Ausflug zum Mars
16.12.2003
Pro:
schöne Landschaften, sehr beeindruckend
Kontra:
beschwerliche Anreise, viele Touristen
Empfehlenswert:
Ja
 frank.nonnenmann
Über sich:
hab die Schnauze voll vom Winter!
Mitglied seit:01.07.2000
Erfahrungsberichte:289
Vertrauende:100
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 92 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Für die meisten Touristen gibt es eigentlich zwei Möglichkeiten nach Kappadokien zu gelangen. Entweder man bucht eine Rundreise, quer durch die Türkei oder man bucht während eines Urlaubs einen zwei- bis dreitägigen Ausflug dorthin. Wir hatten uns für Letzteres entschieden, was überhaupt kein Problem war, denn diese Ausflüge werden in allen Touristenzentren entlang der Südküste angeboten. Je nach Anbieter bezahlt man inklusive zwei Übernachtungen zwischen 30 und 40€. Das hängt aber auch von der Saison ab, und mit etwas handeln kann man auch versuchen, noch 5€ rauszuschlagen. Wer nicht über die lokalen Anbieter buchen möchte kann dies natürlich auch im Hotel tun, wo die Reiseveranstalter TUI, Jahn und wie sie alle heißen die gleichen Ausflüge im Angebot haben. Bekommen tut man jedenfalls das Gleiche, bezahlt dafür aber etwa das Doppelte. Anreise ======
Kappadokien liegt von den südlichen Badeorten Antalya, Alanya, Side und Kemer etwas mehr oder weniger als 600km entfernt. Der Weg dorthin führt, egal von wo man letztendlich startet, unweigerlich über das Taurus-Gebirge. Im Sommer gestaltet sich die Fahrt dorthin eher langweilig und unspektakulär. Da wir unseren Ausflug allerdings Anfang November gemacht hatten sah es diesbezüglich etwas anders aus. Obwohl in Alanya zu dieser Jahreszeit noch strahlender Sonnenschein und Temperaturen um 25°C vorherrschen sah es im Taurus etwas anders aus. Als wir uns nach zwei Stunden Fahrt dem 1800 Meter hoch gelegenen Pass näherten begann es plötzlich zu schneien. Anfangs waren es nur wenige Flocken und auf der Straße bildete sich etwas Schneematsch. Doch je weiter wir kamen, desto mehr hatten wir das Gefühl in Österreich zu sein und nicht etwa in der Türkei. Bald wurde aus dem Schneematsch eine geschlossene Schneedecke und unser Busfahrer musste Schneeketten montieren. Dies half dann allerdings auch nicht sehr viel, weil alle Anderen wohl von dem Wetter überrascht wurden. Die LKW-Fahrer versuchten, sich mit Seilen zu behelfen, die sie um ihre Sommerreifen wickelten. Eigentlich vergebene Liebesmüh, denn in dem inzwischen zwanzig Zentimeter hohem Schnee gab es damit kein Durchkommen. Die Straße war nun blockiert von quer stehenden Tanklastwagen, Sattelzügen und Kleintransportern. So verging mehr als eine Stunde, bis es unserem Busfahrer endlich gelang, an dem Chaos vorbei zu kommen. Dieses Erlebnis mussten wir an der nächsten Raststätte erst ein Mal verdauen, wo wir auch noch im Schnee mehrere Fotos machten. Eigentlich total bescheuert, denn hier in Deutschland würde ein Bild im Schnee niemanden vom Hocker reisen, aber in der südlichen Türkei war es schon ein besonderes Erlebnis. Der restliche Weg war dann aber wirklich stinklangweilig, kilometerweit ging es nur durch Ödland. Die einzigste Abwechslung war noch die kurze Mittagspause in Konya und der Besuch eines Museums dort. Nicht wirklich interessant, aber bei einer längeren Busfahrt ist man ja froh, wenn man mal die Beine vertreten kann. Für den Rest der Reise war dann zurücklehnen und schlafen angesagt, bis wir dann nach zwölf Stunden endlich unser Ziel erreichten.
Unterirdische Stadt ================= Recht erschöpft von der langen Fahrt besuchten wir am ersten Abend noch unser erstes Highlight auf der Reise. Eine unterirdische Stadt, die den ersten Christen als Unterschlupf diente. Wann genau die Höhlen entstanden sind kann man nicht genau sagen, aber über die Jahrhunderte wurden sie ständig erweitert. Mehrere Stockwerke tief erstreckt sich so ein Labyrinth, in dem man sich ohne Probleme verlaufen könnte. Die Gänge sind teilweise recht niedrig und entsprechend eng. Unter Klaustrophobie sollte man hier keinesfalls leiden, denn der Fels über einem wirkt schon etwas drückend. Einige der Räume lassen sich mit einem ausgeklügelten Mechanismus verschließen. Ein riesiges Rad kann von innen vorgeschoben werden, um Eindringlinge aufzuhalten. Selbst mit heutiger Technik ließe sich diese „Tür“ von außen nicht öffnen. Wahrlich beeindruckend auch die Lüftungsschächte, die bis 50 Meter in die Tiefe führen. Nach nur wenigen Meter hatte ich jegliche Orientierung verloren und war doch recht verwundert, als wir dann plötzlich am Ausgang angelangt waren.
Es wird auch vermutet, dass viele dieser unterirdischen Städte miteinander verbunden sind. Allerdings hat man noch lange nicht alle dieser Städte, geschweige denn sämtlich Tunnel entdeckt. Die Erforschung ist noch immer im Gange, was man auch deutlich in der Stadt, die wir besuchten erkennen konnte. Übernachtung ==========
Da der erste Tag hauptsächlich für die ja doch recht lange Fahrt mit dem Bus diente machten wir uns nach der unterirdischen Stadt auch gleich auf ins Hotel. Dieses lag in Ürgüp, was für unsere weiteren Ausflüge recht gut und zentral gelegen war. Als Highlight würde ich dieses Hotel jedoch nicht beschreiben und wer sich dafür interessiert kann dies in dem gesonderten Bericht nachlesen -> Hotel Taskin / Ürgüp! Nur noch mal kurz zur Zusammenfassung, wir konnten das Hotel nicht selbst wählen, sondern es wurde vom Reiseveranstalter ausgesucht. Es handelte sich um ein zwei-Sterne Hotel, wobei dies in der Türkei nicht wirklich viel aussagt. Die Einrichtung war auch recht spärlich, das Abendessen und Frühstück zwar im Preis mit inbegriffen, von der Menge aber nicht so ganz ausreichend. Zudem war es auch recht geschmacksneutral. Für die zwei Nächte, die wir dort verbrachten war es aber gerade noch auszuhalten. Wer die Wahl des Hotels also irgendwie beeinflussen kann sollte hier einen weiten Bogen drum herum machen. Doch keine Sorge, das Hotelangebot in Kappadokien ist reichlich und es gibt durchaus auch bessere Hotels, als unseres. Wer etwa schon immer mal in einer Höhle übernachten wollte kann dies beispielsweise im benachbarten Göreme tun, dazu später noch mehr.
Kappadokien ========= Am nächsten Tag machten wir uns dann auf, die einmalige Landschaft zu erkunden. Bereits nach wenigen Kilometern folgte dann der erste Halt im „Tal der Phantasie“. Vor uns sind aber schon weitere Touristenbusse hier angekommen, so dass wir leider nicht ganz alleine sind. Doch dank der Jahreszeit und den für die Türkei ja doch recht niedrigen Temperaturen um den Gefrierpunkt halten sich die Touristenmassen in Grenzen. Die Felsen hier haben recht eigenartige Formen, was auch schon den Namen erklärt. Mit etwas Fantasie kann man in den Felsen etwa ein Kamel erkennen, ein Anderer wiederum sieht aus durch die fensterartigen Öffnungen aus, wie ein Gesicht. Am besten aber erkundet man die Landschaft zu Fuß, denn dann bekommt man das Gefühl, auf einem ganz anderen Planeten zu sein, vor allem, wenn man plötzlich nicht mehr von den Touristenmassen umgeben ist.
Hier erklärt uns unser Reiseleiter auch, wie die Landschaft um Kappadokien entstanden ist. Umgeben ist Kappadokien von drei Vulkanen, die inzwischen nicht mehr aktiv sind. Die letzte Aktivität war etwa vor 8000 Jahren, die Landschaft um uns herum ist also vulkanischer Natur. Da die Beschaffenheit des Vulkangesteins aber sehr unterschiedlich ist haben sich über die Jahrhunderte hinweg diese bizarren Formationen gebildet. Eine Schicht von dem Gestein war relativ weich und wurde von Wind und Wetter mit der Zeit abgetragen. Die darüber liegende wesentlich härtere Schicht konnte diesen Einflüssen aber wesentlich besser widerstehen, warum es nun so aussieht, als hätte jemand die Felsen erbaut. Als wir wieder in unseren Bus einsteigen begegnen wir dann auch einem wie ich finde unliebsamen Nebeneffekt des Massentourismus. Der Busparkplatz ist umlagert von zahlreichen kleinen fahrenden Händlern, die hier ihre Zelte aufgeschlagen haben. Zwar sind diese für die Türkei ungewöhnlich kaum aufdringlich, aber dem Landschaftsbild steuert dies leider trotzdem nicht gerade positiv bei. Hier kann man allerlei Ramsch kaufen und auch für Touristen, die nicht auf die Kälte vorbereitet waren werden Handschuhe und dicke Pullis angeboten. Eine Begleiterscheinung, die man inzwischen leider in Kauf nehmen muss in Kappadokien.
Weiter geht es zu den Feenkaminen, wozu wir abermals den Bus bemühen müssen. Zwar sind es nur wenige Kilometer, aber zu Fuß wäre es einfach zu weit. Wieder sehen wir zahlreiche Felsformationen, die aber diesmal komplett anders aussehen. Die Felsen hier sind wesentlich breiter und haben kleine Zwiebelartige Spitzen oben drauf. Diese Felsen wurden auch als Wohnungen genutzt, da man das weiche Gestein recht einfach bearbeiten und somit Wohnraum schaffen konnte. Über eine kleine Leiter gelangen wir auch in eine Kirche, die somit gut versteckt lag. Zu der zeit, als sie erbaut wurde war man den Christen gegenüber eben alles andere als freundlich gesinnt. Teilweise hat sich daran zwar bis heute nichts geändert, aber das ist ein anderes Thema. Immer wieder bekommen wir auf unserer Reise solche Felsformationen in verschiedensten Ausführung geboten und immer wieder ist es von neuem beeindruckend. Christliche Kirchen, aber auch Moscheen, die komplett in die Felsen gehauen wurden. Richtige Dörfer, die sogar bis vor dreißig Jahren noch bewohnt waren. In Göreme hat man auch die Möglichkeit in einer solchen Höhle zu übernachten. Eine Pension mit dem bezeichnenden Namen „The Flintstones“ bietet einem alles, um zurück in die Steinzeit zu reisen. Etwas merkwürdig macht sich dabei nur die auf dem Dach befindliche Sattelitenschüssel.
Teppichknüpferei ============= Nach der doch etwas anstrengen Reise durch die Landschaft Kappadokiens waren wir doch etwas erschöpft. Dennoch kamen wir nicht umher, die noch auf dem Programm stehende Teppichknüpferei zu besuchen. Unser Reiseleiter erklärte uns auch den Grund dafür, denn der Ausflug nach Kappadokien ist zu dem Preis nur durch staatliche Förderungen möglich. Bedingung für diese staatliche Förderung ist allerdings ein Besuch einer staatlichen Einrichtung. In unserem Fall war es eben die Teppichknüpferei. Hier bekamen wir zunächst gezeigt, wie die Teppiche gewebt werden und wie die Seite aus den Kokons gewonnen wird. Anschließend folgte noch eine Vorführung der unterschiedlichsten Teppiche aller Preisklassen.
Ich muss sagen, ich fand diese Pflichtprogramm sogar ganz interessant. Wir hatten zwar von Anderen schon oft gehört, dass die Verkäufer bei solchen Veranstaltungen teilweise recht aufdringlich würden, aber hier gab es wirklich keinen Kaufzwang. Türkischer Abend ==============
Wo es Tourismus gibt darf natürlich auch ein türkischer Abend nicht fehlen. Im Gegensatz zu den türkischen Abenden, die man entlang der Riviera zu sehen bekommt soll aber dieser hier wesentlich besser sein, so zumindest die Aussage von unserem Reiseleiter. Jedoch nicht im Reisepreis inbegriffen fallen hier noch mal 16€ pro Person an. Da unser Hotel ohnehin keine Alternative bot entschieden wir uns kurzerhand daran teilzunehmen. Zudem waren sämtliche Getränke wie Cola, kappadokischer Wein, Raki, Vodka, Wasser sowie kleinere Snacks im Preis inbegriffen. Das Restaurant war ähnlich der Höhlenwohnungen eingerichtet, aber wesentlich größer und dürfte für etwa 200 Personen Platz bieten. Dennoch hat man von allen Plätzen aus eine gute Sicht und es war auch nur etwa zu einem Drittel gefüllt. Das es nicht ganz der große Touristennepp war konnte man auch daran erkennen, dass ja doch auch einige Türken hierher kamen. Den Anfang machten dann die tanzenden Derwische, gefolgt von diversen tänzerischen Darbietungen aus allen Regionen der Türkei. Passend dazu wurde das Ganze natürlich musikalisch untermalt. Teilweise waren die Tänze etwas lahm und mir drohten fast schon die Füße einzuschlafen, allerdings muss ich auch dazu sagen, da jetzt nicht gerade ein großer Fan von zu sein. So richtig vom Hocker reisen konnte mich dann aber dennoch ein Tanz von der Schwarzmeerküste, bei dem richtig Leben in die Bude kam. Alles in allem ein ganz netter Abend, den man nicht unbedingt mitgemacht haben muss, aber allemal besser, als im Hotel zu sitzen.
Karawansarei ========== Auf dem Rückweg legten wir noch an einer Karawansarei eine kurze Rast ein. Da Kappadokien zu Zeiten Marco Polos auf der Seidenstraße lag blieben Überfälle und Plünderungen auch hier nicht aus. Daher baute man solche „Hotels“, um den Karawanen ausreichend Schutz zu bieten. Solche Karawansareis gab es damals recht viele und einige davon kann man nun besichtigen. Ich muss aber sagen, dies gehörte für mich so ziemlich zum langweiligsten Teil. Ein altes, verlassenes Gemäuer, was von außen zwar recht beeindruckend aussah, aber im Inneren auch nichts anderes war, als eine Anhäufung von Steinen. Zudem war es recht kalt und man musste aufpassen, nicht vom Taubenkod getroffen zu werden.
Fazit ==== Gesehen haben sollte man Kappadokien auf jeden Fall. Dabei sollte man jedoch auch in Betracht ziehen, dass durch die lange Fahrt fast zwei Tage verloren gehen und man von den drei Tagen nur Einen effektiv nutzen kann, um Kappadokien zu besichtigen. Auch die Jahreszeit spielt eine entscheidende Rolle, denn im Winter hat man zwar den Nachteil, dass es genauso kalt ist wie hier in Deutschland, doch dafür ist man nicht permanent von Touristen umringt. Wer etwa nur eine Woche in die Türkei fliegt, um dem kalten Herbstwetter hier zu entfliehen, dem würde ich eher raten, auf Kappadokien zu verzichten und sich besser in Alanya in die Sonne zu legen. Dennoch empfehlenswert, wenn man dazu bereit ist, etwas Zeit zu investieren, denn die Landschaft dort ist schon einmalig und man hat fast den Eindruck, auf einem anderen Planeten gelandet zu sein.
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
Mehr über dieses Produkt lesen
Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 2758 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:
"sehr hilfreich" von (100%):
 Maggifu
 Hajott
 Lily
und weiteren 89 Mitgliedern
Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.
|
|
21.01.2004 19:51
Und wieder hast du mir was voraus. In sechs Türkei-Urlauben habe ich es bisher noch nie nach Kappadokien geschafft. Kommt sicherlich noch, auch wenn die typischen Touri-Haltestationen (Teppichknüpferei, Karawanserei usw.) ja wohl nirgends fehlen. :-/
22.12.2003 15:36
Mit der Zeit ist wirklich zu überlegen. Aber kann man sich nicht auch ein Auto mieten und auf eigene Faust dorthin fahren, da spart man ja schon ein wenig Zeit?
20.12.2003 17:45
Ich will Urlaub!!!!!!!!!!!! Sofort!!!!!!!!! :)