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Erfahrungsbericht

für Kempinski Hotel Gravenbruch Frankfurt, Frankfurt am Main
4 Sterne Wie Gott in Frankreich?! Bericht mit Bildern
174 von 174 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro edle Zimmerausstattung, Sauberkeit pur, nette Goodies, schönes Ambiente und kostenlose Wellnessleistungen

Kontra die Professionalität der Angestellten ließ zu wünschen übrig, das Hotel liegt "jwd"

Der Autor

Linnie1978 Seit 9 Apr 2003

** 315856 to go ** 53 to read ** ♥ Jonas Simon - 27.05.10 ♥ ** Bitte keine bh-Betteleien im PGB... mehr

186 Mitglieder vertrauen mir

Leben wie Gott in Frankreich - so stellt man sich den Aufenthalt im 5-Sterne-Kempinski-Hotel vor. Und wenn man dann noch das sogenannte "Gentleman-Package" gebucht hat, zu dem neben zwei Übernachtungen mit Frühstück eine Flasche Champagner mit Erdbeeren, ein Strauß rote Rosen und ein Candlelight-Dinner gehören, dann schraubt man seine Erwartungen natürlich hoch.

So reisten mein Freund - nein ich muss korrigieren - mein Verlobter und ich am 13. Dezember nach Frankfurt, um eines unserer Verlobungsgeschenke einzulösen, das uns meine Schwiegermama in spe zu unserer Verlobung geschenkt hat.


** Die Anreise - oder wo ist hier der Shuttle-Bus?

Schon die Anreise gestaltete sich allerdings halbwegs schwierig, obwohl das Kempinski-Hotel einen Shuttle-Service vom Fernbahnhof anbietet. Leider handelt es sich dabei nicht - wie ich fälschlicherweise gedacht hatte - um den Frankfurter Hauptbahnhof, sondern um den Bahnhof am Flughafen. So mussten wir also zunächst vom Hauptbahnhof den Weg gen Flughafen suchen und uns dort über den weitläufigen Flughafen schlagen zum Punkt, an dem die Shuttle-Services zu den Hotels starten.

Bei der Buchung hatte man uns gesagt, wir sollten eine Viertelstunde vor unserer Ankunft am Flughafen im Hotel anrufen, dann würde man den Shuttle-Service schicken. Gesagt, getan, doch dann erfuhren wir am Telefon, dass wir zunächst den Abfahrtpunkt suchen müssten, um dort direkt das Shuttle-Telefon zu nutzen. Schon der erste Punkt Abzug in Sachen Service, denn dort bestellten wir nochmals den Abholservice, um dann bei Außentemperaturen von knapp unter Null Grad zu erfahren, dass der Bus noch 20 Minuten bräuchte. Wir durften zwar drinnen in der Eingangshalle warten, doch fand ich diesen Service für ein 5-Sternehotel schon mal ziemlich mau.

Schlussendlich nahm uns dann ein schick gekleideter Fahrer am Flughafen auf und brachte uns überraschend weit aus Frankfurt raus. Mich überraschte schon das Offenbacher Autokennzeichen, doch die Befürchtungen wuchsen, als wir uns auf der Autobahn immer weiter von Frankfurt entfernten. Nach tatsächlich fast 20 Minuten kamen wir endlich zum Hotel Gravenbruch, das in der Nähe von Neu-Isenburg liegt - also am Ende der Welt, um es freundlich auszudrücken.


** Der Check-In - Home sweet Home

Vor der Haustür lud der Fahrer unser Gepäck aus und wünschte uns einen angenehmen Aufenthalt. Als wir das Hotel betreten wollten, ging ein älteres Ehepaar vor uns - sie im langen Pelz gekleidet, er im langen Mantel und Hut. Müssen sehr "feine" Herrschaften gewesen sein, denn der "Herr" knallte mir vor der Tür die Eingangstür zu - vielen Dank und so viel zum Publikum im Kempinski-Hotel! Im Hotel empfingen uns an der weitläufigen Rezeption drei junge schick gekleidete Damen, die noch jünger gewesen sein dürften als wir, die wir uns langsam aber sicher der 30 nähern. Der Empfang war auch tatsächlich ausgesprochen freundlich, man verlangte den Gutschein für unser Gentleman-Package, versprach ein Upgrade in ein Superior Zimmer, scannte die Kreditkarte, damit wir auch belangt werden können, sollten wir die Minibar austrinken und führte uns dann den weiten Weg entlang zum Zimmer. Denn trotz der rund 300 Zimmer ist das Hotel nur 3 Etagen hoch, sodass das Gelände sehr weitläufig ist und wir uns auf dem Weg zum Zimmer sonst mit Sicherheit verlaufen hätten.

Unterwegs machte uns die nette Dame von der Rezeption auf den Wellnessbereich aufmerksam und die Möglichkeit, Fitnessraum, Sauna und Schwimmbad kostenlos zu nutzen bzw. einen Massageservice oder Personal Fitnesstrainer zu buchen. Nach einigen Minuten kamen wir schließlich auch in unserem Zimmer im Erdgeschoss an, das uns die Dame freundlicherweise aufschloss und uns auch die Bedienung der Klimaanlage erklärte. Die schaltet sich nämlich automatisch aus, wenn man Tür oder Fenster öffnet.


** Das Zimmer - superior or not, that is the question!

Auf den ersten Blick machte das Zimmer in der Tat einen super Eindruck; der Vergleich mit den Bildern im Internet offenbarte dann allerdings, dass es sich keineswegs um ein Superior Zimmer handelte, sondern um ein Komfortzimmer. Laut Internetbeschreibung ist die Ausstattung aber die Gleiche, nur die Möblierung ist im Superiorbereich ein klein wenig exklusiver. Aber das sollte mich nicht weiter stören, denn schon die erste Zimmerinspektion ließ Hoffnung aufkommen:

Das Zimmer ist über 30 Quadratmeter geräumig und bot viel Platz, um sich dort auszubreiten und wohl zu fühlen. Wir hatten zwei jeweils 1 mal 2 Meter große Betten mit getrennten Matrazen - naja, wir waren ja auch noch nicht in den Flitterwochen... Weiterhin findet sich im Zimmer eine lange Ablagefläche, die sich nahezu über eine ganze Wand zieht. Auf der Ablagefläche steht auch der große Flatscreen, auf dem zahlreiche Programme zu empfangen sind, praktisch alles Deutschsprachige, das man sich wünschen kann, aber auch viele englisch- und französischsprachige Sender. Selbst Premiere ist kostenlos, vermutlich, damit die männlichen Geschäftsreisenden gute Abendunterhaltung haben…

Auch ein Schreibtisch mit gemütlichem Stuhl findet sich im Zimmer, nebenan direkt die spärlich gefüllte Minibar mit den ungekühlten Getränken, der Kühlschrank fand sich unter dem Fernseher. Aber auch dieser war nur spärlich gefüllt, was in Anbetracht der Preise aber durchaus verständlich war. Ein komplettes Leeren der Minibar hätte mich wohl schon an die Grenzen des Kreditrahmens gebracht… Immerhin stand auf einem Nachttisch eine 500 ml Flasche Mineralwasser als Empfehlung des Hauses bereit und auf der Ablagefläche stand eine Flasche Rotwein (375 ml), die wie das Mineralwasser vom Nachttisch nicht auf dem Minibarzettel auftauchte und die offensichtlich also eine kleine Gratiszugabe war. Wir haben natürlich beides in Anspruch genommen, wobei der Wein allerdings nicht allzu lecker war...

Einige Minibar-Preise, weil's so "schön" ist:

750 ml Staatlich Fachingen: 9 €
Pepsi Cola (330 ml): 4,50 €
Apfelsaft (200 ml): 5 €
Radeberger Pilsener (330 ml): 4,50 €
Weißwein (200 ml): 8,50 €
Riesling-Sekt (750 ml): 31 €
Champagner (375 ml): 38 €
Vodka (4 cl): 9 €
Macadamia Nüsse (80 g): 4,50 €

Neben einem eher gewöhnungsbedürftigen Stuhl, der etwas für beleibte Herren sein dürfte, weil die Lehne so weit rückwärts geneigt ist, dass sich der Stuhl fast schon zum Schlafen eignet, findet sich schließlich noch ein kleiner Tisch im Zimmer, auf dem der Strauß roter Rosen stand (leider schon halb aufgeblüht, also unter Garantie kein frischer Blumenstrauß!) und die versprochenen Früchte. Allerdings beschränkten sich die angekündigten Erdbeeren auf ganze drei Stück, weiterhin gab es allerdings zwei Becher mit einigen Brombeeren und Johannisbeeren.

Auf dem Flur befand sich ein geräumiger Schrank mit Innenbeleuchtung, der auch unsere Bademäntel bereit hielt. Genügend Bügel waren netterweise vorhanden, nur die Kofferablage neben dem Schrank war doch etwas knapp für zwei Trolleys. Der erfreulichste Anblick im Zimmer eröffnete sich allerdings im Bad, das bis auf Winzigkeiten alle meine Erwartungen sogar übertraf. Das Bad ist an drei Wänden komplett verspiegelt, was allerdings auch für ernüchternde Morgenansichten sorgen kann. Gegenüber der Eingangstür befanden sich zwei schöne Waschbecken, hinter denen eine großzügige Ablagefläche selbst für den Inhalt meines gut gefüllten Kulturbeutels genügend Platz ließ. Auch Duschgel, Bodylotion, Haarshampoo und Conditioner standen in kleinen Fläschchen bereit, wobei ich mit dem Pflegefaktor von Conditioner und Duschgel nicht ganz so zufrieden war. Weiterhin gab es eine Nagelfeile, ein kleines Nähset, eine Seife und eigentlich ein sog. Hygieneset, in welchem sich üblicherweise ein paar Wattestäbchen befanden. In unserem Fall waren allerdings alle Wattestäbchen beidseitig benutzt und wieder fein säuberlich verpackt - lecker! Da fragt man sich dann doch, was für Publikum im Kempinski absteigt…. Natürlich fehlten im Bad auch nicht der obligatorische Kosmetikspiegel, die Kleenextücher und der leistungsstarke Fön. Neben der Toilette entdeckte ich unter der Ersatzrolle sogar zwei Papierhandschuhe, die als Schutzputztuch dienen sollten.

Weiterhin ist das Badezimmer mit einer großen Wanne ausgestattet, die allerdings nur über Zweihand-Mischer verfügt, was ich beim Duschen megaunpraktisch fand. Kaum zu glauben, dass es so etwas in einem heutigen 5-Sternehotel noch gibt! Immerhin waren ausreichend Handtücher vorhanden, nämlich zwei Handtücher, die so groß waren wie Saunahandtücher, ein Duschtuch, zwei normale Handtücher und vier Waschlappen, die alle auch ungefragt ausgetauscht wurden am nächsten Morgen - nur das von mir entsorgte Hygieneset wurde nicht erneuert.

Im Zimmer lagen neben dem Bett Duschvorleger, damit man beim aus dem Bett krabbeln nicht direkt auf dem Holzfußboden landete und auf den Duschvorlegern standen die weichen Kempinski-Schlappen bereit, die ich ja gerne mitgenommen hätte, weil sie so schön wärmten, die allerdings bereits am zweiten Tag an den Seiten ein wenig ausrissen. Schade.

Ein großer Pluspunkt im Hotel ist der Faktor Sauberkeit. Wenn man vom benutzten Hygieneset absieht, war das ganze Zimmer picobello in Ordnung. Und auch am zweiten Tag wurden im gesamten Bad ringsherum die Spiegel blitzblank geputzt, denn da auch die Tür verspiegelt war, fanden sich schon nach nur einer Nacht diverse Fingerabdrücke an der Tür, die nach dem Gang des Zimmerjungen aber entfernt waren. Im Laufe des Nachmittags kommt auch jemand herum, schlägt die Bettdecken zurück und legt die Fußmatten wieder vor die Betten, außerdem findet sich dann ein Bestellzettel auf dem Bett, mit dem man das Frühstück für den nächsten Morgen aufs Zimmer ordern kann. Diesen Service haben wir jedoch nicht in Anspruch genommen.


** Das Restaurant - Speisen mal anders

Zum Gentleman-Package gehörte wie angekündigt auch das Drei-Gänge-Menü bei Kerzenschein im Restaurant "Forsthaus". Dieses hatten wir für den Freitagabend bestellt, da wir Samstag einen Opernbesuch eingeplant hatten. Also machten wir uns mit einstündiger Verspätung (da der Transfer vom Bahnhof doch deutlich länger gedauert hatte als angenommen) ins Restaurant auf, wo uns ein kleiner Katzentisch zugewiesen wurde. Netterweise aber direkt am Flügel, an dem ein Pianist mit recht merkwürdiger Interpretationsgabe einige Klavierstücke intonierte, u.a. - sehr zum Leidwesen meines Freundes - bekannte Weihnachtslieder wie mein geliebtes "Last Christmas", das aber zugegebenermaßen eher schwierig zu erkennen war.

Der Service im Restaurant war schon etwas befremdlich, man ließ uns doch recht schnell spüren, dass wir als nicht zahlungskräftig genug eingestuft wurden. Nun denne. Als Aperitif bestellten wir ein Gläschen Haussekt (nicht ahnend, dass die Flasche Schampus abends noch bereit stehen würde). Dann wurde uns als Menü ein Feldsalat mit gebratenen Pilzen angeboten, zum Hauptgang Rind oder Lachs und als Nachspeise Tiramisu. In Anbetracht des Tiramisu bestellten wir den Lachs, um genügend Platz im Magen zu reservieren. Zum Essen bestellten wir eine Flasche Wasser und jeder ein Gläschen Wein, der in 0,1 Liter-Portionen ausgeschenkt wird mit Preisen von 6 € aufwärts….

Das Essen war zugegebenermaßen ziemlich gut, wobei ich auch schon besseren Lachs hatte, zum Satt essen diente allerdings eher der Brotkorb, der mit vier verschiedenen Brotsorten geliefert wurde und den wir ratzeputz leer machten. Während das Essen inklusive war, mussten wir die Getränke zahlen. Am Ende standen für zwei Gläschen Sekt, zwei Gläser Wein (wohlgemerkt jeweils nur 0,1 Liter) und die Flasche Wasser insgesamt 30 Euro auf der Rechnung. Da bleibt einem der Schluck Wein schon mal im Halse stecken.

Als wir die Getränkerechnung bestellten, gab man im Restaurant offensichtlich in der Rezeption Bescheid bzw. an der Bar, denn als wir kurz darauf in unserem Zimmer ankamen, stand die Flasche Champagner frisch auf Eis gekühlt bereit. Laut Getränkekarte war dies ein Goodie, das üblicherweise 70 Euro gekostet hätte.

So ließen wir uns also die Flasche Schampus schmecken und fielen ziemlich angeschickert in das große Bett.


** Frühstück - ein Schlaraffenland?

Morgens stand dann das erste Frühstück auf dem Programm, auf das ich mich schon die ganze Zeit gefreut hatte. Angeboten wird das Frühstück von 6 bis 11 Uhr, wobei man sich eine Auswahl auch auf das Zimmer bestellen kann. Extra früh waren wir aufgestanden, um auch anderthalb Stunden dafür Zeit zu haben. Nach kurzer Suche, wurde eine Hotelangestellte auf uns aufmerksam und geleitete uns in den Frühstücksraum, in dem viele Tische reichlich Platz für Frühstücksgäste ließen. Gedeckt war jeder Tisch bereits mit frischer Tischdecke - die auch für jeden Gast frisch aufgelegt wurde - einem recht bunten Geschirr und einer Stoffserviette. Samstag stand der Kaffee in Thermoskannen auf dem Tisch bereit, Sonntag bediente der Saalchef am Tisch. Allerdings schaute dieser doch etwas befremdlich, wenn man sich nach der zweiten Tasse immer noch erdreistete, Nachschub zu fordern. Da ich mir zusätzlich Tee zum Frühstück holte, wurden meine Kaffeewünsche dann auch geflissentlich ignoriert.

Das Frühstücksbuffet war relativ übersichtlich, so bestand es nur aus insgesamt drei Theken. An einer Theke gab es die frisch gepressten Säfte und gekühltes Mineralwasser sowie verschiedene Sorten Müsli, Marmelade, Honig und Nutella. Weiterhin standen diverse süße Teilchen aus Blätterteig, Kuchen und Croissants bereit, wobei der Topfkuchen sowie der Mohnzopf arg trocken waren und nicht nach frisch Gebackenem schmeckten. Die zweite Theke hielt Wurst, Käse, Lachs und Milchprodukte bereit. Lachs gab es allerdings nur eine einzige Sorte, auch an Camenbert war die Auswahl arg gering. Joghurt gab es zwar verschiedene Sorten, dafür war das Obstbuffet recht dürftig, da es keinen frisch geschnippelten Obstsalat gab, sondern nur Schüsseln mit Kiwischeiben (noch mit Pelle….), Melone und Ananas. Daraus ließ sich nur ein recht magerer Obstsalat zusammenstellen. Die dritte Theke war dann schließlich für die warmen Speisen vorgesehen. Ein Koch stand bereit, um aus frischen Zutaten Pfannkuchen und Spiegelei nach Wunsch zuzubereiten, leider gab es ausschließlich deftige Zutaten wie Pilze oder Schinken, sodass ich leider vergeblich nach süßem Pfannkuchen und Waffeln suchen musste. In diversen Wärmebehältern fanden sich Rührei, gekochtes Ei, Würstchen, Bakes Beans, gebratene Pilze, Rösti, manchmal auch Pancakes - zumindest, wenn kein übereiliger Gast vor einem steht, der die letzten drei Pancakes auf seinen Teller schaufelt…

Insgesamt reichte das Frühstück definitiv zum Satt werden und auch die Qualität der Lebensmittel war ausgezeichnet, wenn man mal von dem vertrockneten Kuchen absieht, der wohl schon etwas länger in der Küche gestanden haben muss. Die Auswahl habe ich aber selbst in 4-Sternehotels schon größer erlebt, mir fehlten definitiv die warmen Waffeln oder Pfannkuchen, die beispielsweise im Hilton frisch zubereitet und vom Koch persönlich an den Tisch des Gastes gebracht werden.

Für den Teeliebhaber gab es eine kleine Theke mit verschiedenen Beuteltees und auch losem Tee und einem großen Samowar, an dem man sich das heiße Wasser selbst in kleine Kännchen füllen konnte. Allerdings hatte das den Nachteil, dass man schlechte Chancen auf zusätzlichen Kaffee beim Saalchef hatte.

Auch im Frühstücksraum gefiel mir die Atmosphäre nicht so sehr, am Samstagfrüh frühstückten wir bis zum offiziellen Ende der Frühstückszeit und wurden direkt Zeuge, wie der Saalchef eine Angestellte herunterputzte, weil sie sich erdreistet hatte, eine Viertelstunde vor Frühstücksende einen Tisch noch frisch für das Frühstück zu decken. Meiner Meinung nach trägt ein solches Verhalten nicht dazu bei, dass der Hotelgast sich wohl fühlt. Wenn dem Saalchef etwas nicht gepasst hat, hätte er gefälligst warten sollen, bis er die Angestellte unter vier Augen erwischt und nicht einen Streit vom Zaun brechen sollen, während noch zwanzig Leute beim Frühstück sitzen.


** Verdauungsspaziergang - oder was tun, wenn der Zimmerboy noch nicht da war?

Als wir von unserem ausgedehnten Frühstück ins Zimmer zurückkehrten, stellten wir fest, dass das Zimmer noch nicht gemacht war. Da wir aber zu gesättigt waren, als dass wir hätten schwimmen gehen könnten, entschlossen wir uns zu einem vermeintlich ausgedehnten Spaziergang. Vom Frühstücksraum hatte man einen wunderbaren Blick auf einen See, der direkt vor dem Haus zu liegen schien und da wollten wir das Gelände doch ein wenig erkunden.

Also machten wir uns frisch eingemummelt auf den Weg in die Kälte und versuchten, einen Weg ums Hotel herum zu finden. Auf der einen Seite scheiterten wir und landeten nur auf einem Parkplatz, woraufhin wir es auf der anderen Seite versuchten, auf unbefestigtem Wege und Rasen an den Zimmern vorbeiliefen, bis wir schließlich den See fanden und in einer Sackgasse landeten. Nach 15-minütigem Erkundungsgang war klar, dass es keinen Rundweg ums Hotel gibt. Auf dem Rückweg fanden wir aber ein Schild mit der hoffnungsvollen Aufschrift "Joggingpfad", dem wir kurzerhand folgten, weil das Hotel eigentlich sehr ländlich und von Wald umrandet liegt und wir hofften, dass wir dort auch einen schönen Spazierweg fanden. Der Joggingpfad führte uns ein wenig am Hotel vorbei, an der Straße entlang und führte in eine Art Wohngebiet herein, wo wir nach weiteren 15 Minuten auch schon vor den ersten kleinen Läden standen. Nachdem wir eine Einheimische nach dem weiteren Weg befragt hatten, wussten wir allerdings, dass auch dieser Joggingpfad eine Sackgasse war, denn einen Rundweg gibt's nur direkt an der Landstraße entlang, wo es übrigens keinen Fußweg gibt, sondern nur einen Seitenstreifen…

Der gesamte Erkundungsgang in Gravenbruch dauerte mit Suchen, kurzem Zwischenstopp bei Schlecker und beim Wiener Feinbäcker keine Stunde, dann waren wir wieder im Hotel zurück. Durchgefroren, aber doch immer noch nicht ausgelastet.

Nach einem kurzen Blick auf die Massagepreise verkniff ich mir eine solche, weil ich nicht bereit war, die Preise von 90 Euro aufwärts zu zahlen. Kurz und knapp: Wenn man nicht den ganzen Tag lang Saunen und Schwimmen will, dann ist man im Kempinski-Hotel Gravenbruch absolut fehl am Platze. Das Hotel liegt mitten in der "Buttnik" und bietet auch keinerlei vernünftigen Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel, sodass man mitten im Wald festsitzt.

Um Samstagabend in die Oper zu gelangen, bestellten wir den Shuttle-Service, der ja eigentlich nur zum Flughafen fährt, der aber dieses Mal eine Ausnahme machte (vermutlich, weil zahlungskräftigere Gäste als wir in die Innenstadt wollten) und uns zur Konstabler Wache brachte. Der Rückweg gestaltete sich dagegen schwieriger, denn am Südbahnhof hätten wir zwar den Bus erwischen können, der uns nach Neu-Isenburg bringt, doch von der Haltestelle bis zum Hotel ist es noch ein zehnminütiger Fußmarsch direkt an der Durchgangsstraße entlang - wie gesagt auf dem Seitenstreifen. In Anbetracht unserer schwarzen Jacken entschieden wir uns also für ein Taxi und löhnten dann 20 €, um sicher wieder zurück ins Hotel zu kommen.

So lohnt sich der Hotelbesuch dort in der Tat nur zum Ausspannen, Saunen und Schlafen, denn wer etwas von Frankfurt sehen will, ist eigentlich immer aufs Taxi angewiesen, das bis in die Innenstadt aber rund 30 € kostet.


** Ambiente hin oder her

Von außen wirkt das Kempinski Hotel Gravenbruch, wenn man von einigen Luxusschlitten vor der Haustür absieht, recht unscheinbar und gar nicht wie ein vornehmes Hotel der Superiorklasse. Doch schon der weitläufige Eingangsbereich mit vielen gemütlichen Sitzgruppen und einer riesigen Theke sprechen an. Tagsüber steht an der Eingangstür ein Hotelangestellter, um den Hotelgästen die Tür aufzuhalten und auch die Bar ist praktisch rund um die Uhr geöffnet. Es gibt einen kleinen Wintergarten mit Blick auf den See, in dem man an seinen überteuerten Getränken nippen kann und auch die Innenhöfe sind hübsch ausgestattet.

Etwas gewöhnungsbedürftig sind allerdings die Teppichböden mit ihren großformatigen Aufdrucken und der grüne Filz an den Flurwänden, der mich arg an einen Billiardtisch erinnerte. Doch trotzdem wirkt das Hotel nobel. Auch wenn man in die Tagungsräume blicken kann, sieht man, dass alles edel und perfekt eingerichtet ist. Am ersten Abend hielt eine große Abordnung der Lufthansa offensichtlich ihre Weihnachtsfeier ab, auch traf sich ein Rotary Club im Hotel, für diese Gäste wurde dann der Empfang in einem Innenhof angeboten, und damit die Gäste auch nicht frieren würden, gab es lange Reihen warmer Jacken, in die die Gäste für den Outdoor-Empfang schlüpfen konnten.

Viele Kleinigkeiten sind es, die den Luxus des Hotels ausmachen, für mich persönlich ist Luxus aber auch freundliches Personal und das ließ hier ein wenig zu wünschen übrig. Neben den tuschelnden Kellnern im Restaurant und dem unfreundlichen Saalchef beim Frühstück enttäuschte mich auch der Service an der Rezeption. Während der Check-In noch ausgesprochen freundlich ablief, zeigten die Damen an der Theke am ersten Morgen "ihr wahres Gesicht". Da wir uns nicht auskannten, haben wir die Rezeptionsangestellte gefragt, wie wir abends in die Oper kommen würden. Daraufhin musterte sie uns von oben bis unten und meinte dann "Naja, dann werden Sie sich ja wohl auch festlich kleiden - zumindest die Dame, dann sollten Sie am besten ein Taxi nehmen". Liest sich ja noch recht nett, klang aber wie "dann ziehen Sie sich hoffentlich was Vernünftiges an, oder?". Zudem überforderten wir sie offenkundig mit unserer Frage, da alle anderen Gäste sicherlich Taxen nehmen und nicht auf öffentliche Verkehrsmittel ausweichen wollten. So konnte uns die Dame dann auch nicht aus dem Kopf sagen, wie wir fahren können, sondern schaute es im Internet nach. Erst nach fünf Minuten Überlegung bot sie uns dann den Shuttle-Bus an. Das hätte ihr auch eher einfallen können.


** Das war doch aber noch nicht alles, oder?

Nein, natürlich nicht. Das Kempinski Hotel verfügt über einen ausgedehnten Wellnessbereich mit Swimming Pool und beheiztem Außenpool. Schwimmbad und Sauna sind kostenlos, auch den Fitnessraum darf man ohne Aufpreis nutzen, nur für den Personal Trainer muss man löhnen. Was der Personal Trainer kostet, habe ich allerdings nicht herausfinden können, da das für mich nicht in Frage kam und im Gegensatz zu den Massageangeboten keine Preisliste für das Sportprogramm im Zimmer auslag. Natürlich fehlt im Wellnessbereich nicht eine ordentliche Bar, an der man sich Säfte oder andere Kleinigkeiten kaufen kann, in Anbetracht der Preise habe ich mich lieber für die Diät-Variante entschieden…

Im Hotel gibt es die Möglichkeit, sich rund um die Uhr massieren zu lassen, nach 22 Uhr kostet dies allerdings 10 Prozent mehr. Auch Massagen auf dem Zimmer sind - natürlich gegen Aufpreis - möglich. Ebenso gibt es eine Beautyfarm, auf der es Hand- und Fußbehandlungen gibt. Auch von einem Friseur habe ich gelesen, doch auch diesen habe ich aufgrund der vermuteten Preise ausgespart.

Das Wellnessangebot im Hotel ist umfangreich, aber doch sehr teuer. Wer nur das kostenlose Angebot nutzen möchte, wird spätestens nach drei Stunden wohl Langeweile empfinden, denn den halben Tag Saunen will man wohl eher nicht.


* Einige Massagepreise:

60 Minuten kosten 90 Euro (Nachttarif: 120 €)
90 Minuten kosten 120 Euro (165 €)
120 Minuten kosten 180 Euro (240 €)

Auf dem Zimmer sind die Massagen 10 € teurer.

Sokai Magic (Fußbad mit Peeling, entspannendes Bad, Massage inkl. Hände, Füße und Kopf): 2 Stunden kosten 190 € (Nachttarif: 250 €)

Paraffin Bad für Hände und Füße (nur als zusätzliche Behandlung buchbar und nicht auf dem Zimmer): 30 Minuten: 35 € (42 €)


** Angebote - Geiz ist hier ungeil

Das sog. Gentleman-Package, das zwei Übernachtungen und die oben erwähnten Goodies enthielt, kostete pro Person und pro Nacht 100 Euro, für zwei Personen und zwei Übernachtungen, wie wir es gebucht hatten, wurden folglich 400 Euro veranschlagt, was ich eine gehörige Frechheit finde, wenn ich es selbst hätte zahlen müssen. Für uns war es ein schönes Erlebnis, eine Erfahrung, über die wir auf unserer Hochzeit sicherlich noch lachen werden, aber wir würden es auch nie wieder buchen.

Zwar war das Zimmer top gepflegt und super ausgestattet, aber insgesamt wird einem für einen Preis von 400 Euro doch zu wenig geboten. Die Flasche Schampus mag auf der Kempinski-Getränkekarte zwar 70 Euro kosten, aber im Großhandel werden sie die Flasche sicher für einen Bruchteil dessen einkaufen.

Wer sich genauer informieren möchte über die Angebote des Kempinski Hotel Gravenbruch, kann dies auf der Homepage tun: http://www.kempinski-frankfurt.de/de/hom​e/index.htm


** Einmal und nicht wieder

Das Kempinski Hotel Gravenbruch ist sicherlich ein superschönes und vornehmes Hotel. Doch wenn man dort nicht im Pelzmantel anreist und wie ich beim Check-In die "Payback Kreditkarte" vorlegt, lässt das Personal einen das auch spüren. Vor einiger Zeit hatte ich meinem Freund ein Wochenende im Hilton in Köln geschenkt, wo wir definitiv auch fehl am Platze waren, doch dort war das Personal so professionell, dass uns niemand spüren ließ, dass er sich gerade darüber Gedanken machte, wie wir uns das bitteschön denn leisten können.

In einem 5-Sternehotel möchte ich anders behandelt werden, auch wenn ich mit einem Geschenkgutschein anreise und ein Package gebucht habe. Natürlich ist das Hotel klasse, doch den Preis finde ich vollkommen überhöht und angesichts der schlechten Lage würde ich dort auch nicht nochmal übernachten wollen. Trotzdem natürlich eine Empfehlung für diejenigen, die es sich leisten können und vor allem wollen.

Bilder

für Kempinski Hotel Gravenbruch Frankfurt, Frankfurt am Main
Erster Blick ins Zimmer
von Linnie1978 Linnie1978

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Kommentare

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  • dik1609 02.04.2012 09:53
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • miss_chocolate 01.01.2012 14:04
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • MarenF 19.10.2011 14:40
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • golden_rose 09.09.2011 10:04
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    BH

  • esposa1969 26.05.2011 08:47
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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