Home > Reisen > Europa > Deutschland > weitere Städte in Deutschland > weitere Sehenswürdigkeiten in Deutschland > Museen weitere Sehenswürdigkeiten in Deutschland > Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle an der Saale > Erfahrungsbericht

Erfahrungsbericht

für Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle an der Saale
4 Sterne ~ Die Himmelsscheibe von Nebra ~ Bericht mit Bildern
44 von 44 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro Himmelsscheibe von Nebra, viele Fundstücke, viele Informationen, sehr interessant

Kontra teilweise typisch fachliche "Betriebsblindheit" ....

Detailbewertung

Preis-/Leistungsverhältnis
Anbindung
Öffnungszeiten
Spaßfaktor

Der Autor

SabineG1959 Seit 16 Okt 2004

Hallo, Ihr Lieben! Leider habe ich ernsthafte Augenprobleme und kann nich so viel lesen, wie ich... mehr

63 Mitglieder vertrauen mir

Wer kennt sie nicht, die Himmelsscheibe von Nebra? 1999 wurde sie von Schatzgräbern am Mittenberg bei Nebra und nicht weit von Halle/Saale von Schatzgräbern gefunden, die sie über Hehler zu Geld machen wollte, am Ende geschnappt wurden und dann bei der Rekonstruktion des Verstecks und Fundortes der Scheibe mitgeholfen haben. Nach ihrer Tournee durch einige deutsche und weitere europäische Städte, u.a. Wien und Stuttgart, und der vorherigen Säuberung und Restaurierung hat sie nun seit Mai 2008 ihren festen Platz in der Dauerausstellung zur Vorgeschichte und Bronzezeit im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle gefunden.

Das Gebäude des Museums wurde 1911 - 1913 nach den Entwürfen von Wilhelm Kreis erbaut. Am 23. Mai 2008 wurde das Museum nach einer völligen Umgestaltung mit moderner Technik wieder neu eröffnet, die unteren Etagen sind auch heute noch teilweise eine Baustelle.

Die Adresse lautet:
Landesmuseum für Vorgeschcichte
Richard-Wagner-Str. 9
06114 Halle/Saale
http://www.lda-lsa.de/landesmuseum_fuer_​vorgeschichte/

Am Haupteingang im Erdgeschoss erhält man die Eintrittskarten und wird gleich von einem netten älteren Herrn in Empfang genommen, der einem den Weg die Treppen oder den Aufzug hinauf zu den Ausstellungsräumen weist. Im Erdgeschoss befinden sich auch die Toiletten und ein Museumsladen mit angegliedertem Café mit kioskähnlichen Gerichten. Der kleine Laden enthält sehr viel Interessantes zu unserer Geschichte und Vorgeschichte sowie einige Publikationen des Museums selbst zur Himmelsscheibe und anderen Themen, die im Museum vorgestellt werden.


Rundgang
~~~~~~~~

Der Rundgang führt zunächst in Räume, in denen die Vorgeschichte - Altsteinzeit - umrissen wird, die mangels schriftlicher Aufzeichnungen allein aus Funden rekonstruiert werden musste. Hier gibt es Skelette und Nachbildungen von Tieren, die in der damaligen Zeit in der Gegend um Halle gelebt haben wie z.B. ein Waldelefant, der quasi aus der Wand des einen Raumes hervor tritt. Später wurde der Waldelefant vom Mammut abgelöst.

Darauf folgt die jüngere Altsteinzeit. Vor ca. 35.000 Jahren wanderte der Homo sapiens sapiens, also der moderne Mensch, unsere direkten Vorfahren, aus Afrika hier ein. Aus dieser Zeit stammen viele Knochen- und Steinwerkzeuge und Keramiken. Auch Leder wurde schon ganz früh gegerbt und zu wunderschönen Kleidungsstücken mithilfe von Knochennadeln zusammen genäht.

Dabei fiel mir auf, dass die Menschen auf den Erläuterungsbildern immer irgendwie als Wilde dargestellt werden, während man schon im Neanderthalermuseum bei Düsseldorf den neanderthalern mithilfe von kriminalistischen Methoden Gesichter gegeben hat, die fast so aussehen wie die unseren und kein bisschen dieser groben Wildheit verraten, wie diese Menschen üblicherweise dargesstellt werden, nicht nur hier in diesem Museum.

Dazu kommt, dass auch hier Plastiken von Gesichtern von Steinzeitmenschen anhand dieser kriminaltechnischen Methoden erstellt wurden, die wie ganz "normale" moderne Menschen aussehen. Und diese Lederjacke aus der Alt- oder Jungsteinzeit ist ein Gedicht! Sie wurde leicht gräulich gefärbt und mit einer Art rötlichen Blumenstempel in exaklten Reihen versehen - eine Jacke, wie man sie auch heute noch tragen könnte im Stil vielleicht eines Kinderanoraks.

Diese wunderschöne Lederjacke passt nicht im Mindesten zu den dargestellten Menschen, die so etwas Feines auch nie auf den Bildern tragen, so dass ich mich frage, wann endlich die Darstellungen mit den Funden übereinstimmen ... leider durfte man nciht fotografieren, sonst hätte ich garantiert ein Foto dieser traumhaften Jacke mitgebracht!

Aber nun weiter zu unserem Rundgang durch die Räume, die um eine Art Atrium herum gruppiert sind:

Mit dem Ende der letzten Eiszeit vor 11.500 Jahren begann die Mittelsteinzeit. Aus den offenen Tundren mit ihren Pferde- und Großwildherden wurden nun Wälder, auf die die Menschheit sich nun wieder neu einstellen musste. Langsam begann man sesshalft zu werden, da man nicht mehr ständig den umherziehenden Großwildherden nachziehen musste sondern genug Nahrung "standorttreu" in den Wäldern fand.

Im Museum sieht man die drei im näheren Umkreis entdeckten Gräber aus dieser Zeit. Eins ist das Grab einer Schamanin mit rechen Grabbeigaben, u.a. eben auch Dingen, die man in vergleichenden Studien mit anderen Gräbern aus anderen Gegenden als schamanische Ritualgegenstände erkannt hatte. Ein weiteres Grab war ebenfalls das einer Frau, die gemäß der reichen Grabbeigaben ebenfalls einen besonderen stand gehabt haben musste. Mit ihr wurde ihr Baby beerdigt.

Die Neusteinzeit von vor ungefähr 7.000 Jahren ist geprägt durch den Beginn des Getreideanbaus und der Viehzüchtung und -haltung. Auch aus dieser Zeit gibt es hier nachgebildete Gräber mit reichen Grabbeigaben auch aus Gold, die u.a. auch von Kriegen erzählen, da in einer Grabstätte mit mehreren Gräbern Menschen mit tödlichen verletzungen bestattet wurden. Hier wurde auch aufgrund von Gentests heraus gefunden, dass die Ehe bereits patrilokal war, die Frau also nach ihrer Heirat in den Stamm des Mannes aufgenommen wurde.

Gegen Ende des 3.Jahrtausends vor Christus, also vor ca. 5.000 Jahren begann die frühe Bronzezeit, aus der auch "unsere" Himmelsscheibe stammt. Möglich war dies nur durch ausgebreitete Handelsbeziehungen, die es aber allein schon des lebensnotwendigen Salzes wegen auch schon in frühesten Zeiten gegeben haben muss. (Dieser Nachsatz stammt jetzt nicht aus diesem Museum ssondern aus den Erklärungen der Halleschen Saline - aber das wäre dann ein anderes Thema.)

Aus dieser Zeit stammt auch unsere Himmelsscheibe, die mehrfach verändert worden ist. Aber ihr Hauptzwecke war immer eine Art Kalender. Ein Kalender wurde erst in der Jungsteinzeit mit Beginn der Agrarwirtschaft notwendig, damit man die Zeiten der Aussaat bestimmen konnte, die zum richtigen Zeitpunkt erfolgen musste, damit alles Angebaute vor dem Winter reif geeerntet werden konnte.

Schon unser Vorfahren wussten, dass das Sonnenjahr nicht genau 12 und das Mondjahr ca. 12 1/2 Monate - Monde - hatte. Nun stellte sich die überlebensnotwendige Frage, wie man diese beiden Zeiten passend bekam, um zuverlässig die Zeiten der Aussaat bestimmen und die nicht ganz exakt mit den Himmelsgestirnen passenden Zeiten auf einen Nenner zu bekommen.

Schon früh stellte man auf der ganzen zumindest nördlichen Halbkugel fest, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt im März die Plejaden am Himmel aufgingen und im Oktober untergingen, so dass an diesem Datum die jeweils fällige Kalenderkorrektur vorgenommen werden konnte. Und so erkennt man auf der Himmelsscheibe auch die Plejaden zwischen Vollmond und Mondsichel, die den genauen Tag markieren, an welchem Tag dazwischen die Kalenderkorrektur vorgenommen werden musste.

Vor 1.600 Jahren wurde dann die heute ca. 3.600 Jahre alte Scheibe feierlich mit einigen Grabbeigaben wie z.B. zwei Schwertern ziemlich nahe unter der Erdoberfläche beigessetzt. Man vermutet das Ende dieser Ära, aber vielleicht wurde sie - meine Idee -. wie ein Fürst oder wie diese Schamanin so nahe unter der Oberfläche beigesetzt, weil man sie nur kurzfristig in Sicherheit bringen wollte vor Feinden z.B:, denen sie nicht in die Hände fallen sollte. Und ausgraben konnte man sie deshalb vielleicht nicht mehr, weil alle umgekommen sind, die sie gerne wieder gehabt hätten ...

Die Himmelsscheibe von Nebra ist in einem dunklen Raum ao aufgestellt und beleuchtet, dass man Vorder- und Rückseite sehen kann. Vor allem die Rückseite ist noch von einer Patina überzogen, aber sie ist trotzdem sehr beeindruckend.

Die weiteren Grabbeigaben befinden sich im selben Raum in einer hell erleuchteten Virtine an der Wand.


Ich hoffe, ich konnte Euch die doch etwas komplizierten Zusammenhänge ein wenig näher bringen. Ausführlichere Informationen befinden sich auf
http://www.lda-lsa.de/landesmuseum_fuer_​vorgeschichte/dauerausstellung/ .


Im oben erwähnten Atrium gibt es auch einige Ausstellungsstücke zur arbeit der Archäologen und einen Computer mit weiterne Informationen, an dem man auch Forscher spielen und dinge ausgraben und bestimmen etc. kann. Das macht Spaß.


Fazit:
~~~~

Ich kann das Museum trotz der oben aufgeführten wissenschaftlichen Blindheiten nur empfehlen. Es sit sehr interessant und aufschlussreich, und wer die Himmelsscheibe von Nebra sehen will, muss ja eh dieses Museum besuchen. Auch einen blick in den sehr interessanten Museumsladen mit den Eigenpublikationen sollte man nicht vergessen!

Alles Liebe von Sabine :)

PS: bitte entschuldigt meine Tippfehler, ich bin auf einem Auge fast blind, so dass das Lesen der kleinen Schrift und das Konzentrieren auf Tippfehler mich unglaublich anstrengt, da ich sie einfach nicht sehe, wenn ich einfach auf das Schriftbild gucke. Wenn ich lese, um den Inhlat zu erfassen, dann verstehe ich, was geschrieben wurde, aber Tippfehler und so sehe ich gar nicht erst, also auch bei anderen nicht. Sorry.


Bilder

für Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle an der Saale
IMG_7977A - Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle
Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle an der Saale - Ausschnitt aus der großen Fahne über dem Museumseingang
von SabineG1959 SabineG1959
IMG_7977A - Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle

Bewerten Sie diesen Erfahrungsbericht

Wie hilfreich ist dieser Bericht für Sie? Leitfaden zum Bewerten

Achtung, dies ist der erste Berichte des Autors

Anstatt dem Mitglied eine negative Bewertung zu geben, bitte daran denken:

  • Helfe diesem Mitglied durch nützliche Tipps

  • Melde einen Missbrauch wegen unerlaubter Kopie oder anderer Gründe an das Ciao Support Team.

Aktiviere die Funktion für negative Bewertungen

Kommentar schreiben

 Kommentar abgeben  Kommentar abgeben

JavaScript sollte aktiviert sein, um eine Bewertung oder einen Kommentar abgeben zu können.

Kommentare

Haben Sie eine Frage zu Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle an der Saale? Frage stellen
Vorherige Seite Nächste Seite Seite 1 von 9 | 1 - 5 von 44 Kommentaren
  • Baerchen2571 02.09.2009 19:37
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    gut und ausfürlich beschrieben, aber bin kein sonderlicher Museumfan.

  • Roussbuttnbou 28.08.2009 19:46
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    ... als ob man selbst dortgewesen wäre...

  • Sonnnja1 21.08.2009 20:53
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich
  • jansdarling2002 18.08.2009 09:08
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • hundeliebe02 14.08.2009 22:00
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
Vorherige Seite Nächste Seite Seite 1 von 9 | 1 - 5 von 44 Kommentaren

Ähnliche Angebote

für Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle an der Saale
* Alle Preise inkl. gesetzlicher MwSt und ggf. zzgl. Versandkosten. Preise, Verfügbarkeit und Versandkosten können im jeweiligen Shop zwischenzeitlich geändert worden sein, da eine Echtzeit-Aktualisierung technisch nicht möglich ist. Maßgeblich sind immer die Preise und Angaben auf der Händlerseite. Alle Angaben ohne Gewähr.