Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
gute Stimmung |
| Kontra: |
Kommerz und Politik |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Letzten Sommer war ich das erste Mal auf dem Lesbisch-Schwulen-Stadtfest in Berlin. Ich bin zwar Berliner, aber jetzt war die erste Gelegenheit zu einem solchen Event, nach meinem Coming-Out. Das Stadtfest findet immer an einem Wochenende im Juni statt, noch vor dem Christopher-Street-Day.
Zunächst fand ich keinen, der mit mir hingehen wollte bzw. konnte. Dann fand sich aber doch eine interessante Konstelation zusammen. Der Chef meiner Stamm-Cocktailbar, genannt "Cheffe" (ich denke, Ende 40 / Anfang 50), seine Freundin, zwei schwule Arbeitskollegen von ihr, die mal zusammen waren und der neue Freund von einem der beiden. Das könnte also lustig werden. *grins*
Das Lesbisch-Schwule-Stadtfest findet in Schöneberg, nähe Nollendorfplatz statt. Also mitten im schwulen Zentrum Berlins. Zu erreichen mit Bussen, oder der U-Bahn, die direkt dort hält. Mit dem Auto ist es schwierig, da kaum Parkplätze vorhanden sind.
Wir trafen uns also am Nollendorfplatz und gingen von dort in die Seitenstraßen, wo das Stadtfest stattfand. *lach* Das Wetter war gut und so tummelten sich schon am frühen Samstagnachmittag viele Leute in der "Häuserschlucht". Links und rechts der Straße waren Buden aufgebaut. Die üblichen Fress- und Getränkestände boten einiges an Abwechslung. Softdrinks aller Art wurden genauso angeboten wie diverse Sorten Bier, aber auch eine breite Auswahl an Cocktails. Wobei die Preise und die Qualität sehr unterschiedlich waren. Wir hatten Glück, denke ich. Unsere Cocktails waren zwar für ihre Größe mit 5 Euro nicht billig, aber dafür waren sie sehr lecker. Soll sogar Alkohol drin gewesen sein. ;o)
Neben den Verpflegungsmöglichkeiten gab es viele Infostände zu schwulen Gruppen, der AIDS-Hilfe usw. Es gab Broschüren und Bücher zu kaufen, T-Shirts und alle Arten von Regenbogenartikeln.
Was mir weniger gefiel, waren die Stände der politischen Parteien; CDU, SPD, FDP, Grüne und PDS waren dort. Ich persönlich finde es absolut zum Kotzen, dass die Politik solche Events zu nutzen versucht, um sich beliebt zu machen. Für mich ist das eine Veranstaltung, bei der ich vorallem Spaß haben will, nicht mich über Politik informieren. Das kann ich auch an anderer Stelle. Mag aber sein, dass es hierzu auch andere Meinungen gibt. Ich habe diese Stände jedenfalls einfach ignoriert und der Stimmung taten sie auch keinen Abbruch.
Die Stimmung lebte insbesondere von der Musik, die unterschiedlicher wohl nicht sein konnte. Jazz, Hip Hop, Rap, Soul, Rock, Disco-Sound, Schlager... für jeden war etwas dabei. Besonders gut waren die Live-Auftritte einiger Band. Hierfür standen 2 oder 3 kleine Bühnen zur verfügung. Aber die lesbische Rhythmustruppe aus Berlin (den genauen Namen kenne ich leider nicht) passte z.B. auf keine Bühne. Es waren einfach zu viele Damen, die sich da austobten. Außerdem brauchten sie keine Bühne. Mit ihren Instrumenten konnten sie sich auch so Gehör verschaffen und auf sich aufmerksam machen. Oh ja! *lach* Die waren wirklich klasse! Das "Getrommel" ging direkt ins Blut. Selbst die oft muffeligen Berliner fingen an, mit den Hüften zu wackeln. Was für ein armseliger Anblich. *jaul*
Das Stadtfest zog sich durch verschiedene Seitenstraßen. Wer wollte, konnte auch einen Rundkurs gehen. Alle Straßen, die für die Veranstaltung gesperrt waren, waren auch voller Menschen. Es war wirklich viel los, aber immer so, dass man noch vernünftig laufen konnte. Das Publikum setzte sich definitiv nicht nur aus Lesben und Schwulen zusammen. Es fanden sich auch zahlreiche aufgeschlossene Heteros ein, die einfach Spaß am feiern hatten.
Zu Sehen gab es auch genug! Es war wohl so ziemlich alles da, was die schwule Szene zu bieten hat. Drag-Queens, die mit ihren High-Heels über die 2-Meter-Marke reichten und jeden mit ihren Federboahs kitzelten, Männer in "normalen" Frauenkleidern, Leder- und Gummikerls, Skin-Typen, durchgestylte Juppies und Otto-Normal-Schwule. *smile* Auch was die Frauen betrifft war wohl alles da. Jedes Klischee wurde erfüllt, aber die breite Masse war ganz normal gekleidet. Eine bunte, lustige Gemeinschaft.
Kleine Anekdote am Rande:
Am Abend vorher hatte ich in einer Schwulengruppe ein paar nette Jungs kennen gelernt. Diese traf ich auch dort wieder und wir unterhielten uns kurz. Die anderen, mit denen ich dort war, wollten aber weiter, so kam Cheffe zu mir. Wie gesagt, nicht mehr ganz jung und nicht unbedingt hübsch. Er griff mich am Arm und zog mich mit den sehr bestimmten Worten: "Patrick - Wir gehen jetzt weiter" hinter sich her. Himmel wie peinlich!!! Ich hätte im Boden versinken wollen. *schweißausbrechundinpanikverfall* Glücklicherweise trafen wir sie später noch einmal und ich konnte das ganze unauffällig klären. Puh! ;o)
Fazit
Ich fand das Lesbisch-Schwule-Stadtfest sehr unterhaltsam. Meine Begleiter waren auch sehr nett, aber leider war zu spüren, dass da nicht alles ganz geklärt war. Das trübte die Stimmung schon ein bischen. Mit anderen Leuten wäre ich sicher länger als nur 2 Stunden dort gewesen und hätte ausgelassener gefeiert. Die Stände bieten einiges, aber gerade die sehr unterschiedlichen Menschen machen den Spaß aus. Alles feiert sich selbst und ist dabei sehr entspannt und fröhlich. Natürlich kann Mann und Frau dort auch neue Kontakte knüpfen. ;o) Es gibt viele Bars und Clubs, die für den Abend zum weiterfeiern einluden. Wie gesagt, hier schlägt das schwule Herz der Hauptstadt.
Bei Gelegenheit einfach mal anschauen.
Gruß,
Patrick
P.S. Wenn an diesem Bericht irgend etwas fehlt, gebt mir bitte bescheid. Danke.