Lviv Danylo Halytskyi International Airport, Lviv

Erfahrungsbericht über

Lviv Danylo Halytskyi International Airport, Lviv

Gesamtbewertung (1): Gesamtbewertung Lviv Danylo Halytskyi International Airport, Lviv

 

Alle Lviv Danylo Halytskyi International Airport, Lviv Testberichte

 Eigenen Erfahrungsbericht schreiben


 


28 Days Later. Oder: ENDZEITSTIMMUNG wie im HORRORFILM...!!!

5  11.05.2012

Pro:
Alles neu und nach modernsten Maßstäben gebaut .

Kontra:
Die geradezu romantische und volkstümliche Stimmung des alten Flughafens gibt es hier nicht .

Empfehlenswert: Ja 

cpschueler

Über sich:

Mitglied seit:08.04.2009

Erfahrungsberichte:493

Vertrauende:17

Diesen Bericht empfehlen auf Google+
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 59 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
WARUM gab es einen NEUEN FLUGHAFEN ?

Die Welt fliegt und fliegt und fliegt. Kein Mensch möchte mehr auf das schnellste aller Forbewegungsmittel verzichten. Während man in Westeuropa mit der Bahn oder dem Auto selbst weite Strecken in kurzer Zeit zurücklegen kann, sieht die Sache in Osteuropa ganz anders aus. Nur zum Vergleich: Köln-Berlin schafft der ICE in 3 1/2 Stunden. In der Ukraine braucht man für eine ähnliche Strecke von Lviv bis Kiev knappe 12 Stunden.

Lange Zeit gab es in der Ukraine nur alte und längst baufällig gewordene Flughäfen aus der Sowjet-Ära. Zweifellos Meisterwerke der Baukunst. Nur für die heutigen Bedürfnisse und Kapazitäten nicht ausgerüstet.

Die Fussball-EM 2012 findet zum großen Teil in der Ukraine statt. In Charkiv und Donezk, zwei Industriestädten ganz im Osten. In der Mitte der Ukraine in Kiev. Und in der westlichsten Großstadt Lviv. Auch als Lemberg bekannt. Kein Wunder also, dass alle Spielstädte rechtzeitig mit neuen Flughäfen ausgestattet wurden. Der neue Airport von Lviv heißt Danylo Halytskyi International.


WER ist denn dieser DANYLO HALYTSKYI?

Danylo Halytskyi oder auch Fürst Daniel der Erste von Galizien genannt, war zugleich erster König des Kiever Rus. Das Reich aus dem sich in den späteren Jahrhunderten die Ukraine und nicht zuletzt Russland entwickeln sollte. Er lebte von 1201 bis 1263. Wurde geboren auf einem kleinen Schloss in der Nähe von Lviv. Im Westeuropa nahezu unbekannt, wird Fürst Danylo in der Ukraine jedoch sehr verehrt. Daniel ist im ehemaligen Galizien demnach auch der beliebteste Vorname für neugeborene Kinder. Kein Wunder also, dass der Flughafen Danylo Halytskyi International heißt.


Der ALTE FLUGHAFEN

Der alte Lviv International Airport wurde in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts errichtet. Streng nach den architektonischen Vorgaben die damals aus Moskau kamen. Palastartig. Mit riesigen Säulen die eher in einen römischen Tempel passen als auf einen Flughafen. Dazu gab es noch eine gehörige Prise von in Stein gehauenen Statuen. Das organisatorische Prinzip war einfach aber genial. In der Mitte die große Wartehalle. Links und rechts jeweils ein Seitentrakt. Auf der einen Seite wurden die ankommenden Passagiere abgefertigt. Auf der anderen Seite die abfliegenden Gäste. Leider waren die Kapazitäten des Flughafens so schlecht, es fast unmöglich war zwei voll besetzte Jets auf einen Schlag zu bedienen. Pläne den alten Flughafen nur umzubauen verschwanden daher schnell in der Schublade. Stattdessen baute man ein neues Terminal. Keine fünf Gehminuten vom alten Gebäude entfernt.

Im "alten Flughafen" werden bis Ende des Sommers 2012 noch die regionalen Flüge die innerhalb der Ukraine stattfinden bedient. Danach soll es einmal ein Luftfahrt-Museum werden. Oder eine Gedenkstätte. Denn 2002 kamen auf dem Fluhafen in Lviv Sknyliv 77 Menschen bei einer Flugschau ums Leben.


Der NEUE FLUGHAFEN

Am neuen Airport wurde schon etwas länger gebaut. Eigentlich sollte bereits im Herbst 2011 eröffnet werden. Dann zu Weihnachten. Dann Anfang März. Am Ende ist es dann Ende März 2012 geworden. Und selbst da gab es nur eine Art Testbetrieb. Während die Linienflieger weiter zum alten Terminal geschickt wurden, konnten die Passagiere des Billigfliegers WizzAir in den Genuss der neuen Hallen kommen. Exklusiv sozusagen. Böse Zungen würden die Billig-Reisenden vielleicht auch als Laborratten bezeichnen. Geschöpfe an denen man die Funktion des neuen Flughafens erst einmal ausprobieren konnte. Nun. Ich war so eine Laborratte. Ein Passagier der ersten Stunde...!!!

Das Gebäude: Ein langer Schlauch aus Glas und Stahl mit leicht gebogenem Dach. Überdimensioniert. Andere Wörter vielen mir beim ersten Betreten der neuen Halle nicht ein. Vielleicht war es auch nur eine Art Kulturschock. Früher ganz klein. Fast familiär. Plötzlich ganz groß. Fremd. Ein Airport erschaffen für sechs Millionen Passagiere. Vor 10 Jahren flogen nebenan nicht einmal Hunderttausend Leute. Und 2011 wurden mit Ach und Krach die 600.000 gepackt.

Nur ein Flugzeug auf einem solch großen Airport abzufertigen hatte natürlich auch etwas von Endzeit-Stimmung. Erinnerte mich an all die Zombie- und Katastrophen-Filme. So wie bei "28 days later". Wo der Hauptdarsteller alleine durch das von allen Menschen verlassene London zieht.

Okay. Die Funktionsweise kurz beschrieben. Überdachter Bereich vor der Ankunft. Dazu noch ein großer Parkplatz. Dutzende Werbetafeln mit Mega-XXL-Plakaten die bereits freudig die Besucher der Fussball-EM grüßen sollten. Rein in die Halle. Rechte Seite des Hauses: Eine Batterie an Check-In Schaltern. Der Wartebereich schön mit Bändchen abgesteckt. Die Damen und Herren von unendlicher Freundlichkeit beseelt. Das kannte ich früher eher genau anders herum. Der Shop im Erdgeschoss war noch nicht fertig. Naja. Zugleich teilte der Shop die Halle. Denn links davon der Empfangsbereich für ankommende Fluggäste. Abflug im Obergeschoss. Da führte eine Treppe hinauf. Die Rolltreppe ging noch nicht. Und nur Leute mit Ticket durften hoch maschieren.

Obergeschoss. Oh. Welch ein grandioser Anblick. Massenhaft Schalter für die Gepäck- und dann noch einmal für die Passkontrolle. Die Kontrolleure warteten gelangweilt auf "Kundschaft". Früher war das eher anders herum. Vier kleine Büdchen für die Kontrolle und eine mindestens 50 Meter lange Menschentraube davor. Ich wunderte mich an diesem Tag wirklich wie schnell alles ging.

Dann in den Wartebereich. Erneut eine Riesen-Halle. Von vorne bis hinten übersichtlich Ganz ohne Trennwände. Cooles Panorama auf die Start- und Landebahn. So wie ich es mir immer erträumt habe. Der Bereich mit den Shops war noch nicht geöffnet. Die Handwerker wuselten aber fleißig daran.

Die Toiletten? Unglaublich sauber. Nichts musste angefasst werden. Alles funktionierte automatisch. Vor ein paar Monaten bin ich noch rücklings aus dem Klo des alten Airports herausgelaufen. Da sah es tatsächlich so aus, als wäre ein Mensch förmlich "explodiert". Im neuen Flughafen befand man sich hingegen in einer ganz anderen Welt.

Und das Boarding? Erfolgte mit Bussen. Die "Finger", so nennt man die Brücken über die man ohne das Vorfeld zu betreten in den Flieger gelangt, waren leider noch nicht in Betrieb. Aber bis zur EM wird wohl alles fertig. Auch hier: Reibungslose Abwicklung. Perfekt...!!!

Als Fazit könnte ich fast in die Versuchung kommen, den Flughafen als absolutes Idealbild eines Airports hochzujubeln. Aber leider gibt es einen gewaltigen Kritikpunkt. Eine Sache die scheinbar alle Verantwortlichen bei all der Planung und Perfektion vergessen haben: Die individuelle Identität. Das was den alten Flughafen trotz all der Fehler so charmant hat wirken lassen. Die lokale Ausrichtung mit typisch ukrainischem Flair. Was man geschaffen hat ist ein Flughafen nach dem Reißbrett-Prinzip. Über Jahre habe ich Entwürfe des West-Flughafens im Internet gesehen. Modern, aber mit wunderschönen, traditionellen Farben und Mustern der Ukraine versehen. An landestypische Trachten erinnernde Verzierungen. Ein Design das bereits auf den ersten Blick voller Stolz erkennen ließ: Hier ist man in der Ukraine angelangt. Bis auf die Büste des Fürsten Danylo Halytskyi im Eingangsbereich ist davon nichts übrig geblieben. Die Büste selbst wirkt eher deplatziert. Fremd. Vielleicht ist es aber am Ende nur ein Sinnbild dafür, dass die Ukraine inzwischen in der "Zivilisation" angekommen ist. Das was ich vor nicht allzu langer Zeit noch als Charme des Ostens empfunden habe mehr und mehr verschwindet. Man nur noch von einer anonymen Großstadt in die nächste fliegt...


ANFAHRT und ABFAHRT

Die Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt dauert nicht besonders lange. Wobei der Airport jedoch am Rande von Lviv liegt. Öffentliche Verkehrsmittel brauchen ca. 25 bis 30 Minuten. Während der Stoßzeiten gibt es in den engen Gassen der Altstadt jedoch immer Stau. Es gibt die Möglichkeit mit dem Trolleybus Nummer 9 (Bus der an einer Oberleitung hängt) bis zur Iwan-Franko Universität zu kommen. Oder mit dem Bus Nummer 48 in Richtung Oper.

Die Internetseite mit allen Informationen über den neuen Airport: http://lwo.aero


Bilder von Lviv Danylo Halytskyi International Airport, Lviv
Lviv Danylo Halytskyi International Airport, Lviv 28 days later...
Wie im Horrorfilm..
Diesen Bericht empfehlen auf Google+
Sponsoren-Links
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
WortstarkMH

WortstarkMH

26.07.2012 20:54

Sh & lG :-)

Verandi

Verandi

11.05.2012 20:44

Sehr interessant! LG

cpschueler

cpschueler

11.05.2012 20:42

@SchwesterE: Nicht während der EM... Danach aber ganz bestimmt...

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 533 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"besonders hilfreich" von (3%):
  1. SchwesterE
  2. Joeloveyou

"sehr hilfreich" von (97%):
  1. LustigerKunde
  2. WortstarkMH
  3. Fredericke07
und weiteren 54 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.