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Erfahrungsbericht

für Kloster Walsrode
5 Sterne Bavaria im Kloster, Teil 7 Bericht mit Bildern
263 von 263 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro wunderschön gelegen, der Lange Gang im Hauptgebäude, der Rempter, die Stimmung, die Bepflanzung

Kontra nichts

Detailbewertung

Preis-/Leistungsverhältnis
Anbindung
Öffnungszeiten
Spaßfaktor

Der Autor

Bavaria123 Seit 9 Feb 2004

* *☼ ☼~Bücherfrühling REKORD!!! 95 Teilnehmer, 461 Berichte....Vielen DANK!!!!~☼ ☼* * ** mehr

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Es war an einem der wenigen wirklichen sonnigen Tage dieses Sommers an denen ich mich auf dem Weg zum Kloster nach Walsrode gemacht habe. Dieses Kloster ist das älteste der Heideklöster und liegt direkt in der Stadt Walsrode umgeben von einer hohen Mauer.


= Anschrift =

Kloster Walsrode
Kirchplatz 2
29664 Walsrode

Telefon 05161 - 4848380
Telefax 05171 - 4858389

Info@kloster-walsrode.de

Walsrode liegt an der B209, beziehungsweise am Autobahndreieck zwischen Hannover, Hamburg und Bremen. Der Weg zum Kloster wird früh mit braunen Schildern gekennzeichnet. Auch mit der Bahn ist Walsrode und das Kloster gut zu erreichen.
Eigene Parkplätze gibt es am Kloster nur wenige, da ist es besser in der Stadt das Auto abzustellen.


= Öffnungszeiten, Führungen =

Vom 01. April bis zum 31. Oktober in jedem Jahr täglich, auch an Feiertagen, um 15.00, 16.00 und 17.00 Uhr.
Ab Oktober gibt es dann nur noch zwei Führungen am Tag, die letzte findet um 16.00 Uhr statt.
Karfreitag, am 24. Juni und an Konzerttagen gibt es keine Führungen.

Konzerte finden statt jeweils am 1. Sonntag im Mai, Juli und September in der Klosterkapelle (Eingang durch die Stadtkirche). Beginn ist jeweils um 17.00 Uhr.
Am 24. Juni, dem Johannistag, findet um 17.00 Uhr ein Offenes Singen mit Vespergottesdienst in der Klosterkapelle statt. Eingang ist dann durch das Kloster.


= Eintrittspreise =

Erwachsene 2,50 €
Schüler 1,50 €
Gruppen ab 20 Personen 2,00 je Person (vorher anmelden)
Kinder bis 6 Jahre haben freien Eintritt


= Kleiner Historischer Rückblick =

986 Erstmalige Erwähnung des Klosters in einer Schenkungsurkunde. Wahrscheinlich wurde es als Kanonissenstift genutzt.

1255 Die Benediktinerregeln werden vom Konvent angenommen

1482 Ein Blitzschlag vernichtet die Klosterkirche mit dem Nonnenchor. Zudem werden große Teile des Klostergebäudes stark beschädigt. Wertvolle Exponate, Ausstattungen und Originalurkunden werden vernichtet.

1528 Einführung der lutherischen Reformation, gegen die der Konvent lange Zeit Widerstand leistet.

1699 Die Verfügung des Welfenherzogs, dass sämtliche Plätze im Kloster adligen Damen vorbehalten sind, tritt in Kraft.

Ab 1700 Abbruch der alten verfallenen Klostergebäude und deren Neubau auf den vorhandenen Grundmauern. Der Äbtissinnengang zum Klosterchor wird dazu angelegt.

1812 Soldaten Napoleons besetzen das Kloster und weisen den Konvent für ein Jahr aus dem Kloster. Das Archiv wird beschlagnahmt, Kunstgegenstände und das gesamte Mobiliar geplündert.

Ab 1980 werden bürgerlichen Konventualinnen aufgenommen.


= Mein Besuch =

Ich komme zu der Führung an, die um 16.00 Uhr stattfinden soll. Einen Parkplatz finde ich an der Stadtkirche, also in direkter Nähe des Klosters. Leider sind die gepflanzten Bäume hier noch sehr klein, so dass sie nicht viel Schatten spenden. Bis zum Beginn der Führung habe ich noch ein wenig Zeit und gehe erst mal um den Klostersee herum. Dazu brauche ich etwa 10 Minuten. Den schönen Blick über den See hin zum Kloster kannte ich, denn er ist oft in Broschüren abgebildet. Auch die Böhme fließt nebenan. Das ist alles ganz idyllisch.

Dann gehe ich zu der Pforte, die den Eingang zum Kloster Walsrode markiert. Der erste Eindruck ist sehr positiv. Backsteinbauten in mitten von vielem Grün und vielen blühenden Blumen. Auf einer Bank sitzt eine Frau in weißer Bluse und Caprihose. Sie sieht sehr freundlich aus und empfängt mich auch so. Ja, sie ist eine der Konventualinnen und wartet hier auf mögliche Besucher. Ich bin mit meiner Tochter zunächst allein mit ihr. Das Gespräch beginnt sehr locker und freundlich. Die Frau ist ganz angetan davon, dass wir bereits vier der anderen Heideklöster kennen und somit auch schon viele Hintergrundinformationen haben. Sie weiß ganz hervorragend Bescheid, auch über die anderen Klöster und es entwickelt sich schnell ein sehr interessantes und lebhaftes Geplauder. So könnte ich noch eine ganze Zeit hier in der Sonne sitzen. Dann kommen aber noch drei Damen dazu und unsere Führung beginnt nun ganz offiziell.

Wir treten ein in das "Lange Haus". Ochsenblutrot sind die Türen zu den Wohnungen der Konventualinnen, die hier wohnen. Elf könnten es sein. Die Wohnungen sind 60-90 qm groß und etwa 3,2 m hoch. Die derzeit neun Konventualinnen sind zwischen 51 und 96 Jahre jung. Gerade hat das Kloster eine neue Äbtissin bekommen.
Wer hier als Konventualin einziehen will, der muss eine "Probezeit" von einem Jahr absolvieren und dann den Entscheid positiv für sich entscheiden. Die bürgerlichen, alleinstehenden Damen wohnen dann kostenfrei im Kloster und versorgen selbst ihren Haushalt und übernehmen je nach Maß ihrer Kräfte Aufgaben innerhalb des Klosters und in der Gemeinde. Während der Monate April bis Oktober besteht Anwesenheitspflicht, um vor allem die Führungen zu gestalten.
An den Wänden des Langen Hauses sind die Namen der Wappen aller adligen Familien untergebracht, die in althannoverschen Zeiten etwas galten oder zumindest gelten wollten. Ich lese hier Namen wie von Holle, vor dem Busche, von Pückler, von Münchhausen, von Meding oder auch von Wrestedt. Die Wappen sind schön anzusehen und ich muss sehen, dass ich den Anschluss zur Gruppe nicht verliere.
Aber auch die Möbel hier sind es durchaus Wert, genauer angesehen zu werden. Da gibt es eine Domestikenbank, die sicher eine ganze Geschichte erzählen könnte. Ganz besonders beeindruckend ist auch eine Stonehouse Uhr aus Leeds, vor der ich einfach einige Zeit stehen bleiben muss. Bei diesem Anblick komme ich zu der Überzeugung, dass die Uhren in diesem Kloster ruhiger gehen. Hier scheint ein sehr harmonisches Verhältnis zwischen Eigenständigkeit und Erfüllung der gemeinschaftlichen Ziele zu herrschen.

Im weiteren Durchgehen können wir einen Blick auf den ehemaligen Friedhof genießen. Bis 1850 wurde er genutzt und stellt so etwas wie eine grüne Grenze zur Stadtkirche dar. Beim Anblick der verwitterten Steine mit den alten Inschriften wird mir die Vergänglichkeit des Lebens bewusst. Das Leben ist sehr kurz im Gegensatz zum Überdauern dieser Steine.

Über eine Treppe gelangen wir dann zu Klosterkapelle, dem Nonnenchor. Hier dominieren die Glasfenster und auch mein Blick verharrt darauf. Diese Fenster stammen noch aus vorreformatorischer Zeit und sind fast in ihrem Urzustand erhalten. Das macht sie zu Seltenheiten, die eben auch sehr hübsch anzusehen sind. In der Mitte sieht man die Kreuzigung Christi mit den Personen Maria und Johannes, links davon erkennt man die verhüllte gestalt von Johannes dem Täufer mit einem Lamm, auf das er hinweist. Rechts von der Kreuzigungsdarstellung ist der Heilige Benedikt mit dem langen Abtstab zu sehen.
Die Kapelle wird nicht sehr häufig benutzt, aber gerade vor kurzem wurde die neue Äbtissin hier eingeführt. Besonders am Johannistag ist ansonsten die Kapelle der Ort, an dem viel gesungen wird.
Die ganze Kapelle beinhaltet in meinen Augen viele interessante Dinge. Die Holzfigur des Grafen Wale aus dem Jahre 1300 ist aus dem Klosterbrand gerettet worden. Als ich ihn sehrgenau betrachte kann ich den Ausführungen der Konventualin folgen. Ja, er hält ein Modell der Kirche in der Hand und einen Kanonisse ist zu sehen, die aus dem Nonnenchor heraus schaut.

Das " Bambino" ist eine perlenverzierte Statuette des Christkindes. Sie wirkt sehr anmutig auf mich. Aber auch der Reliquienschrein und der Altar sind sehr sehenswert. Ein Blick nach oben lohnt sich ebenfalls! Das ornamentale, spätbarocke Deckengemälde ist beeindruckend.
Es gibt sehr viel zu sehen in dieser Kapelle, aber so richtig begeistert hat mich dann eine Eichenholzskulptur, die sich hinter einer Glasscheibe befindet und das letzte Abendmahl Christi zeigt. Sie wurde von Benedikt Dreyer erschaffen und ist einmalig!
Ansehen kann man sich hier zudem die Namenstafeln der Äbtissinnen, den Äbtissinnenstuhl und Altartücher. Sehr gern höre ich den Ausführungen der Konventualin zu und bestaune dabei die Kunstwerke.

Wir gelangen nun in der Gruppe in den zweiten Klosterhof und in den Remter, dem Festsaal mit seinem 20kronigen Leuchter. Auf mich wirkt er wie ein Rittersaal mit seinen roten Backsteinen. Er wurde 1910 unter der finanziellen Beihilfe von Kaiser Wilhelm erbaut. Das Mobiliar habe ich noch jetzt vor Augen. Die Truhen und Stühle, der lange Tisch und der dunkle Kamin sind einfach wunderschön anzusehen. Hier befinden sich auch die Bildnisse der Äbtissinnen. Sie sind sehr schön gemalt und die Damen sehen vorwiegend sehr freundlich aus.

Wäre ich an einem Tag kurz vor den Sommerferien gekommen, dann hätte ich sicher Schüler oder Schülerinnen der 4. Klassen der Walsroder Schulen angetroffen. Die Konventualinnen erwarten die jungen Gäste dann in Klostertracht, bewirten sie und zeigen ihnen das Kloster. Je nach Jahrgang werden 300 Kinder dabei in jedem Jahr erwartet. Das ist in meinen Augen hervorragende Öffentlichkeitsarbeit, die zudem noch auf Zukunft setzt.
Auch meine Tochter wurde während der Führung immer mal wieder von der Konventualin direkt eingebunden, was ich als sehr gelungen empfunden habe.

Im Remter besteht dann die Möglichkeit, Schriften, Ansichtskarten oder Dias zu kaufen. Wir haben hier dann auch unser Eintrittsgeld gezahlt. Da die anderen Besucher sehr schnell verschwunden waren hatte ich noch Gelegenheit zu einem sehr netten weiteren Gespräch mit der Konventualin. Sie zeigte mir auch noch vom Gartentor aus den Klostergarten, der leider nur zu wenigen Terminen zu besuchen ist. Aber auch so war der besuch im Kloster Walsrode sehr gelungen. Als Gärtner habe ich kurz vor Schluss noch einen langen Blick auf den herrlichen echten Tulpenbaum geworfen, der in der Nähe des Remter steht.

Sehr beeindruckt bin ich dann Richtung Ausgangspforte gegangen, nicht ohne einen Blick zurück und einen Gruß an die nette Konventualin zu hinterlassen.

Wer die Stadt Walsrode besucht, oder noch Zeit nach einem Spaziergang im Vogelpark hat, der sollte ruhig einmal auch das Kloster Walsrode besichtigen. Es hat einen sehr intensiven bescheidenen und idyllischen Charme. Ich denke immer noch gern an diesen Besuch zurück.


Vielen Dank für`s Lesen, Kommentieren und Bewerten, Bavaria

Bilder

für Kloster Walsrode
Das Kloster
Erster Eindruck
von Bavaria123 Bavaria123
Das Kloster

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Kommentare

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  • Rollersfan 18.08.2011 14:06
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    BH und LG :o)

  • Wachbergindianer 12.08.2011 15:32
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    BH & LG Randolf

  • PrincessJ76 23.10.2010 14:44
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • RoundaboutFlorence 04.05.2010 18:51
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • esposa1969 28.04.2010 20:11
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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