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Erfahrungsbericht

für Mennonitenkirche, Friedrichstadt
5 Sterne Sylvianes History-Tour (29) Bericht mit Bildern
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Empfehlenswert: Ja

Pro wunderschöne alte Kirche, der Glaube der Mennoniten fast seit Gründung beheimatet

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Der Autor

Sylviane Seit 17 Aug 2001

***beLIEve ***Vielen Dank für ALLE Bewertungen! Bitte nicht böse sein, wenn ich derzeit nicht in... mehr

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In meiner History-Reihe geht es heute wieder einmal ins schöne Friedrichstadt. Bisher habe ich Euch die Synagoge in Friedrichstadt vorgestellt, die katholische Kirche St. Knuth, die Remonstrantenkirche und in einem vor einiger Zeit schon geschriebenen Bericht auch die evangelische Kirche, der ich persönlich auch angehöre. Nun hat Friedrichstadt aber kurz nach der Gründung im Jahre 1621 noch einige Glaubensrichtungen mehr vertreten, da in diesem Ort Glaubensfreitheit herrschte. So haben sich dort auch die Mennoniten niedergelassen und eine Kirche gebaut. Und diese Mennoniten Kirche möchte ich Euch heute in meinem Report vorstellen.

Ich gehe mal davon aus, daß der Glaube der Mennoniten ebenso wenig bekannt ist wie der der Remonstranten. Das habe ich an einigen Kommentaren zur Remonstranten Kirche gemerkt. Für mich natürlich ungewöhnlich, da ich mit all diesen Glaubensrichtungen aufgewachsen bin und die Glaubensvielfalt in meiner Heimatstadt für mich immer ganz normal gewesen ist. So waren auch Mennoniten für mich nichts ungewöhnliches. Vielleicht zunächst einmal ein wenig zu dem Glauben der Mennoniten und der Namensgebung.

Wie kamen die Mennoniten zu ihrem Namen?
Die Mennoniten haben ihren Namen nach ihrem Begründer bekommen. Und zwar war das Menno Simons. Wie man an der Endung auf "O" hört, handelt es sich um einen friesischen Namen, denn die Enden in der männlichen Form häufig auf "O" wie auch Onno, Enno etc. So sind die Mennoniten also auf den Vornamen ihres Geründers gemünzt worden.
Die Mennoniten sind auch gleichzusetzen mit der Tradition der Täufer. So sagt man zu ihnen auch Alttäufer.

Das Besondere ihrer Lehre und ihres Glaubens:
Die Mennoniten lassen sich erst als Erwachsene taufen. Sie wollen die volle Entscheidung des Menschens, diesen Schritt der Taufe zu gehen. So werden hier keine Kinder getauft, wie das bei den evangelischen-lutherischen Glaubensformen oder auch dem katholischen Glauben ist. Weiter gehört es bei den Mennoniten dazu, daß sie sich bekehren. Das bedeutet, die bewußte Abkehr vom Leben in der Finsternis und der Sünde. Ein Mennonit lebt streng nach den Gesetzen Gottes und glaubt an die Wirkung des Heiligen Geistes. Mit der Taufe des Erwachsenen wird die Bekehrung besiegelt. Zum Glauben der Mennoniten gehört es auch, Menschen der Gemeinde zu verstoßen, sollten sie wider die Gesetzte gehandelt haben. Es obliegt ihr aber auch, sie wieder aufzunehmen nach einer Lossprechung von den Sünden. Die Mennoniten leben sehr schlicht. Selbstlosigkeit ist einer ihrer größten Güter, ebenso Demut und Wahrhaftigkeit. Sie sind gegen Gewalt und setzen sich sehr für den Frieden ein. Mennoniten verweigern den Wehrdienst auf Grund ihres Glaubens. Es gibt sogar eine Organisation für Verfolgte gleich welcher Religion, die sie unterstützt. So handeln die Mennoniten allen Menschen gegenüber selbstlos, gleich welcher Religion der andere angehört.
In Amerika ist der Zweig der Amisch people verbreitet, der die gleiche Lehre verfolgt wie die Mennoniten. Ich denke, diese Begriff ist durch Fernsehfilme und Reportagen eher den meisten geläufig. Allerdings sind die Mennoniten hier in Friedrichstadt nicht so verschlossen und für sich lebend, wie man das von den Amisch aus den Filmen kennt. Ich weiß auch nicht, ob es so der Realität entspricht, was in den Filmen oft über Amisch people gebracht wird, oder ob es mehr der Feder des Drehbuchautors entsprungen ist. Aber die Friedrichstädter Mennoniten leben schon an sich recht menschenbezogen und "normal" wie andere anderen Glaubens auch, auch wenn sie ihre Lehre beachten. Aber sie sind nicht so, daß sie sonderbar auf ihre Mitmenschen wirken würden. Da hat das Fernsehen wohl doch etwas zu tief in die Phantasiekiste gegriffen.

Lage der Mennonitenkirche:
Die Kirche liegt praktisch im Hinterhaus, dem so genannten Anbau an die alte Münze, dem Friedrichstädter Museum, früher Haus des Stadthalters.
Sie ist am Wasser gelegen, direkt am Mittelburggraben im so genannten Teil der Vorderstadt Stadt Friedrichstadts, dessen Grenze zur so genannten Hinterstadt der Mittelburggraben ist. Heute spielt das freilich keine Rolle mehr. Doch früher gab es schon Unterschiede zwischen Vorderstadt und Hinterstadt, gerade die Kinder betreffend, die ihre Gruppierungen hatten. Aber das wäre eine andere Geschichte.

Parken:
Wer die Mennoniten Kirche besuchen will, sollte sein Fahrzeug auf dem Markt (kostenpflichtig) abstellen oder einem der anderen Parkplätze Friedrichstadts, am besten etwas außerhalb, da so auch alles noch schnell zu Fuß zu erreichen ist. Die Seitenstraßen und kleinen Gassen bieten meist eher schlecht Parkmöglichkeiten. Und in der Innenstadt, dem alten Stadtkern braucht man kein Auto. Alles liegt dicht bei einander.


Die Kirche in Friedrichstadt:
Seit etwa 1623, also schon zwei Jahre nach der Stadtgründung kamen die ersten Mennoniten hier her nach Friedrichstadt. Es heißt, sie haben die Remonstranten als Fürsprecher gehabt, um sich auch in dieser Stadt niederzulassen. Den jetzigen Betsaal haben die Mennoniten seit 1708 inne.
Ihre Kirche hat unter dem Krieg um Friedrichstadt in den Jahren 1847- 1850 sehr gelitten und musste renoviert werden. 1852 hat die Kirche eine neue Orgel bekommen, die noch bis zum zweiten Weltkrieg genutzt wurde. Dann aber durch die Einquatierung von Soldaten in diesem Haus beschädigt wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg teilen sich die Mennoniten und die dänische Gemeinde in Friedrichstadt diese Kirche. Durch die Dänen ist ein Altar und ein Kruzifix hier aufgestellt worden, was in einem reinen mennonitischen Haus nicht üblich wäre.
Die Kirche hat keinerlei Turm und keine Glocke. Von ihrem Äußeren her könnte man sie für ein ganz normales Haus halten.
Der Beetsaal kann durch einen Extraeingang betreten werden, der einen direkt in die Kirche führt. Befindet man sich auf einer Führung, kann man über eine Empore durch das Museum Alte Münze in den Betsaal der Mennoniten schauen. Man kann sich dann im Bereich der alten Orgel aufhalten, die allerdings abgesperrt ist, damit sie nicht weiter beschädigt wird durch Besucher.
Die Kirche selbst ist sehr schlicht, aber anmutig gehalten wie ich finde. Wir sehen auf weiße Wände und weiße Bänke von der Empore herunter, denken uns Altar und Kruzifix weg, denn das gehört ursprünglich nicht hier hin, vielleicht auch noch die neue Orgel im Betsaal einfach gedanklich streichen und wir sind wieder bei den Anfängen der Mennoniten in Friedrichstadt. Ein Taufbecken ist selbstverständlich vorhanden, denn darauf beruht ja die Grundlage des Glaubens dieser Gemeinschaft. Im Falle der mennonitischen Kirche in Friedrichstadt ist es aber ein "normales" Taufbecken, das verwendet wird, keines, wo die zu taufende Person ganz unter getaucht wurde. Ich bin nicht sicher, ob früher die Taufe der Mitglieder nicht im Binnenhafen von Friedrichstadt stattgefunden hat, da es auch üblich ist, in einigen Gemeinden, die Täuflinge ganz unter zu tauchen. In sofern wäre es möglich, daß man das in Friedrichstadt auch so praktiziert hat und im Binnenhafen oder gar vor der Haustüre so gesehen im Mittelburggraben getauft hat. Die Möglichkeit hätte auf jeden Fall bestanden.
Auch wenn die Alte Münze und die Mennonitenkirche so gesehen in einem räumlichen Zusammenhang stehen, man durch das Museum in die Kirche blicken kann, so sind es doch getrennt Baulichkeiten. Die Alte Münze ist zu einem früheren Zeitpunkt entstanden als die Kirche. Sie ist im Grunde eine Art Anbau an die Alte Münze, die einst das Haus des Statthalters war.

Der Mennonitenfriedhof:
Wer einmal einen alten Stadtplan von Friedrichstadt gesehen hat, der weiß daß die alten Häuser im Stadtkern im Karee gebaut sind. Im "Block" wie wir immer sagen. Das bedeutet, daß alle Häuser aneinandergrenzen und man sich den Platz in der Mitte der Häuser so gesehen als Garten oder Hofplatz teilen muss. Nun sind diese unterschiedlich groß. Mal gehört ein großes Stück Grund zu einem Haus, mal ein kleineres. Auf jeden Fall sind die Gärten in Friedrichstadt oder auch nur die Hofplätze im alten Stadtkern immer in Inneren der Blocks. So ist es auch bei der Mennonitenkirche. Diese allerdings hat nach hinten hinaus keinen Garten, sondern einen Friedhof angelegt. Alle Friedrichstädter Mennoniten, die gestorben waren, sind dort begraben. Nun haben sich viele Mennoniten im Laufe der Generationen natürlich in die Welt versträut, doch es heißt, daß auch heute noch hier Familien ihre Angehörigen beerdigen, die diesem Glauben angehören. Nun sind es zwar nur noch wenige Familie und die Namen auf den Grabsteinen wiederholen sich, aber der Mennonitenfriedhof in Friedrichstadt ist noch nicht stillgelegt, sondern wird noch genutzt. So mag es ein wenig befremdlich sein, einen Friedhof in mitten der Häuser zu finden, aber da die Kirche schon bald nach Gründungszeiten gebaut wurde und die Mennoniten einen Friedhof brauchten, war es nur normal bei dieser Bauweise das Land hinter dem Haus dazu zu nehmen, auch wenn die Gärten der Nachbar so an den Friedhof grenzen. Ganz in der Nähe im selben Block befindet sich übrigens die Synagoge der Juden. Man kann vom Friedhof der Mennoniten bis dorthin blicken. So eng liegen hier die Glaubensgemeinschaften beieinander. Die evangelische Kirche befindet sich übrigens der Mennonitenkirche gegenüber, nur durch den Mittelburggraben getrennt.

Vorhof der Mennonitenkirche:
Vor der Kirche ist ein kleiner Hofplatz, der mit viel Grün versehen ist und ein großes grünes Tor befindet sich dort, zum Gelangen auf das Kirchengelände. Für die Besucher gibt es noch eine kleinere Pforte.
Mich hat als Kind immer dieser kleine Vorhof der Mennonitenkirche fasziniert. Ich fand ihn durch die damals noch riesigen Bäume auf dem Platz sehr düster und ein wenig schaurig, vor allem wohl auch, durch die Vorstellung, daß man diesen Vorhof überqueren musste, dann einen kleinen Gang langgehen und dann gleich auf einem Friedhof war.

Die Mennoniten Kirche heute:
Heute finden in dieser Kirche noch Gottesdienste statt. Diese werden aber nicht oder nur sehr selten von Mennoniten abgehalten, sondern von der dänischen Minderheit in Friedrichstadt, die diese Räume nutzen dürfen. Daher auch das Kruzifix und der Altar, den die Mennoniten so nicht in ihrer Kirche haben.
So kann man zu Gottesdienstzeiten an den Gottesdiensten der dänischen Gemeinde vorwiegend teilnehmen. Ebenso kann man einen Blick in die Kirche werfen bei einer Stadtführung oder aber bei einem Besuch des Museum der alten Münze.

Fazit:
Wer sich für den Glauben der Mennoniten interessiert, kann hier in Friedrichstadt einige Antworten finden. Andersherum, wer an Friedrichstadt Interesse hat, wird sicherlich auch seinen Weg zur Mennonitenkirche finden. Ich denke, diese Stadt und ihre verschiedenen Glaubensrichtungen gehören einfach zusammen. Und da ich das große Glück hatte, in dieser Stadt aufzuwachsen, ist es mir manches Mal nicht einmal bewußt, was ich an kulturellen Schätzen praktisch mit in die Wiege gelegt bekommen habe. Erst viel später, nachdem ich schon weggezogen war, erkannte ich die Schönheit, den kulturellen Reichtum und das historische Gut dieser Stadt. Und ich komme gern immer wieder her, um dieses nun mit vollen Sinnen aufzunehmen und zu erfahren. Und das möchte ich Euch unter anderem in meiner kleinen History-Tour mitgeben.

Bilder

für Mennonitenkirche, Friedrichstadt
mennoniten
Die Alte Münze, das Friedrichstädter Museum, durch das man in den Betsaal der Mennoniten sehen kann
von Sylviane Sylviane
mennoniten

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Kommentare

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  • jockel2001 20.05.2011 16:07
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • thomas_kretschmer 02.05.2010 12:48
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Arti25 11.12.2008 00:48
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • arielle76 09.11.2008 23:41
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Carmelita2905 05.10.2008 21:57
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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