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Pro Nette Umgebung, preislich okay, nettes Personal, gutes Essen, saubere Zimmer
Kontra sehr karge Zimmer, Duschen + Toiletten zu alt, im Winter zu kalt, ohne Auto mühsam zu erreichen
Im Rahmen meines Referendariats durfte ich Anfang Februar drei Tage und Ende Mai vier Tage zum Kennenlernen und später dann Weiterbilden in der Jugendherberge Gerolstein verbringen. Deshalb möchte ich heute über die Jugendherberge berichten.
LAGE UND ANREISEDie Jugendherberge liegt auf einem Berg oberhalb der Stadt Gerolstein. Gerolstein ist eine nicht all zu große Stadt in der Vulkaneifel, knapp 100 Kilometer von Köln entfernt. Die meisten kennen den Namen sicherlich vom bekannten Gerolsteiner Sprudel, das hier produziert wird. Wie für die Eifel üblich, ist die Landschaft sehr hügelig und bewaldet, im Sommer sieht man hier fast nur grün. Im Winter kann man fast sicher mit Schnee rechnen, so auch bei meinem Aufenthalt im Februar. Leider war es im Mai kaum wärmer und es gab sogar Hagel, was aber sicher nicht die Regel ist.
Um die Jugendherberge zu erreichen, bleiben einem genau zwei Möglichkeiten. Erstens kann man mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, zweitens mit dem Auto. Ich habe beides ausprobiert und kann nur allen raten, falls vorhanden aufs Auto zurückzugreifen, Parkplätze gibt es genügend. Bei meiner Fahrt im Februar bin ich mit dem Zug gefahren und war etwa zwei Stunden von Köln unterwegs. Dann durfte ich samt Gepäck noch zur Jugendherberge hochsteigen, was sehr beschwerlich war. Der Weg ist sehr steil und zieht sich ziemlich, wenn man Gepäck mitbringt. Ich war etwa eine halbe Stunde unterwegs. Zwar wirbt die Jugendherberge damit, dass ein Gepäcktransport organisiert werden könne, aber genutzt hat das niemand, wird sicher auch nicht kostenfrei sein. Mit dem Auto sieht es da schon besser aus. Nachdem man die Autobahn in Gerolstein verlassen hat, kurvt man noch eine knappe halbe Stunde über Landstraßen und erreicht dann bequem die Jugendherberge. Weil ich keine Lust auf lange Wanderungen hatte und diesmal auch kein Schnee lag, bin ich also im Mai mit dem Auto gefahren, was eine gute Entscheidung war.DIE JUGENDHERBERGE ALLGEMEIN
Die Jugendherberge verfügt über 172 Betten, verteilt auf Zimmer mit 2, 4, 5 und 6 Betten. Außerdem gibt es Leiterzimmer für die 1- und 2-Bettbelegung mit Dusche und WC. In der Jugendherberge findet man außerdem einen Klubraum, ein Besprechungszimmer, ein Bistro, eine Café-Bar, einen Partyraum und 5 Tagungsräume für 10 bis 130 Personen. Der große Tagungsraum war für die Dauer unseres Aufenthalts gleichzeitig Speisesaal und wirklich eng, aber dazu später mehr. Ich gehe davon aus, dass bei normalem Betrieb, denn wir hatten die komplette Herberge gemietet, dieser Raum ebenfalls als Speiseraum genutzt wird. Das technische Equipment wie Mikrofone, CD-Player, Projektor etc. also was man so für Tagungen benötigt, kann in der Jugendherberge geliehen werden.Betritt man die Jugendherberge, so steuert man gleich auf den großen Tagungsraum/Speisesaal zu. Hier im Erdgeschoss befinden sich auch die Anmeldung und das Bistro bzw. die Bar, eine genaue Unterteilung gibt es da nicht. Im Erdgeschoss gibt es außerdem zwei Flure mit je 5 oder mehr Zimmern. Die Flure sind alle nach Dörfern oder Orten der Region benannt, so findet man sich schnell zurecht. Im ersten Stock gibt es dann noch einmal vier Flure mit Zimmern. Das Kellergeschoss beherbergt die Tagungsräume, Klub- und Partyraum sowie die Tagestoiletten (das sind die Toiletten, die man schnell tagsüber aufsuchen kann, ohne auf seinen Flur laufen zu müssen). Eine Tischtennisplatte steht ebenfalls im Tiefgeschoss. Ansonsten findet man im Erdgeschoss Getränke- und Snackautomaten.
Draußen, vor der Jugendherberge gibt es eine große Spielfläche, einen Kinderspielplatz, eine Grillhütte, eine Laufbahn, ein Volleyballfeld und Basketballkörbe. Ein paar Gehminuten den Berg hinunter gibt es ein Hallenbad, das wie ich gehört habe, aber mal eine Sanierung vertragen könnte und noch dazu teuer ist. Leider konnte ich mir bei beiden Aufenthalten wenig von der näheren Umgebung ansehen, da entweder Programm war oder es so kalt und nass war, dass man wenig Lust hatte, vor die Tür zu gehen.DIE ZIMMER
Die Flure mit den Zimmern und auch die Zimmer selbst sind recht unterschiedlich eingerichtet. So gibt es 4-Bett-Zimmer mit modernem Bad, 5-Bett-Zimmer mit immerhin zwei Waschbecken und 6-Bett-Zimmer, die außer den Betten in denen man schläft, ein paar Schränken und einem Tisch gar nichts aufzuweisen haben. Das Glück in ein Zimmer mit Bad zu kommen hatte ich leider bisher nicht, sondern musste mir immer mit den anderen vom Flur Duschen und Toiletten teilen.Beim ersten Mal war ich mit drei anderen in einem 5-Bett-Zimmer untergebracht. Wir waren auf einem Flur im Erdgeschoss und mussten uns mit mindestens 15 Leuten zwei Toiletten und zwei Duschen teilen. Außerdem konnte man nachts kaum schlafen, solange draußen in der Bar noch gefeiert wurde, da man direkt daneben sein Zimmer hatte und die Wände sehr dünn sind. Immerhin hatten wir zwei Waschbecken und mussten nicht auch zum Zähneputzen das Zimmer verlassen. Das Zimmer selbst war ganz okay. Es gab neben den Betten einen Tisch mit Hockern, über den Betten Ablagen mit Leselampen und einen großen Schrank. Die Bettwäsche, die im Preis inbegriffen ist, wurde ziemlich gestärkt, denn sie war hart wie ein Brett und schwer über die Decken und Kissen zu ziehen. Die Decken sind recht dünn und die Kissen ziemlich klein. Blöd war, dass im gesamten Schlafbereich unseres Flurs die Heizung ausgefallen war und man deshalb ziemlich gefroren hat.
Beim zweiten Mal entschieden wir uns zu fünft für ein 6-Bett-Zimmer im ersten Stock. Hier war es nachts sehr viel ruhiger als unten und da es Ende Mai nie weniger als 3 Grad waren, konnten wir auch mit der immer noch nur lauwarmen Heizung recht gut schlafen. Vorsichtshalber hatte ich mir jedoch mein eigenes Kissen mitgebracht. Leider hatten wir jedoch nicht einmal ein Waschbecken im Zimmer und auch keine Ablagen oder Leselampen über dem Bett. Das war wirklich ärgerlich, weil die Abende in der Eifel lang sind und die Deckenbeleuchtung so schwach war, dass man allein damit nicht lesen konnte. Zum Duschen, um zur Toilette zu gehen und auch zum Zähneputzen musste man den Flur überqueren und sich wieder mit ähnlich vielen Leuten zwei Duschen und Toiletten teilen. Auf den Fluren gibt es übrigens keine Trennung zwischen Damen- und Herren-Toiletten bzw. Duschen, was ich schon etwas komisch finde, aber gut, die meisten der Teilnehmer waren eh Frauen. Die Zimmer waren im Großen und Ganzen also eher mäßig, aber immerhin aufgeräumt und sauber.VERPFLEGUNG
In der Jugendherberge gibt es die Möglichkeit nur Frühstück, Halbpension oder Vollpension zu buchen. Beide Male hatten wir Vollpension, da wir den ganzen Tag dort verbracht haben. Generell besteht die Vollpension aus Frühstück, Mittagessen, Kaffee/Kuchen und Abendessen. Im Februar war das Essen nicht ganz so gut, im Mai war ich recht zufrieden. Ich denke, dass sich dort was getan hat in den letzten Monaten, die Herbergseltern haben das Haus vor noch nicht all zu langer Zeit übernommen und sind ständig dabei alles zu verbessern. Eingenommen wurde das Essen im Speisesaal, der für mehr als hundert Personen einfach zu klein war. Man saß Rücken an Rücken, hatte kaum Platz sich nach links und rechts auszubreiten und dauernd musste die gesamte Reihe aufstehen, wenn einer hinaus wollte. Ich denke aber, dass dies nur bei so großen Gruppen passiert und nicht im alltäglichen Herbergsbetrieb.Nun zu den Malzeiten im Einzelnen. Das Frühstück war soweit in Ordnung. Es gab immer eine Brötchenauswahl, verschiedenen Aufschnitt, Käse, Konfitüren und was man sonst so zum Frühstück reicht. Außerdem bestand die Möglichkeit Müsli und Cornflakes, Quark und Früchte zu bekommen. Die Getränkewahl bestand aus Kaffee, diversen Teesorten und Milch.
Mittags gab es fast immer eine Suppe, ein fleischhaltiges Hauptgericht und ein Dessert, oft auch noch Salat. Um nur ein Beispiel zu nennen: Kürbissuppe, Salat, Hähnchengeschnetzeltes in Currysauce, Quarkspeise. Natürlich ist es auch möglich vegetarisch zu essen. Die Tische waren mit orangen "Warnschildern" (siehe Foto) gekennzeichnet, damit sich auch niemand vertun konnte. Abends gab es dann Brot mit Aufschnitt, Käse und immer irgendein Special wie Pizza, Kartoffelgratin, Kartoffelpuffer etc. Erfreulicherweise gab es meist auch immer etwas Frisches, wie Tomaten-Mozarella-Salat oder Gurken zum Abendbrot dazu. Der Kuchen am Nachmittag war recht unspektakulär, meist Streuselkuchen. Mittags und Abends bekamen wir entweder den in Jugendherbergen beliebten roten Früchtetee oder eine wässrige Limonade, schön wäre es gewesen, wenn wir stattdessen auch mal Wasser angeboten bekommen hätten, da ich fast nur Wasser zu Mahlzeiten trinke. Insgesamt kann man sich aber über die Verpflegung nicht beklagen.
Ein Blick in die modernen 4-Bett-Zimmer mit eigenem Bad zeigte mir, dass man dort ganz gut zurechtkommt. Die hell geflieste Dusche und die weiße Toilette waren modern und wenn man sich nur zu viert ein Bad teilt, ist das sicher ganz in Ordnung. Leider hatte ich ja nicht das Vergnügen sondern durfte mir beide Male die Gemeinschaftsduschen teilen. Im Erdgeschoss waren es zwei getrennte, abschließbare Räume ohne Tageslicht. Nicht gerade einladend und mit veralteten Fliesen. Auch die Toiletten verrieten nicht nur durch die orangefarbenen Trennwände, dass sie nicht mehr all zu neu waren. Da man unter Umständen mit dem gesamten Flur (bei voller Belegung ca. 20 Personen) zwei Toiletten und zwei Duschen teilen muss, kam es morgens immer zu Gedrängel und die Sauberkeit ließ auch zu wünschen übrig.
Im ersten Stock war die Situation nicht viel besser, außer dass eines der Zimmer auf dem Flur ja ein eigenes Bad hatte und wir somit selten anstehen mussten. Dafür hatten wir wie schon erwähnt keine Waschbecken auf dem Zimmer und mussten in den Gemeinschaftswaschraum gehen. Dort reihen sich auf jeder Seite 5 oder 6 Waschbecken mit kleinen Spiegeln nebeneinander und an der einen Seite gibt es zwei Duschen mit verschließbaren Türen (siehe Foto). Die Duschen waren ganz okay, was den Wasserdruck betrifft und es gab auch genügend Haken um Handtücher und Wäsche aufzuhängen, denn man musste sich im Grunde darin umziehen, weil es ja keine Trennung zwischen Damen und Herren gab oder man lief schnell im Handtuch über den Flur. Das war schon ungünstig, aber immerhin war man dankbar, dass man sich beim Duschen überhaupt einschließen konnte. Geputzt wurde einmal am Tag, Toilettenpapier wurde leider oft nicht früh genug nachgelegt. Ich habe schon schlimmere Duschen und Toiletten gesehen, aber auch schon bessere, daher ist die Jugendherberge Gerolstein ungefähr Durchschnitt. Schön allerdings zu wissen, dass nach und nach alle Etagen renoviert und die Zimmer mit eigenen Bädern ausgestattet werden sollen.PERSONAL
Die Herbergseltern und das Küchenpersonal sind vor allem durch die Freundlichkeit aufgefallen. Auch wenn man mal Extrawünsche hat, wird versucht diese zu erfüllen, was ich sehr positiv finde. Einzig zu bemängeln ist, dass manchmal kein Toilettenpapier nachgelegt wurde, das sollte man noch ändern, sonst lässt der Service nicht zu wünschen übrig.PREISE
Übernachtung/Frühstück ab 14,50 €ADRESSE
Jugendherberge GerolsteinTel: 06591/4745
Fax: 06591/7243
E-Mail: gerolstein@diejugendherbergen.de
FAZIT
Die Jugendherberge Gerolstein ist in Ordnung, wenn man ein paar Tage in der Vulkaneifel verbringen möchte. Die Zimmer sind sehr spartanisch aber sauber. Einige wenige Zimmer sind mit eigenem Bad ausgestattet, die Mehrzahl jedoch nicht. Leider lassen die Gemeinschaftsduschen und die Toiletten ein wenig zu wünschen übrig, sind aber immer noch erträglich. Die Verpflegung ist gut, das Personal ist sehr nett. Auch die Umgebung ist, wenn man die Natur mag, recht ansprechend und man hat einige Beschäftigungsmöglichkeiten. Ohne Auto ist die Anreise etwas beschwerlich und im Winter kann es schon mal kalt in den Zimmern werden. Insgesamt vergebe ich, da die Jugendherbere durchschnittlich ist, drei Sterne und eine Empfehlung an alle, die gerne günstig unterkommen.Nicht ganz nachvollziehen kann ich, dass die Jugendherbere auf der Website unter den "modernen" Jugendherbergen aufgeführt ist, denn das ist sie noch lange nicht.
NUN NOCH EIN PAAR FOTOS ...
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