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Klein aber fein: Villa Bambou im Südwesten Mahés
Pro Ambiente / Freundlichkeit / Preis-Leistungs-Verhältnis
Kontra muss man früh buchen
Klein aber fein: Villa Bambou im Südwesten Mahés
Der Eurokurs steht zum Dollar günstig wie schon lange nicht mehr. Die Krise im Touristikbuisiness ringt den Veranstaltern ein Sonderangebot nach dem anderen ab. Air Seychelles fliegt seit 20 Jahren von Deutschland nach Mahé und bietet Jubiläumstarife sowie den Eary Bird Frühbucherrabatt , die sich mit €150,- bis €300,- Nachlass auf Katalogpreise bemerkbar machen. Kurz: so günstig wie zur Zeit konnte man lange nicht die Sehnsuchtsinseln im Indischen Ozean besuchen. Dies ist der Grund, warum ich meine Skrupel überwinde, über ein Gästehaus, welches wir vor drei Jahren besuchten, zu schreiben. Grosse Hotels wechseln in dieser Zeit Management, Personal oder Philosophie, so dass schon in kurzer Zeit eine Hotelrezension nicht mehr aktuell sein mag. Bei Villa Bambou mit ihren drei Zimmern ist diese Gefahr meiner Überzeugung nach nicht gegeben.Wir hielten uns im Oktober 2000 für fünf Tage im Rahmen einer zweiwöchigen Inselhopping- reise nach Mahé, La Digue und Praslin in der Villa auf. Die Seychellen, (Klein)staat mit ca
60 000 Einwohnern und dem Fremdenverkehr als Haupteinnehmequelle, setzen auf einen hochpreisigen, qualitativ hochwertigen, Resourcen schonenden Tourismus und haben sich erfolgreich gegen jegliche Art von Bettenburgen zur Wehr gesetzt. Lediglich in der ersten Touristikzone Mahés, dem Beau Vallon im Nordosten der Insel finden sich vier Strandhotels mit 40 bis 150 Zimmern (allerdings vereilt an einer 5 km langen Bucht), im Südosten ist der Plantation Club in der Baie Lazare die grösste Anlage. Die meisten Betten bieten kleine Bungalowanlagen und Gästehäuser an.
Villa Bambou liegt an der Anse à la mouche (Fliegenbucht), die allerdings ihren Namen in keinster Weise (mehr) rechtfertigt, im touristisch weniger erschlossenen Südwesten der Insel.
Anse ist der altfranzösische und in der kreolischen Welt gebräuchliche Begriff für „kleine Meeresbucht“. Vom auf der östlichen Inselseite gelegenen Flughafen benötigt die Transferlimousine bei inseltypischer, rasanter Fahrweise für die kurvige Strecke etwa 20 Minuten. Wir hatten uns für die Villa Bambou entschieden, weil sie uns als Ausgangspunkt für Erkundungen der Insel günstig gelegen schien und auch, weil sie von den preigünstigeren Gästehäusern im schön gestalteten Katalog von TrauminselReisen, die unseren Urlaub organisierten und die die Villa exklusiv anbieten, besonders empflohlen wurde. Wer die Internetpräsentation des Veranstalters verfolgt, erfährt regelmässig, dass Villa Bambou von den Kunden immer wieder zum beliebtesten Beherbergungsbetrieb Mahés gewählt wird. Das Haus wird von der Mutter (Christel) der Chefin von Trauminselreisen Maisie Därr, einer gebürtigen Seychelloise und ihrem Lebensgefährten, Georges, geführt. Die verwandtschaftlichen Beziehungen mögen mit dafür sorgen, dass der Veranstalter die Villa besonders empfiehlt. Unserer Meinung nach ist die Villa tatsächlich was Ambiente, Gastfreundlichkeit, Sauberkeit, Preis-Leistungs-Verhältnis und ökologisches Konzept betrifft eine Klasse für sich.
Das Haus verfügt über zwei Zeibettzimmer, ein Dreibettapartement und die Küche, die sich um den „Wohnraum“ mit Sitzgruppe, kleiner Bibliothek und Bar gruppieren. Jedes Zimmer hat einen Zugang vom Wohnraum und von der Veranda aus. Die Veranda verfügt für jedes Zimmer über Sitzmöbel mit Tisch, die als Oper Air-Wohnbereich genutzt werden können.
Der Gemeinschaftsbereich ist mit grossformatigen, ansprechenden Bildern von einheimischen Künstlern geschmackvoll dekoriert.
Die Zimmer sind zweckmässig, ohne innenarchitektonischen Schnickschnack eingerichtet. Die Betten groß, die Matratzen weder zu weich noch zu hart. Wer auf mehreren Ebenen wohnen will und auf ein zum Altar gestyltes Bett für Wohnkultur hält, ist hier fehl am Platz. Das Badezimmer geräumig und funktional ohne übertriebenen Luxus. Die Schallisolierung zu dem Nachbarzimmer ist gut (das Dreibettappartement hat als Nachbarn die Küche). Durch die Lamellenfenster bekommt man allerdings frühmorgens das erwachende Dorfleben mit. Die Hähne hier haben kräftige Stimmen und es gibt einige LKW’s in der Nachbarschaft, die sich frühmorgens zur Arbeit aufmachen! Auf Fernseh- oder Radioempfang muss man bewusst verzichten. Wir haben es nicht vermisst! Die Zimmer werden täglich diskret gereinigt. Die ganze Anlage macht einen blitzblanken Eindruck.
Das Frühstück wird stilvoll von einem der beiden netten kreolischen Hausmädchen auf der Veranda serviert. Hervorzuheben sind die frisch gepressten Säfte und die reiche Auswahl an tropischen Früchten wie Passionsfrucht, Mangos und Papayas. Zum Toast gibt es selbstgemachte, leckere Konfitüren.
Das gastronomische Angebot in der Anse à la mouche ausserhalb der Villa Bambou ist eher bescheiden. Das einzige Restaurant am vier Kilometer langen weissen Strand, das wir fanden, machte einen etwas herunter gekommenen Eindruck. Wir haben es nicht getestet. Es gibt eine Eisdiele mit Pizzeria. Leider keine Strandcaffees oder –Bars. Für die Gäste der Villa ist das nicht unbedingt ein Grund zur Trauer, ist Georges doch ein begnadeter Koch, der nach Absprache für € 10,- bis 15,- ein bemerkenswertes Dinner zelebriert. Wir haben nirgendwo sonst auf den Seychellen so gut und günstig kreolische Küche genossen, wie bei Georges. Wir schwelgten vor Allem in Fisch; das Fischcurry ein Traum. Hier gibt es eine der köstlichsten, hausgemachten Chillisaucen, die die Tropen zu bieten haben. Die Portionen sind üppig. Auch als wir uns mit einem Pärchen, das morgens vergessen hatte, George Bescheid zu sagen, dass sie abends essen wollten, die Mahlzeit teilten, ging keiner hungrig ins Bett. Gegessen wird in geselliger Runde an der langen, schön eingedeckten Tafel bei Candlelight auf der Veranda. Die Getränke holen sich die Gäste selbst aus dem Kühlschrank der Hausbar. Das Inselbier Seybrew ist erfrischend und lecker. Der Getränkekonsum wird von den Gästen in eine Liste eingetragen. Diese Essen unter dem Tropenhimmel mit Blick auf den indischen Ozean stellen ein eigenes Highlight dar. Man rekapituliert im Gespräch mit den anderen Gästen und den Gastgebern den Tag, gibt und erhält Tips für die nächsten Urlaubstage, erzählt von zu Hause und tauscht sich über Reiseerfahrungen aus.Das Grundstück der Villa wird nur durch die Küstenstrasse vom breiten, weissen Sandstrand der Anseà la mouche getrennt. Palmen und Kasuarinen bieten Schatten. Das Riff liegt etwa ½ km draussen im Meer, so dass in der Bucht kaum Wellengang ist. Die Bucht ist sehr flach. Nach 10-20 m kann man schwimmen, aber selbst 100 m draussen kann man noch stehen. Ideal für Kinder. Zum Schnorcheln ist die Anse nicht geeignet. Wir haben hier morgens gebadet, um uns den Schlafdreck aus den Augen zu waschen oder um abends bei Sonnenuntergang auf dem Rücken im Wasser liegend die bussardgrossen Flughunde zu beobachten, die um diese Zeit ihre Schlafbäume auf den Hügeln südlich der Bucht verlassen.
Von der Villa Bambou aus lassen sich viele der Traumbuchten mit dem öffentlichen Bus erreichen, der etwa 1/2stündig von Viktoria kommend den südlichen Teil Mahés auf der Küstenstrasse in beide Richtungen umkreist. Mal etwas, das richtig billig ist auf den Seychellen! Der Busreisende zahlt einen Einheitspreis unabhängig von der Länge der Fahrt.Unsere Lieblingsbucht war die Petite Anse, eine einsame, weisssandige Bucht, die nur zu Fuss oder mit dem Boot zu erreichen ist. Wo an den Enden der Bucht der Sand in die für die Seychellen typischen Granitfelsen übergeht, kann man traumhaft schnorcheln. Unter den schattenspendenden Bäumen des Dschungels kann man es stundenlang aushalten, vorausgesetzt man hat ausreichend Getränke mitgebracht. Für die Sicherheit sorgte ein korpulenter Polizist in Badehosenuniform, der sich den wenigen Besuchern der Bucht mit Dienstmarke vorstellte. Offenbar hatten sich in der Vergangenheit Gauner im Schutze des Urwalds an die Rucksäcke der Badenden heran geschlichen und den Touristen die Klamotten gemopst. Um in die Petite Anse zu gelangen, verlässt man an der ersten Haltestelle des Ortes Baie Lazare den TATAbus, deckt sich in dem kleinen indischen Laden mit Getränken ein und geht den Weg Richtung Anse Soleil. Der nur teilweise befestigte Weg führt ca 1 ½ km durch hügliges Gelände vorbei an bunten Cabanas der Einheimischen. Hier hat man eine wundervolle Aussicht über die Anse à la mouche und den 900 m hohen Granitmonolith Morne Seychelloise im Norden. Bringt man genügend Geduld auf, so kommt man schliesslich an eine Weggabelung, von der aus Schilder links Richtung Petite Anse und rechts Richtung Anse Soleil weisen. In der Anse Soleil, die wir nicht aufsuchten, befindet sich ein Gästehaus und ein kleines Restaurant.
Bei unserem ersten Versuch die Petite Anse zu besuchen, bogen wir zu früh links ab und kamen an die Baie Lazare. Hier hatte ich ein Erlebnis, das ein erster Auslöser für meine Tauchleidenschaft wurde. Ich verschweige nicht, dass ich ziemlich leichtsinnig war und rate von Nachahmung ausdrücklich ab. Am nördlichen Ende der Bucht kommt das Riff, kenntlich durch eine Brandungswelle, ziemlich nahe an die Küste. Ich schnorchelte über das Riff, wobei mein Bauch in den Wellentälern verdammt nahe in denBereich der langstacheligen Seeigel kam. Am seeseitigen Riffabbruch stockte mein Atem. Ich befand mich mitten in einer Gruppe jener schweinsgrossen Napoleonfische, die mich mit ihren dicken Lippen und den hutförmigen Stirnwülsten an einen Stammtisch zigarrerauchender Kleinbürger erinnerten, und die sich von mir, bei was immer sie getan haben mögen, nicht im geringsten stören liessen. Als wir dann am Strand entlang wandernd am Plantation Club vorbeikamen, fiehl uns auf, dass fast niemand im Meer badete. Direkt vor dem Hotel gab es ein Badeverbotsschild wegen gefährlicher Unterströmungen. Im Plantation Club befindet sich eine Tauchbasis, die Besuchern der Villa Bambou einen Abholservice anbietet.Eine weitere schöne Bucht ist die Anse Takamaka, südlich der Baie Lazare, die man direkt mit dem Bus erreichen kann. Hier gibt es an den riesigen Granitfelsen im südlichen Bereich Unterwasserfauna ohne Ende (Flöten- und Trompetenfische, Papageienfische, Diskus- und Schmetterlingsfische, Rochen und Schildkröten). Leider litten die Seychellen unter der Korallenbleiche, so dass es kaum Korallen und niedere Tiere im Uferbereich zu sehen gab. Die Korallen sollen sich zwischenzeitlich aber wieder etwas erholt haben. In der Anse Takamaka befindet sich das Strandrestaurant von Batista (guter, aber nicht unbedingt preiswerter Fisch). Mittags wird es manchmal von Busladungen von Kreuzfahrttouristen überrannt. Dann ist es dort nicht so idyllisch.
Wer mindestens drei Nächte in der Villa Bambou bucht, erhält für einen Tag einen Mietwagen gratis. Bei Mietwagenpreisen von ca € 80,-/Tag ein interessanter Bonus. Die meisten Mietwagen auf der Insel sind diese kleinen offenen Minimokes, die auf steilen Strecken doch ziemlich ins Schnaufen kommen. Wir hatten einen etwas klapprigen, aber geschlossenen Subarukleinwagen (ohne 4WD, wie es sie in Europa nicht gibt). Er hatte immerhin den Vorteil, dass wir bei einem plötzlich aufkommenden tropischen Regenguss nicht versuchen mussten, das Verdeck zu schliessen. Die Strassen sind überwiegend in gutem Zustand aber schmal. Leitplanken sind unbekannt. Bergseitig verlaufen meist betonierte metertiefe Entwässerungsgräben, talseitig geht’s ungesichert in die Tiefe. Linksverkehr!Wir nutzen den Mietwagen für eine Umrundung der südlichen Halbinsel, besuchten das Village Artisanal, in einer ehemaligen Plantage. Das original eingerichtete Herrenhaus lohnt die Besichtigung, von den Werkstätten und Shops ist eigentlich nur der Besuch des Ateliers des Künstlers Nourrice interessant. Anschliessend fuhren wir durch das Villenviertel Viktorias in die Berge, besuchten die Ruinen der Missionsschule (tolle Aussicht) und retteten uns vor dem plötzlichen Regenguss in die Teestube der Teefabrik (guter Tee, freundliche Bedienung; Seychellentee und Citronelle sind lohnende Mitbringsel). Für eine Besichtigung der Teefabrik waren wir leider zu spät, da diese nur morgens durchgeführt werden. Da der Regen im Norden nicht aufhören wollte, fuhren wir wieder gen Süden und besuchten bei strahlendem Sonnenschein die berühmte Anse Intendence, ein „unberührter Traumstrand, der nicht bebaut werden darf“. Allerdings waren dennoch bereits die Bulldozer am Werke und mittlerweile hat das erste Luxusresort seine Pforten geöffnet. Ohne den Schutz eines Riffs rollen hier die Wellen des indischen Ozeans an den Strand. Vor dem Schwimmen im Meer wird wegen der Strömung gewarnt.
Den Besuch der kleinen Inselhauptstadt Victoria und die Wanderung auf den Morne Seychelloise, wo viele der ca. 40 endemischen Pflanzenarten, darunter die riesige fleischfressende Kannenpflanze wachsen, werden wir bei einer späteren Reise auf die Seychellen nachholen. Bei unserem ersten Aufenthalt standen Erholung, Strandleben und Seelebaumelnlassen im Vordergrund. Dafür hatten wir in der Villa Bambou einen guten Standort gefunden: individuell, freundlich mit Atmosphäre!Kosten: z.Zt. Verlängerungstag: € 70,-/pP+N incl 1 Tag Mietwagen bei min. 3 Nächten
Abendessen: € 10,- -15,-
Literatur: HB Bildatlas Spezial Indischer Ozean
Maisie und Wolfgang Därr: Seychellen DuMont Richtig Reisen
Achtung, dies ist der erste Berichte des Autors
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Leo56 13.10.2006 15:48
jetzt soll ich nochmal kommentieren, was macht denn ciao mit mir?!
Leo56 13.10.2006 15:46
Da wollte ich schon lange mal hin! Kennst du die "Inseln unter dem Winde" Los Roques im Norden Venezuelas, dort waren wir mal 3-4 Tage mit dem Katamaran unterwegs, ach ich kann noch so viele Reiseberichte schreiben. Lieber aber fliege ich erst mal nach Mahé!
EICC 07.01.2006 08:38
Katia23 21.11.2005 16:48
Toller Bericht BH von mir LG