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Erfahrungsbericht

für Malt Whisky Trail
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5 Sterne Einen "wee dram" gefällig? Bericht mit Bildern
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Pro die Einzigartigkeit

Kontra mir fällt nichts ein, sagt mir was....

Der Autor

lenah21 Seit 21 Feb 2005

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Der Whisky gehört zu Schottland, wie das Weißbier zu den Bayern. Aber das war nicht immer so.

Als nach der britischen Union von 1707 englische Zöllner versuchten, die Whiskyproduktion in Schottland unter ihre Kontrolle zu bringen und sich die Abgaben drastisch erhöhten, wurde Schwarzbrennerei und Schmugglerei zur größten Herausforderung an die englischen Steuerbehörden. Zu dieser Zeit wurde zirka jeder zweite Schluck des Lebenswassers illegal gebrannt. Dies nahm erst sein Ende als man 1823 schließlich neue Gesetze und erschwingliche Brennlizenzen schuf....

Das erste Mal wurde der Whisky 1494 namentlich erwähnt. Ein Beleg hierfür ist eine Bestellung König James IV von 1494, die über 8 bolls gemälzte Gerste lautete. Die Erfinder des Whiskys sollen irische Mönche sein, die das brennen weiter nach Schottland gebracht haben. Schnell wurde es zum Alltagsgetränk der Schotten, welches angeblich "mäßig genossen das Altern verlangsamte und die Jugend erhalte, Melancholie vertreibe und Herz und Sinn erleichtere".

Ja, bei so einer Destillenführung lernt man eine Menge um und über den Whisky und seine "teils" blutige Geschichte, beispielsweise als die Engländer 1782 über 1000 Schwarzbrenner verhafteten. Und man lernt natürlich auch den Geschmack kennen, denn in jeder Destille kann man mit einem "wee dram" rechnen!!! Aber auch wenn man keinen Whisky mag, sollte man sich die Autofahrt auf dem Malt Whisky Trail keineswegs entgehen lassen und sich doch die ein oder andere Destille mal anschauen.

Doch ist der Whisky immer noch ein teures Getränk in Großbritannien, denn auch heute noch wird der Scotch hoch besteuert und stellte einer der erträglichsten Geldquellen des Landes und einen seiner bedeutendsten Exportartikel dar.

Für seinen Whisky bzw. die Jahrhunderte alten Destillen ist die Region rund um den River Spey, genannt Speyside im Grampian bekannt, denn dort befindet sich der berühmte Malt Whisky Trail (Malt Whisky = Malz Whisky), über den mein Bericht handeln soll.

Der Malt Whisky Trail ist eine ausgeschilderte Route, welche ca. 110 km durch Aberdeenshire, im Osten Schottlands nordwestlich von Aberdeen und nördlich von Edinburgh gelegen, führt. Das "goldene Dreieck" befindet sich zwischen Grantown-on-Spey, Elgin und Dufftown, bzw. Keith und weist die weltweit höchste Konzentration an Malzwhisky-Destillen auf. Fährt man den Malt Whisky Trail, kommt man vorbei an vielen, teilweise sogar noch in Familienbetrieb befindlichen Brennereien. Man kann jede Destille besichtigen und überall gibt es Besucherzentren mit oft einheimischen Touristenführer, die den Besuchern die Geschichte und die Kunst des Whiskybrennens bestens vermitteln.

Freunde des "Lebenswassers" oder auch die Neugierigen sollten dem ausgeschilderten Malt Whisky Trail folgen, um wenigstens einige der vielen Destillen, die Schottland zu bieten hat, kennen zulernen. Fährt man den Malt Whisky Trail entlang und hat nicht einige Tage bis ca. 1 Woche Zeit sich jede Brennerei anzuschauen, sollte man sich Prioritäten setzen, denn alle der zahlreichen Brennereien zu besichtigen wäre wahrlich zu viel. Als wir unsere Fahrt durch Speyside planten, suchten wir uns 4 Brennereien aus. Damit waren wir dann erst mal für die nächsten 1 bis 2 Tage beschäftigt.

Am besten beginnt man seine Reise auf dem Malt Whisky Trail von der A97 aus, welche sich im Süden des goldenen Dreiecks befindet.

Hier nun eine kleine Auswahl der Malt Whisky Distilleries:

Royal Lochnagar:
Unser erstes Ziel auf der Tour durch die Heimat des "Lebenswasser" war die königliche Brennerei "Royal Lochnagar" in Crathie, Deeside. Ein Besuch bei den Herstellern unseres liebsten Whiskys durfte natürlich nicht fehlen. Der kostenlose Parkplatz direkt vor der Brennerei bietet ausreichend Platz für viele Besucher. Benannt wurde die Brennerei nach dem Berg Lochnagar etwas weiter südlich gelegen. Die kleine Royal Lochnagar Distillery liegt nicht direkt auf dem Malt Whisky Trail, ist aber nur ein paar km von dem südwestlichen Zipfel des Trail entfernt. Von Ostern bis Oktober ist sie Montag bis Samstag von 10.00 - 17.00 und am Sonntag von 11.00 - 16.00 geöffnet. Die letzte Führung beginnt 45 Min. vor Ende der Besucherzeit. An manchen Tagen produziert die Brennerei nicht, allerdings sind die Besucher trotzdem herzlich willkommen und Führungen finden ebenfalls statt. Der Eintritt kostete 6 €, allerdings werden bei einem Kauf einer 0,7 l Flasche Whisky in dem eigenen Shop 3 € vom Kaufpreis abgezogen.
Zuerst konnte man eine Bildergalerie und einen kurzen Film auf einem Fernseher anschauen, der sich nur über die Herstellung des Royal Lochnagar Whisky handelte. Danach ging es dann mit dem Touristenführer durch die Brennerei. Die persönliche Führung war auf Englisch, aber es wurde extra für die ausländischen Besucher langsam und deutlich gesprochen. Wir hatten keinerlei Verständigungsschwierigkeiten, obwohl wir auch nur das normale Schulenglisch aufweisen konnten. Es wurden alle wichtigen Räume besichtigt und alles wurde ausführlich erklärt. Dann ging es zur Verköstigung in einen kleinen und gemütlichen Raum, wo wir noch die Gelegenheit bekamen, die eine oder andere Frage zu stellen.
Fazit:
Die Führung war ausführlich und in kleine Gruppen eingeteilt. Der Whisky ist auch in Deutschland erhältlich und viel günstiger als in Schottland, aufgrund der hohen britischen Steuer. Es daher zu einem Kauf in Deutschland zu raten, denn so kann man eine Menge Geld sparen. Kein Muss, aber eine schöne, kleine Brennerei, die einen Besuch wert ist.


Glenfiddich:
Am nächsten Morgen ging es in der Früh schon zu der Destille der weltbekannten Scotch-Distillery Glenfiddich in dem kleinen Örtchen Dufftown. Da das Besucherzentrum erst um 12.30 öffnete, konnten wir noch einige Minuten das Gelände und den Kühlwasserteich auf eigene Faust erkunden. Öffnungszeiten: von Ostern bis Oktober Montag bis Samstag 11.00 - 17.00 und Sonntag von 12.30 - 16.00. Vor dem Gebäude auf der gegenüber liegenden Straßenseite befindet sich ein ausreichender und kostenloser Parkplatz. Als Glenfiddich dann endlich seine Pforten öffnete waren wir nicht die einzigen, die dem Geheimnis des "goldenen Lebenswassers" auf die Spur kommen wollten. Es waren ca. 50 Personen, aus verschiedenen Ländern dort. Als erstes konnte man in einem kleinen "Vorhallen-Museum" einige Flaschen Whisky bewundern, unterschiedlichen Alters und Preises. Von 30,00 bis 250,00 € war alles erhältlich. Danach wurde man dann in ein kleines Privatkino geführt, wo der Firmeneigene Film über den Werdegang der Brennerei vorgeführt wurde. Dieser ca. 10 Min. lange Film vermittelte sehr anschaulich den Werdegang der Eigentümer der riesigen Brennerei, der Familie Grant. Vom ersten Spatenstich bis zur Serienproduktion. An dieser Stelle möchte ich aber nicht zu viel verraten. Der Film wird in viele verschiedene Sprachen übersetzt, die via Kopfhörer gehört werden können.
Die Glenfiddich Distillery bietet die Brennereiführungen in verschiedenen Sprachen an. Nach dem kleinen Film stellen sich die Touristenführer vor und man kann dann dem Führer seiner Sprache auf der Tour durch die Brennerei folgen.
Draußen angekommen erklärte uns die Leiterin einige Grundlegende Sachen zu dem Rohstoffen aus denen der Whisky gewonnen wird.
Danach ging es weiter in ein Gebäude in dem die Washbacks aufgewahrt werden. Die Leiterin erzählte in leicht gebrochenem Deutsch, aber laut und deutlich worauf es bei dem Brennen ankommt und was beachtet werden muss. Danach gingen wir zu dem Distillierkolben und dann weiter zum Warehouse, wo die Fässer gelagert werden. Es wird einem von Staats wegen allerdings nicht erlaubt einen Blick in so ein Warehouse zu werfen, da die britischen Behörden befürchten, dass der ein oder andere Tropfen, wie durch Zauberhand, gestohlen werden könnte. Denn auf die im Warehouse gelagerte Ware wurde noch keinerlei Steuer gezahlt. Die Steuer wird erst kurz vor der Abfüllung errechnet. Pro Jahr lösen sich nämlich 1 - 2 % des Whiskys, der in den Fässern lagert, in Luft auf.
Nachdem wir die Destille angeschaut hatten, wurden wir in das Besucherzentrum geführt, wo schon einige "Wee drams" zur Verköstigung bereit standen. Unsere deutschsprachige Leiterin machte uns darauf aufmerksam, dass Glenfiddich nicht nur Whisky, sondern auch einen Whisky-Likör herstellt, der aus Whisky besteht und mit Kräutern und Honig versetzt wurde. Davon musste ich natürlich probieren. Und ich kann nur sagen "Er ist köstlich". Der Likör schmeckt wirklich hervorragend gut. Der Honig und die Gewürze nehmen dem Whisky die Schärfe und machen ihn zu einem unvergleichlichen Geschmackserlebnis. Allerdings hatte ich nicht bedacht, dass auch Whiskylikör aus Whisky besteht, dies durfte ich aber nach dem zweiten Glas am eigenen Leib spüren. Mittags um 2 und ich war schon gut drauf!!!
Direkt neben dem Besucherzentrum liegt natürlich der Brennereieigene Shop, in dem man wirklich alles bekommen kann. Von Kleidung über Alkohol bis zu Plätzchen ist dort alles vorhanden. Ich kaufte eine Flasche des schmackhaften Likörs und bezahlte für 0,7 l ca. 22 €.
Fazit:
Ist man auf dem Malt Whisky Trail unterwegs, ist eine Besichtigung der weltberühmten und größten Brennerei ein absolutes Muss. Die Führung wirkt zwar oft wie eine Art Abfertigung, da nicht sehr tief auf die Technik des Brennens eingegangen wird, so werden aber doch alle Fragen freundlich beantwortet und man bekommt einen kleinen Einblick wie es in einer der riesigen Brennereien vor sich geht. Ein absoluter Vorteil ist, dass in den Gebäuden fotografiert werden darf, denn das ist in allen anderen leider verboten. Der Eintritt ist kostenlos, so wie auch die Whiskyprobe.

Glen Grant:
Nur wenige km weiter nördlich von Glenfiddich liegt in dem kleinen Dorf Rothes (1400 Einw.) die Destille Glen Grant. Der Malt von Glen Grant gilt als einer der meistverkauften Einzelwhiskys überhaupt. Die alterwürdige Distillery wurde von den Brüdern James und John Grant 1840 erbaut. Auch hier findet man einen großen und kostenlosen Parkplatz mit einem kleinen Weg, der an einem Bach vorbei direkt zu dem Besucherzentrum führt. Bei Glen Grant wird nicht wie bei Glenfiddich auf Touristenabfertigung gesetzt, sondern auf eine persönliche Führung in kleinen Gruppen. Zuerst wird man in einen Raum geführt, wo die Geschichte der Brennerei auf Tafeln bestaunt werden kann. Dann geht die individuelle Führung durch die Brennerei los. Es werden alle Gebäude besichtigt, die für die Herstellung des Lebenswassers bedeutend sind. Der Touristenführer gibt einen tiefen Einblick in die Herstellung und Lagerung und erklärt alles sehr ausführlich, allerdings nur auf Englisch. Zum Schluss wird man in einen Raum geführt, der wie ein kleines Wohnzimmer aussieht. Dort kann man Platz nehmen, bekommt einen "wee dram" und kann sich einen Film auf einer Leinwand anschauen, welcher von der Geschichte der Brüder Grant und deren Reisen in die fernen Länder Afrikas handelt. An den Wänden hängen noch alte Erinnerungsstücke.
Fazit:
Schöne und nicht von Touristen überlaufende Destille, die durch die persönliche Führung einen tiefen Einblick in die Whisky-Welt gibt. Auch hier ist die Führung kostenlos. Einen Shop gibt es ebenfalls in dem Besucherzentrum. Glen Grant ist wirklich einen Besuch wert.

Dallas Dhu History Distillery
Der letzte Stop auf dem Malt Whisky Trail sollte die bereits geschlossen Brennerei, Dallas Dhu in Forres sein. Sie liegt im Norden des Malt Whisky Trails. Kostenlose Parkplätze sind in Hülle und Fülle vorhanden. Die 1898 gegründete, mittlerweile nicht mehr in Betrieb befindliche Destille ist ein lebendiges Museum für die Kunst der Whisky-Herstellung. Die gesamten Produktionsanlagen können besichtigt werden und alles wird über eine Art Telefon-Kopfhörer in verschiedenen Sprachen hervorragend erklärt. An jeder Station ist eine Nummer abgebildet, die man in das Gerät eingeben muss und schon geht die Führung durch die Dallas Dhu History Distillery los. Man kann den Ton jederzeit anhalten, leiser oder lauter stellen oder auch zurückspulen. Eine persönliche Führung gibt es nicht. Man kann sich aber frei auf dem Gelände der ehemaligen Brennerei bewegen und sich Zeit mit der Besichtigung lassen. In der Nebensaison war die Destille nicht überfüllt, man könnte eher sagen, dass man fast allein auf dem Gelände war. Es war sehr interessant die Geräte, die zur Herstellung des Lebenswassers benutzt werden nicht nur von außen zu sehen, sondern auch mal einen Blick in die Objekt oder auch in das Warehouse, was sonst immer streng verschlossen ist, werfen zu können. Das macht die Dallas Dhu History Distillery zu einem besonderen und unvergleichbaren Erlebnis. Nach der Führung konnte man noch einen Film in einem kleine privaten Kino ansehen, der die Geschichte und die Herstellung des Whisky noch erläuterte. Währenddessen konnte man einen kleinen Schluck des Blended Whisky (Blended = Gemisch aus mehreren Single Malt Whiskys) der Dallas Dhu Distillery "Roderick Dhu" probieren. Der Eintritt betrug 6 €.
Fazit:
Sehr interessante Führung bei der die Zeit selbst eingeteilt werden kann. Es ist ein Besucherzentrum vorhanden und eine kostenlose Probe gab es auch. Sehr anschaulich und auf jeden Fall einen Besuch wert.

Weitere Destillen auf dem Malt Whisky Trail:
The Glenlivet Distillery im Livet-Tal
Tamnavulin Distillery ebenfalls am Livetufer
Glenfarclas Distillery in der Nähe der A 95
Cardhu Distillery und Tamdhu Distillery in Knockando
Mortlach Distillery (genau wie Glenfiddich ebenfalls) in Dufftown
Strathisla Distillery in Keith

Anmerkung:
Den Geschmack der einzelnen Whiskys habe ich absichtlich nicht beurteilt, da immer wieder die Meinungen auseinander gehen und die verschiedenen Whiskys wirklich "reine Geschmackssache" sind.

Bilder

für Malt Whisky Trail
Torffeuer bei Dallas Dhu
von lenah21 lenah21

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Kommentare

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  • Hope0805 15.04.2007 11:44
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    Sehr ausfuehrlich und interessant geschrieben. Ich plane gerade einen Trip im Mai in die Highlands und Speyvalley mit dem Besuch der ein oder anderen Distillery steht auf jeden Fall an. Danke fuer Deine Tips!

  • Knallkoerper2006 08.04.2006 15:25
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    O dann gieße ich mir gleich einen ein

  • robii 11.12.2005 21:51
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Beautygirl17 03.09.2005 19:06
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Babybel22 31.08.2005 22:26
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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