Diese Woche war ich in einem interessanten, aber gruseligen Museum, dem Mittelalterlichen Kriminalmuseum in Rothenburg ob der Tauber. In diesem kann man sich ausgiebig über die Rechtsgeschichte informieren. Manch einer wird sich jetzt denken: “Ach, das klingt ja langweilig!” - ist es aber nicht…
WAS ES IM MUSEUM ZU SEHEN GIBT
Der Rundgang durch das Museum ist durch Pfeile gekennzeichnet. Dadurch ist die Orientierung im Museum gut strukturiert. Zunächst wird man in den Keller geleitet. Auf mehreren großen Übersichtstafeln kann man sich über die Geschichte der Rechtssprechung informieren. Hier werden unter anderem auch die Grundlagen der Inquisition erläutert. Diese ersten Informationen machen dem Besucher sofort deutlich, dass alles Folgende nicht nach heutigen Vorstellungen von Rechtssprechung gemessen werden kann. So galt es in vergangenen Jahrhunderten ja beispielsweise nicht als verwerflich, Geständnisse durch Folter zu erreichen, wenn die Beweise fehlten. Die Hexenverfolgungen sind sicherlich nicht das einzige Beispiel dafür.
Für die Folter wurden natürlich spezielle Instrumente benötigt - eine große Sammlung solcher Folterinstrumente können auf insgesamt 3 Stockwerken begutachtet werden. Daneben finden sich auch Instrumente, die zur Bestrafung eingesetzt wurden, wenn dann das Urteil gefällt war. Außerdem enthält die Sammlung auch Waffen, die zur Todesstrafe eingesetzt wurden. Das Outfit eines Scharfrichters machen die gruselige Stimmung endgültig perfekt. Ebenfalls schaurig ist meiner Meinung nach ein Löffel, mit dem den zu Tode Verurteilten ihre Henkersmahlzeit verabreicht wurde. Mir wurde schon etwas mulmig zumute, als ich mir überlegte, wie viele Menschen wohl ihre letzte Mahlzeit damit genommen haben, bevor sie unschuldig zu Tode kamen.
Neben solch gruseligen Objekten sind dann aber auch harmlosere Exponate zu finden, die die Rechtsgeschichte weiter veranschaulichen. Zum Beispiel gibt es eine Sammlung von verschiedenen Siegeln, die für vertrauliche Informationen genutzt wurden. Auch verschiedene schriftliche Quellen sind ausgestellt, unter anderem kann man hier zum Beispiel das Protokoll einer “Hexenvernehmung” lesen. Eine Vertiefung in das Thema ist auf jeden Fall möglich. Bildquellen veranschaulichen die Grundsätze der mittelalterlichen Rechtssprechung zusätzlich.
EINIGE OBJEKTE UNTER DER LUPE
Einige Objekte haben mich schon sehr überrascht, teilweise aber auch schockiert….
PRANGER
Am Pranger stellte man Leute aus, die etwas angestellt hatten. Man kennt ja heute noch die Redewendung: “…jemanden an den Pranger stellen”. Die öffentliche Zurschaustellung konnte teilweise noch mit speziellen Objekten verschärft werden. Zum Beispiel hängte man einem Spielbetrüger am Pranger vielleicht noch eine überdimensionale Kette mit Holzwürfeln um den Hals, um den Betrug für jedermann sichtbar zu machen.
SCHANDMASKEAuch Schandmasken aus Eisen wurden am Pranger gerne genutzt. Diese gab es in unterschiedlichen Formen. Teilweise hatten sie lange rüsselartige Nasen, die beim Ein- und Ausatmen pfeifende Geräusche von sich gaben. Manche Schandmasken hatten die Form von Schweineköpfen, um zum Ausdruck zu bringen, dass der Bestrafte sich “schweinisch” benommen hatte. Eine besonders “scharfe” Variante war eine in der Maske angebrachte “Zungenklemme”, die das Sprechen unmöglich machte. Solche Zungenklemmen wurden für Menschen benutzt, die etwas ausgeplaudert hatten, was sie für sich hätten behalten sollen.
SCHELLENSCHUHE
Schellenschuhe sind schwere Schuhe aus Eisen, die durch eine Schraube enger geschraubt werden konnten, was ich mir sehr schmerzhaft vorstelle. Auf der Fußspitze hatten sie je eine Schelle, die auf den Bestraften aufmerksam machen sollten, wenn er zur öffentlichen Zurschaustellung durch die Stadt geführt wurde.
DOPPELGEIGEDie Doppelgeige hingegen hat mir zwischendurch mal ein Lächeln auf die Lippen gezaubert. Geigen gab es auch in der einfachen Ausführung für eine Person. Und zwar wurden Hals und Arme in eine Holzkonstruktion (in der Form einer Geige) gespannt, so dass der Bestrafte sich kaum noch bewegen konnte. Mit dieser Geige wurde er dann auf dem Marktplatz zur Schau gestellt. Die Doppelgeige ist dann eben eine Holzkonstruktion, in die zwei Menschen gleichzeitig “gesperrt” werden konnten. Sie wurde gerne für streitenden Frauen genutzt. Diese wurden dann zusammen in die Doppelgeige gesperrt, bis sie sich wieder vertragen haben. Stell ich mir ja schon spannend vor ;) Ich weiß, manch einer wird nun an den letzten Streit seiner Kinder zurückdenken - aber nein, es ist nicht mehr erlaubt, zwei Streithähne in eine Doppelgeige zu sperren ;)
KEUSCHHEITSGÜRTEL
Die Sammlung enthält außerdem zwei echte Keuschheitsgürtel aus Eisen. Diese waren nicht zur Bestrafung gedacht, sondern dienten wohl eher der Vorbeugung von Fehltritten. Keuschheitsgürtel wurden gerne von Männern eingesetzt, wenn sie auf lange Reisen gingen. Durch diese abschließbare Eisenkonstruktion sollte verhindert werden, dass sich die Frau in der Abwesenheit des Mannes mit einem anderen Mann vergnügen kann. Keuschheitsgürtel für Männer konnte ich allerdings keine finden ;)
SCHANDFLÖTEDie Schandflöte ist eine Eisenflöte, mit der man nicht wirklich Musik machen kann. Anstelle eines Mundstücks hat sie eine Kopfschlinge aus Eisen. Durch diese Schlinge konnte die Schandflöte am Hals des Bestraften angebracht werden. Sie wurde zur Bestrafung von schlechten Musikern genutzt. Diese wurden dann mit der Schandflöte am Kopf am Markplatz zur Schau gestellt. Über die Schandflöte musste ich ehrlich gesagt schon lachen, da ich mich dann so an die Charts der letzten 10 Jahre dachte und mir ausmalte, wem ich die Schandflöte umhängen wurde ;) Ich will lieber keine Namen nennen, aber einige meiner Favoriten wurden durch DSDS bekannt ;)
KONTAKTDATEN & PREISE
Die Eintrittspreise sind in Anbetracht der ausgestellten Masse echt angemessen:
- Erwachsene: 4 Euro
- Rentner: 3,50 Euro
- Studenten: 2,80 Euro
- Schüler, Kinder: 2,40 Euro (Kinder unter 6 Jahre frei)
- Gruppen ab 20 Personen: 3,50 Euro
- Familienkarte: 10,40 Euro
Wer eine Führung wünscht, muss natürlich noch einen Aufschlag zahlen. Da die Objekte aber wirklich toll beschriftet sind, ist dies meiner Meinung nach nicht unbedingt notwendig.
Kontaktdaten:
Mittelalterliches Kriminalmuseum
Burggasse 3-5
91541 Rothenburg ob der Tauber
www.kriminalmuseum.rothenburg.de
MEIN FAZIT
Ich fand das Museum echt spannend und sehenswert, auch wenn ich einige der ausgestellten Gegenstände richtig gruselig fand. Das Museum macht die Rechtsgeschichte meiner Meinung nach zu einem anschaulichen und spannenden Thema.
Ich vergebe die vollen 5 Sterne *****