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Von wegen Heilige Stadt...

3  21.08.2011

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templerthomas

Über sich: Syrien - eine unendliche Tragödie? Nordkorea - noch ein Diktator der mordet

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Endlich kommt jetzt noch ein Zusatzbericht zu meinem Israel Bericht.

Bei meiner Israel Reise (siehe Israel Bericht) war Jerusalem natürlich ein Muss.
Für jeden Tourist ist die Stadt aber sicherlich nicht ein lohnenswerter Besuch.

Felsendom und Klagemauer muss man gesehen haben. Die Stadt an sich war aber nicht meins. Ich war noch nie in einer Stadt mit einer solch negativen Atmosphäre. Kein Vergleich zur Leichtigkeit von Tel Aviv. In Jerusalem laufen jüdische Siedler mit Gewehren umher und die Araber sind auch alles andere als freundlich.

Allerdings passierte mir hier auch ein Fehler. Ich kaufte eine Kippa - das ist eine jüdische Kappe für Männer für den Synagogenbesuch - mit der israelischen Flagge darauf. Mit einem Mitreisenden machte ich eine Wette ob ich mich traue die Kappe im arabischen Viertel anzuziehen. Warum nicht dachte ich mir, in einer großen Gruppe und ...nun ja ich war erst Anfang 20. Die arabischen Händler waren in Jerusalem von Anfang an anders als ich arabische Händler kenne. Misstrauisch und zurückhaltend. Keine Spur von der Händlereinstellung die ich bei Arabern so sehr mag. Als ich dann die Kippa anzog bekam ich die schlimmsten Blicke meines Lebens. Ich verlor die Wette weil ich sie keine 10 Minuten aufhaben wollte. War mir einfach zu gefährlich. Klingt jetzt dramatisch aber einige Händler sahen mich an wie man den Mörder seines Kindes ansehen würde. Ohne Worte.

Diese aggressive Stimmung war für mich in der ganzen Stadt spürbar.

Dabei kamen wir gerade von einem Treffen mit jüdischen und arabischen Studenten. Das verlief sehr harmonisch und beide Gruppen hatten die richtige Einstellung. Es kam aber auch klar heraus das die rationale, friedliche Einstellung nicht unbedingt die der Mehrheit ist. Weder bei Juden, noch bei Arabern.

Die Klugen auf beiden Seiten sind jedoch für Frieden.

In Jerusalem waren die Aggressionen aber immer wieder spürbar und es gab Momenten in denen ich mich wie in einem falschen Film vorkam.

Etwa wenn ein orthodoxer Jude mit einer Kalashnikov (!) an der einen Hand und einem Kleinkind an der anderen Hand an mir vorbeispazierte. Oder als ich einen Streit zwischen Mönchen in einer Kirche mitbekam.

Über die Bedeutung von Religion kann man diskutieren. In Jerusalem führt Religion aber immer wieder zu Streit und ist wohl die Quelle für den ewigen Konflikt um diese Stadt.

Natürlich ist für Christen die Stadt auch was besonderes. Wobei gerade auch zwischen den Christen in der Grabeskirche nicht freundlich gegenüberstehen.

Die Grabeskirche wurde 326 nach Christus errichtet. Sie wurde an der Stelle errichtet wo nach mündlicher Überlieferung bzw. lokaler Tradition der Ort war an dem Jesus begraben wurde. Sicher kann man nach der langen Zeit freilich nicht sein. Damals stand an dem Ort ein römischer Tempel der abgetragen wurde.

Die ursprüngliche Kirche wurde zuerst durch ein Erdbeben und später durch den barbarischen Fatamidenkalifen al-Hakim zerstört.
Nach relativ toleranten Herrschern war er ein Fanatiker und Massenmörder. Er ging nicht nur gegen Christen und Juden brutalst vor sondern auch gegen die Frauen. Ein Beispiel für seine unsinnigen Verbote ist das Verbot Damenschuhe herzustellen (damit die Frauen in den Häusern bleiben mussten). Selbst Damenschuhe durften nicht mehr hergestellt werden, um die Frauen in die Häuser zu zwingen. Al-Hakim verschwand plötzlich von der Bildfläche (wahrscheinlich wurde er ermordet) ist aber ein Beispiel dafür das die Ansicht von toleranten muslimischen Herrschern zu dieser Zeit ein nettes Märchen ist (mit Ausnahme der Herrscher in Andalusien).
Er zerstörte auch das Felsengrab an sich.
Die Kreuzritter bauten die Grabeskirche 1144 wieder neu auf.

Die christlichen Kirchen stritten sowohl unter osmanischer Herrschaft, unter britischer Herrschaft als auch unter israelischer Herrschaft heftig um die Rechte in der Kirche. Schon die Namensgebung zeigt die Uneinigkeit. Grabeskirche heißt die Kirche für Katholiken und Protestanten, Auferstehungskirche für die Orthodoxen. Ganze 6 Kirchen kümmern sich um die Verwaltung der Grabeskirche. Die Griechisch-Orthodoxe, die Römisch-Katholische Kirche (durch die Franziskaner) und die Armenische Apostolische Kirche haben den meisten Platz erhalten. Weiters die Syrisch-Orthodoxe Kirche, die Kopten und die Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche vertreten. Protestanten, Alt-Katholiken etc. haben keine Rechte!! Alles ist genau festgelegt etwa wer wann wie lange beten kann. Zwischen den Priestern und Mönchen gibt es dennoch immer wieder Streitigkeiten über die Gebetsordnung die sogar schon zu Schlägereien ausarteten. (ein Video gibt's unter http://www.spiegel.de/panorama/zeitgeschichte/0,15 18,548555,00.html


Die Grabeskapelle ist der wichtigste Teil der Kirche. Hier befindet sich das Grab von Jesus. Das Grab liegt in einem sehr prachtvoll verzierten Kapellbau innerhalb der Rotunde, deren ornamentiertes Kuppeldach von Säulen getragen wird. Die Grabkapelle wird von einem Zirkel aus zwölf Säulen umgeben.
Am Eingang der Kirche ist der Salbungsstein auf dem Jesus für die Bestattung vorbereitet sein soll, rechts vom Eingang ist der Golgotafelsen wo Jesus gestorben sein soll. Für die griechisch-orthodoxen Christen ist die Adamskapelle noch von großer Bedeutung. Für sie lag hier der Schädel Adams. Für die Katholiken ist die Kreuzauffindungskapelle bedeutend, an der Stelle soll der Fundort des Kreuzes von Jesus sein. Das Katholikon der Orthodoxen ist das Mittelschiff mit Altar der Kirche.

Ich war an dem Ort nicht wirklich religiös inspiriert. Es herrschte ein großes Gedrängel und irgendwie eine aggressive Stimmung zwischen den Mönchen und Priestern an dem Ort. Zuletzt kamen sich zwei Mönche so in die Haare das es fast zu einer Schlägerei in unserer Anwesenheit gekommen wäre. Ein dritter Mönch fuhr jedoch dazwischen.

Einzig die Gläubigen auf die tiefbewegt waren und inbrünstig ihre Gebete verrichteten gaben dem Ort die Stimmung die er haben sollte. Ich kam dort ins Gespräch mit Gläubigen aus Kanada und Armenien. Vor allem die Armenier beeindruckten mich da sie jahrelang gespart hatten um die Reise nach Jerusalem anzutreten. Sie waren alle begeistert von der Grabeskirche und meinten für sie sei die Grabeskirche der Höhepunkt der Israel-Reise.

Die damalige hektische Atmosphäre und die schlecht gelaunten Priester waren nicht gerade sehr einladend für mich. Ich bin von dem Ort nicht religiös bewegt worden, der prächtige Kapellbau gefiel mir aber sehr gut.
Allerdings brauchte ich aber auch noch nie einen Ort um Gott nahe zu sein. Für überzeugte Christen ist die heiligste Stätte der Christenheit freilich ein "Muss".

Übrigens wacht eine muslimische Familie über den Schlüssel :;-)

Ein wunderschönes Gebäude ist der Felsendom., der im arabischen eigentlich "Felsenkuppel" [qubbat as-sachra] heißt. Kalif Umar ibn Chatab baute den Dom auf einem ursprünglich für Christen bedeutsamen Felsen. Christen sprachen davon das hier ein Fußabdruck von Jesus zu sehen sei. Der Kalif entdeckte dann einen Fußabdruck des Propheten Muhammad. Der Felsendom ist nicht wie irrtümlich oft angenommen als Moschee konzipiert sondern ist ein heiliger Schrein.

Mir hat einfach die goldene Kuppel die wirklich mit Blattgold beschichtet ist sehr gut gefallen.

Die einen St einwurf entfernte al-Aqsa-Moschee ist die drittwichtigste Moschee des Islams und ebenfalls einen Besuch wert. Hier gründeten Hugo von Payns und Gottfried von Saint-Omer den Templerorden. Die Moschee wurde zum Quartier der Templer in Jerusalem. Saladin machte das Quartier dann wieder zur Moschee. Beim Frieden von Jaffa als 1229 die ihrer Zeit weit voraus sehenden Herrscher Friedrich II. und al-Kamil einen bedeutenden Frieden ausmachten kam Jerusalem wieder an die Kreuzfahrer. Die Moschee und das ganze Tempelviertel mit dem Felsendom blieben aber in muslimischen Händen. So ist es bis heute geblieben. Was auch gut so ist. Nicht-Muslimen ist der Aufenthalt übrigens nur mit Sondergenehmigung erlaubt.

Die Klagemauer ist dann die religiöse Stätte der Juden. Als Nicht-Jude kann man den Ort ohne Probleme besichtigen. Wir zogen aus Respekt aber eine Kippa an. Die Stimmung hier war für mich eindrücklich. Da viele Juden Gebete in die Ritzen der Mauer steckten. Die Menschen beteten friedlich. Das es nicht wirklich friedlich ist in Jerusalem zeigte dann aber schon der Zugang der mit Röntgengeräten mit Metalldetektoren gesichert wurde.

Bei all diesen "heiligen" Gebäuden fiel mir der Bibelspruch. "Aber der Allerhöchste wohnet nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind, wie der Prophet spricht" ein.

Wie wahr...

Für mich war Jerusalem interessant anzusehen. Leben möchte ich in der Stadt jedoch nicht für ein Vermögen.

PS: Bilder folgen

Bilder von Jerusalem
Jerusalem Mvc-030s - Jerusalem
Felsendom
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Sydneysider47

Sydneysider47

22.08.2011 00:48

Ansehen würde ich mir die Stadt auch gerne mal. Viele Grüße!

Dr.Ed

Dr.Ed

21.08.2011 15:35

Jerusalem wäre auch noch eine Stadt, die ich unbedingt mal besuchen will!

Volker111

Volker111

21.08.2011 11:44

Sollte mehr Kluge geben ;-)

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