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Da muss man kerngesund sein...
Pro Eine Erfahrung gemacht...
Kontra ... die ich nicht wiederholen möchte
Detailbewertung
| Erreichbarkeit: | |
|---|---|
| Weitere Angebote der JH (Sport, Freizeit etc.): | |
| Zufriedenheit mit den Räumlichkeiten: | |
| Wieviel bezahlt für 1 Person (1 Nacht + Frühstück): | |
| Freundlichkeit: |
Eines muss ich für diesen Bericht vorausschicken. Manche wissen es schon - andere nicht, es ist nicht besonders interessant und ein Umstand, den man nicht überbewerten sollte bzw. der nicht allzuviel über mich aussagt: Ich bin Lehrerin - manchmal sage ich lieber: Ich arbeite als Lehrerin, denn die absolute Identifikation mit diesem doch recht zwiespältigen Job erscheint mir wenig erstrebenswert. Es gibt Dinge, die ich am Lehrerdasein mag, Dinge, die ich nicht mag - und damit gut. Jedenfalls hab ich diesem Beruf eine Erfahrung zu verdanken, die ich ohne ihn sicherlich nie gemacht hätte und über die ich jetzt berichten will.
Grundsätzlich sind Erfahrungen ja etwas Gutes, jedenfalls nach meiner Ansicht. Auf manche hätte man trotzdem gerne verzichtet. Und zu dieser Sorte gehört die kürzliche Klassenfahrt mit "meiner" supersüßen 6. Klasse. Davon will ich dem geneigten Leser Genaueres berichten. Vielleicht gerade für junge Kollegen nicht ganz uninteressant!
Und dann darf man sich darum kümmern, alles Organisatorische mindestens ein Jahr im Voraus zu planen - den günstigsten Busanbieter zu finden, sich um mitfahrende Betreuer (pro Klasse erfordert es eine weibliche und eine männliche Betreuungsperson) zu bemühen, auf Elternabenden -zig Infoblätter, Einwilligung- und/oder Verzichtserklärungen und so weiter besprechen und unterschreiben zu lassen. Wir leben immerhin in Deutschland und alleine für diese Fahrt habe 2 Elternabende, 2 geheime Abstimmungen, 3 Infobriefe, 4 Formulare mit bestimmten Erklärungen (zu sportlicher Betätigung, Drogenmissbrauch, Vollmachten für Rechtsgeschäfte etc.), 1 Klassenkonto mit Ratenzahlung.... und ich weiß schon gar nicht mehr was sonst noch alles... einrichten, abhalten, anfertigen müssen.
Das klingt alles toll, nicht wahr? Ist es auch, besonders wenn man wie ich (von einer Oberstufen-Schule kommend) noch wenig bis keine Erfahrung mit Klassenfahrten einer Kinder-Rasselbande gemacht hat und dann einfach ran muss.
Die Jugendherberge selbst liegt 300 Meter vom Stadtzentrum entfernt am Ufer der Werra. Bis zum Werratalsee ist es etwa 1 Kilometer. Man findet sie unter folgender Adresse:
Fritz-Neuenroth-Weg 1
37269 Eschwege
Kontakt: Frau Ilse Werner
Folgende Ausstattung könnt ihr erwarten:
Raumangebot: 175 Betten, überwiegend 6- und 8-Bettzimmer, teilweise mit Dusche / WC.
1 Speiseraum, 10 Tagungsräume / Tagesräume mit Platz bis max. 72 Personen.
Außerdem war augenfällig, dass die Räume nicht oder nur sehr grob oder aber bereits vor geraumer Zeit gereinigt worden waren - sprich: Es war ganz schön staubig, da waren etliche Spinnweben (toll bei meiner Spinnenphobie), die "Duschen" (= kleines gekacheltes Eck mit ollen Plasikvorhang und einem Schlauch) teilweise schimmlig und wie froh war ich, in meinem 8-Bett-Zimmer nicht ganz alleine zu sein, sondern ein paar kleine krabbelige Freunde zur Gesellschaft zu haben. Betreuerzimmer für die Lehrer? Fehlanzeige - jedenfalls nicht für mich! Ich hatte genau so ein Zimmer bekommen wie meine Schüler. Dafür durfte ich mir eines der 8 "Betten" aussuchen und hatte dabei die Wahl zwischen Etagenbetten mit Metallgitter statt Lattenrost oder Bodenbetten, bestehend aus einem Holzbrett bzw. Holzkasten - darauf lag jeweils eine dünne, fragwürdigst gefärbte (verfleckte) "Matratze". Die muffigen Decken wirkten klamm... es war zwar erst Mitte September, aber seit Wochen schon kalt und regnerisch. Natürlich ließ sich die Heizung nicht anstellen. Fein! Zum Glück bin ich ja nicht anspruchsvoll.... !
zumindest war ganz ordentlich. Denn gleich nach dem Bettenmachen (was insbesondere die Jungs restlos überforderte - und ratet mal, wer da bei gut 10 Betten helfen musste? Genau!) ging es in den Speisesaal. Es gibt nur einen einzigen Speisesaal und da die Jugendherberge rund 170 Betten = Personen beherbergt, könnt ihr euch vielleicht den Lärmpegel vorstellen, den ca. 150 Schülerlein beim Essen, Stühlerücken, Streiten, Lachen und Herumschreien machen. Dagegen ist der "Lärm", den eine einzige Klasse alleine veranstalten kann, lachhaft.
Also - was gab es denn nun so? Nichts Besonderers, aber auch nichts Schlechtes. Kantinenessen wie Hühnchenbrust mit Reis oder Frikadellen mit Dosengemüse und Kartoffeln, Nudeln mit Hackfleischsoße - dazu immer noch einen süßen Nachtisch und fast immer eine Schüssel mit frischem Salat. Morgens gab es Brötchen mit Marmelade, Wurst und Käse, abends Vergleichbares. Dazu konnte man sich Wasser und / oder Tee (morgens sogar ganz brauchbaren Kaffee oder Kakao) holen. Es war wirklich in Ordnung - und sogar auf Allergien von Schülern (gar nicht mal so selten!) wurde Rücksicht genommen. Einer meiner Schüler darf z. B. nur glutenfreie Nahrung zu sich nehmen und bekam entsprechendes "Extra-Essen".Als ich am nächsten Tag die Herbergsleitung um Abhilfe (Zimmertausch, Gespräch mit den anderen Lehrern o.ä.), also um grundsätzliche Unterstützung bat, kam wenig Hilfreiches. Das "könne nicht sein" und wenn ich Probleme mit "meinen Schülern" hätte, sollte ich meine männlichen Kollegen um Hilfe bitten. Ich erklärte (mehrfach), dass ich 1. keinerlei Probleme mit MEINEN Schülern hätte, dass 2. alle Kollegen von meiner Schule blöderweise ganz woanders untergebracht worden waren und dass 3. sich die Kollegen der anderen Schule wenig gesprächsbereit oder gar hilfreich verhalten hatten.
Nach ewigem Hin und Her gelang es dann zumindest, dass einer meiner Kollegen (zumindest für 2 Tage) in mein bisheriges Zimmer ziehen konnte, ich bekam ein relativ sauberes, etwas abseits gelegenes (entsprechend ruhigeres) Zimmer, das leergestanden hatte (!) - allerdings nur für 2 Nächte, dann würden wir wieder zur anfänglichen Belegungssituation zurückkehren müssen.Tatsache ist: Es blieb laut unter uns - auch zu zweit hatten wir unsere Not - und es blieb schwierig, da sich sonst niemand dafür verantwortlich fühlte, die randalierenden Typen aus dem 2. Stock zu bändigen. Meine eigenen Schüler haben sich eigentlich großartig verhalten - sie waren allerdings auch irgendwann geschafft, es gab viele Tränen, Heimweh, Bauchweh und so Sachen. Ich musste viel trösten, Tee kochen, Streicheleinheiten verteilen - und möglichst nicht zeigen, wie frustriert ich selbst war. Die Herbergsleitung wirkte überfordert und nicht bereit, irgendwo einzuschreiten. Auch als am letzten Abend einige Zimmer offensichtlich durchwühlt worden waren und wir einen Einbruch vermuten mussten (wie sich später herausstellte, war aber nichts gestohlen worden), wurde das alles abgetan. Wir hatten alle Hände voll damit zu tun, die Panik unserer Schüler einzudämmen, Hilfe bekamen wir keine. So etwas kann nicht sein.
Die letzte Nacht war auch lärmtechnisch der Horror. Ich war wieder mal alleine und zuletzt gegen 2 Uhr nachts auf dem Gang unter uns unterwegs - danach hab ich es aufgegeben, mir die Ohren zugestopft und auf den Morgen gewartet.
Nach dieser Woche war ich jedenfalls supermega-platt. Ich kann sowieso nur dann schlafen, wenn alles abolut stimmt und ich muss leider sagen, die Nächte in dieser Jugendherberge waren für mich weitgehend schlaflos. Dafür war dann von früh bis spät Aktion angesagt - mein Outdoor-Kollege (lieb, aber leider verrückt) konnte gar nicht hoch, weit und schnell genug draußen herumrennen, sodass ich und nicht wenige meiner Schüler kaum noch hinterherkamen. Zudem war es war oft kalt und feucht, zwischendurch zwar auch mal sonnig, aber nie so, dass man sich richtig aufwärmen konnte. Die Woche nach dieser Fahrt waren 10 Schüler/innen aus meiner Klasse krank. Und witzigerweise auch die meisten der mitgefahrenen Kollegen. Ich nicht. Nachdem ich von der Klassenfahrt nach hause gekommen war, hab ich fast nur geschlafen, wurde mit gutem Essen gepäppelt und hatte das Ganze nach etwa 2 Wochen körperlich verarbeitet. Eschweges Jugendherberge sieht mich verständlicherweise nie wieder. Und ich hab eines gelernt: Wenn ich noch mal wieder eine Klassenfahrt zu planen habe, werde ich mich vorher vor Ort genau umschauen und mich vom Zustand der Räume und der Kompetenz der Herbergsleitung etc. überzeugen.
So, jedenfalls was erlebt und was gelernt.
Liebe Grüße und übrigens... ich hab jetzt Ferien! (Der Job hat durchaus sein Gutes!)
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ellehner 20.12.2010 11:10
Hut ab, meine Nerven würden der "Rasselbande" nicht standhalten ;)) Dafür von mir ein BH ! LG Brigitte
Karry2000de 28.11.2010 20:13
kalli.k 21.11.2010 13:59
Volker111 16.11.2010 12:26
Tja, nicht jede Erfahrung möchte man mehrfach machen und doch kann man es sich zuweilen nicht aussuchen. ;-)
Ich habe mich leicht gepfiffen: 2 Wuchtbrummen. Klar das das Essen stimmt. Ich beneide dich nicht in solchen Sachen. Gruß