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Von warmen Quellen und sehenswerter Architektur

5  29.06.2012

Pro:
Eine Stadt, die in vergangen geglaubte Zeiten zurück versetzt

Kontra:
Verwirrende Hausnummern - Reihenfolge

Empfehlenswert: Ja 

dik1609

Über sich: Ich bin 55 und bedanke mich für Lesungen, Bewertungen und Kommentare - Gegenlesungen sind selbstve...

Mitglied seit:04.06.2010

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Die beste Ehefrau von allen machte sich gemeinsam mit ihrem Gatten und einem befreundeten Paar zu einem Kurzurlaub in die tschechische Republik auf. Vier Tage wollten wir in unserem Nachbarland verweilen, wobei die erste Station Marienbad (tschechisch: Marianske Lazne) war. Und hier erfuhr vor allem das uns begleitende Paar, dass Tschechien viel mehr zu bieten hat als seine Hauptstadt Prag - ich selbst indes kannte Marienbad schon von einem viele Jahre zurückliegenden Besuch und war deswegen zwar durchaus begeistert von dieser Stadt, aber nicht ganz so überrascht über deren Schönheit wie ihre Erst-Besucher.

Die Lage

Marienbad liegt im Bezirk Cheb im westlichen Tschechien auf 630 Metern Höhe. Zu finden ist die Stadt zwischen der bayrischen Grenze (Oberpfalz) und dem Kaiserwald in einem klimatisch milden, nach Süden hin offenen Tal. Von Nürnberg nach Marienbad sind es nur knapp 200 Kilometer, vom oberpfäälzischen Arzberg sind noch knapp 60 Kilometer zurückzulegen, um den tschechischen Kurort zu erreichen. Die Stadt liegt an der Bahnstrecke Pilsen-Cheb (Eger), der Bahnhof allerdings liegt relativ weit von der Innenstadt entfernt.
Die Geschichte

Schon zum Ende des 12. Jahrhunderts hin wurde in der Gegend das Stift Tepl, das zum Prämonstratenserorden gehört, gegründet. Zu dieser Zeit bestand das Gelände überwiegend aus Sumpf. Im 14. Jahrhundert wurde die durch die Pest entvölkerte Gegend von Deutschen wiederbesiedelt. Die Chorherren des Stiftes Tepl wussten bereits im Mittelalter von Heilquellen, die als „sauer“ bezeichnet wurden. 1528 wurde das Wasser der Quellen auf Geheiß von König Ferdinand I. auf seine Bestandteile untersucht. Aus der Ferdinandsquelle wurde danach Salz gewonnen, das sich aber wegen seiner abführenden Wirkung nicht als Kochsalz verwenden ließ; es handelte sich um Glaubersalz. Im 17. Jahrhundert badeten Kranke aus der Umgebung in dem als heilend geltenden Schlamm und tranken das Wasser der Auschowitzer Quellen. Der Klosterarzt Johann Josef Nehr ließ in den Jahren 1807 und 1808 zwei Badehäuser im Quellgebiet errichten. Diese ersten Badehäuser wurden Marienbad genannt, nach der Marienquelle. 1818 wurde Marienbad als Kurort anerkannt, woraufhin die Sümpfe trocken gelegt und Parks gebaut wurden. In der Folge besuchten unter anderem Johann Wolfgang von Goethe, Richard Wagner, der britische König Edward VII. und der österreichische Kaiser Franz Josef I. den Ort.

Die Kuranlagen

Marienbad besitzt viele sehenswerte Bauten und Kuranlagen. In der Stadt selbst entspringen 40 Heilquellen, in der Umgebung rund 100 weitere. Die Mineralquellen sind reich an Kohlensäure und Mineralsalzen. Empfohlen werden Trinkkuren, Moorbäder und andere Behandlungen gegen Atmungs-, Stoffwechsel- und Nierenerkankungen, Verspannungen und Schmerzen im Bewegungsapparat. Der mondäne Ort hat unter anderem einen großen Kurpark, ein Denkmal des Gründers Abt Karl Prokop Reitenberger, eine Goethe-Gedenkstätte und einige Routen zum Wandern sowie einen geologischen Lehrpfad.
Unsere Ankunft

Wir reisten mit dem Auto an. Und da erwies es sich als nicht besonders sinnvoll, dass wir das mitgeführte Navigationsgerät gebeten hatten, uns über die kürzeste Strecke zu führen, denn kurz vor Marienbad fuhren wir plötzlich auf einem forstwirtschaftlichen Weg, auf dem nur ein langsames Vorankommen möglich war. Sinnvoller wäre es gewesen, der Beschilderung zu folgen, denn dadurch wären wir defintiv um Einiges früher in der Stadt angekommen. Natürlich suchten wir zunächst unser Hotel, dessen Anschrift wir natürlich auch dabei hatten. Hier ergab sich allerdings die nächste Schwierigkeit, denn eine Systematik in der Hausnummern-Reihenfolge an der Hauptstraße des Orts (Hlavni), die zudem in ihrem nördlichen Teil auch noch Einbahnstraße ist, war nicht zu erkennen. Und so gab es für uns eine ungewollte Stadtrundfahrt durch Marienbad, ehe wir überhaupt richtig angekommen waren. Diese möglicherweise nicht immer nachvollziehbare Route durch den Ort allerdings sorgte dafür, dass schon über die Architektur gestaunt werden durfte und wir später genau wussten, wohin es zu Fuß gehen sollte. Unser Hotel übrigens fanden wir erst, nachdem wir Ortsansässige befragt hatten.

Unser Spaziergang

Ganz gemütlich und ohne eigentliches Ziel machten wir uns fußläufig auf den Weg, die knapp 14.000 Einwohner zählende Stadt zu erkunden. Und es gab viel zu sehen, vor allem der großflächige Kurpark und die zugleich unterschiedliche wie faszinierende Architektur der Stadt aus der goldenen Zeit der Kurbäder waren beeindruckend - ganz einfach kann sich der Besucher vorstellen, wie einst Adlige und gekrönte Häupter hier lustwandelten. Nach dem Ende des Sozialismus 1989 in der damaligen Tschechoslowakei wurde in Marienbad enorm viel restauriert, so dass die Stadt inzwischen wieder im alten Glanz strahlt. Die meisten Kurhäuser sind dabei im Neoklassizismus gehalten. Die Stadt wird zwar vom Stil des Neuklassizismus dominiert, aber auch ein Besuch der neubarocken Kolonnade stand schnell auf unserem Tagesplan. Sie wurde 1889 errichtet und gilt als architektonisches Kleinod. Viele im Empire- bzw. Jugendstil erbaute Häuser ließen und gedanklich in die Vergangenheit wandern, die abendlichen Musik- und Lichtvorführungen der neuzeitlichen Singenden Fontäne waren ein weiterer Höhepunkt. Und zwischendurch setzten wir uns einfach einmal in den Park und genossen das wunderschöne Wetter und die Natur. Kuranwendungen indes waren von uns von vornherein nicht geplant und wurden entsprechend auch nicht vorgenommen.

Anzumerken ist noch, dass Oberleitungsbusse durch die Stadt fahren und natürlich auch genutzt werden können. Sonderlich weite Wege allerdings gibt es kaum, so dass die beste Möglichkeit zur Stadt-Erkundung ohnehin die auf Schusters Rappen ist.

Wohnen, Essen und Trinken

Natürlich gibt es in Marienbad eine ganze Reihe von Hotels - und zwar in nahezu jeder Preisstufe. Für eine Nacht im Grand Hotel können schon einmal 200 Euro pro Person fällig sein - so viel Geld allerdings wollten wir nicht ausgeben. Ganz grob gesagt gilt: Je näher das Hotel am Kurpark und den Kureinrichtungen liegt, desto teurer ist es. Unser Haus dagegen war einen knappen Kilometer von diesem Zentrum entfernt - und wir zahlten nur rund 40 Euro pro Nacht und Zimmer (einschließlich Frühstück), wobei ich über unsere Unterkunft gern noch hier berichten werde.

Das gleiche wie bei den Hotels gilt übrigens auch fürs Essen und Trinken: Hier gibt es enorme Preisspannen, wobei unser Hotel beispielsweise durchaus schon Hauptgerichte für rund 5 Euro anbot. Ähnliche Preise sind im Kurzentrum natürlich nicht zu finden, hier müssen rund 20 Euro für ein Hauptgericht eingeplant werden, wobei natürlich sowohl böhmische wie auch internationale Küche angeboten werden, zudem gibt es auch Pizza und Hamburger sowie eine Reihe von Cafés. Bezahlt werden kann überall mit tschechischen Kronen oder Euro, wobei ich die Bezahlung mit Landeswährung empfehle, weil der Umrechnungskurs der Gastronomie-Betriebe verständlicherweise immer etwas schlechter ist als der tatsächliche Devisenkurs. Bargeld können sich Besucher aus Deutschland oder Österreich an einem der zahlreichen Geldautomaten besorgen.
Meine Meinung

Alle Teilnehmer an dieser Kurzreise waren einfach nur begeistert von Marienbad. Zunächst ist die Stadt wirklich gut erreichbar, liegt sie doch nur wenige Klilometer hinter der Grenze. Und dann hat sie dem Gast auch eine Menge zu bieten, wobei ihre "Sahnetörtchen-Architektur" dafür sorgt, dass der Besucher sich in längst vergangen geglaubte Zeiten zurück versetzt fühlt. Irgendwie geht in Marienbad alles sehr ruhig zu, Hektik scheint der Stadt unbekannt zu sein. Und das passt einfach zu diesem Kurort, der vor allem von Deutschen besucht wird, zumal viele Krankenkassen die Kosten dafür auch übernehmen. Ein paar Tage in Marienbad sorgen aber auch ohne jede Anwendung für eine innere Ruhe, die in deutschen Städten nur schwer zu finden ist. Für uns waren zudem Übernachtung, Essen und Trinken preisgünstiger als von daheim gewohnt. Schließlich eignet sich Marienbad auch hervorragend als Ausgangspunkt für (Auto-)Ausflüge nach Karlsbad und Franzensbad, das tschechische Bäder-Dreieck lässt sich also von hier aus hervorragend erkunden.

Wie schön die Stadt wirklich ist, lässt sich vielleicht daran erkennen, dass das uns begleitende Paar einfach nur sagte, es habe zuvor nicht geglaubt, eine derartig beeindruckende Stadt in Tschechien zu finden. Aber: Nicht nur Prag ist einen Besuch wert. Und über unsere Ausflüge in die benachbarten Bäder werde ich auch noch sehr gern berichten.
Bilder von Marienbad
  • Marienbad ML1 - Marienbad
  • Marienbad ML2 - Marienbad
  • Marienbad ML3 - Marienbad
  • Marienbad ML4 - Marienbad
Marienbad ML1 - Marienbad
Oase der Ruhe: Der Kurpark in Marienbad
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Koenigin0310

Koenigin0310

25.11.2012 19:53

interessanter Bericht und wieder eine Altschuld abgebaut, LG

WortstarkMH

WortstarkMH

14.07.2012 12:38

Sehr idyllisch! Ich finde die Fotos toll.

hundeliebe02

hundeliebe02

05.07.2012 17:18

"bh" von uns ! Liebe Grüße von Edith und Claus

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