese Phasen sind bei den Historikern aber ein wenig umstritten. Ich halte mich hier an die Phasen, die von dem Archäologen und Entdecker von Monte Alban Alfonso Casa beschrieben wurden. In seinen Forschungsarbeiten hat er fünf Phasen beschrieben.

Die Phase Monte Alban I umfasst den Zeitraum von 800 v. Chr. bis 300 v. Chr.. In dieser Zeit wurde das Tal um Oaxaca von vermutlich Olmeken, die die erste Hochkultur in Amerika errichteten besiedelt und die Bergspitze abgetragen. Aus dieser Zeit sind noch Gebäude und Reliefs in der Ausgrabungsstätte zu finden. Auch stammen Schriftzeichen, die man auf der Nordplattform finden kann aus dieser Zeit. Sie sind die ältesten Schriftzeichen Amerikas.

Die Phase Monte Alban II umfasst den Zeitraum von 300 v. Chr. bis 0. In dieser Phase wurde das Gelände um Monte Alban terassiert. Neue Siedler kamen hinzu und vermischten sich mit der ansässigen Bevölkerung.

Die Phase Monte Alban III umfasst den Zeitraum von 0 Chr. bis 900. In diesem Zeitraum erlebte Monte Alban seine Hochphase. Hier entstanden viele neue Bauten. Diese Bauten sind zapotekischen Ursprungs. Die heute vorzufindende Form der Ausgrabungsstätte wird in dieser Zeit geschaffen. Paläste, Tempel und Stufenpyramiden werden gebaut.

Die Phase Monte Alban IV umfasst den Zeitraum von 900 v. Chr. bis 1250. Die Zapoteken legen in der Anlage Gräber an und verlassen Monte Alban. Die Archäologen haben bis heute noch keine Erklärung dafür gefunden.

Die Phase Monte Alban V umfasst den Zeitraum von 1250 v. Chr. bis 1521. Aus dem Norden wandern Mixteken in das Gebiet ein. Sie machen Monte Alban zu einer Totenstadt. 1458 erobern die Azteken das Tal von Oaxaca. Mit der spanischen Eroberung in 1521 endet die Geschichte von Monte Alban. Die Spanier entdeckten Monte Alban glücklicherweise nicht, so dass diese Stätte nicht zerstört wurde. Bewohnt war Monte Alban zu dieser Zeit schon nicht mehr.


Nördliche Plattform
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Unser Rundgang beginnt auf der nördlichen Plattform. Hier befinden sich Grundmauern verschiedener Palast- und Tempelanlagen und auch ein größerer Zeremonienplatz, der versenkte Platz genannt, weil er tiefer als die anderen Anlagen auf der nördlichen Plattform liegt. In der Mitte dieses Plattes befindet sich eine Altaranlage. Im Westen und im Osten stehen jeweils Grabhügel. Diese Ruinen stammen aus den Phasen II bis IV. Es sind gewaltige, beeindruckende Anlagen, aber der Höhepunkt sollte noch folgen.


Pelotaballspielplatz
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Über die im Osten liegende kleinere Plattform, auf der vermutlich Wohnhäuser standen gelangen wir zum im Nordosten des Großen Platzes liegenden Pelotaballspielplatz. Er stammt aus der Phase III. Pelota wurde von verschiedenen alten Völkern Mittelamerikas gespielt. Die Regeln sind leider nicht mehr gekannt, da die Spanier bei ihrer Eroberung alles vernichteten was nicht dem christlichen Glauben entsprach. Das Pelotaspiel wurde im Rahmen eines religiöses Zeremoniells durchgeführt. Von den verschiedenen Völkern wurden auch unterschiedliche Regeln verwendet. Gemeinsam haben alle Pelotaballspielplätze, dass die Anlage in Form eines Doppel-T angelegt waren. Gemeinsam haben verschiedene Pelotaballspielplätze, die schrägen Wände in der Mitte des Spielfeldes. Überliefert ist jedoch das die Gewinner des Spiels geopfert wurden. Dies ist mit unserem Gedankengut nicht nachvollziehbar. Aber dort galt es zur damaligen Zeit eine besondere Ehre. Überliefert ist auch, dass der aus Kautschuk hergestellte, etwa 10 cm im Durchmesser messende Ball mit der Schulter oder der Hüfte gespielt wurde. Auf dem Pelotaballspielplatz in Monte Alban befinden sich in den Enden des Doppel-T jeweils Löcher im Mauerwerk. In diese musste der Ball hinein gespielt werden. Weitere Regeln sind nicht mehr bekannt.


Großer Platz
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Der Große Platz ist der eigentlich Höhepunkt der Ausgrabungsstätte von Monte Alban. Vor uns zeigte sich ein riesiger Platz, der umgeben ist von den Grundmauern von Pyramiden und Palastanlagen. In der Mitte befinden sich Tempelanlagen und das Observatorium.

Alle Gebäude in Monte Alban sind exakt in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet. Das Observatorium bildet dabei jedoch eine Ausnahme. Der fast dreieckige Bau passt in seiner Form und Ausrichtung eigentlich gar nicht zu den anderen Gebäuden. Vermutlich haben die Zapoteken hier ihre astronomischen Berechungen für ihren Kalender erstellt.

Im Südwesten sind verschiedene Reliefs ausgestellt. Bei dieser Gelegenheit erklärte uns der indianische Führer das Zahlensystem der alten Völker. Ein eher kompliziertes System aus Punkten, kreisförmigen Gebilden und Strichen. Dies war sehr interessant, weil wir bei verschiedenen Ausgrabungsstätten immer wieder auf solche Zahlendarstellungen gestoßen sind und diese dann auch zum Teil erkennen konnten.

Unter den Gebäuden und auch im Observatorium sind Tunnelanlagen freigelegt worden, die aber leider nicht für jedermann zu betreten sind, da es Vandalismusschäden gab. Ich habe kein Verständnis dafür, dass man sich hier mit irgendwelchen Kritzeleien verewigen muss! Diese Leute nehmen der Allgemeinheit die Möglichkeit besondere Attraktionen zu sehen. In den Tunnelanlagen wären noch schöne Reliefdarstellung zu sehen gewesen.

Einige Reliefdarstellungen sind im Südwesten des Großen Platzes ausgestellt. Mit den Erläuterungen des Führers und des Reiseleiters war diese sehr interessant zu betrachten. Zumal man als Nichthistoriker nicht die Bedeutung erkennen kann.

Der Große Platz hinterlässt schon einen besonderen Eindruck. Insbesondere, weil hier deutlich wird, welche Arbeit es gewesen sein muss, unter den damaligen Gegebenheiten die Bergspitze abzutragen.


Südliche Plattform
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Die höher liegende südliche Plattform erreicht man vom Großen Platz aus kommend über eine gewaltige Treppe. Hier sind zur Zeit noch keine besonderen Anlagen zu sehen. Diese sind noch nicht freigelegt. Zur Zeit ist man aber, wie wir sehen konnten, dabei, diese frei zu legen. Das Besondere an der südlichen Plattform ist der fantastische Ausblick über die gesamte Ausgrabungsstätte und auch ins Tal nach Oaxaca. Diesen Blick genießen zu dürfen, lohnt die steile Treppe hinauf zu steigen.


Museum
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Der Museumsbesuch war interessant. Wichtiger ist aber der Besuch des regionalen Museums in Oaxaca, weil dort die Grabbeigaben des Grabes Nr. 7 aus Monte Alban ausgestellt sind. Zu sehen sind im Museum von Monte Alban verschiedene Stelen und Reliefs.


Fazit
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Monte Alban war ein Höhepunkt der Reise, nicht nur weil es auf einem Berg liegt. Man würde sicher etwas verpassen, wenn man auf einer Rundreise diese Ausgrabungsstätte nicht gesehen hat.

Auch hier galt wieder der für uns moderate Eintrittspreis von 38 Peso.

Es hat mich sehr beeindruckt, dass schon vor 2500 Jahren die Spitze eines Berges in diesem Umfang abgetragen wurde.

Einen ersten Eindruck über das gewaltige Werk des abgetragenen Bergs vermittelt ein Modell am Eingang der Ausgrabungsstätte.

Der schon über achtzigjährige indianische Führer hat eine interessante Führung gemacht, wenn auch sein Deutsch manchmal recht gebrochen war. Dabei fand ich es auch sehr gut, dass er uns das Zahlensystem erklärt hat.

Das Museum ist interessant. Man hat aber nichts wesentliches verpasst, wenn man den Besuch auslässt.

Monte Alban wird mir sicher als sehr interessant in Erinnerung bleiben. Für dieses Reiseziel vergebe ich sehr gern 5 Sterne.


Vielen Dank für das Lesen, das Bewerten und das Kommentieren.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Moin007

Moin007

22.11.2006 23:40

Moin Moin Carsten1962. Deine Berichte lese ich sehr gerne. Gruß. Moin007

varis

varis

02.04.2006 12:50

Super interessant und schön geschrieben. Die Fotos sind auch toll! ***** LG, varis

Nick_Neschi

Nick_Neschi

09.02.2006 12:41

super bericht und ganz tolle bilder...mensch ich glaub ich muß meine nächsten urlaubspläne ändern...*lach*...aber vorher noch ein bissel sparen...*arg*...ich möchte mir das alles auch unbedingt einmal anschauen, finde das alles super interessant...lg...jonny :o)

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