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Erfahrungsbericht

für Kloster St. Simeon, Assuan
5 Sterne Auf Dromedaren ins Kloster - NKF XII Bericht mit Bildern
60 von 60 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro Interessante Erfahrungen

Kontra Warm, evtl. gewöhnungsbedürftig.

Der Autor

GrafenMark Seit 7 Mai 2001

Vielen Dank für die neuen BH!! Persönlicher Dank folgt. - Gegenlesungen folgen. - Bevorzuge... mehr

41 Mitglieder vertrauen mir

Teil 5, 5. Tag

Der Nachmittag des 5. Tages sollte uns ans Westufer des Nils führen, aber nicht mit dem Bus sondern mit kleineren Booten, wieder für ca. 25 – 30 Personen.
Der Bericht ist wieder etwas länger, weil der Weg zum Ziel auch weiter war und mit weiteren Highlights für „Schreibstoff“ sorgte.

Nach einem guten Mittagsbufett und einer Entspannungspause trafen wir uns in der Lobby und gingen gemeinsam einige Schritte nach links, wo die Boote vertäut waren. Mehrere lagen nebeneinander und man mußte wieder durch sie, um auf das uns zugewiesene Boot zu gelangen.
Sie lagen direkt am Motor der King Tut I, Abgase trafen die, die ungünstig saßen,es stank und war sehr laut.
Andere Gruppen machten Ausflüge mit Felukken, Segelbooten, auf dem Nil.

Die beiden Bootsführer verkauften auch wieder einige Souvenirs: Schnitzereien, Schmuck usw. Aber auch hier: unaufdringlich.

Die Fahrt war sehr gemütlich, durch eine leichte Brise sehr angenehm. Man hatte einen sehr guten Blick auf Assuan, auf den Ferial Park, die Hotels Old und New Cataract. Es war wie immer bestes Ausflugswetter und alles perfekt für Fotos. Die Fahrt an der Kitchener Insel vorbei zeigte zahlreiche Vögel. Eine Entenart und Kraniche, vielleicht leben sie sogar im Sommer bei uns?
Ein nettes Erlebnis war ein singender Junge. Er saß auf einem Styropor-Brett, ähnlich unseren Schwimmhilfen beim Schwimmunterricht, und ruderte mit den Händen neben uns her. Dabei sang er. Die Touristen finden das witzig und geben ihm etwas dafür.Er mag etwa 8 – 10 Jahre alt gewesen sein.
Auch unsere Gruppe gab ihm etwas – und kassierte dann von unserem Reiseführer einen Rüffel. Wenn die Touristen ihm jedes mal etwas Geld geben, verdient er mehr als sein Vater mit normaler Arbeit. Er wird keinen Grund darin sehen, normal zur Schule zu gehen und später auch normal zu arbeiten, wenn er jetzt schon am Tag mehr verdient als der Vater den ganzen Monat.

Von weitem konnten wir unser Ziel sehen und waren nach ca. 40 Minuten am Westufer angekommen.
Zum Kloster waren es noch einige Minuten Fußmarsch.

Der Bootsanleger war eher ein Behelf, sehr wackelig über ein Holzbrett, welche unten auf einige Felsen und oben auf das Boot gelegt wurde. Wieder relativ schlecht für die mit Stock und Krücken. Aber es ging unfallfrei.

Es ging dann durch Sand (Wüstensand) zu einer Art Parkplatz. Hier warteten zahlreiche „Wüstenschiffe“, also Kamele. Zum Kloster wurde geritten. Von einem Fußmarsch hinauf ist auch abzuraten, der Weg ist mühsam über Felsen und Sand und ohne Schatten.


KAMELREITEN

Wir sind schon bei unserer 1. Keniareise auf Kamelen geritten und „kennen uns aus“. Wir gehören nicht zu denen, die Angst von (großen) Tieren haben, Respekt ja, aber keine Angst. Okay, Kamele gehören für mich nicht zu den Tieren, denen ich die Nüstern oder zwischen den Ohren kraule, sie sind sehr doch sehr eigen. Aber auf ihnen reiten ist okay. Wir hatten für einige Tage später auch einen weiteren, langen Kamelritt geplant und es machte uns Spaß.


TIERISCHE FAKTEN

Der Begriff „Kamel“ ist eigentlich die Bezeichnung einer Familie, zu der gehören:
Trampeltier (2 Höcker), Dromedar (1 Höcker), Lama, Guanako und Alpaka.
Sie sind Paarhufer, so verteilt sich das Gewicht besser und es verhindert, daß die Beine in den Sand einsinken. So können sie durch die Wüste laufen.
Wir hatten es mit Dromedaren zu tun. Sie werden bis zu 2,5 m hoch, von Schnauze bis Schwanz etwa 3 m lang und wiegen zwischen 600 und 1000 kg. Der Schwanz ist ca. 60 cm lang.
Sie sind sehr genügsam und ruhig, der Höcker dient als Fettspeicher. Sie ernähren sich vegetarisch, können Nüstern und Schnauze verschließen (und sich vor Sand schützen). Sie können bis 120 l Wasser trinken, aber auch auf 40 % ihres Körperwassers verzichten. Beim Menschen wären 10 % lebensgefährlich, bei 12 % naht der Tod.
Sie werden als Lasttiere genutzt, die Milch, das Fleisch und die Wolle können verwendet werden.
Die Bezeichnung „Wüstenschiff“ rührt vom Gang der Tiere: sie laufen im Passgang, d. h. sie setzen gleichzeitig Vorder- und Hinterbein der jeweiligen Seiten, und nicht wie beim Pferd, über Kreuz. Das schaukelt dann und ähnelt einem Seegang.
Man steigt auf, während das Tier liegt. Es steht zuerst mit den Hinterbeinen auf und dann mit den Vorderbeinen. Auf dem Höcker bzw. zwischen den Höckern liegen große feste Kissen oder es sind rechts und links an Seiten Körbe, in den je 1 Reiter sitzt.


LOS GEHT ES!

Kamelführer „nehmen sich der Touristen an“, will sagen, sie führten uns zu ihren Tieren. Sie schauen, das es passt: Kinder bekommen kleinere Tiere und kleinere Sattel, Erwachsene größere usw. Wir sind fürs Gewicht zu klein, brauchten also größere Sattel...
Wie wir gerade gelernt haben, hatten wir Dromedare als Reittiere vor uns. Die Sattel waren feste, relativ lange Kissen mit je einem Holzknauf vorn und hinten zum Festhalten. Sie waren relativ locker auf den Tieren befestigt.
Man klettert auf das liegende Tier, welches hin und wieder Laute von sich gibt, die einem grunzenden Brummen ähneln. Sie erscheinen alles in allem recht unwillig und genervt, dies zeigen sie aber sonst nicht weiter.
Sie sind sauber, natürlich riechen sie nach „Tier“, aber wonach auch sonst???
Die Führer der Tiere helfen, hinauf zu kommen, sie sind doch auch liegend noch recht hoch, auch durch den Sattel nicht einfach zu erklimmen. Wenn sie aufstehen, sagen die Führer dem Reiter Bescheid (so gut es geht) und man muß sich weit nach hinten lehnen und am Holz festhalten, sonst fällt man hinunter.
Dann geht es los, jeder für sich in seinem Tempo, bzw. das Tempo des Tieres. Man muß sich einen Moment darauf einstellen und die Bewegungen mitmachen, dann geht es ganz gut und man kann auch freihändig reiten und Fotos machen. Es ging bergauf, da ist das auch kein Problem, bergab sieht es wieder anders aus.

Man reitet gemütlich durch die Wüste, durch die heiße Sonne... Ich würde da niemals hinauf laufen!
Für „kamelunerfahrene“ Leser sei aber gesagt, daß es nicht jedermanns Sache ist. Es ist sehr hoch und wem Tiere eh nicht so liegen muß sich schon gewöhnen.


DAS ZIEL + GESCHICHTE

Wir ritten bis kurz vor die Ruinen des Klosters St. Simeon (Deir Amba Samaan), welches im 7. Jhdt. durch koptische Christen gegründet wurde.
Nur 600 Jahre später wurde es aufgegeben, da zum einen die Wasserversorgung bergauf vom Nil schwierig war, aber auch Angriffe von Beduinen die Lage erschwerten. Sie konnten sich zwar wehren, hatten aber wieder das Problem der Wasserbeschaffung bei längerer Belagerung.
Die dort lebenden 300 Mönche stellten Brot, Öl und Wein selbst her und klärten auch ihr Wasser.
Die dicken Mauern belegen heute noch die Wehranlage, die Gebäude selbst sind größtenteils verfallen. In der Basilika sind noch Fresken zu finden, allerdings ohne Gesichter, die von Muslimen heraus gekratzt wurden. Andersgläubige zerstörten nur „das Leben“, also das Gesicht, damit die Seelen keinen Frieden finden konnten.


PRAXIS

Nach ca. 20 Min. waren wir oben angekommen.
Wir stiegen von unseren Reitgefährten, als diese sich hingelegt hatten. Das Hinlegen ist ähnlich wackelig, man muß sich wieder nach hinten legen, festhalten, und es geht abwärts, erst vorne, dann hinten...

Die einen fanden es lustig und waren amüsiert, die anderen eben nicht, wie bei allem. Wir finden es spaßig, allerdings wurde aus dem Spaß einige Tage später Ernst, aber dazu in einigen weiteren Berichten!
Die ungewohnten Bewegungen sorgen schon dafür, daß man am nächsten oder übernächsten Tag Muskelkater hat, aber das ist nicht so tragisch. Wenn man sich darauf einläßt, ist es nicht so schlimm, als wenn man sich verkrampft und „dagegen stemmt“. Es nutzt ja nichts, hinauf laufen ginge gar nicht.
Wir gehören zu denen, die es lustig finden...

Ich weiß gar nicht mehr, wie hoxh der Eintritt war. Ein Ticket habe ich nicht. War es gratis? Wohl kaum. Incl. Reiten würde ich auf ca. 60 ägyptische Pfund tippen, aber ich weiß es nicht. Geld spielte eh für uns keine Rolle, es war alles bezahlt!

In die Ruine hinauf führt eine mehr oder weniger gute Treppe, ca. 20 Stufen. So gut wie alle Treppen eben. Nichts für gehbehinderte, wie schon die ganze Zeit. Oben angekommen hatte man einen herrlichen Blick, zum einen in die Wüste, wo weit hinten ein Reiter mit seinem Kamel... Entschuldigung... Dromedar zu sehen war, in die andere Richtung sah man den Nil und Teile von Assuan. Lt. Reiseführern soll es hier herrlich sein, wenn die Sonne untergeht, da alles rotgolden leuchtet.

Wir bekamen Informationen und konnten dann alleine herum laufen. Wir sahen den alten Backofen, einen alten Mühlstein und die Fresken. Leider alles ziemlich „ruiniert“, aber so soll das in Ruinen ja auch sein.

Es gibt nur wenig Schatten, so machten wir uns bald wieder auf den Weg zu unseren Dromedaren, die friedlich im Sand auf ihre Gäste warteten.


FAZIT

Der Ausflug war ganz nett, aber außer dem Kamelreiten sehr unspektakulär. Eine Ruine eben, schlechte Bodenstruktur, staubig... Es gehört zum Programm, man macht es mit.


BERGAB

Bergab reiten ist ein wenig schwieriger, da durch den Passgang das Tier immer unsanft auf die untere Ebene tritt. Hier war es nicht so schlimm, einige Tage später sollten wir die Erfahrung über 2,5 Stunden vertiefen. Man kann es schlecht beschreiben, man muß es einfachn erleben! Kamelreiten sollte jeder in einem Urlaub machen, sofern er kein Problem mit Tieren oder Höhe hat, es ist ein Erlebnis.

Einige unserer Gruppe wurden mutig und galoppierten nach unten. Wenn man ihnen glauben darf, ist der Passgang so einfacher zu ertragen. Wir zogen die gemütliche Variante vor und konnten so schöne Bilder machen.

Unten angekommen wurden einige Bilder gemacht. Man gab den Kamelführern ein Trinkgeld. Die Bezahlung erfolgte ja durch unseren Reiseführer.

Anschließend ging es mit dem Schiff über den Nil zu einem Nubischen Dorf auf einer Insel, ich weiß aber nicht mehr, welche es war. Man lief hindurch, sah Sonnenbrot, einige Bewohner, aber mehr auch nicht. Sonnenbrot ist Teig, welcher in der heißen Sonne gebacken wird, es kommt dann nur noch kurz in den Ofen, um Farbe anzunehmen.
Hier waren einige Häuser interessant bemalt: Schriftzeichen erzählten, daß der Bewohner bereits nach Mekka gereist ist. Eine sehr wichtige Reise für die Bevölkerung. Hühner und Ziegen liefen so herum, aber es war weder besonders schmutzig noch anderweitig interessant. Es wird keinen Bericht geben.

Auf der anderen Seite der Insel wartete unser Boot, wir fuhren zum Nilschiff zurück. Es gab einen Zwischenstopp, da jemand aus unserer Gruppe ein bestimmtes Souvenir „bestellt“ hatte, welches ein anderer Händler hatte.

So endete der ereignisreiche Tag, 5 Ausflüge sind viel Input, Reiten und Wärme taten ihr übriges. Man saß am Abend gemütlich auf dem Sonnendeck und besprach alles.

** Ende des 5. Tages **

PS: Ja, ich weiß, das eigentliche Thema ist recht knapp beschrieben, mehr geht aber nicht und das Kamelreiten gehört dazu.
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Danke fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren.

Bilder

für Kloster St. Simeon, Assuan
Auf dem Weg
Einige Vögel im Nil
von GrafenMark GrafenMark
Auf dem Weg

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Kommentare

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  • carnuntum 07.03.2012 23:34
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    War der Symeon dieser bekannter Hl. Symeon Theologe, den Orthodoxen so mögen? Wenn ja, er ist toll!

  • carnuntum 07.03.2012 23:34
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    Sehr interessant!

  • duderally 30.01.2012 16:33
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • campino 26.01.2012 11:23
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich
  • Finetta12 20.01.2012 18:50
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    ich finde das ein interessante und informativer bericht-bh

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