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Pro Klein, zentral gelegen
Kontra Veraltet, teilweise schmuddelig
Nachdem wir uns jahrelang in west- und südeuropäischen Ländern getummelt hatten, waren wir auch neugierig auf "den Osten". Mal was anderes halt. Nicht ganz so weit, schließlich ist man mit einem Gespann nicht wirklich schnell, und einjährige Töchter reagieren auf zu viel Auto fahren schon mal etwas angesäuert. Also Ungarn. Da kommt der Balaton als *das* Urlaubsziel unweigerlich in den Sinn. So viele Besucher können nicht irren, das Gebiet gilt als touristisch voll erschlossen und kindgerecht, was das "Abenteuer Ost" für die junge Familie äußerst kalkulierbar macht. Und bezahlbar obendrein. Auch wenn die goldenen Zeiten vorüber sind, ist es im Vergleich zu Deutschland noch immer günstig. Von Zielen wie der Schweiz oder Südfrankreich gar nicht zu reden.
1. Die AnreiseAus dem "Pott" kommend, geht's erst mal über die A3 Richtung Frankfurt a.M., Nürnberg, in Österreich dann per A8 über Wien Richtung Ungarn. Wer im Folgenden an den Wegweisern Richtung Budapest orientiert, macht nichts falsch. In Ungarn befährt man dann die M1 Richtung Györ/Veszprém, bis man die Autobahn an der Ausfahrt Nyul verlässt. Hangelt man sich an den Wegweisern Richtung Nyul, Zirc und Veszprém lang, bringen einen diverse Landstraßen zuverlässig ans Balatonufer; Balatonalmadi ist rechtzeitig ausgeschildert.
Die Österreichischen Autobahnen sind vignettenflichtig. 10 Tage kosten 7,60 EUR, als nächste Stufe gibt's zwei Monate zu 21,80 EUR. Erhältlich sind die Kleber zu Hause (z.B. ADAC) oder an Tankstellen im Grenzgebiet und natürlich in Österreich selbst. Der Wohnwagen ist dankenswerterweise kostenlos. Auch die Ungarische M1 kostet, 10 Tage 2.000 HUF (8 EUR), ein ganzer Monat 3.400 HUF (13,60 EUR). Wir haben ein Monatsexemplar an einem Mauthäuschen kurz nach Grenzübertritt erworben.Die 90 km Landstraße bis zum Balaton haben es im übrigen in sich. Schmale Landstraßen mit verwegenen Kurven und durchaus nennenswerten, langen Steigungen fordern das Letzte von schwach motorisierten Gespannen. Wir jedenfalls konnten unsere Reisegeschwindigkeit von 80 km/h teilweise nur im zweiten Gang halten.
Den Platz selbst findet man in unmittelbarer Ufernähe. Wer am Nordufer westwärts fährt, darf direkt nach dem Bahnhof den linken Blinker setzen. Hat man die Gleise überquert, biegt man sofort wieder rechts ab und befindet sich auf einem schmalen Weg zwischen Plattensee und Hauptuferstraße. Der Platz erscheint nach 150 m auf der linken Seite. Gespannfahrern sei empfohlen, erst mal rechts ran zu fahren und die Formalitäten zu klären, bevor man das Campinggelände befährt. Park- und Rangierraum sind praktisch nicht vorhanden.Das Ziel, "Motel & Camping Kristof", H-8220 Balatonalmadi, ist nach knapp 1.200 km erreicht. Die deutschsprachige Dame an der Rezeption schickt die Besucher wie üblich auf Stellplatzsuche, so man nicht zuvor per Telefon +36 88 58 42 01, Telefax -02 oder unter balatontourist.hu reserviert hat. Im Mai 2003 erübrigte sich eine Reservierung, bei den üblichen Öffnungszeiten von Ende April/Anfang Mai bis Ende September befanden wir uns noch klar in der Vorsaison und hatten Freispiel bei der Platzwahl.
2. Das GeländeDer Blick aufs Campinggelände wird von einer Reihe platzeigener Ferienbungalows versperrt. Eine gute Lösung, die vor neugierigen Blicken bewahrt und die Lärmbelästigung durch Uferstraße und Bahnstrecke zumindest reduziert.
Das Gelände macht einen sehr gepflegten Eindruck und ist in angenehmem Umfang begrünt und bepflanzt. Die Stellplätze sind parzelliert, die rund 100 qm großen Abschnitte sind mit Hecken von einander abgetrennt. Der Wiesenuntergrund ist recht eben, kein starkes Gefälle Richtung Ufer, die Heringe lassen sich ohne Probleme versenken. Durch den mehr oder weniger quadratischen Zuschnitt der Parzellen gibt es keine Probleme, Raum für Wohnwagen, Vorzelt und Auto zu finden. Schatten spendende Bäume gibt es dafür kaum. Das Rangieren wird durch die schmalen Wege nicht einfacher, der ebene Untergrund führt aber schnell zu der Entscheidung, den Wohnwagen einfach abzukoppeln und an seinen Platz zu schieben. Stromanschlüsse finden sich in unmittelbarer Nähe, die große Kabeltrommel kann im Fahrzeug bleiben.Das Areal darf getrost als "klein" bezeichnet werden, es sind ganze 35 Stellplätze zu vergeben. So läuft man schnell Gefahr, einen der 12 Uferplätze zu ergattern. Was daran so übel ist? Nun, eigentlich sind es keine Uferplätze, da zwischen Zaun und Ufer noch eine Art Promenade mit einer Reihe Fressbuden und einem Erlebnisfreibad verläuft. Man hat auf diesen Plätzen also volle Lärmbelästigung in der Saison, am Zaun hängende Gaffer, als Gegenleistung aber keinen Strandzugang. Es empfiehlt sich somit, einen Platz möglichst in Nähe der Bungalowreihe zu wählen.
Wirklich ruhig ist es allerdings auch da nie. Die Promenadengäste hört man natürlich trotzdem, die auf der Bahnstrecke verkehrenden Züge kündigen jedes Herannahen an den Bahnübergang mit freundlichem Tuten an - Ausfluss der zahlreichen Unglücke 2001/2002?Zumindest ist dort die unmittelbare Nähe zum Sanitärgebäude sichergestellt. Insbesondere den Toiletten merkt man an, dass sie schon bessere Zeiten gesehen haben. Zwar gibt man sich redlich Mühe, alles sauber zu halten, aber funzelige Beleuchtung, eindeutiges Odeur sowie beschädigte oder fehlende Seifenspender lassen das Herz nicht unbedingt höher schlagen. In Sachen Körperhygiene lassen insgesamt fünf Duschen für die Herren (bei den Damen dürfte es ähnlich aussehen) Wartezeiten in der Saison befürchten, der geringen Platzgröße zum Trotz. Diese Einrichtung ist einfach ausgestattet und in einem recht guten Zustand, dass sie nach Betreiberangaben erst im Jahre 2000 erneuert wurde, ist für mich dennoch nur schwer zu fassen.
Zum Geschirrspülen begibt man sich ins Rezeptionsgebäude und findet sich dort in einer Uraltküche wieder. Auch hier gilt, dass man sich zwar um Hygiene bemüht, aber alles wirkt alt, etwas mitgenommen, und nur an einem der zwei Spülbecken funktioniert das warme Wasser. Weitere Ausstattung: eine Waschmaschine, ein Standkühlschrank offensichtlich sehr östlicher Herkunft - ob die kyrillischen Schriftzeichen noch auf Europa schließen lassen, mag ich nicht sagen - sowie ein paar Kochplatten für die Ravioli zwischendurch.Das Kinderschwimmbecken ist neu und macht einen entsprechend einladenden Eindruck. Ebenfalls neu scheint die angrenzende, überdachte Sitzgruppe zu sein. Hier kann man Gerichte des kleinen Restaurants genießen, das im Mai leider noch geschlossen hat. Vorteile dürfte die noch nicht so heiße Jahreszeit für alle haben, die es auf den platzeigenen Tennisplatz zieht.
Nächstes Renovierungsobjekt wird vermutlich der Aufenthaltsraum sein, der trotz Fernseher, Kicker und ein paar abgegriffenen Büchern auf uns einen eher abschreckenden Eindruck gemacht hat.3. Die Preise
Wie üblich beschränke ich mich auf unser Standardarrangement, also zwei Erwachsene, ein Kleinkind, Stellplatz für Wohnwagen und Auto, Strom, Warmwasser.Nicht teuer, wenn man West- oder Südeuropa zum Vergleich heranzieht, dort zahlt man teilweise das Doppelte. Gemessen an Platzausstattung und -zustand aber auch nicht so günstig, wie wir es von Ungarn, dem gelobten Land des Billigtourismus, erwartet hätten.
4. Die UmgebungDirekt neben dem Campingplatz befindet sich ein Freibad (das oben erwähnte Erlebnisbad ist angegliedert) mit einer großen Liegewiese, das Wasser ist balatonüblich kaum mehr als knietief, also ideal für Familien mit kleinen Kindern. Gäste des Campingplatzes haben freien Eintritt. Eine gute Lösung, auch wenn ein direkter Zugang natürlich noch schöner wäre. Zwischen Platz und Freibad führt ein Stichweg zur erwähnten Minipromenade, darüber hinaus kann man auch weiter am Balatonufer lustwandeln.
Zum Ortszentrum sind es nur zwei Gehminuten. Man findet dort ausreichende Einkaufsmöglichkeiten, Banken mit Geldautomaten sowie zahlreiche Lokalitäten. Der Sättigungsfaktor der deftigen und üppigen Ungarischen Küche ist hoch, das Preisniveau noch immer niedrig, auch wenn die wirklich billigen Zeiten vorbei sind. Eine Empfehlung ist die Konditorei am (nicht im) "großen" Supermarkt, ein Nachmittagstörtchen entwickelt sich da schnell zum Ritual. Wer nicht nur den Hunger stillen möchte, kann sich im Ort auch mal eine Nacht um die Ohren zu schlagen. Im Mai ist die Stimmung allerdings noch mau, wer Trubel sucht, wird um diese Jahreszeit erst im berüchtigten Siofok auf der Südseite fündig, mit dem Auto rund 30 Minuten entfernt.Die Orte des Nordufers gleichen sich weitgehend - herausgeputzte Zentren, die einen irgendwie sterilen Eindruck hinterlassen, offensichtlicher Verfall, so bald die Tourirouten verlassen werden.
Wer gerne mit dem Rad unterwegs ist, wird gut bedient. Man arbeitet an einem Radweg "einmal um den Balaton" und konnte schon im Mai 2003 sehenswerte Ergebnisse präsentieren, inzwischen dürften einige Meter dazu gekommen sein. Die Planer bemühen sich, den Weg möglichst in Ufernähe verlaufen zu lassen, so dass man meist direkt am Wasser oder durch kleine Ortschaften, selten an der Uferstraße fährt. Sehr schön.Vom Bahnhof am Campingplatz aus kann man übrigens nonstop nach Budapest reisen, eine gute Sache. Diese Stadt war das Urlaubshighlight, Details zu den Sehenswürdigkeiten gibt's in zahlreichen Berichten. Die Fahrt ist für wirklich kleines Geld zu haben (mein Erinnerungsvermögen gibt leider keine genauen Zahlen mehr her), dauert ca. 90 Minuten und ist schon für sich ein Erlebnis. Man erhält nicht nur ganz entspannt Eindrücke von der doch recht kargen Landschaft, sondern auch interessante Einblicke in kleine Städte und Dörfer. Besonders witzig: in wirklich jedem "Bahnhof" steht irgendjemand in Uniform stramm, um den Zug zu begrüßen. Weniger witzig: dadurch kann man sich anscheinend kein Reinigungspersonal mehr erlauben, mit saudreckig und verwahrlost hat man den Zustand der Abteile (und Aborte) hinreichend beschrieben.
Ich kann nicht beurteilen, ob man es zwischen den Zeilen herausliest, aber - Ungarn ist nicht "unser Land", wir haben unsere Zelte früher als geplant abgebrochen. Die Beschreibung der Umgebung fällt daher etwas schmallippig aus, sorry.5. Fazit
Ein angenehm kleiner Platz, mit allen Vor- und Nachteilen, die sich aus der äußerst zentralen Orts- bzw. Uferlage ergeben. Der Ausstattungsstandard geht ebenso in Ordnung wie die geforderten Preise, der Zustand der Einrichtungen ist teilweise stark verbesserungsbedürftig.Allen, die Land und Balaton mögen, kann ich den Platz dennoch empfehlen. Begeisterung kam während unseres Aufenthaltes jedoch nicht auf, was wohl zu gleichen Teilen Land und Campingareal zuzuschreiben ist. Ein durchschnittlicher Urlaub auf einem durchschnittlichen Platz. Dafür gibt's durchschnittliche drei Punkte.
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maybe-tomorrow 16.05.2006 17:04
kikilotta 11.11.2005 20:45
Schnelli 12.10.2005 08:47
Mein Ding wäre das auch nicht. Auf den Bildern sieht das wirklich deutlich besser aus als beschrieben. Gruss Karsten
Matze-2001 30.09.2005 03:54
Ja, kenne ich. mache ab und zu in der näheren Umgebung Urlaub... Gruß Matze
ShortBrini 15.09.2005 19:58
Hallo! Wie ist es denn mit Zelten auf dem Campingplatz? Gibt es dort auch Zeltstellplätze? Brini