Alle Jahre wieder ...
wollen die Abschlussklassen der HHS eine Klassenfahrt machen. Damit die Klassenfahrt eine klasse Fahrt wird, muss das Ziel attraktiv sein. Ich habe viele gute und wenig nicht so gute Erfahrungen mit dem Hotel Rinsbacher Hof gemacht.
Ein paar Fakten vorweg
Hotel Rinsbacher Hof
39080 Lappach
Südtirol / Italien
Telefon: +39 0474 685000
Fax: +39 0474 685018
Webseite mit Kontakformular: www.rinsbacherhof.com
Preise: Wir zahlen 20 Euro pro Person pro Tag inklusive Vollpension, wobei es noch einen Freiplatz für je 15 Teilnehmer gibt.
Bucht man selbst für sich oder die Familie (nach Möglichkeit außerhalb der Termine für Schülerhorden) zahlt man zwischen 36 und 45 Euro für Vollpension, bzw. zwischen 21 und 26 Euro für die reine Übernachtung.
Anfahrt: Über den Brenner bis zur Autobahnausfahrt Brixen (Bresanone), dann weiter in Richtung Bruneck (Brunico), dort Richtung Ahrntal. Im Ortsteil Mühlen, der zur nächstgrößeren Stadt „Sand in Taufers“ gehört, biegt man links ab und folgt dieser Straße bis zu dem „Durchfahrt für Busse verboten“ Schild. Unmittelbar davor biegt man links auf das Gelände des Hotels ein. Der Parkplatz bietet Platz für 4-6 Busse oder die doppelt bis dreifache Anzahl PKW.
Weitere Fakten / Ausstattung
Die Zimmer für die Schüler sind mit 4-6 Betten ausgestattet, wobei die 6-Bettzimmer ganz schön eng sind.
Jedes Zimmer hat Dusche und WC, seht viele Zimmer haben einen Balkon, nur wenige im ersten Stock des Haupthauses haben ein Gitter vor den Fenstern mit Blick auf den Parkplatz. Die Gitter sollen das Einsteigen von außen verhindern, nur von innen sieht das nicht gerade schön aus, wenn die Zimmer gegenüber einen Balkon mit Blick auf das Gelände und die Berge bieten.
Im Haupthaus befinden sich die Speiseräume, die Küche, die Rezeption, im Keller eine Sauna mit Dampfbad, Whirlpool, Solarium und Ruheraum, eine „Porzellanabteilung“ und zwei große Gruppenräume mit Fernseher. Auf den Etagen 1-3 sind die Zimmer, ein Fahrstuhl erleichtert den Gepäcktransport.
Im ersten Nebengebäude befindet sich ein Gruppenraum und über zwei Stockwerke verteilt die Zimmer wie im Haupthaus.
Im zweiten Nebengebäude befinden sich neben den üblichen Zimmern und einem eher kleinen Gruppenraum der Pub bzw. die Disco.
Vor diesem Gebäude liegt ein kleiner Pool, der nachts abgedeckt ist, eine kleine Liegewiese, dahinter ein Kleinspielfeld und unter einer Überdachung 4 stabile Tischtennisplatten. Ein weiteres, größeres Spielfeld liegt darunter, hier kann schon richtig gebolzt werden.
Die Vollpension besteht morgens aus Brötchen, 2-3 Sorten Aufschnitt, Käse, Marmelade, Honig usw., außerdem Müsli. Man erhält Kaffee und kann sich Tee selbst zubereiten. Alles wird bei Bedarf nachgelegt.
Das Mittagessen ist als Lunchpaket gedacht, das man sich selbst zusammenstellt: Brot, Brötchen und eben alles, was es beim Frühstück gibt, dazu eine kleine Flasche Mineralwasser (0,5l) und in der Regel ein großer Apfel.
Das Abendessen wird serviert, eine Suppe vorweg, danach Fleisch und eine Beilage, Pasta oder Kroketten, Kartoffelbrei u.ä. Am Büffet kann man sich noch Salat und Brot nehmen. Gemüse gibt es nicht, Soße selten. Auf Muslime und Vegetarier wird Rücksicht genommen.
Die guten und die weniger guten Erfahrungen
Vorweg: meine Kollegin und ich, wir sind „Wiederholungstäter“, was diese Unterkunft angeht, also überwiegen selbstverständlich die positiven Eindrücke.
Jedes Zimmer hat seinen Waschraum und ein WC, alles funktioniert.
Das Frühstücksbüffet ist reichlich und alles kann man nachordern bzw. eswird automatisch gebracht und aufgefüllt. Zudem ist das Personal ausgesprochen freundlich und hilfsbereit, auch im größten Stress in der Küche bekommt man seinen Nachschlag. Hier muss ich noch einmal wiederholen, dass die Küche auch auf Sonderwünsche wie: kein Schweinefleisch, oder: gar kein Fleisch, reagiert
Ganz prima: noch vor wenigen Jahren wurden die Lunchpakete in der Küche vorgefertigt und es gab jeden Tag dasselbe. Jetzt nimmt sich jede/r, was er will. Unterm Strich gewinnen dadurch beide Seiten. Es dauert zwar etwas länger und das Brotpapier lässt sich schwer in zwei Teile teilen, aber es ist eindeutig besser geworden.
Der kleine Pool lädt nach anstrengenden Wanderungen zum relaxen ein, untergehen kann man in ihm nicht, aber er ist auch tief genug für ordentliche A...-bomben, um die auf den Bänken Sitzenden mit kühlem Nass zu erfrischen.
Die Sauna ist gebührenpflichtig, 40 Euro bzw. pro Person 5 Euro ab 8 Personen sind dafür zu berappen. Unsere Schüler haben das gerne bis zu 2 Stunden genutzt.
Die Spielfelder sind genau richtig, manchmal abends, wenn alle Gruppen im Haus sind, natürlich überlaufen. Aber meistens „passt das schon“, wie man hier sagt.
Im Pub muss man sich als aufsichtsführende Lehrkraft selbst um Alkoholverbote kümmern, die Frau hinterm Tresen kann nicht wissen, welche Gruppen evtl. Bier trinken dürfen und welche nicht. Sie schenkt ein und kassiert. Im Eingangsbereich hängen Autogramm- und Grußkarten von Teilnehmern der „Promi-Alm“, denn die ist nur einen Steinwurf von hier entfernt -übrigens gibt es da doch Strom ;-) -
Was schade ist und uns ständig wieder passiert, ist, dass die Zimmer immer extrem voll gepackt werden. Also die 6er-Zimmer sind für 4 Personen gut, es gibt ja nur einen großen Schrank. Mit 6 Personen belegt ist es verdammt eng. Außerdem müssen wir jedes mal die Einzelzimmer für die Lehrkräfte und den Busfahrer anmahnen, weil wir trotz entsprechender Buchung sie nicht in der ersten Verteilung erhalten. Das nervt ein wenig.
Wirklich ärgerlich in diesem Jahr ist es, dass wir vier von den „vergitterten“ Zimmern haben und die gegenüberliegenden mit dem schönen Balkon stehen leer. Ich wollte das sofort tauschen, da hieß es, das Haus wird Montag voll. Jetzt ist es Mittwoch, und die Zimmer stehen immer noch leer. Das finde ich nicht anständig. Sicher hätte es nicht 1:1 gepasst, aber wenigstens zwei oder drei „Gitterzimmer“ hätten auch verlegt werden können, schließlich sind es 5 Stück von etwas geringerer Größe. Hier wäre mit gutem Willen mehr möglich gewesen.
Umgebung – Ausflüge – und überhaupt
Wie oben in der Anfahrt beschrieben liegt der Rinsbacher Hof am Ende des Ortes, also weit oben. Danach kommt fast nichts mehr. Das nicht vorhandene Dorfleben ist spätestens 19.00 Uhr endgültig vorbei. Zwei Gaststätten im Ort weiter unten sind auch nicht gerade die Stimmungsmacher und im Pub ist selten jemand. Dafür hat man einen herrlichen Blick auf die umgebenden Berge, der schneebedeckte Alpenhauptkamm liegt direkt vor einem. Folgt man der Straße bzw. dem Wanderweg, kommt man gut drei Kilometer später und sehr gute 300 Höhenmeter weiter zu einem kleinen Stausee, um den man herumgehen kann. Einen halben Tag sollte man für diese Wanderung einplanen. Natürlich geht es von dort aus auch weiter und noch höher. Wanderer haben hier eine gute Auswahl.
Im Winter ist Langlauf entlang des Baches möglich, ein kleiner Lift lädt auch zu kleinem alpinen Vergnügen ein. Wer es wirklich alpin mag, fährt zum Speikbogen oder zum Kronplatz, beide sind nicht weit weg.
Der Kronplatz ist bei gutem Wetter auch im Sommer und Herbst einlohnendes Ziel, eine Seilbahn (von mindestens 5) ist in Betrieb und fährt Besucher auf knapp 2300m Höhe (2275m am Gipfelkreuz und 2280m auf der Aussichtsplattform).
Sand in Taufers ist der nächstliegende und mit dem Linienbus erreichbare Ort. Hier bewacht eine gewaltige Burg das Tal, sie ist gut erhalten und es gibt Führungen -die diesjährige war eine Katastrophe, sehr schade!-
Von Sand aus führt ein schöner Wanderweg zu den Wasserfällen, die ganz beachtlich rauschen. Tipp: Vom Ort aus dahin wandern und den Bus nach oben bestellen und sich zurückfahren lassen oder den Wanderweg 2A nehmen und zur Burg zurückgehen. Auf diesem Weg hat man einen herrlichen Panoramablick auf das Tauferer- und Ahrntal.
Bruneck als größere Stadt bietet eine hübsche kleine Innenstadt mit mediterranem Flair, aber man spricht Deutsch.
Etwas weiter weg liegen Sterzing mit wunderschöner Innenstadt und dahinter als Wanderziel die Gilfenklamm bzw. das zu besichtigende Schneeberg-Bergwerk. Das ist jetzt schon eine volle Tagestour.
Auch Bozen mit dem archäologischen Museum bietet sich an, den „Ötzi“ sollte man gesehen haben, wenn man diese Stadt besucht.
Will man weiter, ist auch der Garda-See in der Reichweite eines Tages, ebenso die bekannstete Stadt Südtirols, nämlich Meran.
Hier liegt nämlich ein erkennbarer Nachteil der abgeschiedenen Lage des Rinsbacher Hofes: Man benötigt fast eine Stunde, um in Brixen auf die Autobahn zu kommen um weitere Ziele anzufahren. Das engt ein Besuchsprogramm nicht nur mit Schulklassen etwas ein. Ich selbst würde die nähere Umgebung von Brixen für einen Aufenthalt vorziehen.
Wer es idyllischer und nicht weit weg mag, dem empfehle ich den kleinen Ort Terenten, oberhalb der Rienz gelegen. Immer montags ist Mühlentag, dann arbeitet eine der alten Wassermühlen und es wird richtig Korn zu Mehl gemahlen, man kann den ganzen Prozess beobachten und den Müller gerne alles fragen, was sich darum dreht. Etwas unterhalb der Mühlen befinden sich die Erdpyramiden, eine nette geologische Besonderheit. Zu gerne rätseln Jung und Alt, wer denn nun diese Steine auf die Spitzen der Pyramiden gelegt hat, bzw. wie diese dahin gekommen sind. Die Lösung kann natürlich man vor Ort nachlesen oder ihr hinterlasst hier einen Kommentar mit einer Idee oder nutzt das Gästebuch.
Kommen wir -endlich- zum Schluss
Das Hotel ist für eine Jugendunterkunft sehr gut ausgestattet und außerordentlich preisgünstig. Mit den Zimmern kann man Pech haben, was dann schwer wiegt, wenn andere für denselben Preis die viel besseren bekommen.
Die Lage ist zum Wandern ideal, aber wer ohne Bus kommt, der ist doch in seiner Bewegung extrem eingeschränkt, trotz beinahe stündlicher Linienbusverbindung nach Sand und von dort aus nach Bruneck und zu anderen Zielen.
Ich vergebe sehr gute 4 Sterne, es wären knappe 5 geworden, wenn nicht in diesem Jahr beide Negativerfahrungen gleichzeitig eingetreten wären.