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Pro typisches englisches Pub, viele Sorten Ale und Cider, moderate Preise bei Speisen, Atmosphäre
Kontra Man muss Bestellungen selbst bei der Bar aufgeben und sich die Drinks holen.
Detailbewertung
| Essen & Trinken | |
|---|---|
| Preis-/Leistungsverhältnis | |
| Atmosphäre | |
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| Anbindung | |
| Auswahl |
Es war einmal ein Lehrer namens J. D. Wetherspoon. Der prophezeite seinem Schüler: „Aus dir wird nie was werden!“
Der Schüler hieß Tim Martin. Als er 1979, vor nunmehr 32 Jahren, sein erstes Lokal eröffnete und nach einem witzigen Namen für dieses Pub suchte, fiel ihm sein alter Lehrer wieder ein. Und so nannte er sein Londoner Pub „J D Wetherspoon“ – zur Erinnerung an diesen Pädagogen, der ihm eine wenig erfolgreiche berufliche Zukunft prophezeit hatte …
Das Erfolgsgeheimnis: moderate Preise, ein großes Angebot an hochqualifiziertem Bier, ganztags warme Küche – inklusive Frühstück am Morgen - und großzügige Öffnungszeiten. Dazu ein „Wohlfühlambiente“ und freundliches, flinkes Personal.
Oft ist es ja nicht leicht, in einer fremden Stadt ein Lokal zu finden, wo man gut und nicht allzu teuer essen kann, das zentral liegt und auch noch gemütlich ist. Zum Glück kannte mein Freund das „Crosse Keys“, mitten in der City of London, von einem früheren Besuch dort im Rahmen einer Aftershowparty nach einem Kongress. Denn hier können auch geräumige, repräsentative Räumlichkeiten für Veranstaltungen gemietet werden.
Dass sich das „Crosse Keys“ in einem ehemaligen Bankcomtoir befindet, ist typisch für Wetherspoon Pubs, die sich gern in Lokalitäten „einnisten“, die früher einem anderen Verwendungszweck gedient haben. In diesem Fall ist es eine Bank gewesen. Und nicht irgendeine Bank, sondern eine offensichtlich große, bedeutende, altehrwürdige, wie vom Ambiente her zu schließen ist.Die originale Ausstattung ist weitgehend belassen worden. Das heißt also: Marmorwände, riesige alte Beleuchtungskörper, Säulen, ein ansehnlicher Stiegenaufgang in den ersten Stock, wo sich die Veranstaltungsräume befinden, die man mieten kann.
Aber wo früher Geldgeschäfte getätigt wurden, herrscht jetzt eine lockere, fröhliche Stimmung. Das ehemals streng konservativ gestaltete Büro aus einer Zeit, die ich etwa für 1920-1940 schätze, ist durch eine Bar in der Mitte des großen Raumes aufgelockert, die über und über mit hellblauen und weißen Luftballons geschmückt ist. Die Dekoration wechselt natürlich je nach Anlass oder Jahreszeit.Das Mobiliar wirkt alt, dunkel und so, als stehe es schon lange im Gebrauch. In den seitlichen Logen sitzt man auf Plüschbänken, in der Mitte des Raumes auf Holzstühlen. Die Tische sind ebenfalls aus dunkelbraunem Holz. Tischtücher gibt es keine. Die würden in so ein Pub auch nicht wirklich passen.
Das Lokal ist ein Nichtraucherlokal, was schon an der Eingangstüre vermerkt ist. Wir waren an einem Dienstagabend dort, etwa gegen 18 oder 19 Uhr – und es war recht gut besucht. Freie Tische waren aber noch genügend vorhanden.Musik gibt’s in keinem Wetherspoon-Lokal. Dafür einen Geräuschpegel von sich angeregt miteinander unterhaltenden Briten. Das Publikum wirkt urban und gepflegt. Teenies scheint es nicht dorthin zu ziehen, eher Leute ab 20. Aber auch ältere Semester. In den Logen hab ich zwei Männer um die 60 erspäht, die sich – in eine Zeitung versunken – zwei, drei Pints gönnten.
Um den Bestellvorgang zu beschleunigen, ist es allgemein üblich, an die Bar zu gehen und seine Bestellung aufzugeben, zu bezahlen und – im Falle eines Drinks – gleich mitzunehmen. Das professionelle Bierzapfen besorgt natürlich schon eine Fachkraft.
Da ich nicht genau weiß, welche Biersorte ich mir bestellen soll, entscheide ich mich für ein Angebot: 3 kleine Gläser mit verschiedenen Sorten für 5 £ (britische Pfund). Dabei entspricht die Gesamtmenge der Flüssigkeit insgesamt einem Pint.Ich muss gestehen – obwohl mich jetzt vielleicht viele Deutsche und ÖsterreicherInnen nicht verstehen werden -, dass ich ein Faible für englisches Bier habe. Warum? Es schmeckt einfach mild, herzhaft und gut und hat vor allem nicht so viel Kohlensäure und Schaum. Also man kann rasch zur Sache kommen, ohne sich einen Schnauzbart wie Santa zu holen …
Auch diesmal wähle ich dunkle Biersorten, die in England sehr trocken und herb schmecken, also nicht so süß sind wie bei uns meistens. Bald stehen sie vor mir, die drei Gläser, und harrten meines Urteils. Alle enthalten sie bestes Ale - frisch und von hoher Qualität. Bei der Auswahl hat mir eine Schankkraft geholfen, die eine ausgesprochene Bierexpertin ist. Am besten mundet mir die dunkelste Sorte, die einen sehr fein ausgewogenen Geschmack hat. Sie schmeckt feinherb und leicht bitter, hat aber insgesamt ein auffallend mildes Aroma und ist dabei sehr gehaltvoll – einfach perfekt. Ich frage später bei der Bierkennerin nach, um welche Sorte es sich gehandelt hat. Sie schnupperte kurz am bereits leeren Glas und sagte dann mit erstaunlicher Sicherheit: „Number 5“ – es war ein dunkles Bier aus dem Bierkatalog. Den genauen Namen hab ich leider inzwischen wieder vergessen – es war irgendwas mit A …Aber wir waren ja nicht hergekommen, um uns mit Ale vollrinnen zu lassen, so gut es auch schmeckt. Natürlich wollen wir auch dem Cider eine Chance geben, bei dem es ebenfalls die 3-Glas-Aktion gibt. Und so schleppt mein Freund drei Gläser an: Cider pur, Cider Erdbeere und Cider mit Beerengeschmack. Sie sehen ein bisschen aus wie leuchtender Bernstein in verschiedenen Farben. Köstlich sind sie alle, aber am besten finde ich den Cider mit Beerengeschmack. Der ist nicht ganz so lieblich und süß wie der mit Erdbeere, aber auch nicht so puristisch wie der Cider pur.
Selbstverständlich kann man hier auch Softdrinks wie Ginger Ale, Pepsi, Mineralwasser oder Limonade bekommen. Kaffee ist gleichfalls erhältlich. Menschen, die kein Bier mögen wie mein Freund, müssen also nicht durstig bleiben …Bald stellte sich natürlich auch Hunger ein. Und da sind wir hier genau richtig. Die Speisekarte enthält ein relativ umfangreiches Angebot an englischen Gerichten und Snacks. Die englische Küche gilt im Allgemeinen zwar nicht als besonders berühmt, aber diese Imbisse klingen nicht so schlecht und scheinen auch durchaus erschwinglich. Wieder bestellen wir gleich bei der Bar, bezahlen und so etwa 10 Minuten später wird uns unser Essen serviert. Mein Freund hat sich für ein Angus Steak entschieden, ich hatte nicht viel Hunger und bestellte Nachos mit verschiedenen Dips, die gut zum Ale passen.
Das Angus Steak kommt mit einer Gemüsegarnitur – Erbsen müssen in England wohl immer dabei sein – und Pommes. Es sieht lecker aus, ist aber leider von der Qualität her nicht berühmt. Mein Freund meint, es sei zäh und flachsig. Vielleicht ist es zu lang gebraten worden. Er hat zwar „well done“ bestellt, weil wir beide es nicht mögen, wenn das Blut so aus dem Fleisch auf den Teller tropft. Aber „well done“ heißt noch lang nicht verbrannt oder zäh und flachsig. Naja … Das Steak ist also eher eine Enttäuschung.Meine Nachos hab ich mir auch ein wenig anders vorgestellt. Da sie mit Schmelzkäse überbacken sind, kleben sie alle in einem riesigen Haufen zusammen, auf den einige Saucen gekleckert sind. Ich weiß zunächst nicht, ob ich sie mit den Fingern essen soll, wie man Nachos normalerweise isst. Aber dies erweist sich ohnehin als unmöglich, weil das Ganze ein einziger zusammenklebender Nacho-Haufen ist, dem man nur mit Messer und Gabel beikommt. Mir wären die Nachos ohne diese Käseschmelze eigentlich lieber gewesen und auch die Saucen hätte ich gern extra in Schälchen und nicht einfach auf den Nacho-Haufen draufgekleckst gehabt, aber okay, das Ganze ist essbar, wenn auch nicht unbedingt so delikat, dass ich es ein zweites Mal bestellen würde.
Als Hauptgang wähle ich das britische Nationalgericht Fish & Chips und mein Freund gegrilltes Lachssteak. Zum Fisch gibt es nicht nur grob geschnittene Chips, sondern – natürlich – grüne Erbsen und ein Schälchen Sauce tartare sowie ein Viertel Zitrone zum Beträufeln des gebackenen Fischs. Auch diese Portion ist riesig und schmeckt recht gut. Der Lachs kommt ebenfalls mit Chips, einem Mischgemüse aus Brokkoli und Karotten, Zitrone und einer Sauce.
Diesmal sind wir mit dem Essen zufriedener. Auf jeden Fall muss hier niemand hungrig nach Hause gehen – die Portionen sind immer sehr groß und erschwinglich.Das Fladenbrot kostete £ 5,59 – es ist auch in einer kleineren Version erhältlich. Die Nachos gibt’s um £ 3,10 oder £ 5,30.
Auf der Speisekarte fand ich noch mehrere Speisen mit Huhn (z. B. Chicken Wings, Chicken Ceasar Salad, BBQ Chicken, Wrap Chicken), Salate, Baguettes, Baked Beans, Sweet Chili Noodles, Paninis, Jacket Potatoes – mit Salatgarnitur und Dressing, Lasagne, einen geräucherten Fischkuchen („Fishcake“), was immer das sein mag, Spicy coated King Prawns (als Vorspeise £ 3,10), eine Tomatensuppe mit Basilikum (£ 3,10), Roastbeef und Desserts.Kalorienarme Speisen sind besonders gekennzeichnet, um Ernährungsbewussen die Entscheidung zu erleichtern.
Die Nachos, von denen ich nicht so begeistert war, scheinen sich hier übrigens großer Beliebtheit zu erfreuen – ich seh sie mehre Male an Nachbartischen.Faszinierend am „Crosse Keys“ ist nicht nur die Atmosphäre und die große Auswahl an Bier und Cider, sondern auch die unterschiedliche Publikumsstruktur. Touristen scheinen sich hier nicht allzu oft herzuverirren, was meiner Meinung nach eher ein Vorteil ist. Dafür sieht man Pärchen, aber ebenfalls Herren, die allein kommen und sich in aller Ruhe in ihre Zeitung vertiefen. Oder Freundesgruppen, die sich zum Plaudern treffen bzw. um etwas zu feiern. Bei manchen hatte ich das Gefühl, dass sie gleich nach der Arbeit hierhergekommen waren, um ein bisschen zu tratschen und bei einem Pint zu entspannen. Wie überall in London sieht man Menschen aus aller Herren Länder: Asiaten, Lateinamerikaner, Inder, Schwarze … Das Hauptkontingent der Gäste stellen aber die Einheimischen.
Obwohl das Publikum vom Outfit her sehr gepflegt und „city-like“ ist, geht es in diesem Lokal eher zwanglos zu. Wer aber keine Probleme damit hat, sich sein Getränk an der Bar zu bestellen und zu holen, wird sich hier sehr wohl fühlen. Dass das Lokal schon durch sein Ambiente altmodisch wirkt, hat seinen eigenen Reiz. Denn so stellt man sich ein Pub ja eigentlich vor. Ich finde es auch angenehm, dass nicht erwartet wird, dass man nun Speisen bestellt, wie das in sehr vielen Lokalen üblich ist. Manche fressen sich durch die Speisekarte, andere beschränken sich auf ein Glas Bier, bei dem sie dann über eine Stunde sitzen …Reizvoll ist auch, dass das Lokal mehrere „Zonen“ mit unterschiedlichem Charakter hat. Da finden sich alte Plüschsitzgruppen und Palmen, Spielautomaten, Stehtische für eilige Gäste, die unglaublich lange Bar mit den vielen Zapfhähnen, dann wieder einfache, funktionelle Tische …
Es gibt immer was „zum Schauen“ – allein die eindrucksvolle nostalgische Innenarchitektur ist schon einen Besuch wert.Das Lokal bezeichnet sich im Internet als kinderfreundlich – ich hab dort aber keine Kinder gesehen. Vielleicht ist es tagsüber anders.
WiFi ist im ganzen Lokal vorhanden. Und selbstverständlich auch Toiletten … Da ich sie nicht benutzt habe, kann ich aber nichts darüber berichten.Die „Crosse Keys“ findet man übrigens als Muster auf dem Spannteppich – zwei gekreuzte Schlüssel …
Die Lage im Herzen Londons ist natürlich super. Und bedenkt man, dass die englische Hauptstadt ja alles andere als preisgünstig ist, ist „The Cross Keys“, glaub ich, ein guter Tipp für alle London-BesucherInnen.Ich kann es jedem empfehlen, der einmal das typische „Pub-Feeling“ erleben möchte.
Ich esse zwar keine Hühner, finde es aber höchst seltsam, groß herauszustreichen, dass die im Lokal verkochten Eier alle von freilebenden Hühnern stammen, aber so absolut nichts über die Hühner selbst zu erfahren, die hier gegessen werden und auch die Haltung der Schweine im Dunkeln zu lassen.
Derzeit gibt es die Wetherspoon-Pubs nur in Großbritannien. Dort expandiert der rührige gebürtige Ire und studierte Jurist Timothy Randall Martin allerdings fleißig weiter. Dem fast 2 m großen sportlichen Hünen (Jahrgang 1955) ist die Liebe zum Bier praktisch in die Wiege gelegt worden – bereits sein Vater war bei Guinness beschäftigt …
Da wir an unserem Abschiedsabend schon mehr als genug gegessen hatten, verzichteten wir auf ein Dessert und bestellten stattdessen einen Monster Energy Drink mit Jägermeister. Das ist ein lustiger Drink. Der Likör kommt dabei in einem kleinen Likörglas, das sozusagen im Glas mit dem Energy Drink schwimmt und mehr oder minder gemeinsam getrunken wird. Schmeckt süß und gut und belebt. Das konnten wir auch brauchen, denn wir hatten einen langen Heimweg vor uns, da unser Hotel auf den Royal Victoria Docks lag, die sich ziemlich weit weg vom Stadtzentrum befinden und uns daher eine langwierige Fahrt mit U-Bahnen und Vorortelinie bevorstand …Ich kann das Pub eigentlich allen empfehlen, die ein Lokal suchen, wo sie den ganzen Tag über gut, reichlich und günstig essen können. BierliebhaberInnen kommen natürlich hier ganz besonders auf ihre Rechnung. Man kann hier ein echtes Londoner Pub erleben, zwischen vielen Sorten von Ale und Cider wählen und typische englische Gerichte wie Fish & Chips essen. Kalorienbewusste und Vegetarier finden auch ein Speisenangebot, das ihren Vorstellungen entspricht. Natürlich sind nicht alle Speisen dem kontinentalen Geschmack angepasst … ;-)
Die Atmosphäre ist gemütlich und zwanglos. Das riesengroße Nichtraucherlokal bietet immer freie Tische. Es ist angeblich auch kinderfreundlich. Musik gibt es keine.Ich vergebe vier von fünf Sternen für das „Cross Keys“ – einen ziehe ich dafür ab, dass der Bestellservice bei Tisch entweder nicht klappt oder überhaupt nicht vorgesehen ist.
Ansonsten: eine volle Empfehlung.http://www.jdwetherspoon.co.uk
The Crosse KeysTel.: 020 7623 4824
An „Bank Holidays“ (Feiertagen) ist das Lokal Samstag, Sonntag und Montag geschlossen.
© DMK 11/11
Die Bar des Londoner Pubs "Crosse Keys" der britischen Pub-Kette J D Wetherspoon ist immer stark frequentiert.
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xXschmiddixX 08.02.2012 11:27
TAMHAN 10.12.2011 23:57
Jaja, der Klassiker. Was soll man dazu sagen...Crosse Keys wann immer ich in UK bin.
helmut.agnesson 27.11.2011 06:52
kontinentaler Geschmack würde ja auch nicht zu einem englischen Pub passen. Eines ist an der englischen (und litauischen) Küche sehr sinnvoll: Warme Speisen zum Frühstück vermeiden das Frieren während des Tages (wobei ich mich eher für die litauischen Gerichte erwärmen kann)
Timtone 22.11.2011 08:00
das mit den Eiern finde ich ja spannend...bh
Sydneysider47 15.11.2011 23:32
Möglicherweise habe auch ich schon in einem Pub dieser Kette in GB gespeist. Wunderbar geschriebener Bericht - und er zeigt, dass Lehrer mit der Einschätzung ihrer Schüler nicht immer Recht haben. Viele Grüße und bh!