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Vierländer Ente an blankem Busen
Pro es wird sehr fein gekocht, hervorragende Wein-Auswahl, schöne Lage, nettes Ambiente
Kontra Ausserhalb spezieller Angebote hochpreisig
Schwellenangst und Angst um den Geldbeutel lassen viele Zeitgenossen einen Bogen um bekannte Gourmet-Tempel machen. Als von Geburt an mit gesunder Arroganz gesegneter Hamburger kenne ich zwar keine Schwellenangst vor dicken Teppichen, wohl aber die begründete Angst um meinen schmalen Geldbeutel.
Hamburg, an der Elbchaussee 130, das ist eine noble Adresse mit Elbblick.Ein etwas altbackenes Ambiente mit wirklich dicken, schallschluckenden Teppichen lässt ein Gefühl aufkommen wie in Omas Wohnzimmer, im positiven Sinne. Eben typischer, pastellfarbener Landhaus-Stil.
Die tolle Akustik hat mich beeindruckt, trotz nicht vorhandener Hintergrundmusik sind Gespräche am Nachbartisch nicht zu verstehen und man muss nicht flüstern.
Möglichen Einfällen, die Einrichtung mit jungen, wilden Edelstahlteilen oder kalten Neonröhren aufzupeppen, hat man wohlweislich widerstanden. Es gibt Kritiker, denen zufolge Architektur und Kochkunst in diesem Hause auf hohem Niveau stagnieren, aber eben stagnieren.
An der Kochkunst selbst gibt es nichts zu bemäkeln. Seit etwa 27 Jahren auf der Speisekarte, ist die ‚krosse Vierländer Ente mit Spitzkohl, Sellerie und Bergpfeffersauce’ ein Klassiker und einfach grandios. Derart zartes und saftiges Entenfleisch habe ich noch niemals vorher gegessen. Marmeladisierte Rhabarberstücke gab es dazu, das harmonierte ausgezeichnet und gemahnte keinesfalls an die berüchtigte Ente-süß-sauer beim Billig-Kantonesen.
Formvollendet serviert wurde vom zu Scherzchen (‚Ente ist aus, ich bringe falschen Hasen, der ist von Ostern übrig und muss weg’) aufgelegten Chef Heinz Wehmann selbst. Sämtliche Speisen sind so dekadent dekoriert, dass selbst ein geübter Gourmand die filigranen Kreationen nur ungern mit grober Gabel zerstören mag.
Die ‚Spargelnudel und Tagliatelle von Büsumer Krabben mir Bärlauchpesto’ war zwar lecker, aber auch recht gewagt – wäre der noch ziemlich feste Spargel auch nur leicht bitter gewesen, hätte man den ganzen Teller wegkippen müssen. Musste man aber nicht, das Bärlauchpesto war umwerfend aromatisch und hübsch mit einem riesigen Bärlauchblatt garniert. Die Krabben waren arg klein leicht abzuzählen, aber dafür die Nudeln frisch und bissfest.
Nachtisch war auch gekonnt, gut gefallen hat mir die ‚Schokoladenvariation mit Tarte, Schokoladen Sorbet und Portweinfrüchten’, auch wenn auf meinem Teller nur eine einzige, halbe Portweinfrucht (Pflaume) zu finden war. Aber Gourmet-Tempel sind eben auch dadurch gekennzeichnet, dass keine Holzfäller-Portionen serviert werden. Eine beinahe schwarze, sehr feine Schokoladenmoussee dürfte auch für solche Menschen ein überragender Genuss sein, denen dunkle Schokolade ansonsten ein Gräuel ist.Die gebotene Weinauswahl ist groß und edel, da bleiben keine Wünsche offen. 640 Positionen mit etwa 12.000 Flaschen sind für den, der Aldis Wein aus der Brickpackung verabscheut, verfügbar und werden vom fachkundigen Sommelier gekonnt kredenzt. Zuweilen gibt es Menü-Angebote inklusive Wein, da ist dann wirklich alles optimal aufeinander abgestimmt und ein echter Genuss.
Freunden der amerikanischen Krimiserie ‚Columbo’ rufe ich einen Satz aus der Folge ‚Wein ist dicker als Blut’ zu:Unter 100,- Euro ist kaum ein Menü zu bekommen, Getränke natürlich extra. Im Bistro gibt es 3-Gänge-Menüs ab 35,- Euro. Samstags bietet der Patron für 130,- Euro gut besuchte Kochkurse an.
Veröffentlicht auf goxpower.com und ciao.com
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KadettSky 04.09.2003 00:37
Klaus Alfred 18.08.2003 13:38
Ich mag auch keine Graupen (wegen der Einnerung an die schlechte Zeit. Aber im Scherrer würde ich sie probieren. Der Ruf des Lokals ist ja bis nach Berlin gedrungen. Gruß Klaus
BennoSchwarzer 03.06.2003 01:19
Mir läuft das Wasser im Munde zusammen ! Reine "Quälerei" für mich Deinen Bericht lesen zu müssen :-). Als solchen Genüssen sehr zugetaner Mensch wünsche ich Dir nur eins von Herzen: Sei Dein Geldbeutel nur immer so ausreichend gefüllt dass Du Dir dieses Restaurant ab und an leisten kannst. Da haperts bei mir z.Zt. leider auchn bischen. Gruß Benno
MattenRocker 25.05.2003 00:17
Wilma2000 20.05.2003 16:40
Auch ich war im Landhaus Scherrer sehr begeistert, obwohl der Besuch bestimmt schon 8 Jahre zurückliegt. Mir ist neben dem guten Essen, den hervorragenden Weinen noch der "lässige" Ton in Erinnerung, den ich sehr lustig und nett fand und der der gefürchteten "Vornehmheit" widersprach. Wenn ich in Hamburg bin, möchte ich gern mal wieder zu Scherrer!! Herzl. Grüße von Wilma