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Erfahrungsbericht

für Karneval in Köln
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5 Sterne RHEINISCHER KARNEVAL: KÖLLE ALAAF, andere: HELAU
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Empfehlenswert: Ja

Pro liegt so im Naturell des Rheinländers, Spass an der Freud, aus allem das Beste machen

Kontra verstehen nicht alle Ortsfremden, besonders nicht die mit etwas weniger Humor

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FLEISCHES LUST ADE – doch was passiert vorher, oh weh!

Einzigartig sehens- und besuchenswert ist der Karneval im Rheinland.

Karneval heißt Beginn der Fastenzeit, vor dem kirchlichen Fasten vor Ostern, noch mal so richtig auf die Pauke hauen.

Hiermit oute ich mich, jedenfalls für die Dauer der fünften Jahreszeit, als Rheinischer Ex-Karnevals-Prinz im tristen, bierernsten bajuwarischen Exil zu Monachium, dem aus einem tristen Kloster hervor gegangenen Weltdorf, das sich manchmal für das Rom der Neuzeit hält, einem Ort, wo die hiesigen Eingeborenen glauben, dass Ihr Fasching mit dem Rheinischen Karneval verwandt sei.

Solltet Ihr einen Rheinländer fragen, dann wird er nur wehmütig lächeln, und feststellen, dass der Rheinische Karneval eben nur im Rheinland möglich ist, dort, wo die fröhliche Heiterkeit von Innen heraus aus den Menschen kommt, und weder eingeübt, noch angeordnet werden muss. Zur Karnevalszeit ist der Rheinländern noch aufgeschlossener und kommunikativer als sonst. Da ist es üblich, dass wildfremde Leute nebeneinander auf der Straße stehen, miteinander singen, tanzen, ich habe gehört, auch das Küssen und das Kosen soll dazu gehören, wie das Salz zur Suppe, - die Etikette ist dem Rheinischen dann ziemlich schnuppe, die Mädels suchen ´nen Kerl, und fast jeder Kerl ´ne Puppe.

Das was bei anderen Völkerstämmen eine Sippe wäre, ist hier eine Kanevals-Gesellschaft. Das sind Verrückte, die fast das ganze Jahr über schuften wie die Irren, um an den wenigen wichtige Tagen der Hoch-Zeit des Karnevals im kurzen, dafür aber recht heftigen Rampenlicht zu stehen.

So eine Karnevalsgesellschaft kann ein Häufchen von Wagenbauern sein, die hämmern, sägen, bohren und schrauben, Wochen und Monate, bis sie einen gekonnten, witzige Karnevalswagen für die großen Umzüge zusammengebaut haben, der kann, wie ein Tieflader 12, 20, oder gar 40 Meter lang, und fast eine ganze Hauptstraße breit sein, und, wie alle aus dem Fernsehen wissen, mehrstöckig bis turmhoch, und auf ihm können Dutzende närrischer Menschen Platz finden, die ihr bei Karnevalsumzug höchstes Ziel darin sehen, als Aktive (wie sie sich nennen) für Hunderte und Tausende von Mark, jetzt Euro, Süßigkeiten unters Volk zu werfen, welches wieder andere (die nennt man nicht Passive, aber sie sind eben die johlende Nehmenden) mit größter Begeisterung auffangen oder einsammeln, - so soll es auch Leutchen, junge wie alte geben, die mit derselben Begeisterung Dutzende von Kilos besserer und schlechterer Kamellen (das heißt Bonbons) und sonstige Süßwaren zusammenhamstern, - mancher mehr als er allein in dem folgenden Jahre bis zum nächsten Karnevalsumzug aufessen könnte.

Karnevalszüge gibt es Freitags, Samstags, Sonntags, Montags und sogar Dienstags, - je nach Ort und Anlass. Die für Köln, die wahre Hochburg und das veritable Herz des Rheinischen Karnevals, - hier sitzt ja auch der Kardinal, Köln ist das Heilige, zu diesen Tagen eben, außer der Reihe mal das unheiligere Köln, wo man immer zu leben versteht, wichtigsten Tage sind der Samstag und der Montag sind.

Der Samstag ist der Tag der Stadtviertels- und der Schulumzüge, sozusagen die zweite Bundesliga und die Regionalliga des örtlichen Karnevals. Wie im Fußball gibt es auch hier einen Aufstieg und einen Abstieg, - wer als einer der Besten Wagen oder eine der besten Gruppen der Samstagszüge prämiert wird, der darf dann schon Montags beim berühmteren Großen Rosenmontagszug, mit mehr als 1,000,000 fremden Besuchern in der Kölner Stadtmitte, teilnehmen.

Und was es da so alles gibt, - neben den Stadtteilsgesellschaften gibt es auch die, meist ziemlich großen Traditionscorps, so etwas wie die Blauen Funken, die Roten Funken, die Altstädter, oder das Reitercorps Jan van Werth. Während die gedankliche Geschichte des Reitercorps Jan van Werth auf eine Mittelalterlichen aus Köln geborenen, zackigen Reitergeneral zurückgeht, der siegreich nach Hause kam, und dabei seiner alten Jugendfreundin begegnet, die ihn als jungen, armen Stallknecht nicht als Freund haben wollte, - wegen ihr ging er weg und zur Armee, jetzt ist sie eine hässliche, alte Marktfrau und er hat ein hübsches junges Edelfräulein geheiratet, - da fragt er (jedes Jahr, wie es die Tradition ist) wer es getan hätte (ihn zu nehmen),(der wäre eben jetzt reich und glücklich) und sie antwortet wer es gewusst hätte (dass der arme Schlucker reichen werden würde), - eine der vielen verschiedenen Traditionsszenen des geschichtsträchtige Kölner Karnevals, des größten Rheinischen Stadt- und Straßenfestes, - viel mehr Leute dürfte auch das südlichere München anlässlich seines Oktoberfestes nicht gleichzeitig auf die Beine bringen.

Übrigens sind Funken der Begriff für die Rheinischen Stadtsoldaten, d.h. die Landwehr zur Verteidigung der Heimatstadt, - so gibt es eine andere historische Szene, die ich besonders leibe, - nachgespielt der Belagerung Kölns durch die französischen Truppen Napoleons, die mit Ihren schweren Kanonen die Stadtmauer und die Stadt beschossen, wie gefährlich das ist, und welcher Schaden angerichtet werden kann ist inzwischen jedem bekannt.

Jedenfalls standen die Vorfahren unserer tapferen Blauen (blau-weiße Uniform für Rheinisch-Preußisches Corps), und Roten Funken (rot-weiße Uniformen für Süddeutsch-Österreichisches Corps), als Verteidiger auf den Mauern der Stadt, und sie gingen in die Geschichte ein, weil sie ohne Furcht und Tadel den Franzosen zuriefen:

Was schießt ihr denn auf uns, - seht ihr denn nicht, dass hier Menschen stehen?!

Die Franzosen brachten mit Jean Farina, der im Hause 4711 in der Glockengasse wohnte 4711, ein anderes fast ebenso beliebtes Wässerchen ist das helle Kölsch, ein Bier, das in typischen schmalen Biergläsern, Stange genannt, serviert wird. Im übrigen heißt so wie jedes Mädchen Mariechen jeder Kellner in Köln Köbes, was von Jakob kommt.

Überhaupt haben die Rheinländer den Karnevals-Tanz erfunden, und zwar als Persiflage auf das Militär und die Marschmusik. So hat jedes größere Corps sein eigenes uniformiertes Tanzcorps, mit den berühmte Tanzmariechen, aber auch schicken Tanzoffizieren, und einer Tanzgarde hübscher Madchen. Daneben gibt es die Spezialität des Männertanzes, bei dem sich die Partner Hintern an Hintern gegenüberstehen, was übrigens der Anfang der inzwischen auch anderorts so beliebten Männerballett-Einlagen war.

Frauen, die von Männern weniger wissen wollen, jedenfalls nicht vom eigenen, für die ist „Altweiber“ der beste Tag, - da haben die Frauen alle Rechte, - ein verrücktes närrisches Weib darf da jedem Kerl, der ihr über den Weg läuft den Schlips abschneiden, zur Entschädigung gibt es ein Küsschen, - wer die Meisten Skalps, äh ... Schlipse eingesammelt hat gilt, wie bei den Indianern, als das mutigste, d.h. tollste Weib. Achtung, aufgepasst, da gibt es ganz tolle Mädchen, von denen jeder nur sonst träumen kann, aber wer etwas weniger Glück hat, der kann auch einer hässlichen Alten, z.B. der oben erwähnten Marktfrau in die Finger oder unter die Lippen fallen, es soll niemand behaupten ich hätte ihn nicht rechtzeitig vorher ausreichend gewarnt.

Da dieser Bericht für Nichtrheinische Nichtkarnevalisten geschrieben ist, habe ich mich bemüht auf missverständlichere Begriffe und zu karnevalistischen Stil zu verzichten, - ich möchte doch nicht, dass Ihr mich für humorvoll oder gar närrisch haltet, - ich wollte Euch eigentlich nur ganz und gar sachlich über das für Fremde nicht immer verständliche Brauchtum des Karnevals etwas aufklären, ohne Euch unnötig zu infizieren.

Deshalb sage ich Euch nur noch, mein Prinzen-Motto war „Mit Herz und Humor“, darum sollte es eigentlich gehen, das ganze Jahr über. Sich den Widernissen des Lebens stellen, zwar mal das Herz verlieren, nie aber die Herzlichkeit und Wärme, die das Gute im Leben ausmachen, oder den Humor. Ohne Humor ist der Mensch nur ein armer Tor! Mit je mehr Humor man Probleme, die man nicht vermeiden kann erträgt und meistert, um so angenehmer bleibt das Leben, und das sollte der beste Rat sein, dazu trägt der Karneval auf seine Weise seinen Teil bei. Jedenfalls haben die Kölner schon manches Problem erfolgreich überstanden und das Beste draus gemacht.


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  • pulldogge 18.05.2002 17:18
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • schlaubikh 25.04.2002 17:45
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • BruderClaude 15.03.2002 11:43
    Bewertete diesen Bericht als
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  • AndreasBruensch 13.02.2002 15:24
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • saremba 09.02.2002 14:26
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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