Mae-Sai

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Die Bruecke von Mae-Sai

5  13.12.2000 (05.12.2000)

Pro:
Vertraeumte Stadt im Norden Thailands

Kontra:
Man ist voll auf sich selbst angewiesen

Empfehlenswert: Ja 

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Über sich:

Mitglied seit:13.10.2000

Erfahrungsberichte:76

Vertrauende:9

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 17 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Das Grenzdorf zwischen Thailand und Burma, zwischen leben und nicht - leben, jedem Langzeit-Touristen als "Visatrip" bekannt, bietet nichts ausser der Moeglichkeit, sein Visum zu erneuern. Drueben in Tachilek gibt's auch nichts weiter als zumeist billige Massenproduktion der "Bruederlaender" .

Wer sich ueber primitive Verhaeltnisse in Thailand beschwert, sollte einmal einen Blick nach "drueben" werfen. Die Flussseite der Stadt entspricht ja noch einigermassen den gewohnten thail. Verhaeltnissen, dahinter wird es allerdings schlagartig dunkel. Verfallende Haueser und Tempel, unreparierte Strassen, ueberall den Staub des Verfalls. Die Burmesen sind zwar als ein sehr sauberes und ordentliches Volk bekannt, aber die Sauberkeit kann nicht ueber diese Trostlosigkeit hinwegtaeuschen.

Wer sich sogar ueber das Ende der befahrbaren Strasse hinaustraut, also etwa an den Stadtrand, kann das Werden einer Stadt wie im Mittelalter erleben. Jeder baut seine Huette wo und wie es ihm gefaellt. Der Raum zwischen den Huetten, der nicht zum Huehnerhalten benoetigt wird, entwickelt sich langsam erst zu einem Weg, spaeter zu einer Strasse; soweit dieser Begriff in diesem Zusammenhang ueberhaupt zulaessig ist.

Das Klo ist hinter'm Haus und fliessend Wasser 100 m weiter weg, ausser wenn es regnet. Dann ist auch meistens Waschtag, weil die Frauen lieber zu hause als am Waschplatz waschen. Verstaendlich, bei uns zeigt man seine Unterwaesche ja auch nicht gerne offen rum. Auch das Duschen laesst sich dann zuhause erledigen und man/frau ist fuer einen Tag den schon peinlichen Blicken seiner/s Nachbar/in entflohen.
Sie werden, wenn sie schon einmal in Asien gewesen sind, sicher schon bemerkt haben, das Asiaten ganz allgemein eine uns unverstaendliche Freude am Regen haben!
Nun kennen Sie eine moegliche Antwort auf dieses Mysterium.

Wer dann immer noch genug Zeit und Mut hat, sollte einmal den ueberall an den Haengen vorhandenen Wasserrinnen der letzten Regenzeit folgen. Diese natuerlichen "Strassen" fuehren unweigerlich in das naechste Dorf. Das kann natuerlich eine ganze Weile dauern, auch wenn es nur ein paar km sind. Wie schon gesagt, mit dem Begriff "Strasse" verbinden wir eine irgendwie geebnete Flaeche, auf der es sich zumindest holprig fahren laesst. Im Grunde sind es aber nichts weiter als trockene Flusslaeufe, die einen allzu steilen Abhang begeh- und befahrbar machen und daher als solche genutzt werden. Entfernungsangaben werden hier zweckdienlicherweise in Stunden angegeben.

Und damit sind wir bei einem Problem angelangt. Die Grenze wird naemlich um 18.00 Uhr geschlossen und Uebernachtungen sind in Burma nicht vorgesehen. Wer den Termin verpasst, muss mit ernsten Schwierigkeiten rechnen. Die burmesische Polizei in Tachilek reagiert geradezu paranoit auf Auslaender bei Nacht. In ihren Augen steckt in jedem von uns ein potenzieller Freund und Helfer der Opposition. Damit moegen sie sogar recht haben.

Mit den Jungs ist nicht zu spassen, eine Visaueberschreitung wird hier zur Grenzverletzung und fuehrt unweigerlich zur Verhaftung. Wer dann auch noch freundlicherweise das Dorf angibt, in dem er so nett bewirtet wurde, hilft sich zwar nicht selbst, ladet aber eine Menge ernster Probleme auf das Dorf ab.

Der hochgeehrte Besucher dieses Landes darf sich naemlich zwar alles ansehen, aber ausser mit "Offiziellen" mit niemandem reden. Als verschaerft wird angesehen, wenn es sich um eine Gruppe, also mehr als einem Burmesen, handelt. Verstoesse werden als Komplottbildung zum Umsturz der jetzigen legitimen demokrotischen Regierung angesehen. Wenn dann auch noch bekannt wird, das er auslaendisches Geld, z.B. thail. Baht, bei Umgehung der Devisenvorschriften an einen nichtoffiziellen Burmesen weitergereicht hat, kann es ganz hart werden.

Zuerst die Grenzverletzung, dann die Komplottbildung und jetzt auch noch Devisenschmuggel! Die Beweislage ist doch klar!
Aber sehen wir mal das Ganze nicht so schwarz. Auch unter den Burmesen gibt es bestimmt den einen oder anderen, der das nicht so sehr politisch, sondern eher praktisch persoenlich sieht. Nach einem diskreten Austausch der gegenseitigen Interessen steht man dann in Thailand und bemerkt, das sich das Problem lediglich etwas entschaerft hat.

Jetzt ist man naemlich illegal in Thailand und am naechsten Morgen beim thail. Zoll in Erklaerungsnot.

Nun ja, wer das Abenteuer sucht, wird es auch hier sicherlich finden. Und wer immer schoen hart am Wind segelt, hat hier keine Langeweile in Mae-Sai! Welche Travel-Agencie bietet schon illegalen Grenzuebertritt nach Burma, vielleicht incl. authentischer Verhaftung durch burmesische Grenzbeamte mit anschliessendem Austausch gegen Loesegeld, weil sich die Beamten als Banditen herausstellten!
Das waere doch mal ein Hit in den Katalogen der Adventure-Veranstaltern. Vielleicht sollte ich mir doch das Patent auf die Idee sichern!

Aber es geht auch anders: Wer eine ruhige Atmosphaere zwischen den Bergen liebt, kommt hier voll auf seine Kosten. Diese Kleinstadt an noerdlichen Ende Thailands hat zwar touristisch ausser ihrer Bruecke nach Burma nicht viel zu bieten, aber als Ruhepunkt ist sie ideal. Vertrauemte Restaurants mit frischem Filter- bzw. Expresso- Kaffee sind zu finden, ebenso englischsprachige Zeitungen. Die letzten oftmals nicht mehr so frisch, aber ich lese sowieso lieber die Nachrichten,deren Staub sich schon etwas gelegt hat.

In einem der vielen Guesthaeuser laesst sich wunderbar der Tag hinwegtraeumen und beim Aufwachen hat man sogar noch das Gefuehl, sich selbst einen besonders wertvollen Dienst getan zu haben. Wem der Ruecken schmerzt vom vielen Traeumen, sollte sich einmal eine Massage angedeihen lassen. Ich selbst bevorzuge die Oelmassage, zwei Stunden lang abliegen und sich den sensiblen Haenden einer erfahrenen Masseuse hingeben!

Ein Ferkel, wer sich jetzt dabei etwas nicht jugendfreies vorgestellt hat. Schwell- und Hohlkoerper werden bei der Massage nicht beruecksichtigt. Sie dient ausschliesslich der Entspannung von Koerper und Geist. Sich daraus eventuell ergebende Verspannungen der o.a. Koerper werden ignoriert.

Die Massage-Freaks unter meiner geduldigen Leserschaft kennen diese Einstellung sicher von der japanische Massage Shiatsu. Obwohl vom Stil her unterschiedlich, sind die Ergebnisse gleich. Das Oel auf dem Koerper ermoeglicht eine ungeahnte Intensitaet im Fuehlen des eigenen Koerpers.

Die burmesischen Masseusen kann man mit ihren thail. Kolleginnen kaum vergleichen. Sie arbeiten sehr genau und gleichzeitig voellig intuitiv am Koerper. Ich hatte das Glueck, einmal einer Meisterin unter ihnen in die Haende geraten zu sein. Sie hatte ganz sicher noch nie eine irgendwie geartete Schule von innen gesehen und konnte wohl auch nicht lesen und schreiben. Aber wozu auch, mit diesen Haenden wuerde niemand hungern muessen.

Die meisten Masseusen kommen, wie viele andere Burmesen auch, taeglich aus den umliegenden Doerfern Burma's nach Mae-Sai zum Arbeiten.Als Burmesen haben sie keine Schwierigkeit, die Grenze zu jeder Tages- oder Nachtzeit zu ueberqueren, weil sie fuer diese Stadt kein Visum brauchen. Brueckenmaud ist 5 Baht mit Ausweis und 20 Baht ohne Ausweis. Gemessen an den Kosten fuer die Faehre ist das auch nicht teurer und somit ist jeder zufrieden.

Womit wir wieder einmal bei der Bruecke angelangt sind. Sie ist wirklich das Einzigste, was ueber diese Stadt als solche gesagt werden kann; gaebe es nicht manchmal diese irren Leute hier…
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Weighardt

Weighardt

28.01.2001 16:53

Ich war auch schon in Mae Sai und Tachilek und nach deinen Beschreibungen läuft es mir ja eiskalt den Buckel herunter. Man stelle sich vor, etwas passiert oder es organisieren sich die ersten Banden, die sich einen Spaß daraus machen, einen festzuhalten, damit man garantiert die Schließung der Brücke passiert, es sei denn, man leistet ein wenig "Entwicklungshilfe"... Dass Massagen nicht automatisch Ferkelkram sind, weiß ich selbst. Die Mädels bieten einem wesentlich seltener "mehr" an, als man gemeinhin denkt; kommt aber vor. Verwechsle aber bitte nicht die Masseuse mit der Masseurin, da gibt es einen "dicken" Unterschied, und ich will es mal vor dem Hintergrund deutscher Verhältnisse so sagen: Die MasseurIN gibt es auf Krankenschein, die MassEUSE nicht...

Meng1234

Meng1234

14.12.2000 12:37

Sehr gute Meinung,sehr ausführlich ................mach weiter so..........Gruß Meng1234

hoshy

hoshy

13.12.2000 13:35

Wahnsinns Meinung. Sowas lese ich immer sehr gerne...Nur kann ich die nächsten Jahre leider keine Fernreisen mehr machen...Gruß Hoshy

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