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Pro gastfreundliches Land mit trotz Armut immer lächelnden Menschen, Kunstschätze
Kontra extreme soziale Gegensätze
Detailbewertung
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| Sicherheit | |
| Gastfreundlichkeit |
Incredible India! - Diesen Spruch aus der Eigenwerbung für den Subkontinent unterschreibe ich voll, trotz meiner vielen Reisen auf allen fünf Kontinenten habe ich nichts Vergleichbares erlebt, Indien ist in der Tat einfach unglaublich!
Unsere 16-tägige Rundreise umfasste neben dem Unionsterritorium Delhi vier weitere Provinzen, wovon Rajasthan mit den Städten Udaipur, Jodhpur, Jaisalmer, Bikaner und Jaipur sehr intensiv bereist wurde, Haryana, Madhya Pradesh und Uttar Pradesh eher schwerpunktmässig mit Agra, Varanasi und Khajuraho.
Zufällig entdeckte mein Mann, dass Emirates-Businesstickets für Abflüge von Athen aus nur die Hälfte dessen kosten, was von FRA, MAD, MUC oder VIE verlangt wird, für die Anschlüsse von und nach Alicante hatten wir Gratistickets von Miles & More, weil wieder einmal Meilen zu verfallen drohten. Einziger Wermutstropfen dabei: ein Stopover in den von uns immer gern besuchten Vereinigten Arabischen Emiraten war diesmal nicht möglich und die Umsteigzeiten waren auch nicht das Gelbe vom Ei.Das gesparte Geld steckten wir in die bestmöglichen Hotels, die zu bekommen waren: ehemalige Paläste von Maharajas und Moguln, Heritage Hotels oder auch feudale Wüstenresorts wie das Serai bei Jaisalmer. Über den Münchner Spezialisten Enchanting Travels gelang es ein entsprechend hochwertiges Programm auf die Beine zu stellen, dass unseren individuellen Wünschen maximalen Spielraum ließ. Dabei wurde in jeder Destination für die Transfers gesorgt, ein lokaler Repräsentant kümmerte sich um Gepäck und Check-in, ein deutschsprachiger Guide führte durch die Stadt, besorgte Eintrittskarten und erklärte die jeweiligen Sehenswürdigkeiten, während ein Fahrer mit einem klimatisierten Toyota SUV auf Abruf bereit stand.
Jet Airways brachten uns mit zweistündiger Verspätung nach Udaipur, was uns fürs Erste zwar ärgerte, aber mit zunehmender Flugerfahrung in Indien gleichmütiger hinnehmen ließ. Am Picholasee angekommen erwartete uns ein Bootstransfer auf die Jagwinas Insel, besser bekannt als „Lake Palace Hotel“, wo einige Minuten des 007-Thrillers „Octopussy“ gedreht wurden. (Den Film haben wir uns vor dem Abendessen noch einmal auf DVD angeschaut und mussten lächeln, wie der Cutter Szenen aus verschiedensten Locations zusammengeschnitten hat). Der Empfang an der Anlegestelle war fürstlich, ebenso die Begrüßung mit heißen Tüchern, einem Mango-Lassi und einem traditionellen Farbtupfer auf die Stirn. Der zugewiesene Palace Room hatte einen kleinen Erker mit Prachtblick auf den See und den City Palace, am Marmorboden waren Blütenblätter in Herzform gestreut, dass die sonstige Ausstattung vom Feinsten war versteht sich wohl von selbst.
Abends entdeckten wir auf der Dachterrasse ein Dinnerbuffet, es wehte aber ein kühler Wind, daher speisten wir im Jharhoka mit schönem Blick auf den See, nicht ohne vorher mit einem kräftigen Schluck Macallan präventiv den Magen zu medizinieren. Der erste Kontakt mit indischer Küche, die zum großen Teil vegetarisch mit ein wenig Murgh (Huhn) ist, war sehr erfreulich und schon gewitzt durch Erzählungen erfahrener Reisender wählten wir die 25% Schärfe, was sich für den europäischen Gaumen als noch immer sehr pikant erweisen sollte. Wer absolut hartgesotten nach Chennai(Madras)-Würzung aus Südindien verlangt, dem schießen garantiert nicht nur Tränen in die Augen, nein, er erhält auch gratis eine Lokalanästhesie sämtlicher Geschmackspapillen....
Ganz in der Nähe besuchen wir den dem Zerstörer Vishnu geweihten Jagdishtempel, wo gerade eine Art Gottesdienst mit Glockengebimmel eingeläutet wird, danach geht es durch die Basare, wo Handwerker Knüpfbatiken, Stoffbilder und Miniaturen herstellen. Ein Besuch im Botanischen Garten beschließt das Sightseeing in Udaipur.
Jaswant heißt unser Fahrer, der uns die kommenden acht Tage durch den verbleibenden Rest von Rajasthan bis Agra chauffieren wird, er stammt aus einem Dorf nahe Jodhpur und erzählt, dass er in einem Lehmhaus wohnt, das noch heute von der Elektrizitätsversorgung abgeschnitten ist, wenn er nicht gerade Touristen fährt, hilft er dort seiner Familie bei Ackerbau und Viehzucht. Unser Ziel liegt in der Wüste Thar, hart an der Grenze zum verfeindeten Pakistan. Jaswant lässt sich nicht aus der Reserve locken, als wir ihn über das nun schon seit sechseinhalb Jahrzehnten belastete Verhältnis zum muslimischen Nachbarn befragen: „Terrorists they are, no Hindu would ever trust them...“
Tags darauf fahren wir ostwärts nach Bikaner, wo wir in einem Heritage Hotel, dem Gajner Palace, unterkommen. Diese Anlage ist so riesig, sogar mit Stallungen für die Polopferde der Herrscherfamilie ausgestattet, an einem See gelegen, der ein Vogelparadies ist und die fünf Meter hohen Zimmer strahlen koloniales, also leicht abgewohntes Flair aus. Abends vor dem Dinner hocken wir mit Cocktails an einem wärmenden Lagerfeuer, eine Musikgruppe spielt nur für uns beide exotische Weisen, die von sehr jungen TänzerInnen anmutig interpretiert werden.
Die Pracht und die Herrlichkeit setzen sich von der marmornen Empfangshalle fort über den mit wundervoller Gartenarchitektur gestalteten Innenhof, wo - wie schon im Lake Palace beobachtet - ein eigener Angestellter mit einer Fahne dafür sorgt, dass sich die Ratten der Lüfte nirgendwo niederlassen. An den Restaurants und der gut ausgestatteten Polo Bar mit Originalfotos aus 1900 vorbei werden wir ins Zimmer geleitet, das allen erdenklichen Luxus bietet, lediglich für den 24 Stunden W-LAN Internetzugang wird ein Aufschlag von 600 Rupien (ca € 10) verrechnet, aber diesen Preis zahlten wir auch in den anderen Palasthotels auf unserer Rundreise. Beim Abendessen erhalten wir die bereits vertraute vegetarische Kost in Form von Dhal (Linsenpüree), Chholia Te Paneer (Kichererbsen mit gebratenen Käsewürfeln), Sabzi (Gemüsecurry), Onion Bahji (in einer Art Bierteig herausgebackene Zwiebelringe), dazu Chutneys und Reis, die wir immer mehr schätzen, da die Würzung jeweils neue, aufregende Geschmackserlebnisse bietet, wir trinken meist das hervorragende heimische Bier „Kingfisher“ und ein paar Mal eher mediokren indischen Wein zum Essen, die ausländischen sind erst ab € 60 pro Flasche erhältlich. Der Koch kommt wie in anderen feinen Häusern später an den Tisch und strahlt wie ein Hutschpferd, als wir ihm versichern, dass seine Kreationen äußerst schmackhaft seien, er erklärt auch die genaue Zusammensetzung seiner Masala-Gewürzmischung und ich erlebe eine Überraschung als ich nach der Rückkehr aufs Zimmer das Rezept unseres Hauptgangs in Englisch auf meinem Nachttisch vorfinde – „with compliments of the chef of the Suvarna Mahal“...
Tags darauf unternehmen wir einen Ausflug ins nahegelegene Amber, dem ursprünglichen Herrschersitz der Maharajas, den Weg zu dem auf einem Berg gelegenen Palast legt man stilvoll auf dem Rücken eines Elefanten zurück bevor man oben seinen Guide wiedertrifft, der die reich mit Mosaiken verzierte Empfangshalle und das bemalte Portal Ganesh Pol präsentiert, bevor wir die prunkvollen Räumlichkeiten durchschreiten.Ab in die Botanik des Ranthambore Nationalparks heißt es am nächsten Morgen und wir erleben auf den folgenden 160 Kilometern, für die wir mehr als sechs Stunden brauchen, die schlimmsten Straßen, die wir in 35 Jahren gemeinsamen Reisens unter den Hintern genommen haben. Die unzähligen Schlaglöcher sind knietief, der Verkehr in den Ortschaften ein einziges Chaos aus Mensch, Tier, Bussen und Karren und selbst im Schritttempo gefahren eine absolute Qual. Entsprechend gerädert kommen wir endlich in einem feudalen Oberoi Hotel an, beziehen einen Bungalow der Vanya Vilas und begeben uns in einen Konferenzraum, wo wir vor dem Dinner eine DVD Dokumentation mit den eigentlichen Hausherren in diesem Park, den bengalischen Königstigern, anschauen. Es sollten die einzigen Tiere sein, denn auf den Pirschfahrten selbst bekamen wir zwar Schwarzbären, Axis-Rotwild, Antilopen, Gazellen und Pfaue zu Gesicht – aber leider keine einzige der 34 Großkatzen, die hier vor Wilderern geschützt auf einer Fläche von mehr als 1300 km² leben.
Der Mogul Shah Jahan war nach dem Tod seiner über alles geliebten Gattin Mumtaz (die Perle) so verzweifelt, dass er zu ihrem Andenken dieses schier unbeschreibliche Denkmal einer Liebe errichten ließ und seinen Staat damit an den Rand des Bankrotts brachte. Die Bauzeit dauerte von 1631 bis 1653, nur der beste Marmor, Sandstein und ausgewählte Edel- und Halbedelsteine für die komplizierten Einlegearbeiten (in der piedra dura Technik) waren gut genug. Je nach Tageszeit erstrahlt der so schlichte wie überwältigende Bau in immer anderem Licht, besonders beeindruckend ist es kurz nach Sonnenauf- wie kurz vor Sonnenuntergang. Die Sicherheitsvorkehrungen sind besonders streng, keinerlei Nahrungsmittel, Getränke, Taschenmesser, Feuerzeuge, Zigaretten, etc. sind erlaubt, auch es es unerlässlich, vor dem Aufgang zu den Kenotaphen seine Schuhe auszuziehen oder Überzieher zu tragen, es herrscht auch ein Fotografierverbot im Inneren, das aber von rücksichtslosen Touris kaum beachtet wird, was den Aufseher dort schier zur Verzweiflung treibt.
Zurück im Oberoi setzen wir uns bei beginnender Dämmerung mit dem Rest des Single Malts in unserer Macallan Flasche auf die Terrasse unseres Zimmers und während das Taj in zwei Kilometern Entfernung langsam im Dunst verschwindet, genießen wir die außergewöhnliche Stimmung, die sich uns bietet, während sich im von Fackeln erhellten Park zu unseren Füßen wieder Tänzerinnen in bunten Saris immer schneller zu den Klängen klassischer indischer Musik drehen...Zeitig früh verlassen wir Agra, wir müssen zum Delhi Airport für den Inlandsflug nach Varanasi, dem ehemaligen Benares, vor einiger Zeit gab es noch einen Direktflug, dieser wurde leider eingestellt. Die Inlandsflüge sind aber generell sehr günstig und die Ticketpreise erinnern an Easyjet-Tarife in Europa, wie schon angemerkt sind faktisch alle Linien sehr unpünktlich und die oben erwähnten Abfertigungsprozeduren tragen auch nicht gerade zur Bequemlichkeit bei, allerdings bleibt als Alternative nur die Fahrt auf unmöglichen Straßen, sodass man mit dem Flugzeug trotz aller Missstände noch das akzeptabelste Transportmittel hat.
Wir haben die heiligste Stadt der Hindus nicht umsonst als Schlusspunkt für unsere Rundfahrt gewählt, viele Inder kommen an diese Pilgerstätte, um zu sterben. Sie sind der Auffassung, dass ihre Einäscherung an den treppenartigen Ghats von Harishchandra und Manikarnika am Gangaufer eine unmittelbare Befreiung aus dem Kreislauf von Geburt und Tod bedeutet, weil nach ihrem Glauben der Körper die Seele nur zeitweilig beherbergt, daher also ganz zerstört werden muss, um eben diese völlige Befreiung zu ermöglichen. Diese Zeremonien, bei denen die Leichname mit Blüten bestreut kurz in Gangeswasser versenkt werden, bevor sie dann auf Holzstapeln verbrannt werden, können während einer Fahrt am noch nebelverhangenen Ganges beobachtet werden, es ist ein von zwei Mann gerudertes Boot, das nur mit uns kurz vor Sonnenaufgang ablegt, das Erlebte und die eigenartige Stimmung am Fluss sind in der Tat so aufwühlend, dass all die ungewohnten Eindrücke besonders tief auf das eigene Gemüt wirken.Es ist Republic Day, der indische Nationalfeiertag mit großer Militärparade in Delhi, aber hier in Varanasi sieht man gerade einmal ein paar hundert Schüler, die in ihren Uniformen mit Fähnchen paradieren, sonst geht alles seinen gewohnten Gang, die Pilger strömen in riesigen Kolonnen durch die enge Altstadt, um an ihrem heiligen Ganga ungeachtet seines verdreckten Wassers rituelle Reinigungen vorzunehmen, in festem Glauben, sich damit von den Sünden ihres Lebens freizuwaschen.
Interessant ist das Faktum, dass auch der Buddhismus ganz in der Nähe eine seiner heiligsten Stätten hat, im nur 14 Kilometer entfernten Ort Sarnath hat der erleuchtete Prinz Siddhartha vor 2500 Jahren seine erste Predigt gehalten, eine 34 Meter hohe Stupa steht an jenem Platz, wovor hockend gerade eine Gruppe thailändischer wie auch japanischer Buddhisten in orangen Überwürfen ihre Gebete verrichten. Im archäologischen Museum nebenan bestaunen wir das prachtvolle Löwenkapitell der Ashoka-Säule, indisches Nationalsymbol und daher auch auf Geldscheinen und Münzen abgebildet.Zur Abrundung dieser Studienreise unternehmen wir noch einen Abstecher nach Khajuraho, eine halbe Flugstunde von Varanasi entfernt. Hier haben vor 1000 Jahren die Chandella Rajputen eine ausgedehnte Tempelanlage (ebenfalls UNESCO Weltkulturerbe) errichtet, deren Darstellungen aus dem Alltag und der Mythologie einzigartig sind, in den Tempelfriesen finden sich Reliefs, die wegen des abgelegenen Standorts nie von den Bilddarstellungen zerstörenden Horden eines der islamischen Mogulherrscher heimgesucht wurden und daher in exzellentem Zustand sind. Dargestellt werden neben Jagdszenen und Elefantenprozessionen auch himmlische Schönheiten, die mit keckem Hüftschwung Lebensfreude symbolisieren. Einige dieser Skulpturengruppen zeigen akrobatische Formen der körperlichen Vereinigung als wären sie der „Stellungsvielfalt“ des Kamasutra (= Verse des Verlangens) entlehnt, wobei die unbekümmerte Freizügigkeit der Darstellungen die Lebenshaltung des Hinduismus widerspiegelt: Fruchtbarkeit und Sexualität drücken darin das Göttliche aus...
Wir wagen uns weiter vor in die engen Gassen, in denen jeweils einzelne Gilden ihren Sitz haben, benutzen aber eine Fahrradrikscha, weil das Getümmel lebensgefährlich ist, mehrmals gibt es Stillstand wegen „in zweiter Spur“ abgestellter Karren, die Gelegenheit benütze ich um prachtvolle Saris in den Auslagen der Stoffhändler zu bestaunen.
Anschließend fahren wir am India Gate vorbei mit unserem Guide zum Grabmal Humayuns, das nachgerade wie eine bescheidenere Kopie des Taj Mahal wirkt, die Gestaltung der Gartenanlage mit den vier Kanälen symbolisiert für die muslimischen Wüstenaraber das Paradies mit seinen Strömen von Wasser, Milch, Wein und klarem Honig, weshalb auch Grün zur Farbe dieser Religion wurde. Das nächste Ziel sollte das Raj Ghat, die Verbrennungsstätte Mahatma Gandhis sein, wegen des Nationalfeiertags blieb es neben anderen Gedenkstätten für eine Woche geschlossen. Darüber tröstete uns ein intensiver Blick hinter die Kulissen der Sikh-Religion, den wir im Bangla Sahib Gurdwara tun konnten. Barfuß und mit einer Art Piratenkopftuch gehen wir in den Tempel, um das Grant Sahib, das heilige Buch dieser Religion zu sehen, die Elemente des Hinduismus und des Islam in sich vereint. Erstaunt waren wir über die Armenausspeisung, wo jeder, egal welchen Geschlechts und welcher Kaste ein schmackhaftes Essen gereicht bekommt, es wird von Gläubigen zubereitet, die sich unentgeltlich in den Dienst der Sache stellen und die Rohmaterialien dafür aus ihrer eigenen Börse finanzieren.Im Hotel befindet sich ein hochdekoriertes Restaurant, der „Spice Room“, wo wir unser letztes indisches Essen genießen, wir reflektieren dabei unsere ungewöhnliche Reise und die völlig neuen kulturellen wie gesellschaftlichen Erfahrungen, die sie mit sich gebracht hat. Wir haben gelernt, dass es für einen Hindu ein weiter Weg vom Karma über das rechtschaffene Dharma bis zur erlösenden Moksha ist, im ewigen Kreislauf von Sterben und Wiedergeburt, der Samsara.
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Leneory 15.03.2012 17:36
Jester-Neo 09.03.2012 22:22
AnnaHaeberle 09.03.2012 19:53
Wahnsinn, was Dui so alles erlebst, wo Du hin kommst.
Timtone 25.02.2012 09:12
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da bekommt man fernweh