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Erfahrungsbericht

für Lubuski, Lebuser Land
5 Sterne Perle im Lebuser Land Bericht mit Bildern
72 von 72 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro Erholung und Natur, relativ günstig, gut gelegen

Kontra habe bisher nichts gefunden

Detailbewertung

Preis-/Leistungsverhältnis
Anbindung
Sehenswürdigkeiten
Sicherheit
Gastfreundlichkeit

Der Autor

ytraveller Seit 3 Apr 2008

"Ich gebe dir ein SH, wie die meisten hier." Bitte Leute, lasst solche Mehrheitsbewertungen... mehr

51 Mitglieder vertrauen mir

Wer braucht nicht mal eine Auszeit vom stressigen Alltagsleben? Wenn man mal ein paar Tage frei hat, ist es schön, an einen schönen Ort zu fahren, der nicht mal sehr weit weg ist von zu Hause. Ich habe so einen gefunden. Zu jeder Jahreszeit hat er seine eigenen Reize. Er liegt im Lebuser Land auf der polnischen Seite, nur 60 Kilometer hinter dem Grenzübergang in Frankfurt/Oder. Hier ist man inmitten intakter Natur und man kann die Seele baumeln lassen.

Das erste Mal bin ich mit meiner Familie im Herbst 2003 dort gewesen. Ein Arbeitskollege meines Vatis wohnte dort und hat es uns wärmstens empfohlen. Seine Eltern haben dort auch eine Pension.


Der Ort

Das Städtchen, über das ich schreiben möchte heißt Łagów (Lagow). Wenn man von der große Fernverkehrsstraße abfährt, taucht man ein in eine völlig andere Welt. Man fährt mehrere Kilometer durch tiefen Buchenwald, bis man den Ort schließlich erreicht.

Der Ort liegt idyllisch auf einer Landzunge zwischen zwei großen Seen, Buchenwald und Hügeln am Fuße eine Johanniterburg. Einst war Łagów die kleinste Stadt in Preußen. Sie historischer Stadtkern ist zwischen zwei Stadttoren, dem Brandenburger und dem Polnischen Tor, erhalten geblieben. An einigen alten Wirtschaftsgebäuden sowie am ehemaligen Bahnhof sind deutsche Inschriften noch gut erkennbar.

Heute ist Łagów weit über die Stadttore hinaus gewachsen und es leben hier etwa fünf Tausend Einwohner. Sie liegt im Landkreis Świebodzin (Schwiebus) in der Woiwodschaft Lubuski (Lebus) inmitten eines großen Naturschutzgebietes.

Geschichtliches

Erstmalig erwähnt wurde Łagów im Jahre 1299 mit einer brandenburgischen Burg. In der Mitte des 14. Jahrhunderts gelang der Ort in den Besitz des Ordens der Johanniter. Diese veranlassten den Bau einer neuen Burg zwischen auf der Landenge zwischen dem nördlichen und dem südlichen See. Um die Festung siedelten sich Handwerker und Dienstleute an. Kurze Zeit später erhielt Łagów das Stadtrecht.

Im Jahre 1640 wurde Łagów während der Zeit des Dreißigjährigen Krieges von Schweden zerstört.

Der Johanniterorden wurde 1811 aufgelöst. Łagów ging danach in privaten Besitz über.

Die beiden Weltkriege überstand Łagów zum Glück unbeschadet. 1945 wurde es Teil Polens. Polnische Menschen wurden angesiedelt und die letzten deutschen Bewohner vertrieben. Heute kehren oftmals die Enkelkinder zurück, um die alten Ländereien ihrer Großeltern neu zu betreiben.

Noch heute wird das Stadtwappen von Łagów vom Johanniterkreuz geziert.

Sehenswürdigkeiten im Ort

Aufgrund seiner überschaubaren Größe, gibt es in Łagów lediglich eine Handvoll Sehenswürdigkeiten. Eigentlich ist der Ort, sehr idyllisch in herrlichster Landschaft gelegen, eine Sehenswürdigkeit an sich. Man kann wunderbar durch tiefe Wälder und entlang der Seen spazieren gehen, baden, Boot fahren (Motorboote sind allerdings verboten) oder in hübschen Cafés und Gaststätten verweilen.

Hauptattraktion ist ohne Zweifel die zentrale Johanniterburg. Sie beherbergt heute ein schönes Hotel und eine Gaststätte im mit Glas überdachten Innenhof. Den Burgturm kann man gegen ein geringes Entgelt besteigen. Von oben bietet sich einem ein herrlicher Rundum Blick über den Ort und das Naturschutzgebiet. Der Eintritt lohnt wirklich.

Hinter der Burg auf einem Hügel erstreckt sich ein alter deutscher Friedhof. In den letzten Jahren wurde er von gemeinnützigen Arbeitsgruppen wieder hergerichtet. Das wuchernde Unkraut wurde entfernt und die Steine wieder aufgerichtet. An einigen ist die Inschrift noch gut zu lesen. Es ruhen hier Förster, Handwerker, Pastoren… Auf manchen sind sogar Fotos zu erkennen.

Im Vorflur der Restaurants Malta am Fuße der Burg hängen Bilder aus dem alten preußischen Lagow.

Jahreszeiten

Łagów ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. Jede hat ihre eigenen Reize.

Im Frühjahr erwacht alles zum Leben. An schönen Tagen zieht es die Leute auf die Straßen und in Eiscafés werden die Tische wieder auf die Straße gestellt.

Turbulent wird es im Sommer. Zu dieser Zeit ist das Städtchen stark überlaufen. Aus ganz Polen und sogar aus Deutschland kommen Touristen.
Häufig finden Festivals an den Wochenenden statt. Auf der Freilichtbühne können dann Ritterspektakel angesehen werden, es gibt viele Süßigkeitenbuden und Karussells. Auf einer Bühne am Ufer des nördlichen Sees findet regelmäßig Disko statt. Anlässlich des alljährlich stattfindenden Filmfestivals zieht es sogar polnische Prominenz nach Łagów.
Ruhe ist im Sommer passé. Überall, auf den Straßen, in den Eiscafés und Bars sowie in den Parks herrscht reges Treiben. Viele polnische und deutsche Kinder verbringen in den Ferienlagern am Ortsrand die schönste Zeit des Jahres.
Das Wasser der Seen ist sehr klar und sauber. Sie laden herrlich zum Baden und Tretbootfahren ein. Angeln ist leider nur mit einer besonderen Genehmigung gestattet.

Ende Oktober kann man in Łagów einen wahrhaften "Indian Summer" erleben. Die Buchen haben herrlich gelb, braun und orange leuchtende Baumkronen. So eine schöne bunte Vegetation kannte ich bisher nur aus Bildbänden von Neu-England. Hier habe ich sie in Natura gesehen. Pilzsammler kommen jetzt voll auf ihre Kosten. Die ganzen Wälder sind gesättigt von schmackhaften Pilzen.

Im Winter bekommt man hier schon einen etwas kontinentalen Einfluss zu spüren. Meist liegt Schnee und die Seen sind zugefroren. Die Einwohner nutzen ihn daher als Abkürzung, um vom Ortsrand ins Zentrum zu kommen.


Ausflüge

Wenn man etwas länger in Łagów weilt, sollte man auch Ausflüge in die Umgebung machen. Sehr reizvoll sind Fahrten durch das Hinterland über kleine schlecht asphaltierte Straßen und ursprüngliche Dörfer.

Im Landkreis Świebodzin gibt es noch einige weitere hübsche Orte. Ich empfehle die Kleintadt Ośno Lubuskie (Drossen) mit ihrer alten Stadtmauer und Kirche, das Städtchen Lubniewice (Königswalde) mit ihrem großen See, der Korbwarenmarkt in Lubrza (Liebenau), die Stadt Międzyrzecz (Meseritz) mit ihrer Festungsanlage und Einkaufsmöglichkeiten sowie das Dorf Jordanowo (Jordan) mit seiner großen Klosteranlage Paradyż. Interessierte können sich hier von Klosterschülern kostenlos durch die Anlage führen lassen. Ich bin lediglich geboten wurden, meinen Führer und seinen Kollegen mit dem Auto nach Świebodzin mitzunehmen. Das habe ich natürlich gerne gemacht.

Świebodzin ist die nächste größere Stadt in der Nähe von Łagów. Das alte graue Stadtzentrum wurde in den letzten Jahren etwas freundlicher gestaltet. Die Neubauten erhielten einen hellen Anstrich und der Rathausplatz wurde umgebaut. Im Gegensatz zu den kleinen Orten und Dörfern kann man hier in Supermärkten einkaufen.

Auch ein Ausflug in das etwa 120 Kilometer entfernte Poznań (Posen) mit seiner schönen Altstadt lohnt sich.

Der Ostwall

Ganz besonders sehenswert halte ich die Bunkeranlage des Oder-Warthe-Bogens während des Zweiten Weltkriegs. Im Volksmund wird die östliche Festungsfront des Deutschen Reiches auch Ostwall genannt. Im Jahr 1934 begannen hier Bauarbeiten dieses unterirdischen Tunnelsystems bestehend aus schier unendlichen Gängen, Bahnhöfen, Kasernen und Maschinenräumen. Geplant waren ursprünglich 110 Tunnelkilometer, nach 32 km wurde der Bau aufgrund der strategisch wichtigeren Westgrenze jedoch eingestellt.

In den Orten Kaława (Kalau) und Boryszyn (Burschen) gibt es Möglichkeiten, dieses unterirdische Bauwerk zu besuchen. Regelmäßig finden auch deutsche Führungen statt. Allein darf man das Tunnelsystem natürlich nicht betreten. Außerdem ist es ratsam, sich eine Taschenlampe mitzunehmen. Des Weiteren sollte man gut zu Fuß sein und keine Platzangst haben.

Da unter der Erde eine ganzjährig konstante Temperatur von acht Grad herrscht, dienen sie als Überwinterungsgebiet für Fledermäuse. Im Herbst und im Winter sieht man viele dieser niedlichen kleinen Tiere an den Wänden und Decken hängen.

In Kaława befindet sich zusätzlich ein Museum, auf dessen Hof es verschiedene Kriegsfahrzeuge zu sehen gibt und im Inneren kann man etwas über den Bau der Bunkeranlage erfahren


Anreise

Als ehemaliges Naherholungsgebiet der Berliner ist Łagów schnell mit dem Auto zu erreichen. Man überquert die Grenze am besten am Autobahnübergang in Frankfurt/Oder. Direkt dahinter beginnt die polnische Landstraße 2. Eigentlich bleibt man immer auf der Europastraße 30, die in Irland beginnt und in Moskau endet.
Ist die E30 in Deutschland mit mindestens zwei Spuren pro Richtung ausgebaut, muss man sich in Polen gehörig umstellen. Hier ist es nur noch eine Schnellstraße. Pro Richtung gibt es nur eine Fahrspur und eine halbe Spur zum Überholen. Die vielen LKW-Fahrer heizen oft mit bedrohlichem Tempo die Straße entlang. In vielen Orten gibt es jedoch Radarkontrollen, die aber vorher auf einem Schild angekündigt werden.

Die Orte und Straßendörfer an der E30 sehen alle nicht sehr einladend aus. Das erste Mal war ich echt etwas schockiert und konnte mir kaum vorstellen, dass man in diesem Land schön Urlaub verbringen kann.

Etwa 30 Kilometer hinter der Grenze in Torzym (Sternberg) gibt es eine sehr schöne an der Straße gelegene Gaststätte. Sie ist einer mittelalterlichen Burg nachempfunden und es gibt hier zu für Deutsche günstigen Preisen gutes polnisches Essen.

Nach 50 Kilometer kommt eine große Markthalle mit dem Namen "Nevada". Hier muss man an der Abfahrt Poźradło links abbiegen. Diese kann man aber sehr leicht verpassen. Keine Abbiegerspur, sondern nur ein kleines Hinweisschild machen auf sie aufmerksam. Hat man die Abfahrt verpasst, dann man aber noch die nächste namens Gronów nehmen.

Die Anreise mit der Bahn gestaltet sich schwieriger. Łagów verfügt über keinen Bahnhof mehr und die Züge ab Frankfurt/Oder fahren auch nur alle paar Stunden.

Verkehrsregeln

In Polen muss bei Tage dauernd mit Licht gefahren werden. Nicht Einhaltung dieses Gebots kann gerne einmal bis zu 30 Euro Strafe kosten.
Des Weiteren hat man einen kleinen Handfeuerlöscher sowie für jede Person eine leuchtende Warnweste mitzuführen. Kontrollen diesbezüglich habe ich allerdings noch nicht erlebt.

Hinter der Grenze macht ein Schild auf die Geschwindigkeitsbegrenzungen aufmerksam. Innerorts darf man 60 km/h, außerorts 90 km/h und auf Autobahnen 110 km/h fahren. Sie werden aber sehr bald merken, dass sich die wenigstens Polen daran halten.
Wichtig sei auch zu wissen, dass es in Polen zwei Arten von Fußgängerüberwegen gibt. Halten Sie nur an rot unterlegten Zebrastreifen. Tun Sie dies bei einem für uns üblichen, werden Sie zum Verkehrshindernis und die Fußgänger gehen vor Misstrauen sowieso nicht über die Straße. :)

Kriminalität in Polen

Auch wenn mein Gastgeber schon lustige Storys über polnische Kriminalität erzählt hat, ist sie hier nicht unbedingt größer als in anderen Ländern. Beispielsweise wurden nach der Wende alle Kirchen abgeschlossen, weil die Leute die Statuen heraus getragen haben, um diese auf dem Markt zu verkaufen. Anfang der 90er Jahre sollte man in Łagów auch aufpassen, wohin man trat. Es konnte sein, dass ein Gullideckel bereits zum Einschmelzen weggeschafft wurde.

Nach der Wende ging aber im gesamten Ostblock vieles drunter und drüber. Heute braucht man sich absolut keine Gedanken mehr machen. Sein Auto kann man auch ohne Bedenken überall (außer vielleicht in Großstädten) abstellen. Wenn es gestohlen wird, dann ist es meist organisierter Diebstahl. Mein Gastgeber erzählte einmal, dass ihm sein Bruder aus Potsdam mit seinem neuen Škoda Oktavia besuchen kam. Er hat das Auto vor der Haustür kurz abgestellt, um drinnen Hallo zu sagen. Als er nur wenige Minuten später wieder auf die Straße trat, war sein Auto weg. Das kann doch nur geplant gewesen sein.
Für alle Angsthasen: Fahrt selbst nach Polen und überzeugt euch davon, dass es dort nicht unsicherer ist, als überall woanders auch. Notfalls kann man sein Auto auf bewachten Parkplätzen abstellen.


Unterkünfte

Da die Menschen in Łagów hauptsächlich vom Tourismus leben, vermietet fast jedes Einfamilienhaus ein paar Zimmer an Gäste. Die Preise können sehr variieren. Wenn man nicht gerade im Sommer kommt, wenn fast alles ausgebucht ist, sollte man ruhig ein paar Häuser abfahren und sich informieren. Von den Deutschen werden gerne Euros angenommen.

Es gibt aber auch ein paar Hotels, in denen die Zimmerpreise höher sind. In den großen Pensionen sind die Preise meist niedrig, man muss aber in Sachen Komfort teilweise große Abstriche machen.


Gastronomie

Wenn Sie bei Ihrem Gastgeber nicht rundum versorgt werden, können Sie immer noch in einigen Restaurants in Łagów schön und günstig speisen. Das vielfältigste Angebot bietet meiner Meinung nach die Gaststätte Pod Lipami (Unter den Linden). Im Pub "Malta" gibt es leckere Piroggen. Das sind mit Hackfleisch, Pilzen oder Frischkäse gefüllte Teigtaschen. Etwas außerhalb des Ortes auf einem Campingplatz befindet sich mit Blick auf dem See ein hübsches und vornehmes Restaurant mit dem Namen "La Vie".
Das beste Frühstück erhält man in der Gaststätte der Pension Defka. Hier gibt es für sehr wenig Geld große Platten mit Wurst, Käse, Rührei, Würstchen und Brot.


Fazit

Habe ich Ihnen mein Reiseziel schmackhaft gemacht? Wenn ja, dann habe ich noch ein paar restliche Informationen.
Man kann getrost hierher kommen, ohne ein Wort polnisch zu können. Die Menschen sind hier auf deutsche Touristen eingestellt und sprechen zumindest ein paar Brocken unserer Sprache. Die Speisekarten in Gaststätten haben meistens auch eine zweite deutsche Ausfertigung. Man sollte aber bedenken, dass man nicht allzu überheblich klingen sollte, indem man erwartet, sofort von allen verstanden zu werden. Wenn man sich ein paar polnische Brocken aneignet, dürfte man auch vielen Leuten ein freundliches Lächeln aufs Gesicht zaubern.

Aufgrund des immer schlechteren Umrechnungskurses ist es hier leider längst nicht mehr so günstig, wie vor ein paar Jahren. Erhielt man 2003 für 1 Euro noch 4,50 Złoty, sind es heute nur noch etwas über 3 Zł. Es ist auch nicht überall, wie kurz hinter der Grenze. In den Geschäften kann man hier nicht mit Euro bezahlen.

Ich füge jetzt noch ein paar Bilder an. Vielleicht trifft man sich ja irgendwann man in Łagów.

Do widzenia!

Bilder

für Lubuski, Lebuser Land
Lagow
Blick über den See auf die Johanniterburg
von ytraveller ytraveller
Lagow

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Kommentare

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  • jockel2001 23.06.2011 07:38
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • cat_in_a_cradle 10.04.2009 15:58
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • negendank 05.03.2009 03:00
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    Dieser Bericht erweitert mein geographisches Weltbild. VLG - Olaf

  • Eierkuchen70 05.01.2009 12:32
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Cuchulainn1981 18.11.2008 10:56
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    Deine Berichte sind toll. Ich abonniere sie mal :)

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