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Marienhospital Kirchhörde Psychiatrie
Pro Kompetenz, freundliche Einrichtung
Kontra lange Wartelisten
Das Marienhospital in Dortmund Kirchhörde ist eine der wenigen kompetenten Kliniken in Dortmund, die fachlich auf psychisch kranke Menschen ausgerichtet ist.
Wenn ich sie mit den anderen mir bekannten Psychosomatischen Kliniken in Dortmund vergleiche, schneidet sie am besten ab.Während das Landeskrankenhaus in Dortmund Aplerbeck und das evangelische Krankenhaus in Lütgendortmund aus riesigen anonymen Gebäudekomplexen bestehen, in denen man sich alleine und verloren vorkommt, hat das Marienhospital eher den Charakter eines Kurzentrums.
Es ist im Süden von Dortmund in einer sehr angenehmen Wohngegend gelegen und in grünes Park- und Waldgebiet eingebettet.Durch die etwas außerhalb gelegene Lage findet der Besucher hier problemlos einen Parkplatz unweit des Hauses, schwer erkrankte Patienten dürfen mit dem Auto direkt bis vor die Eingangstür gefahren werden.
Das Gebäude selbst hat nur wenige Stockwerke und ist eher nach hinten hinaus in die Tiefe gezogen, so daß man beim ersten Anblick nicht gleich erschlagen wird.Dies ist besonders wichtig für die Patienten, da viele von ihnen ungern stationär gegen ihre psychischen Probleme behandelt werden möchten.
Wenn sie sich schon aus ihrem sicheren familiären Umfeld herauswagen, muß das zukünftige "Zuhause" für die nächsten Wochen oder Monate schon ein gewisses Maß an Freundlichkeit und Wärme bieten.
Obwohl viele Patienten beim ersten Eintreten in die Klinik ganz in sich zurückgezogen sind, merkt man oft, daß der Anblick der selbstgebastelten Dinge von Menschen, wie man selbst einer ist, einen gewissen Ehrgeiz erwecken.
Es wird gestaunt, wozu ein kranker und von der Umwelt als nutzlos abgestempelter Mensch in der Lage sein kann.
Nach der Anmeldung wird dann dem Patienten ein helles, gemütlich eingerichtetes Zimmer zugewiesen, daß nur entfernt an ein Krankenzimmer erinnert.
Vorhänge, Bilder. Lampen, kleine Sitzecken...das alles soll den Aufenthalt so angenehm wie möglich gestalten.
Ich muß leider dazu sagen, daß es nicht besonders einfach ist, in diesem Krankenhaus mal eben schnell einen Platz zu bekommen.
Die beiden Male, als wir unsere Mutter dort unterbringen mußten, standen wir mehrere Wochen auf der Warteliste.
Als wir unsere Mutter nach monatelanger Herumquälerei zu Hause endlich in Kirchhörde in gute Hände gegeben hatten, machte sich ein Gefühl der Erleichterung breit.
Endlich würden sich kompetente Menschen ausgiebig mit ihrer Krankheit befassen und sie würde unter Aufsicht sein.Nach einem Tag durfte sie uns das erste Mal zu Hause anrufen, von einer Verbesserung war noch nichts zu bemerken, aber man sollte nicht ungeduldig sein.
Schließlich mußten sich die Ärzte erstmal ein Bild von unserer Mutter machen, um dann die Behandlungsmethoden und Medikamente auszuwählen.
In den folgenden Wochen wurde meine Mutter zu vielen Therapien eingeteilt, Einzelgespräche, Gruppentherapie, Beschäftigungstherapie ( Basteln, Handwerken, Handarbeiten, Kochen...), Familiengespräche mit meiner Schwester und mir.
Diese Familientherapie fand ich äußerst sinnvoll, da wir hier etwas über die Krankheit unserer Mutter von einer Fachkraft erfahren konnten.Ich kann nur jedem raten, der einen Angehörigen in solch einer Klinik unterbringen muß, Kontakt zu den Ärzten aufzunehmen und am Genesungsprozess teilzuhaben.
Man versteht das Ganze nachher viel besser und ist auch gut vorbereitet, falls die Krankheit zurückkommt.
Leider ist es tatsächlich so, daß die Krankheit zurückkommen kann.
Der behandelnde Arzt sagte mir bei der Entlassung, unsere Mutter würde nicht als geheilt, sondern als "gebessert" entlassen.
Meine Mutter leidet unter einer bipolaren endogenen Depression.
Endogen bedeutet, daß die Depression nicht durch äußere Lebenseinflüsse (obwohl diese das Krankheitsbild verschlimmern können), sondern durch eine Stoffwechselfehlfunktion im Gehirn verursacht wird, die durch Medikamente eingestellt werden muß.
Während des Klinikaufenthaltes werden den Patienten, je nachdem, wie gut sie genesen, immer mehr Freiräume gelassen.
Anfangs dürfen sie die Klinik nicht verlassen, später sind dann Tagesbesuche oder sogar Übernachtung zu Hause am Wochenende möglich.
In Gruppe werden unter Aufsicht Ausflüge ins Schwimmbad oder in die Stadt zum Bummeln unternommen.
Teilweise entstehen hierbei richtige Freundschaften unter den Patienten, die sogar den Klinikaufenthalt überdauern.
Hier guckt niemand einen schräg an, da alle irgendwie unter ähnlichen Problemen leiden...
Neben den "verschriebenen" Freizeitaktivitäten haben die Patienten noch die Möglichkeit, an Gesangsgruppen oder Spielekreisen und ähnlichem teilzunehmen, das obliegt aber jedem selbst.
Weiterhin gibt es einen Aufenthaltsraum und eine Teeküche, für deren Sauberkeit und Pflege die Patienten selbst zuständig sind (Blumen gießen, spülen, aufräumen...).Hierdurch verliert der Patient nicht ganz den Bezug zu "körperlicher" Arbeit und Verantwortung und kann sich nach der Entlassung leichter in seine Hausarbeit oder den Beruf hineinfinden.
Ein Münztelefon auf dem Stationsflur ermöglicht den regelmäßigen Kontakt zu den Angehörigen, Besuche sind jederzeit außerhalb der Therapiesitzungen möglich.Das Personal ist übrigens durchweg gut geschult und durch nichts so leicht zu erschüttern.
Die Behandlung meiner Mutter im Marienhospital hat nach ca. 3 Monaten eine Entlassung ermöglicht.Es ist auch möglich, sich selbst entlassen zu lassen, davon rate ich aber dringendst ab.
Viele Leute haben sich danach überhaupt nicht mehr mit ihrem Leben zurechtgefunden, eine Frau hat sich sogar erhängt.
Es ist auf jeden Fall wichtig, die Behandlung erfolgreich abzuschließen, alles andere passiert auf eigene Gefahr.
Tut Euren Angehörigen nicht die Einweisung in ein Landeskrankenhaus an.
Ich habe die Lebensumstände dort gesehen und kann nur sagen, wer bis dato nicht geisteskrank war, der wird es dort sicherlich...
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Atiline 19.02.2001 23:28
Tiffy70 12.09.2000 01:46
Mindbender 08.09.2000 02:28
guzimani 06.09.2000 10:58
Hallo kimbalee! Das ist ein ganz, ganz phantastischer Beitrag zu einem sehr sensiblen Thema und leider auch häufigen Tabu-Thema. Ich selber bin gebürtige Aplerbeckerin und bin rings um das LKH aufgewachsen. Im Grunde kann man sogar sagen damit, da fast meine gesamte Familie im Bereich Psychatrie arbeitet. Über das Marienhospital selber habe ich auch schon sehr viel gutes gehört. Ich wünsche Dir und Deiner Familie alles Gute! Gruß, Betsi