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Kloster Maulbronn

Erfahrungsbericht

für Kloster Maulbronn
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5 Sterne ORA ET LABORA - DIE ANLAGE DES MAULBRONNER KLOSTERS
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Empfehlenswert: Ja

Pro LEBENDIGES MITTELALTER IM KLOSTER MAULBRONN

Kontra -

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Der Autor

cat_in_a_cradle Seit 25 Jan 2009

Die Spielzeugwelten in unserem Haus hoffen auf Nachschub... wenn ich im Rückstand bin mit... mehr

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Fünf Jahre war ich alt als ich zum ersten Mal im wahren Sinne des Wortes eingetaucht bin in die Welt des Klosters Maulbronn. Der "Tiefe See" oberhalb des Klosters gelegen war meine Schwimmstube und mein Großvater mein Schwimmlehrer. Ein romantischer See, der einst von den Zisterziensern angelegt wurde - zusammen mit mehr als 20 weiteren natürlichen und künstlichen Seen um Maulbronn herum. Große Namen haben hier schon geschwommen. Ein Hermann Hesse etwa, der 1891 aus dem Klosterschule Maulbronn die folgenden Zeilen in einem Brief an seine Eltern sandte: "Ein andrer Platz ist am 'tiefen See'. Dieser, nur von kleinen Hügeln umgeben, ist wie ein Spiegel. (...) Bei schwachem Wind zuckt es blitzartig über den See und kleine Wellen schlagen flammenartig herauf". Nichts hat sich hier verändert und die alten, schönen Laubbäume sind wohl noch die gleichen, die schon damals dem See ihren Schatten gespendet haben.

Doch los gehen wir denn von hier möchte ich Euch mitnehmen zu einem Rundgang, der seinesgleichen in Mitteleuropa sucht und mit der die Geschichte meiner Familie seit langer Zeit sehr eng verbunden ist. Der Tiefe See aber ist ebenso eng mit dem Kloster verbunden und wenn man dem kleinen Pfad den Berg hinunter folgt, bewundert man unwillkürlich die künstlichen Stufen, die aus Zisterzienserzeiten noch heute den Abfluß des Tiefen Sees in die Klosteranlage Maulbronn ableitet. Ausgeklügelt das System des Wassers, das das Kloster Maulbronn noch heute durchläuft. Früher waren die Seen für Fischwirtschaft und Landwirtschaft absolut unabdingbar. Wasserversorgung und Mühlenbetrieb waren so gewährleistet und natürlich die Hygiene. Denn mit den schnell laufenden gebändigten Bächlein waren auch Fäkalien und Unrat schnell aus den Klostermauern entfernt.

Die ersten Gebäude, die man heute auf diesem ungewöhnlichen Weg ins Kloster sieht, sind zwar modern - doch man hat sich Mühe gegeben, die Gebäude der historischen Umgebung anzupassen. Ummauert ist die Klosteranlage vom wunderbaren Naturstein des Stromberges, der sich mit seinen Wäldern über mehr als 30 km von hier in den Osten Baden-Württembergs erstreckt. Stubensandstein wurde und wird in Maulbronn in Steinbrüchen noch heute abgebaut und die vielen Häuser der Umgebung, die aus diesem Stein gebaut sind, zeigen die lokale Bedeutung. Das Kloster Maulbronn aber ist von einer großen Mauer umgeben, die eben aus diesem schönen Naturstein mit dem warmen, rötlich-braunen Farbton erbaut wurde. Das herzogliche Schloß ist das erste Gebäude, das wir heute besuchen werden. Heute ist es Teil des evangelischen Seminars, das versucht die alte und sehr erfolgreiche Tradition der Maulbronner Klosterschule fortzuführen. Modern geht es innen zu. Schlafräume und Aufenthaltsräume gibt es im historischen Ambiente. Doch so historisch sind die Schüler und Schülerinnen, hier keinesfalls. Billardtische und laute Musik - Schülerleben eben. Und das Internatsleben, das hier mit dem Abitur enden soll, tut den alten Gemäuern gut.

Modernste Großküchentechnik ebenso wie schicke Ein- und Zweibettzimmer sind hier ebenso normal wie modernste Duschen und natürlich bequeme Betten. Alte Steintreppen und große Steinplatten aber bestimmen die Aufgänge zu den Zimmern und geht man die Treppen hinunter so erreicht man das geistige Herz des Klosters. Überdachte Gängen führen von den Unterkünften zur Klosterkirche. Große Steinplatten markieren den Weg. Teilweise sehr abgelaufen kann man sich hier dem Zauber der Geschichte nicht entziehen. 1147 wurde mit den Bauarbeiten begonnen und sie dauern noch heute an, denn hier finden Steinmetze eine Lebensaufgabe (Gerüste sind hier metallene Zeugen). Doch wenn man vor den erhabenen Portalen der Klosterkirche mit ihren herrlichen Verzierungen aus Eisen steht, sollte man sich bewußt sein, daß man vor Deutschlands ältester Türe steht. Welcher Prunk hier einst glänzte lassen auf dem alten Tannenholz die Reste roter Pergamente erahnen. Filigrane Arbeiten von Kunstschmieden, die vor fast 1000 Jahren diese Verzierungen zur Ehre Gottes schufen. Das Chorgestühl ist in den typischen gotischen Formen gehalten und die Schnitzereien sind sehr lebendig und kunstvoll. Das Kruzifix mit dem leidenden Jesus ist ebenso sehenswert wie der Hochaltar. Hier finden sich die drei alte Reliefs auf Eichenholz, die nur noch Fragmente der Geschichte Christi nachzeichen. Die Figuren jedoch scheinen zu leben. Doch schnell weiter durch den Kreuzgang zu einem magischen Ort: dem Brunnen. Hier haben sich die Mönche gewaschen und rituelle Waschungen vorgenommen. Aber über alldem schwebt der Zauber dieses Ortes. Der große Brunnen mit seinen feinen, fast fragilen Formen im gleißenden Licht der Fenster scheint nicht von dieser Welt zu sein. Zwei große Legenden haben in Maulbronn ihr zu Hause und eine davon spielt genau an diesem Brunnen. Denn die Mönche waren sich nicht sicher, wo man denn nun das Kloster bauen sollte. Und da ließen sie ein Maultier mit dem Klosterschatz marschieren. Das soll genau an diesem Brunnen gescharrt haben und daraufhin sei eine Wasserfontäne hochgeschossen. Das ist der heutige Brunnen. Diese schöne Geschichte kann man in zeichnerischer Form dort am Brunnen nachverfolgen.

Hinaus in die Klosteranlage zieht es mich. Auf dem alten Kopfsteinpflaster will ich das Panorama genießen. Ein großer freier Platz mit einer riesigen Scheuer, eine Apotheke und das Rathaus von Maulbronn. Zwei freundliche Gasthäuser, ein Buchladen und ein kleiner Krempelladen in dem ich manchmal meine besonderen Ausstecherlesformen vor Weihnachten kaufe. Und herrliche alte Gebäude. Fachwerk und Stein bilden hier einen Rahmen, der einen in eine andere Zeit versetzt. Nicht umsonst hat die UNESCO das Maulbronner Kloster zum Weltkulturerbe erklärt. Und am 09. Juni 2009 ist wieder Welterbetag im Kloster Maulbronn. Schön, daß Traditionen hier am Leben gehalten werden .

Noch lange ist der Rundgang nicht beendet. Denn es gibt vieles zu sehen in den Mauern des mittelalterlichen Klosters, das seit Jahrhunderten unverändert so steht und Jahrhunderte einfach vergessen läßt. Die kleinen Kräutergärten, die von den Mönchen angelegten Weinberge, die schönen Gärten, die sich immer wieder zwischen den großen Gebäuden finden und ganz am Ende ein Turm. Der Turm des Dr. Faust soll es sein. Ein Alchimistenturm und eine Legende, die Maulbronn mit dem großen Doktor Faustus aus Goethes bekanntem Werk verbindet. Ob es wirklich so war, vermag heute niemand mehr nachzuvollziehen. Tatsache ist, daß der berühmte Turm in den Klostermauern von Maulbronn steht. Romantisch und verzaubert inmitten von herrlichen Gartenanlagen - ganz im Osten des Klosters. Ein Highlight, daß man sich nicht entgehen lassen sollte.
Viel gäbe es noch zu sehen und zu berichten - doch das würde den Rahmen hier sprengen. Die mittelalterlichen Wehrgänge oben an den Mauern und die Holztreppen aus dem Mittelalter und die alten bewohnten Fachwerkhäuser der Anlage aber sollte man einfach auf sich wirken lassen. Vielleicht an einem Abend, wenn die Laternen ihr helles Licht über den großen Platz strahlen lassen und aus den Fenstern der kleinen Fachwerkhäuser das Licht scheint. Dann ist es wie es einst gewesen sein muß. Ganz besonders schön ist das Kloster Maulbronn herausgeputzt zu den großen Klosterfesten im Sommer. Und zum Weihnachtsmarkt im Winter. Da liebe ich Maulbronn am allermeisten. Besonders wenn man bei Deutschlands bekanntester Kräuterhexe - direkt vorne am Klostertor einen gesunden Tee kaufen kann und sich Rat und Tat dazu bekommt.
Doch einen letzten Weg den müßt ihr noch mit mir gehen in Maulbronn. Ins Paradies möchte ich Euch mitnehmen. Das Paradies ist der wohl schönste Raum der Frühgotik. Wie aus Gold scheint der schöne warme Sandstein in dem Raum mit den herrlichen Proportionen. Von leichten Säulen gestützt führt er den Besucher seit dem 12. Jahrhundert direkt ins Paradies.

Ach und dann kommt da noch die Familiengeschichte. Sogar eine Straße haben sie in Maulbronn nach meinen Vorfahren benannt. Denn mit Geschick wurde das Rathaus in der Klosteranlage einst von Vorfahren meiner Familie geführt. Die großen Grabmale auf dem Friedhof nahe des Klosters erzählen von den großen Taten. Ich aber erinnere mich an ein Spiel unter dem Esstisch an dem mein Urgroßonkel mit über 90 Jahren fröhlich mit mir Verstecken spielte. Und an die Pflaumen, die an seinem schönen Steinhaus in Maulbronn im Garten wuchsen. Und an die vielen Geschichten, die der alte Herr mir erzählt hat, wenn er mit mir auf einer der Bänke im Kloster Maulbronn saß. Und an die Nazi Größen mit denen er während des Krieges fotographiert wurde und die heute noch in allen unseren Familienalben prangen. Und an seine Weigerung dieser Partei beizutreten.
Drei Museen gibt es zu bewundern auf dem Gelände des Klosters Maulbronn. Allesamt sehr beeindruckend und natürlich einen Besuch wert. Parken kann man ganz praktisch auf einem nahegelegenen Parkplatz und auch mit Bahn und Bus ist das Kloster gut zu erreichen. Dazu gibt es noch viele Wandertouren auf den historischen Pfaden der mittelalterlichen Mönche. Doch ich halte es lieber ganz anders und lasse die Atmosphäre des Klosters auf mich wirken. Ein Gast aus England ist ein virtuoser Orgelspieler und darf nach einem Anruf die große Orgel des Klosters Maulbronn spielen. Und so sitze ich zwei Stunden in der großen Klosterkirche und lausche den Klängen von Bach. Entspannt lächle ich vor mich hin und lasse mich von der Musik und der Umgebung einfach verzaubern.

Die Adresse:
Kloster Maulbronn
75433 Maulbronn

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  • nana75 09.11.2010 13:16
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • dummie1980 31.10.2010 10:20
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • JackT100 21.10.2010 14:02
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • esposa1969 19.10.2010 08:00
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • sophisticated75 09.10.2010 22:23
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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