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Mehr als eine Kur

5  10.12.2011

Pro:
Kurze Wege zu allen Kureinrichtungen und Sehenswürdigkeiten; relativ preiswert; viele Angebote

Kontra:
- / -

Empfehlenswert: Ja 

elguwi

Über sich: Heil, gesund und mit besten Eindrücken zurück aus der ersten Urlaubsreise dieses Jahres (Ägypten). ...

Mitglied seit:24.12.2003

Erfahrungsberichte:109

Vertrauende:83

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WANN?

Wenn sich im Garten die Vegetationsperiode dem Ende neigt und ehe der Laubfall von einer gewaltigen Eiche, vier Linden und anderen Gewächsen vor und hinter dem Haus massiv einsetzt, gönnen wir uns alljährlich einen Kurzurlaub.
Die Regale im Keller sind mit Säften, Marmeladen, Gelees und Eingewecktem nach anerzogener Tradition und ererbten Rezepturen bestückt, und mittels neuerer Technik sind auch Gefrierschränke reichlich gefüllt. Es war ein gutes Jahr und die Auszeit redlich verdient.
WOHIN?

Als Mitglied zweier Reiseclubs werde ich stets mit ausreichendem Prospektmaterial (über)-versorgt, die Reiseanbieter lassen keine werbende Möglichkeit in den Medien aus, eine e-Mail oder Briefsendung übertrifft die andere, selbst eigentlich „reisefremde“ Unternehmen und Versorger springen auf den Zug des Ringens um gewinnbringende Urlaubsreisende.

Die Auswahl von Reisezielen ist überwiegend meine Aufgabe. Das erledigt sich allerdings zumeist problemlos, da ich nach vielen Ehejahren auch die Vorlieben und Ansprüche meiner Frau kenne und gern in die Entscheidung einfließen lasse.
Beinahe gleichzeitig erreichte uns im August sowohl in der Fernsehzeitung als auch von Der Club Reisen dasselbe Angebot für eine äußerst reizvolle Schnupper-Kur im Hotel Reitenberger in Marienbad. Von der Information bis zur Buchung vergingen nur wenige Tage.

WARUM?

Seit vielen Jahren war die Tschechoslowakei / Tschechei unser vorrangiges Urlaubsziel. In und um Karlsbad sowie in der Region Decin haben wir trotz aller Beschwerlichkeiten und Auflagen zumeist eindrucksvolle und unvergessliche Tage genossen.
Bisher gab es für mich nur einen Kurzaufenthalt in Marienbad. Eigentlich verwunderlich, war ich doch von dem Fluidum der Stadt und der Umgebung außerordentlich beeindruckt.
Ähnlich muss es Goethe, dem Dichterfürsten, gegangen sein, der dort von 1820 bis 1823 mehrfach einkehrte. Bei ihm schlugen -wie bekannt- die Kuraufenthalte so positiv an, dass er sich mit 72 Jahren unsterblich in die 17 jährige Ulrike von Levetzow verliebte und kurz darauf schriftlich und formell um die Hand des koketten Fräuleins anhielt. Die Ernsthaftigkeit wird für mich daran erkenntlich, dass der Herzog Carl August von Sachsen-Weimar persönlich als Hochzeitsbitter auftrat. Aus verschiedenen Gründen kam es trotzdem nicht zur Eheschließung. Die spätere Wertung der Beziehung mag der damaligen Zeit und der Bildung des so unterschiedlichen Paares geschuldet sein, lässt sich allerdings auch noch heute als äußerst tiefsinnig und geistvoll werten. Während Ulrike mit überlegter Verneinung resümierte „Keine Liebe war es nie“, nannte es der alternde Dichterfürst eine „temporäre Verjüngung.“
In Vorbereitung unseres Aufenthaltes habe ich mich kundig gemacht, ob auch über andere Kurgäste ähnliche Episoden einen Bekanntheitsgrad erreichten. Ich wurde zwar nicht sehr fündig, stieß aber auf eine geballte Anhäufung berühmter Namen, die auch widerspruchslos als die Top 100 der letzten zwei Jahrhunderte gelten könnten. Musiker wie R. Wagner, C.M. von
Bilder von Marienbad
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Marienbad Bild 01
Schönbrunnergelb - wie in alten Zeiten
Weber, F. Chopin, A. Dvorak, weitere Dichter und Schriftsteller wie M. Twain, F. Kafka, M. Gorki, N. Ibsen, Erlauchte wie Kaiser Franz Joseph I., König Edward VII., Zar Nikolaus II. oder weltweit bekannte Philosophen und Wissenschaftler sind in den Gästelisten vermerkt.
Besagter König Edward, klein vom Wuchs und mit beträchtlicher Leibesfülle, soll z.B. 9 Sommeraufenthalte im besten Hotel des Ortes vorgenommen haben. Von ihm ist u. a. folgende Wertschätzung belegt: „Ich habe ganz Indien, Ceylon, alle Bäderstädte in Europa besucht, aber nirgends hat mich die Poesie der wunderschönen Natur wie hier in Marienbad am Herzen berührt.“
WO?

Wegen der grenznahen Lage bietet sich ein Aufenthalt in Marienbad natürlich förmlich an. Mehrere gut passierbare Straßenübergänge gestatten ein schnelles Vorankommen und ergänzen die Touristenübergänge, die auch für PKW zugelassen sind. Über die Anreise mit der Eisenbahn, die etwas umständlich, aber möglich ist, werde ich mich nicht verbindlich äußern. Ebenso verwende ich auch kein weiteres Wort über eine Vielzahl von Tagestouristen, die die Tschechei nach dem Motto „Billig Sprit! Billig Essen! Billig Zigaretten! Billig Sex!“ bereisen und nicht immer zufrieden heimkehren.
Den PKW- Fahrern sei geraten, sich vor Reiseantritt über die geringfügig anderen Verkehrsregeln und -zeichen zu informieren und spätestens bei Grenzübertritt ganztägig das Fahrlicht einzuschalten.
Da der größte Teil der Reisenden vermutlich über Cheb oder Sokolov nach Marienbad fahren wird, sei der Hinweis gestattet, dass die mautpflichtige Autobahn Prag – Grenze in diesem Abschnitt kräftig gebaut wird und sich die Nutzergebühren in Zukunft ändern können. Wir bekamen für den Bereich unterschiedliche Hinweise und haben für die wenigen Kilometer die Autobahn lieber gemieden.
Die Vororte der Stadt und die Wohnbereiche der Marienbäder sind schnell passiert, und niemand hat sich verfahren, wenn links (Deichmann und Kaufland) oder rechts (LIDL) um Kundschaft buhlen. Schon an der nächsten Ampelkreuzung beginnt die lange Hauptstrasse des eigentlichen Kurortes mit seinen Parks, Hotels, Bädern, Kultur- und weiteren Einkaufsmöglichkeiten. Wenn das Navi nicht reagieren sollte, sind die vielen Wegweiser und Hinweisschilder zum Auffinden der gebuchten Unterkunft dienlich.
WESHALB?

Eingerahmt von sanften Hügeln und dichten Wäldern in einem breiten ausgedehnten Flusstal, bieten neben der frischen, reinen Luft und dem Reizklima die in unmittelbarer Nähe befindlichen Moor- und Torfschlämme, Heilgase und Heilquellen mit verschiedenen chemischen Zusammensetzungen die besten Voraussetzungen für eine heilsame Bäderkur.
Die positive Wirkung war zwar seit Jahrhunderten bekannt, konnte aber erst mit Trockenlegung der großteils unzugänglichen Moore und Sümpfe aufleben. Marienbad ist deshalb eine noch sehr junge Stadt mit allen Vor- und Nachteilen.
Der Kurort ähnelt einer Stadt im Park oder einem Park in der Stadt. Fast der gesamte Verkehr wird auf der einen Seite mit Oberleitungsbussen sowie den privaten Verkehrsmitteln bis zu den ersten Anhöhen geleitet und im großen Bogen auf der anderen zurückgeführt. Die Straßen umrunden gewissermaßen die einladenden Grünflächen mit ihren Blumenbeeten, Skulpturen und Wasserspielen, die berühmten Kolonnaden, Pavillons, Badehäuser und Trinkhallen. Die Hauptkolonnade bildet dabei fast mittig eine wichtige Dominante.
Auf der anderen Straßenseite erstrahlt eine Vielzahl der mehr als 50 Vier- und Fünfsternehotels. Die beinahe einheitliche Farbgebung aller Gebäude in Goldocker war für mich etwas gewöhnungsbedürftig. Die Benennung als Habsburgergelb, auch Kaisergelb oder Schönbrunnergelb genannt, weist auf die Zeiten der K. u. k. Monarchie und „Wie Böhmen noch in Östreich war“ (Einer der Hits während meiner Jugendzeit) hin.
WAS?

Um eines der Hotels auszuwählen und zu buchen, könnt ihr euch leicht im Internet informieren. Fast jedes verweist auf die im Haus möglichen Freizeit- und Kurmöglichkeiten. Die Angebote sind dabei so vielfältig und speziell, dass ich schon beim Lesen und erst recht beim Begreifen sofort ein beruhigendes Heilwässerchen gewünscht hätte. Im besten Haus am Platze umfasst die Liste über 200 Behandlungen, so z.B. von bekannteren wie Rücken- über scheinbar leckere wie Schoko- bis zur mir unbekannten Tibet-Massage.
Für die Kurgäste, die nicht auf ganz spezielle Behandlungen reflektieren, bieten die meisten Einrichtungen pauschale Kurprogramme mit einer Palette von Angeboten an. Die evtl. zeitraubende Auswahl in Marienbad fällt weg, und die finanziellen Belastungen sind dann um Vieles geringer, auch wenn man später vor Ort noch die eine oder andere Behandlung zubucht.
Für Laien und Erstinteressierte ist bei einigen Anbietern die Möglichkeit der Schnupper-Kur zum Probieren im Programm. Besonders KUR direkt (Vital Tours GmbH) sowie CUP VITAL verfügen über ein breit gefächertes Angebot und sind zudem äußerst nutzerfreundlich bei der Gestaltung der Anreise. Der größte Vorteil besteht m. E. darin, dass beide vor Ort über eigene Büros und umsichtige Partner verfügen und einige kostenlose Extras beisteuern.
Ein besonderer Gewinn für Marienbad sind die Heilquellen, die in unmittelbarer Nachbarschaft zu Tage treten. Einige oberflächennahe wurden in Trinkhallen geleitet und zusätzlich zu den Behandlungen als Heilmittel empfohlen.
Ein regelrechter Kult hat sich zum Für und Wider entwickelt. Auf der einen Seite diejenigen, die möglichst reihum von allen Quellen täglich (z. T. in Menge) trinken, die sich reichlich mit gefüllten Flaschen bis zur Nacht bevorraten, die sich mit mehreren Kanistern „Gesundheit“ als Mitbringsel für Daheim eindecken.
Auf der anderen Seite die, die das „salzige Zeug“ nach einmaligem Trinken verabscheuen und gern ringsum und mitunter lautstark warnen und sogar die, die genau wissen, dass sie nur deshalb auf die Schnelle eine Toilette aufsuchen mussten, weil sie an der Heilquelle nippten.
Ein gewisses Maß sowohl an Wahrheit als auch an Uninformiertheit ist allen zuzusprechen.
Trotz räumlicher Nähe sind einige Quellen scharfwürzig, andere säuerlich, bitter oder salzig. Viel hilft demnach nicht automatisch viel. Wer wegen eines Durchfalls als Gesundheitstrank ausgerechnet die Ferdinandquelle wählt, hat eventuell nicht gewusst, dass deren Wasser stark mit Glaubersalz durchsetzt ist, oder nicht, dass gerade dieses Salz zur Herstellung von Abführmitteln Verwendung findet.
Ich betone noch einmal, dass ich ein Kur-Laie bin. Gerade deshalb habe ich bei der orientierenden Stadtführung am Ankunftstag aufmerksam zugehört und mir eingeprägt, wo sich Übersichtstafeln zur genauen Lage der einzelnen Heilquellen sowie der Zusammensetzung und zum wesentlichen Nutzen der Quellen befinden.
Von meinem Hotelzimmer hatte ich einen direkten Blick auf die gefragte Trinkhalle an der Stirnseite der Kolonnade. Der kreisförmige Bau wirkt mit seiner goldenen Kuppel und dem Dachkreuz mit zwei Balken beinahe orthodox. Täglich habe ich dort ein Viertel genippt, und anschließend einen Morgenspaziergang durch die fast noch menschenleere Kolonnade genossen. Die wunderschönen Bauelemente und Deckengemälde sind immer wieder äußerst beeindruckend. Bei Erhaltungsarbeiten wurde der alte Malstil zwar beibehalten, aber auch durch kaum bemerkbare Details der Gegenwart angepasst. Erst nach mehreren Betrachtungen erkannte ich z.B. einen Hinweis auf die Raumfahrt.
Am anderen Ende öffnet sich die Kolonnade zum Park mit der „singenden Fontäne“, einem der Wahrzeichen und Besuchermagneten der Stadt. Aus Tausenden Düsen steigt Wasser in sich stets ändernden Bildern in die Höhe. Zu jeder geraden Stunde tanzen die Fontänen des Brunnens nach computergesteuerter Musik, um in den Abendstunden durch angepasste Lichteffekte eine weitere Steigerung zu erfahren.
WEGGEHEN/ -FAHREN ?

Auch der strebsamste Kurgast wird nicht nur von Bädern, Saunen, Massagen, Heilwassern … leben wollen. Der Ort bietet vielfältige Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Ein Spielcasino, der beste Golfplatz der Tschechei, selbst Schneekanonen und Skilifte lassen spezielle Wünsche befriedigen, Spezialrestaurants, Konditoreien und Imbissgeschäfte mit der vorzüglichen böhmischen Küche und dem heimischen Bier stehen im Contra mit den angestrebten Kurerwartungen.
Für jedermann möchte ich zwei meiner beeindruckenden Ausflüge empfehlen.
Oberhalb der Stadt wurde 1999 der Park Boheminium eröffnet. Im einheitlichen Maßstab von 1:25 sind mehr als 20 originalgetreue Nachbildungen von existierenden Denkmalsobjekten der Tschechischen Republik zu sehen und zu bestaunen. Jährlich soll der Park um einige Modelle erweitert werden, so dass ich auf eine konkrete Zahlenangabe verzichte. Erreichbar ist das Objekt mittels eines zwei km langen Fußmarsches durch bewaldetes Gelände oder mit örtlichen Verkehrsmitteln. Besonders eindrucksvoll ist die Nutzung der Hängeseilbahn, die in 4 Minuten bis auf die Höhe von 759 m führt.
Im Tal, ebenfalls in ca. 2km Entfernung, befindet sich der Luna-Park, ein allseits gelobtes Waldhotel. Eine Autoanreise ist zwar möglich, sollte jedoch möglichst unterbleiben, weil in dem Natur- und Landschaftsschutzgebiet mehrere Schautafeln und Wegorientierungen auf Besonderheiten hinweisen und zum Besuch anregen. Der Rückweg entlang der Eger ist besonders stimmungsvoll. Wer es braucht! Ein Reiseleiter riet mir vertrauensvoll und beinahe geheimnisvoll zu einem Besuch am Nachmittag, weil dort beinahe alltäglich der Kurschattenball stattfindet. Er hatte meine liebe Frau, die auch das Urlaubsgeld verwaltete, scheinbar ganz übersehen.
Fazit

Es war meine erste Schnupperkur, wird vermutlich nicht die letzte bleiben. Eine Nachahmung ist sehr zu empfehlen.
Im nächsten Bericht werde ich über das gebuchte Hotel ausführlich schreiben.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Lanaya

Lanaya

14.03.2014 14:00

bh

Bluebirdunfa

Bluebirdunfa

24.11.2013 19:40

bh

Bluebirdunfa

Bluebirdunfa

24.11.2013 19:07

bh

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