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Erfahrungsbericht

für Key West
Nächsten Bericht ansehen "eine herbe Enttäuschung"
5 Sterne hier beginnt die Karibik! Bericht mit Bildern
242 von 242 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro karibische Pracht

Kontra hohes Preisniveau

Wenn man einen Teil seines Urlaubs in Miami verbringt und seine Tage nicht nur an der Beach in der Sonne verdösen will, tut man gut daran, zum Beispiel einen Trip nach Key West zu unternehmen. Für uns stand schon vor Beginn unsrer diesjährigen USA-Reise fest, dass wir diesen südlichsten Teil Floridas unbedingt besuchen wollten.


Anreise

Wir kommen von North Miami Beach der Sunny Isles Beach und gehen auch schon dort auf den Highway Nr. 1 der als normale Straße durch das Stadtgebiet von Miami von Nord nach Süd verläuft und letztlich in Key West endet. Man sieht zwar eine Menge von Miami Stadt muss aber auch in Kauf nehmen, dass man sich aufgrund des starken Verkehrs im "Stop and Go" von Ampel zu Ampel vorarbeiten muss. Was zunächst noch interessant scheint, nervt im Verlaufe der Zeit doch erheblich. Für die fast 200 Meilen bis Key West haben wir auf dem Hinweg deshalb auch mehr als 6 Stunden reine Fahrtzeit gebraucht.

Auf dem Rückweg habe wir deshalb ab Florida City den Florida Turnpike benutzt. Der ist zwar mautpflichtig, drei- oder viermal mussten wir einen USD bezahlen, gewährt aber zumindest bis zum Stadtgebiet von Miami relativ freie Fahrt. Unter Beibehaltung der Geschwindigkeitslimits verkürzten wir die Fahrtzeit dennoch dadurch erheblich.

Nach Florida City, hier endet oder beginnt auch der Florida Turnpike, ist es nicht mehr weit und der Highway Nr. 1 verlässt das Festland, um in südwestlicher Richtung mit uns von Insel zu Insel zu hüpfen.
Bis Key West eine nur zweispurige Straße, auf der es kaum Möglichkeiten zum Überholen gibt. Wer will aber auch hetzen, wenn sich rechts und links der Straße große Wasserflächen mit schon fast subtropischen Inseln ablösen. Das Meer dabei in allen Spektren der Farbe Blau.
Wir passieren Key Largo (Humphrey Bogart lässt grüßen), Islamorada, Marathon, Summerland Key und verschiedene andere Inseln, deren Namen sich bei der Durchfahrt uns nicht erschließen. Insgesamt sollen es aber mehr als 40 Inseln sein, die die Straße berührt.

Key West

Key West ist zwar nicht die größte Insel der Florida Keys, wohl aber die bekannteste. Im Gegensatz zu den bereits zuvor erwähnten Inseln, ist sie quasi total bebaut, ohne dabei aber zugebaut zu sein. Eher wie eine Stadt in einem großen tropischen Garten.

Wie man sich denken kann, hat diese Insel eine bewegte Geschichte hinter sich. Vom Piratennest bis zur Touristenattraktion wurde hier jede mögliche Entwicklungsstufe genommen, unter spanischer, französischer, englischer und amerikanischer Flagge gelebt.
Erwähnenswert scheint mir hier, dass Key West sich schon zu Beginn des Bürgerkrieges sofort auf die Seite der Nordstaaten schlug, was zur Folge hatte, dass hier eine große Nordstaaten-Garnison zur Verteidigung stationiert wurde.


Sehenswürdigkeiten finden

Man kann sich Key West auf verschiedene Arten erkunden. Einerseits bietet sich eine Begehung zu Fuß mit dem Reiseführer in der Hand an, was jedoch die Gefahr beinhaltet, dass man "Points of Interest" entweder nicht findet oder nicht erreicht.

Besser ist es da schon, und das ist meine Empfehlung, eine der drei Inselrundfahrmöglichkeiten zu buchen. Das hat den Vorteil, dass man zunächst einmal die ganze Insel kennen lernt. Es werden nachfolgende Möglichkeiten geboten.

1. der Bone Island Shuttle - Rundfahrten auf einer festen Strecke im klimatisierten Kleinbus. Mit der Tageskarte zu 8 $ (Kinder unter 12 fahren frei!) kann man an jedem Punkte der Strecke aus und einsteigen. Das, sooft man will! Allerdings ein reiner Busverkehr, ohne dass irgendwelche Informationen gegeben werden. Er verkehrt von 09.00 Uhr bis 22:00 Uhr.
2. der Old Town Trolly - diese Rundfahrt war unsere Wahl. Unklimatisiert, alles offen und der Fahrer ist gleichzeitig der Tourguide. Vom Aussehen gleicht er einer der alten Straßenbahnen, wie man sie auch in New Orleans sieht. Hier erfährt man wirklich alles über Key West. Vieles von dieser Tour findet sich in diesem Bericht wieder. Allerdings muss man hier auch tiefer in die Tasche greifen. Das Tagesticket kostet pro Person 25 $ (Kinder unter 12 zahlen ab 4 Jahre 12 $) und jeder der 10 Hauptpunkte kann nur einmal im laufe eines Tages befahren werden. Allerdings kann man an jedem unterbrechen, und erst Stunden später die Fahrt wieder hier oder am nächsten Punkt wieder aufnehmen.
3. der Conch Tour Train - ähnlich wie in Disneyland zieht hier eine kleine Lokomotive offene Waggons hinter sich her. Auch hier ist der Fahrer der Tourguide und die Konditionen als auch die Streckenführung sind gleich dem Old Town Trolly. Beide verkehren von 09:00 Uhr bis 16:30 Uhr, wobei jeder der zehn Hauptpunkte alle dreißig Minuten angefahren wird. Die Gesamtfahrtzeit beträgt neunzig Minuten.

Hat solch eine Rundtour hinter sich, dann ist man für eine eigene Erkundungstour gerüstet.


Points of Interest

Um nicht zu wiederholen, was in jedem Bericht über Key West zu finden ist, nehme ich hier nur das auf, was wir für interessant und eventuell wissenswert hielten.

Smathers Beach - Kurz nachdem man den Inselflughafen und das historische East Martello Fort passiert hat, liegt stadteinwärts auf der linken Seite ein Badestrand. Dieser ist aus zweierlei Gründen erwähnenswert. Erstens gibt es auf der gesamten Insel kaum Badestrände, und zweitens gibt es wegen der Korallenriffe keine Wellen und deswegen auch eigentlich keinen Sand. Deswegen haben ein paar der hier lebenden Reichen am Anfang des vergangenen Jahrhunderts, für viel Geld, Sand von den Bahamas herschaffen und aufschütten lassen. Es handelt sich um eine sogenannte "man-made beach". Es ist daher obligatorisch, dass jeder, der die Beach verlässt, Schuhe und Handtücher ausschüttelt, dass der kostbare Sand zurückbleibt.

Pan Am - wie schlendern um ein Ecke und da hängt, an einem alten aber renovierten Holzhaus, das Schild das mich als alten Airliner elektrisiert. Hier stand die Wiege der legendären PAN AM. Später die größte Airline der Welt, hat sie hier im Jahre 1927 ganz klein angefangen. Für zehn USD von Key West in dreißig Minuten in einem Flugboot nach Havanna! Das waren noch Zeiten!

Apropos Havanna, überall auf der Insel spürt man die Nähe zu Kuba. Sei es, dass man hier auf unzählige Kubaner auf Tritt und Schritt trifft. Oder in die noch verbliebenen Zigarrenfabriken in Hafennähe geht, um zuzusehen, wie dort nach kubanischer Art feine Zigarren gedreht werden. Allerdings sind sie hier mit 13 USD viel billiger als in Havanna.
Wie es so unsere Art ist, quatschen wir ein wenig mit dem Ladenbesitzer. Als er hört, dass wir aus Köln / Deutschland kommen, brabbelt er sofort mit einigen kölschen Vokabeln los. Er erzählt uns, dass seine Freundin aus Köln kommt und sie ihm immer zum Abschied ein Wort zuruft, dass er nicht behalten kann. Tschö für Tschüß oder auf Wiedersehen; wir schreiben es ihm auf. Als wir den Laden wieder verlassen, steht er hinter seiner Theke und übt mit spitzem Mund, Tschö, tschö, tschö .........

Natürlich gehen wir auch an Hemingways Haus vorbei, das heute ein Museum beherbergt; am "southernmost point", wo sich am Abend viele Kubaner einfinden, um hier Kuba soweit wie möglich nahe zu sein; schauen bei Sloppy Joe's vorbei, der Bar die Hemingway bevorzugte und schlendern einmal die gesamte Duval Street mit ihren lauten Geschäften und Bars entlang. Am östlichen Ende der Atlantik, am westlichen der Golf von Mexico. Wo gibt es das sonst noch?

Dennoch zieht es uns mehr in die Nebenstraßen mit ihren unzähligen schön renovierten alten Herrenhäusern aus Holz. Inmitten üppiger tropischer Gärten wohnen hier die Reichen der Insel. Mittendrin ein kleines französisches Restaurant, wo die Vorspeisen auf der Karte bei 15 USD anfangen. Man will halt unter sich sein! Deswegen bleiben wir auch draußen.

Am Abend trifft man sich dann am Mallory Square. Von dort, ganz in der Nähe der Kais, kann man einen phantastischen Sonnenuntergang beobachten. Begleitet wird das ganze von drei oder vier Bands, die dort mit karibischen Rhythmen, gegen kleines Geld, die Menge unterhalten.

Bevor wir zum Essen gehen noch eine kleine Geschichte, die man uns erzählt hat. Im Key West Historic Memorial Sculpture Garden zeigt ein Denkmal zwei Bewohner bei ihrer Arbeit. Diese bestand früher darin, dass man Schiffe mit falschen Signalen auf die Riffe lockte, wo sie zerbarsten. War dies geschafft, rannte alle so schnell es ging zum Strand, um die Güter zu bergen, die von den Wracks zum Strand gespült worden waren. Da nicht alle gleich schnell waren, kam es zu Streit und Schlägereien. Also wurde ein Komitee gegründet das alle Waren auf dem Markt aufstellen ließ, um sie am nächsten Tag gerecht zu verteilen. Auch eine Art von Gemeinsinn!

Der Parkboden besteht ganz aus gepflasterten Ziegeln. Viele tragen Namen und Daten. Für 60 USD pro Ziegel (inklusive Namen und Daten) kann man sich hier verewigen lassen. Sollte jemand daran Interesse haben, ich lasse euch gerne ein Antragsformular zukommen.


Essen in Key West

Natürlich kann man in Key West überall essen, wobei die Preise grundsätzlich hoch sind, die Qualität aber höchst unterschiedlich ist. Es ist empfehlenswert, will man zumindestens gut essen, sich von der Duval Street und dem Hafengebiet fern zu halten.
Wir fahren den Roosevelt Boulevard stadtauswärts entlang und wären fast daran vorbei gefahren. Etwas zurückgelegen finden wir Monte's Seafood Restaurant und sind begeistert. Auf offener Terrasse genießen wir Shrimps und Lobster vom Feinsten zu akzeptablen Preisen. Als Vorspeise einen Shrimpcocktail der aus 12 Schrimps besteht, die hier wohl unter der Bezeichnung "Giants" verkauft würden, für gerade mal 6 USD. Danach einen ganzen Lobster aus dem Golf für 16 USD. Dazu zwei, drei Biere vom Fass, Leute, das könnte ich öfter haben!
Als wir am nächsten Tag ein zweites Mal zum Essen erscheinen, erkennt man uns und der Geschäftsführer kommt an unseren Tisch, um sich für unser Wiederkommen per Handschlag zu bedanken. Das haben wir bisher noch nie erlebt, aber offensichtlich ist man hier kundenorientiert.


Mein Fazit

Key West ist, hält man sich in der Nähe auf, auf jeden Fall einen Besuch wert.

Die Fahrt mit dem Wagen ist zwar faszinierend aber auch anstrengend. Mit Kindern bedarf es da einer guten Vorausplanung.
Parken in der Stadt selbst ist kaum möglich. Entweder ist überall nur Anwohnerparken erlaubt, oder aber die Parkuhren schlucken den Quarter im 15-Minuten-Takt. Besser ist es, den Wagen am Hotel stehen zu lassen. Mit den beschriebenen Beförderungsmöglichkeiten kommt man aber überall hin.

Wer Key West auf eigene Faust besucht, der sollte nicht nur die kleine Brieftasche dabei haben.

Dass Fisch und Schalentiere nirgendwo frischer auf den Tisch kommt ist wohl selbstverständlich, und daher absolut zu empfehlen. Allein deswegen lohnt sich der Trip.


Bilder

für Key West
Highway Nbr. One - South
von pekru pekru

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Kommentare

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  • Leuchttuermin 07.05.2006 13:05
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    Du solltest den Beruf wechseln - und Reisebericht-Verfasser oder Fotograf werden!

  • Krischan.B 11.04.2006 14:49
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • huhuichbins 26.01.2006 20:54

    ein wirklich schöner bericht über key west, einen ort den man verstehen muß um ihn lieben zu können.... ich liebe ihn seit jahren und es zieht mich immer wieder dorthin ...dein bericht gab mir den anstoß demnächst selbst mal ein wenig über diesen traumhaften ort zu schreiben...dankeschön dafür!

  • Perserkatze1 16.12.2005 11:57
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    ... ich war da... vor 11 Jahren, jetzt hab ich wieder Sehnsucht bekommen :-) LG Margit

  • AsmodinaHamburg 22.11.2005 18:52
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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