Kompass Sprachreisen

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Ein Auslandsjahr mit Kompass

3  26.02.2010

Pro:
Gute Vorbereitung, viel Infomaterial, Infotreffen

Kontra:
Schlechte Betreuung im Ausland, kaum Erreichbarkeit, ständig wechselnde Betreuer

Empfehlenswert: Nein 

Musee

Über sich:

Mitglied seit:12.02.2010

Erfahrungsberichte:23

Vertrauende:2

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 58 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Eigene Erfahrung mit Kompass.

Da ich die elfte Klasse gerne im Ausland verbringen wollte, informierte ich mich über die möglichen Organisationen, die solche Reisen veranstalteten. Zwei Jahre zuvor hatte ich eine dreiwöchtige Reise mit der Organisation PE gemacht und war sicher: diese sollte es nicht sein.

Schließlich fiel die Wahl auf Kompass - der in meiner Schule ausgelegte Prospekt war sehr ansprechend und auch der Preis war ein klarer Vorteil gegenüber anderen Anbietern. Ich bewarb mich also bei Kompass und erhielt bald Antwort. Ich wurde gemeinsam mit meiner Mutter eingeladen zu einem persönlichen Gespräch: es gestaltete sich als nettes Zusammensitzen in der Wohnung eines Kompass-Mitarbeiters. Ein älterer Herr, der uns ein paar Fragen stellte, um meine Eignung zu erfahren, und uns über vieles informieren sollte. Er war ein kompetenter Ansprechpartner, der natürlich viel in eigener Sache warb. Das Gespräch überzeugte uns endgültig, natürlich wurde ich angenommen - wer weiß ob überhaupt Leute, die es sich leisten konnten, abgelehnt werden.

Man füllt dann Fragebögen aus, bastelt einen kleinen Bogen mit Fotos über sich selbst, damit die Gastfamilien einen möglichen Eindruck bekommen, und erhält weitere Unterlagen. Es fand ein Treffen in Berlin statt mit allen zukünftigen Austauschstudenten. Es war eine Informationsveranstaltung mit viel Eigenwerbung - frühere Austauschschüler waren geladen um von ihren natürlich durchweg positiven Erfahrungen zu berichten. Zu diesem Zeitpunkt, etwa Mai, war ich schon einige Monate gelistet, hatte aber noch keine Gastfamilie erhalten.

Irgendwann im Frühjahr erhielt ich den Vorschlag für eine Familie, eine alleinerziehende Mutter mit einem behinderten Sohn. Es lag ein Schreiben der Mutter bei, das den Zustand ihres Sohnes beschrieb. Ich lehnte ab, da ich mich damals mit meinen fünfzehn Jahren einem solchen Kind nicht gewachsen sah.

Die deutschen Firmen haben in Amerika Partnerfirmen - diese Firmen arbeiten ehrenamtlich und erhalten kein Geld von Kompass (und anderen europäischen Partnern. Das ist in der Verfassung so festgelegt). Weder die Gastfamilien noch die Betreuer vor Ort erhalten eine finanzielle Vergütung für ihren Aufwand.
Kompass' Partnerfirma heißt PIE, oder in lang: Pacific Intercultural Exchange. Diese Firma untersucht in Amerika die sich bewerbenden Gastfamilien und stellt diesen die Profile der europäischen Schülern zu Verfügung. Hierbei sind sie nicht sonderlich wählerisch, denn es soll ja für viele Schüler eine Bleibe gefunden werden.

Kompass versorgte mich über meine lange Wartezeit hinweg geduldig mit Material für über die USA, später dann auch mit Checklisten für den Abflug, Tipps und Tricks für den Umgang mit den Gastfamilien und Ähnliches. Ich fühlte mich sehr gut informiert und vorbereitet - hatte allerdings im Juli immer noch keine Familie, wo doch einige schon längst losgeflogen waren.

Meine Gastfamilie wählte mich wegen meiner damaligen Haarfarbe aus - sie meinten ich hätte wild gewirkt. Ich erhielt die Informationen zur Familie am 29. Juli 2005 (hätte ich mir nicht gemerkt, wenn es nicht mein Geburtstag gewesen wäre ;-) ) per Post. Oh Gott - Las Vegas! Da kann man zur Schule gehen??
Es war zugegeben ein positiver Schock. Nach Erhalt dieser Unterlagen ging es ziemlich schnell: Ende August ging der Flug, ich erhielt die Unterlagen, musste zur amerikanischen Botschaft für mein Visum und erhielt die letzten Informationen von Kompass.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, von wo aus ich geflogen bin, doch ich glaube es war Dresden-Düsseldorf-Chicago-Las Vegas. Ab dem zweiten Ort gab es einen Betreuer, der uns beim Einchecken - vor allem in Amerika - helfen sollte. Wir flogen mit etwa 7 Schülern nach Chicago. Dort angekommen war von unserem 'Betreuer' plötzlich keine Spur mehr. Wir waren also auf uns allein gestellt und meisterten das ganz großartig. Ein bisschen schlendern über den riesigen Flughafen, dann lösten wir uns langsam in immer kleinere Gruppen ein je nach Flugziel.

Doch ich möchte mich ja nicht über die Reise selbst auslassen - sondern lediglich über die Betreuung durch Kompass und PIE.

Die ersten Monate mit meiner Familie waren auch ganz toll, ich telefonierte in der Zeit einmal mit meiner amerikanischen Betreuerin und erhielt auch einmal Post mit der Info, dass die Betreuerin gewechselt hat und unter welcher Nummer ich sie erreichte. Ach ja: noch am ersten Tag gab es ein kurzes Treffen mit PIE-Mitarbeitern, die mir Infos für meine neue Schule gaben, dabei traf ich zufällig ein anderes Mädchen, das auf die gleiche Schule gehen würde. Was die Klassenstufe in die ich gehen würde anging gab es bei dieser Mitarbeiterin vor Ort keinen Kompromiss: ich musste in die elfte, denn das wäre ich in Deutschland ja auch. Es gab keinen Wissenstest und rückblickend hätten meine Leistungen auch super für die zwölfte Klasse gereicht - doch so kam ich nicht in den Genuss einer Prom-Feier. Meiner Meinung nach eine nicht sehr gut getroffene Entscheidung der Mitarbeiterin.

Als es dann schließlich zu Problemen in der Gastfamilie kam war meine stetig wechselnde Betreuerin nicht mehr zu erreichen. Ich kontaktierte Kompass und nicht zuletzt meine Mutter, die der Organisation vermutlich auch etwas Zunder machte (ein weinendes Mädchen suggeriert schon etwas Dringlichkeit) und schließlich wurde ich auch mal von meiner Betreuerin angerufen.
Ich schilderte ihr meine Probleme und zuerst suchte sie die Probleme bei mir. Nicht unbedingt die schönste Situation - allein in einem fernen Land, mit Problemen wegen denen man nicht mehr schlafen kann und dann wird einem nur vorgeworfen, nicht effektiv genug an der Lösung zu arbeiten. Sie sprach daraufhin klammheimlich mit meiner Familie und stellte es auch vor ihnen als meinen Fehler dar. Ich erhielt schließlich nur den Tip, selbst weiter auf Schlichtung hinzuarbeiten und mich mehr zu engagieren.
Auch aus Deutschland gab es hier keine Hilfe.

Ich einigte mich mit meiner Gastfamilie darauf, dass ich nicht wechseln würde, das war einen Monat vor meiner Abreise - eben weil es so kurz davor war. Ein bisschen bereue ich es, denn wir gingen nicht absolut im Guten auseinander, vielleicht hätte ein Hauswechsel da gut getan. Wir waren am Ende eher auf neutralen Pfaden unterwegs, doch auch das verdanke ich nicht PIE oder Kompass.

Während den zehn Monaten, die ich in Amerika verbrachte, bekam ich nur einmal meine Betreuerin zu Gesicht, sie hatte ein Treffen der Schüler von Las Vegas organisiert (das war sehr gut!). Ich telefonierte wenige Male mit ihr (es waren auch schnell wechselnde, also selten die gleiche), und diese Male waren für mich damals eher frustrierend. Die Betreuung vor Ort war also mangelhaft und unbefriedigend und für Schüler in schlimmeren Situationen stelle ich es mir wirklich unerträglich vor, wenn der angebliche Ansprechpartner nicht für sie da ist.

Die Nachbereitung zurück in Deutschland war okay. Ich bekam die Möglichkeit, auf einem Treffen über meine Erfahrungen zu reden, was ich nicht wahrnahm, denn sicher hätten ihnen meine negativen Erfahrungen nicht gefallen.


Zum Schluss noch ein paar Eckdaten zu Kompass.Aktuelle Broschüre: http://www.kompass-sprachreisen.de/epaper/highschool/index.html#/2
Kosten:
  • 1 Schuljahr EUR 6.875,- (Amerika)
  • 1 Schulhalbjahr EUR 6.475,- (Amerika)
    Gründung: 1972
    Angebot: Sprachreisen für Schüler und Erwachsene in englischsprachige Länder sowie Frankreich, Spanien, China, Italien, etc. Außerdem Auslandsjahre in USA, England, Kanada, Neuseeland, Australien, Frankreich
    Internetauftritt: http://www.kompass-sprachreisen.de (etwas unübersichtlich)

Fazit.
Die Betreuung durch Kompass in Deutschland ist gut, aber die Betreuung durch den amerikanischen Partner PIE sehr mäßig. Als Organisation für Auslandsjahre eher nicht so empfehlenswert, denn die meiste Zeit verbringt man ja nunmal im Ausland, und dort ist die Betreuung unzureichend, besonders bei Problemen.
Anmerkung: Vielleicht habe ich mich mit den Zeitabständen etwas vertan, ist jetzt auch schon fünf Jahre her. Natürlich kann sich auch bei PIE in der Zeit viel getan haben!
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Lischenx

Lischenx

05.07.2010 18:40

Super bericht.

Engelsfreund

Engelsfreund

08.03.2010 21:40

Sehr interessanter Bericht.

Dede87

Dede87

26.02.2010 18:03

Sowas würde mir auch mal gut tun! :-)

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