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Erfahrungsbericht

für Irland - Reiseerlebnisse
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5 Sterne Ein Besuch auf Skellig Michael Bericht mit Bildern
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Empfehlenswert: Ja

Pro Interessanter Platz, eine hervorragend erhaltene frühchristliche Siedlung

Kontra Aufsteig beschwerlich, Überfahrt bisweilen rau und nicht immer möglich

Detailbewertung

Preis-/Leistungsverhältnis
Anbindung
Sehenswürdigkeiten
Sicherheit
Gastfreundlichkeit

Der Autor

halbetzen Seit 5 Jan 2012

Einige Texte, die ich hier vorstelle, sind bereits an anderer Stelle veröffentlicht worden... mehr

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Zweimal habe ich bisher Skellig Michael besucht.

Inspiriert dazu hatte mich ein Bericht in einem Merianheft.

Der folgende Bericht stand im Februar 1987 in einer Tageszeitung, so konnte ich ihn jetzt abtippen und in eine digitale Form geben. Ich hoffe er gibt etwas vom Zauber dieser Inseln wieder:

Europas westlichster Vorposten

10 Meilen vor der Küste von Südwestirland liegen die Skellig Rocks im Atlantischen Ozean.
Unwirklich im Dunst flimmernd wie eine Fata Morgana mögen sie vor 1400 Jahren christlich-mystische Mönche angelockt haben, die dort in der Abgeschiedenheit siedelten.
Wer auf Irlands „Ring of Kerry“ reist, einer der schönsten Küstenstraßen der Welt, kann sie sehen. An ruhigen Tagen wird man jemanden finden, der einen für ein paar Stunden auf diese Inseln bringt – zu kurz, um um einen Eindruck von diesem seltsamen Eiland zu gewinnen. Skellig Michael ist noch heute einer der isoliertesten Flecken Europas und sein westlichster bewohnbarer Vorposten.
Drei Leuchtturmwärter leben heute hier; nur mit einer Sondergenehmigung der irischen Behörden ist es möglich, ihnen für etwas längere Zeit Gesellschaft zu leisten.

Hütten nur aus Fels

Irisch-keltische Mönche, die ihre geistige Vervollkommnung in der Einsamkeit suchten, wagten sich im 6.Jahrhundert mit einfachen Ruderbooten aufs Mehr hinaus und siedelten sich auf der größeren der beiden Inseln, auf Great Skellig an.
Sie errichteten eine Gruppe bienenkorbförmigen Hütten und zwei kleine Kirchen, die dem Erzengel
Michael geweiht sind und 180 Meter über dem Atlantik auf einem Felsvorsprung kleben. In Ermangelung von Holz schichteten sie ihre bauten aus Steinen und ohne Mörtel auf. Um die wenigen als Gartenland nutzbaren Flächen vor den rauen Meereswinden zu schützen, bauten sie mauern aus Felsensteinen.
Vom Fuß des Felsenkliffs führen steinerne Stufenleitern, die auch nach mehr als 1000 Jahren noch benutzbar sind, zur besterhaltenen frühchristlichen Klostersiedlung Europas.
Die beiden winzigen Skellig-Inseln sind weit bedeutender, als ihre Lage und Größe vermuten läßt: Die Klostersiedlung ist in jeder Weltkarte der Archäologie mit dicken, unübersehbaren Buchstaben verzeichnet - In der Welt der Vogelkunde ist Skellig gleichbedeutend mit einem Artenreichtum an Seevögeln, der von anderen orten der erde nur schwerlich erreicht wird. Small Skellig, die kleinere der beiden Inseln, beherbergt als Vogelschutzgebiet mit rund 10000 Paaren die zweitgrößte Kolonie von Basstölpeln im Atlantik.
Menschen gibt es auf den Inseln nicht mal eine Handvoll: Nur drei Leuchtturmwärter versehen hier ihren Dienst.

Skellig Michael: Insel der untergehenden Sonne


Nur wenige dürfen bei den Leuchtturmwärtern bleiben

Als ich Valentia Island verließ, war der Himmel mit grauen Wolkenschleiern verhängt.
Vor ein paar Tagen hatte ich Des Lavelle von meinem Plan erzählt.Verrückt, es ist in dieser Jahreszeit eine reichlich herbe Reise, hatte er nur gemeint, aber klar, er war dabei.
Endlich war das Wetter einigermaßen geeignet. Gemächlich, wie voraus ahnend, was bevorstand, tuckerte das Boot aus dem Hafen von Knightstown. Als die rauen Klippen der Küstenlinie aus den Wolken auftauchen,greift sich der Atlantik unser Boot. Wir müssen Radar-Peilung und Echo-Lot zu Hilfe nehmen um das Ziel zu erreichen. 50 Grad 46 Minuten 20 Sekunden Nord, 10 Grad 32 Minuten 58 Sekunden West. Kurs 225 Grad. Geschwindigkeit 7,5 Knoten, Sicht wechselnd, 2 Meilen vielleicht. 10 Uhr 55 Ortszeit.

Die Skelligs sind unsichtbar in Grau gehüllt. Wir sind auf dem besten Weg nach Amerika, meint Des; als er vom Radarschirm aufblickt. Das Boot taumelt auf den Wellen. Die Sitzbank ist längst umgefallen, mein Gepäck rutscht kreuz und quer über die Planken.
Des kennt sein Boot. Die rechte Hand am Ruder lehnt er gelassen am Fenster, ins graue Nichts spähend.

Nach einer guten halben Stunde tauchen die beiden Pyramiden der Skelligs endlich aus dem Dunst auf. Die ersten Trupps der Gannets, der Basstölpel, haben unser Boot entdeckt. Small Skellig kommt näher. Der rohe, schroffe Felsen scheint schneebedeckt: Die Basstölpel sitzen dicht gedrängt auf jedem sich bietenden Felsvorsprung. Sie haben hier ihre zweitgrößte Kolonie im Atlantik. In dichten Schwärmen kreisen sie kurz darauf über uns am Himmel. Es ist ihre Insel, für uns gibt es auf Small Skellig keinen Landeplatz.

Wir fahren vorbei. Das Ziel ist Skellig Michael, die größere der beiden Hauptinseln des Skellig-Archipels.
Anderthalb Stunden sind vergangen, seitdem wir von der westirischen Küste abgelegt haben.
Wir Werfen mein Gepäck auf die nasse, schlüpfrige Plattform.
Des sagt good bye, das Boot dreht ab und verschwindet im Dunst.

Leuchtend rote Geländer führen mich zum Leuchtturm auf halber Höhe der Insel.
Der Weg um die Landestelle herum ist wegen der Steinschlaggefahr überdacht.
Lärmend stellen sich die Kittywakes (Dreizehenmöven) vor: Kit-i-wake...Kit-i-wake plärren sie pausenlos. Vorbei geht es an der Helikopter-Landeplattform, die wie ein Teller außenbords an den Felsen geklebt ist. Vorbei an den über 1000jährigen Steinstufen, die bis zum Gipfel des Felsens führen.#Drei Gesichter kleben am Fenster – die Leuchtturmwärter.
Sie hatten über Radio-Telefon gehört, daß ich kommen würde.
Besuch ist selten in dieser Jahreszeit.
Ich werde durch das Gebäude geführt, bekomme ein Zimmer und eine eigene Küche.
Wir trinken eine Tasse Kaffee zusammen, dann mache ich mich auf, die Insel zu erkunden.
Der Regen ist inzwischen abgezogen, die Sonne steht immer noch im Dunst – aber es ist einigermaßen warm hier.

700 Stufen zum Kloster

Geht man die Straße vom Leuchtturm zum Landeplatz entlang, steht der Skellig Rock mächtig und steil in den Himmel. Kahler Felsen wechselt mit grün überströmenden Steilmatten. Nach etwa 500 Metern kommt man an den Anfang der 1400-jährigen Stufenleiter zur Klostersiedlung der Mönche von Skellig Michael. 700 Stufen aus Steinplatten führen in Windungen an der Flanke des Felsenriffs hinauf zum Christus-Sattel. Von hier, wo wie vom Wind gepeitscht sich die Felsenpyramide in zwei Gipfel teilt, führt der Weg nochmals aufwärts nach Osten. Direkt am Weg steht ein rohes Steinkreuz. Weiter oben laufen die Stufen in einen mit Steinplatten gepflasterten Weg aus, der an die Außenmauer des Klosters führt, zu den bienenkorbartigen Hütten der frühen Mönche.
Das jüngste Bauwerk ist zuerst verfallen

In Kutten gehüllt tauchen die Mönche in meiner Phantasie auf, Gebete murmelnd – oder Flüche über das Wetter, emsig bemüht die wenigen Gartenflächen, die das Felsmassiv bietet, zu kultivieren. Wie der Duft der Blumen, die heute hier blühen, zieht der hauch von Romantik durch die Gemäuer.
War es vielleicht ganz anders?
Sie müssen dem Wahnsinn nahe gewesen sein, phantastische Hirngespinste höherer Welten haluzinierend. Vom Hunger gequält, von der Einsamkeit.
Wo blieben die Mönche? Es sind erstaunlich wenige Gräber auf der Insel, bei einer Gemeinschaft, die einige hundert Jahre Bestand.

Die Steine überlebten. Sie sind so lebendig wie vor tausend Jahren. Sie bieten ihren Schutz noch heute, weniges ist inzwischen verfallen.
Das jüngste Bauwerk, die mittelalterliche Michaelskirche, sie hat die Zeit nicht überlebt. Sie ist Ruine, ist zerfallen. In ihr haben die Kinder eines früheren Leuchtturmwärters ihre letzte Ruhe gefunden. Patrik, dreijährig, William, fünfjährig – RIP.

Wieder tauchen die Mönche auf. Sie locken mich in ihre Zellen. Mühsam aus Steinen aufgeschichtet, mit Wänden über einen Meter dick, trotzten sie dem Sturm der Zeit.
Die hohen, kuppelförmigen Räume bieten Schutz, der mehr ist als Trockenheit und ein bißchen Wärme – sie sind mächtig.
Trotzdem, ich kann mir nicht vorstellen, wie das Leben hier möglich war. Viele irdische Güter werden sie nicht besessen haben. Ein mit Mövenfedern gefülltes Schlaflager vielleicht, ein Tisch aus Steinplatten, eine Öllampe ein Buch – mehr nicht.

Wenigstens ab und zu wagten sie sich auch aufs Meer hinaus. Zum Festland vielleicht, wo sie sicher auch manches für ihre Siedlung besorgen konnten.

Vielleicht ruderten sie auch vom Wahn getrieben nach Westen, der Sonne hinterher nach Atlantis, um nie wiederzukehren.
Skellig Michael ist ein Ort, wo Leben und Tod, Heiligkeit und Wahnsinn gleichartig, fast wie bedeutungslos, nebeneinander stehen. Wer sich selbst hierher verschlug, war bis ans Ende gegangen, ans Ende der Welt, auf die Insel der untergehenden Sonne.

*

Seit dem 20 April 1987 ist der Leuchtturm automatisiert, die Zeit der Leuchtturmwärter auf Skellig Michael ist vorbei.

Inzwischen werden Fahrten zu den Skelligs, teilweise mit Schnellbooten von Orten am westlichen „Ring of Kerry“ angeboten. Die Aufenthaltsdauer auf der Insel ist, wenn die Landung überhaupt möglich ist, allerdings sehr kurz, der Aufstieg zur Klostersiedlung recht anstrengend.

Bilder

für Irland - Reiseerlebnisse
Skellig Michael 2001 - Irland - Reiseerlebn
Needle's eye 217 Meter hoher Gipfel von Skellig michael
von halbetzen halbetzen
Skellig Michael 2001 - Irland - Reiseerlebn

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Kommentare

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  • Chosie90 19.05.2012 19:54
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    sh und lg

  • manuelmama 03.05.2012 08:31
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    BH! LG Sabine

  • duderally 27.01.2012 20:53
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • offerendum 17.01.2012 19:01
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • morla59 17.01.2012 17:27
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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