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Erfahrungsbericht

für Hotel Reitenberger, Marienbad
5 Sterne Schnuppern im Hotel Reitenberger Bericht mit Bildern
142 von 142 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro Sehr günstig gelegen; umsichtiges Personal; Kurbehandlungen direkt im Hotel

Kontra Für Familien mit Kindern nicht zu empfehlen; beengter Speiseraum; nur 4 (!!!) Parkplätze

Detailbewertung

Preis-/Leistungsverhältnis
Anbindung
Service
Essen & Trinken
Atmosphäre
Sauberkeit
Behindertenfreundlichkeit

Der Autor

elguwi Seit 24 Dez 2003

J.W. von Goethe. "Pfingsten, das liebliche Fest war gekommen." ------- Die ersten eigenen... mehr

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Hotel Reitenberger in Marienbad

Vorbemerkung:


Um Wiederholungen zu vermeiden, beschränke ich mich in dem Beitrag beinahe ausschließlich auf obiges Hotel. Denjenigen, die konkretere und weitere Hinweise und Hilfen über die Stadt Marienbad (z.B. Buchungsmöglichkeiten, Anreiseempfehlungen, Ortslage, Kurangebote, Freizeitgestaltung, Tipps …) benötigen, empfehle ich, meinen Bericht vom 10.12. zu nutzen.

Buchung


Aus den zahlreichen Angeboten für eine Schnupperkur (= 1 Woche) in Marienbad entschieden wir uns Mitte September kurzfristig für eine Buchung bei KUR direkt Vital Tours. Sowohl die Lage des Hotels Reitenberger als auch der Termin für die Zeit vom 10. bis zum 17.10. kamen uns sehr gelegen. Den Preis von 349,00 Euro pro Person fanden wir bei eigener Anreise angemessen.
Im Detail garantierte die Bestätigung
  • 7 Übernachtungen im Doppelzimmer
  • 7 Frühstücksbuffets
  • 7 Abendessen in Buffet-Form einschließlich Tischgetränke
  • 1 geführter Rundgang in Marienbad
  • Kurtaxe
  • 6 Wellness-Anwendungen
  • kostenfreie Nutzung des Hallenbades, des Fitnessraumes und des Whirlpools

Meine Bitte, uns eines der sehr wenigen Zimmer mit Balkon zuzuweisen, wurde positiv beantwortet. Um 5,00 Euro pro Nacht, die später vor Ort erlassen wurden, sollte sich der Preis erhöhen.

Anreise


Das Wochenende vor der Schnupperkur nutzten wir zu einem Aufenthalt im bekannten Wintersportort Klingenthal. Unser Hotel oberhalb der Stadt lag nahe an der deutsch –tschechischen Grenze.
Entgegen der allgemeinen und auch von mir im besagten Bericht sowie einigen Routenplanern empfohlenen Anreise benutzten wir einen Touristenübergang in unmittelbarer Nachbarschaft unserer Unterkunft. Bei Schnee- und Eisglätte, aufgeweichten Wegen, schlechten Sichtverhältnissen sollte besonders von Fahranfängern diese kurvenreiche, enge und holprige Strecke durch die Wälder allerdings nicht in Betracht gezogen werden. Unweit von Sokolov erreichten wir die bekannten und empfohlenen Fernreisestrecken nach Marienbad.
Im engeren Kurbereich der Stadt ist auf Grund der überwiegend vorhandenen Einbahnregelung eigentlich jedes Hotel schnell und sicher zu erreichen. Auf der einen Seite führt die Hauptstraße bis zu den beginnenden Erhebungen am Stadtrand, umrundet im großen Bogen die Parks, Kolonnaden Trinkhallen, Pavillons, Erholungsbereiche und auf der anderen Seite zurück. Die Zufahrten zu den Hotels und Pensionen außerhalb dieses Zentrums sind umfangreich und nutzerfreundlich ausgeschildert.
Das Hotel Reitenberger liegt unmittelbar an der Straße fast in der Mitte des Bogens und folglich sowohl in unmittelbarer Nähe zum Zentrum als auch nur wenige Schritte vom Waldrand entfernt.

Ankunft, Anmeldung und Kurstart


Für die Anreise aus Klingenthal benötigten wir weniger als zwei Stunden, so dass wir sehr zeitig am Hotel vorfuhren. Zwei dienstbare Geister winkten uns nicht nur freundlich zu, sondern lotsten uns zum Halt fast am Eingang (Foto 2) und baten zum Vorsprechen in der Rezeption. Die Entschuldigung, erst ca. 14 Uhr einchecken zu können, akzeptierten wir in dem fast menschenleeren Eingangsbereich gern, war uns das doch durch vorherige Schreiben bewusst. Irgendwie wirkten alle Mitarbeiter wie ein Mix aus innerer Zufriedenheit und größerer Erregtheit. Als Grund gaben sie einhellig an, den Stress jeden Montag durchstehen zu müssen, weil in den frühen Morgenstunden weit über 100 Kurgäste fast gleichzeitig abreisen und gegen Mittag dieselbe Anzahl anreist.
Das Fräulein an der Rezeption bot an, in der Ruhephase bereits die Anmeldeformalitäten abzuwickeln. Es gab zwar einen Schreck bei allen Beteiligten, weil sich die Bestätigungsunterlagen nicht gleich finden ließen. Erst als ich die schriftliche Zusage zum Erhalt eines Balkonzimmers vorlegte, hellten sich die Mienen auf. Wurden wir als VIP geführt? Jedenfalls waren die Dokumente in einem besonderen Ordner. Die Mitarbeiterin strotzte fortan vor Freundlichkeit und Auskunftsbereitschaft. Sie empfahl den Weg zu Restaurants, in denen echte böhmische Knödel schmackhaft zubereitet werden, lobte die heimatlichen Palatschinken mit Sahne-, Eis- und Heidelbeerfüllung, die Marienbader Oblaten, den Becherovka oder Pilsner Urquell.
Ausdrücklich wies sie warnend auf die sonderbarsten Fallstricke in den unzähligen privaten, z. T. schmuddeligen Wechselstuben hin.
Da wir nur für eine Stunde in Hotelnachbarschaft parken durften, erbat ich um Hinweise für eine günstige Abstellmöglichkeit. Den Weg zum Parkhaus schätzte sie weiter als 500 m, bot uns beinahe ohne große Nachfrage schließlich an, für eine Woche doch einen der nur vier (!) Plätze direkt am Hotel zu buchen. Wir zahlten gern die 4 Euro pro Tag, und es gab später sogar Kurgäste, die uns den Platz abkaufen wollten.
Mit etwas Lokalpatriotismus und Werbung für das Hotel empfahl sie als unabdingbar für einen Kurerfolg, den Hin- oder Rückweg unbedingt für einen kurzen Halt am Denkmal des Namensgebers zu nutzen, wird doch Karl Kaspar Reitenberger heute als Begründer der Stadt verehrt (Foto 1).
Ich erfuhr, dass er sehr zeitig die äußerst heilende Wirkung der Moor- und Torfschlämme, der Heilgase und Quellen erkannte, Sümpfe und Moore trockenlegen und erste Kurhäuser und Parkanlagen errichten ließ. 1818 gilt als Gründungsjahr des Kurortes.
Als Abt des benachbarten Stiftes Tepl (Tepla) kam Reitenberger allerdings zu Lebzeiten nicht zu Ehren, sondern er erntete geharnischte Kritik des Ordens, weil er die Gelder des über Jahrhunderte Schlüsselpositionen in Religion und Politik einnehmenden Klosters einsetzte. Nach neudeutscher Lesart wurde er verurteilt, das Geld in „Sumpf und Schlamm geworfen“ zu haben. Und tagaktuell ließe sich werten, dass das Stift Insolvenz anmelden musste.

Endgültige Ankunft und Einchecken


Nach ca. drei ersten Stunden in Marienbad begaben wir uns freudig erregt und erwartungsfroh auf den Rückweg zum Hotel. Wir waren sowohl gesättigt und zudem durch einige Heilwässerchen gestärkt als auch beeindruckt von der Stadt in der Natur und der Natur in der Stadt. Etwa so hatten wir uns einen Kurort und -tag vorgestellt.
Der Rückweg verlief völlig komplikationslos, befindet sich doch das fünfstöckige Hotel Reitenberger nur wenige Stufen oberhalb der Kreuzquellenkolonnade mit dem bedeutendsten aller Trinkpavillons. Die Außenfassade im Jugendstil mit den dekorativ geschwungenen Linien und flächenhaften Ornamenten sowie dem in Marienbad bestimmenden Habsburgergelb leuchtet weithin (Foto 3).
Die am Vormittag erlebte Ruhe verkehrte sich allerdings gegen 13 Uhr in ein nicht vermutetes Gegenteil. Zwei Reisebusse versuchten auf der schon engen Straße gleichzeitig einzuparken, mit unterschiedlichem Temperament drängten sich die Gäste am Eingang und in der Eingangshalle, Koffer über Koffer und sonstiges Reisegepäck erlaubten mehr einen Hindernislauf oder Stolpern als ein gesittetes Gehen, Reisebetreuer ordneten ihre Schäfchen und mühten sich um deren Einchecken.
Als Einzelanreisende und bereits Bekannte (Waren wir wirklich ein VIP-Gast?) wurden wir vorgelassen. Unsere Formalitäten waren ja bereits vor Stunden abgewickelt worden und bedurften nur der Aushändigung. Im Eiltempo ergriff das so freundliche Fräulein von der Rezeption je ein Päckchen für meine Frau und eines für mich und erklärte mit nicht erwarteter Geschwindigkeit „Das issich Chip für das Zimmertür, das issich Karte für Speisesaal, das issich Einladung für Begrießungstreffen und für Reisenvorstellung, das Uhrzeit für kleinen Stadtrundgang, das Uhrzeit für Hotelführung und „das issich Kurausweis mit wichtig für Behandlungsplan.“ Im zumindest verständlichen Deutsch sprach sie schneller als ich gerade noch hören, aber nicht vollends folgen und begreifen konnte.
Zur rechten Besinnung kamen wir erst, als wir in einem der über den langen Flur verteilten Fahrstühle standen, uns eilends im Zimmer auf das Bett werfen und nach kurzem Besinnen den Blick vom Balkon genießen konnten (Foto 3).

Kleines Zwischenfazit


Allein meine Aussagen über das Wechselbad der Gefühle innerhalb von weniger als 4 Stunden belegen, wie problematisch eine objektive und sachliche Bewertung dieses Hotels sein kann. Es wäre mir mit Sicherheit ein Leichtes, ebenso einen reinen Frustbericht abzufassen wie auch einen jener Wunschtexte, den der jeweilige Anbieter zu beeinflussen sucht und mit Rabatten versüßt. Von beiden Varianten haben wir bei Ciao m. E. bereits mehr als genug.
Zwei Wertungen wie sie konträrer nicht sein können, habe ich nach der Rückkehr zur eigenen Verständigung im Internet auf Hotelbewertungsportalen über den „Reitenberger“ gefunden. Von „Alptraum. Geld aus dem Fenster geworfen“ bis „Wunderschönes Kurhotel“ reicht die Spanne der Überschriften.Ich hoffe, das Für und Wider glaubhaft darzulegen zu können. Zur eigenen Orientierung nehme ich den Inhalt des Päckchens, das mir beim Einchecken ausgehändigt wurde.

Mit der Chipkarte in das Zimmer


Unsere Unterkunft bestand neben der Nasszelle und dem Balkon eigentlich aus zwei Zimmern, denn der geräumige Eingangsflur war wie ein Ankleideraum ausgestattet. In zwei großen Schränken, davon einer mit Fön und eingebautem Tresor, mit ausreichend Bügeln und mehreren Fächern ließen sich die Kleidungsstücke bequem und getrennt nach Weiblein und Männlein unterbringen, ein Ganzkörperspiegel erwies sich als sehr dienlich. Das Mobiliar wurde durch eine Kofferablage mit zusätzlicher Sitzgelegenheit ergänzt.
Zur Nasszelle führte eine Tür auf der linken Seite, eine weitere geradeaus zum eigentlichen Wohn-/ Schlafraum.
Das Badezimmer bot reichlich Platz und war zweckmäßig ausgestattet. Haltegriffe erleichterten die Benutzung der Dusche sowie der Toilette, wobei mir der niedrige Sitz etwas gewöhnungsbedürftig schien. Eine Vielzahl von Handtüchern und 2 Bademäntel wurden den Notwendigkeiten für einen Kuraufenthalt gerecht, mehrere Hygieneartikel standen zumindest für den Anreisetag bereit. Das freundliche Zimmermädchen gab uns zu verstehen, bei Bedarf stets auswechseln oder auffüllen zu wollen. Dieselbe Aufmerksamkeit und Sorgfalt zeichneten die junge Mitarbeiterin auch bei den Tätigkeiten im Hauptraum und dem Balkon aus. So beschaffte sie eilig Stuhlauflagen, als sie bemerkte, dass wir den Balkon trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit tatsächlich nutzen wollten.
Unser Wohn-/Schlafzimmer (Foto 4) in überwiegend Braun- und Habsburgergelbtönen ließ bei der Ausstattung meine Vorstellung von Jugendstilmöbeln zumindest etwas verblassen. Es sei denn, man zählt die schweren Fenstervorhänge, eine Sitzecke mit leicht geschwungenen Sesselchen und einem Tischchen sowie die 2 Nachttischlampen in Blütenform als ausreichend. Das Doppelbett und ein kleiner Schrank mit Minibar, auf dem ein bescheiden großes Fernsehgerät sowie ein Telefon standen, vervollständigten die Einrichtung.
Der Balkon erstreckte sich über die gesamte Zimmerfront, war allerdings von geringer Breite. Da nach zwei Tagen ein herrlicher Altweibersommer zurückkehrte, wurde das zu einem meiner liebsten Aufenthaltsplätze. Geradeaus war der Blick auf Dacharbeiten an einem in Rekonstruktion befindlichen Hotel nicht berauschend, aber gleich nach links erfreute die Sicht auf die pagodenartige Trinkhalle, die Hauptkolonnade, die Blumenpracht, weitere Kurhotels, alles mehrmals am Tag untermalt von der hörbaren Musik der singenden Fontäne (Foto 5).
Direkt auf der anderen Straßenseite befand sich eine stark frequentierte Bushaltestelle, die mitunter zum kräftigen Aufprall unterschiedlicher Meinungen zwischen den Hotelgästen führte und z.B. starken Einfluss auf die Bewertung des Hotels hatte. Die meisten der überwiegend älteren, z. T. gehbehinderten Kurgäste äußerten sich stets äußerst lobend, während sich andere im Übermaß in der Nachtruhe oder während des Mittagsschlafes gestört fühlten. Ich persönlich habe dem Verkehr der fast lautlosen Oberleitungsbusse, an denen der Kurort trotz einiger Probleme festhält, gern zugesehen und noch mehr erfreut genutzt.

JETZT WIRD´S ENG

16.00 Uhr Begrüßungstreffen und Ausflugsangebote

Als sehr günstig erwies sich, dass unser Reiseveranstalter eng mit der ortsansässigen Betreuungsagentur „pro aktiv“ zusammenarbeitet. Deren Leiterin gab sowohl sehr hilfreiche Informationen zu Kuren in Marienbad als auch übergreifende Hinweise zum Aufenthalt in der Stadt (z.B. Sprechzeiten, Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme, Geldwechsel, Sicherheit, Verhalten und Gratis Fahrservice im Krankheitsfall, Fallstricke beim Einkauf, preisgünstige Einkaufsmöglichkeiten, günstige Mitbringsel, Verkehrsregelungen ….). Versüßt wurde der erste Teil der Zusammenkunft durch Kaffee/Tee und Kuchen und abgerundet durch die Aushändigung einer Karte zur kostenlosen Nutzung der Linienbusse während des gesamten Kuraufenthaltes in ganz Marienbad.
Ausführungen zu und Buchungsmöglichkeiten an Ausflügen und Veranstaltungen bestimmten den zweiten Teil der nicht nur informativen, sondern auch unterhaltsamen Stunde.

17.00 Uhr Führung durch das Kurviertel


Unser vormittäglicher Rundgang erfuhr durch wissenswerte und detaillierte Ausführungen eine große Aufwertung. Die junge Stadtführerin überzeugte nicht nur durch fachliches Wissen, sondern auch durch die Art der Darlegungen, in die sie manche Halbwahrheiten, Gerüchte oder Anekdoten einfließen ließ (Foto 6).

19.00 Uhr oder 21.00 Uhr Kurzführung durch Hotelbereiche


Zur Bewältigung der umfangreichen organisatorischen Aufgaben hat der Reiseanbieter in Gemeinschaft mit der örtlichen Betreuungsagentur einen Mitarbeiter beschäftigt, der scheinbar rund um die Uhr erreichbar ist. Er hat nicht nur eine Unterkunft im Hotel, sondern zusätzlich auch eine kleine offene Räumlichkeit mit Infotafel, Buchbestand zur Nutzung, einigen Broschüren und Prospekten sowie einem Pendelheft für Fragen, Antworten, Anregungen oder Kontaktgesuche.
Am Anreisetag bot er 30-minütige Führungen an, um ebenso ein leichteres Auffinden der mehr als 50 Behandlungsräume, verteilt auf 3 Etagen, wie der Wellness- und Fitnessräume zu ermöglichen. War das am Folgetag trotzdem schon für Teilnehmer an der Führung problembehaftet, war es erst recht für andere ein Grund, Frust abzulassen und von einem fürchterlichen Durcheinander zu sprechen.

18.00 Uhr bis 21 Uhr Abendessen


Die Speiseneinnahme erfolgte in einem überaus lang gestreckten Saal, der in der Mitte durch ein Büffet für kalte Speisen sowie eines an der Fensterseite für warme Gerichte etwas Auflockerung erfuhr. In drei Reihen waren Vierertische eingedeckt. Während sie rechts und links allein, wenn auch beengt standen, waren sie im Mittelteil zu einer langen Tafel (Foto 7) aneinandergereiht. Selbst Stuckelemente an der Decke, mehrere Lüster und viele Wandlampen oder leise Musik ließen keine wohltuende Atmosphäre aufkommen.
Besonders am Anreisetag war der enttäuschende Eindruck besonders nachhaltig. Der Hinweis „Sie werden platziert“ hat mich schon zu einer Zeit oftmals verärgert, als das Wort noch nicht mit „tz“ geschrieben wurde (s. Änderung laut Duden 20. und 21. Auflage).
Meine Frau wertete es noch krasser, als sie mir zuflüsterte: „Das ist ja wie in Lloret de Mar“. Die Speiseneinnahme in einem dortigen Hotel galt für uns seit beinahe 20 Jahren als Synonym für unmöglich.
Am Eingang klärte sich auch Sinn und Zweck der Karte, die mit unserem Namen, der Aufenthaltsdauer und der Zimmernummer versehen war, für den Speiseraum. Ein Mitarbeiter nahm sie ab, warf einen kurzen Blick darauf, raunte einige Worte dem Restaurantleiter zu. Der forderte uns auf zu folgen und eilte mitsamt der Karte durch den Saal.
Fragen oder Wünsche schien er zu überhören oder überhören zu wollen. Mit den Worten „Hier Ihre Platze für den Aufenthalt“ steckte er sie in ein kleines Behältnis und verschwand in demselben Tempo wie er zur Platzanweisung geeilt war. Uns blieb nur ein Schulterzucken, ein Erstaunen und ein sichtbarer Ausdruck der Enttäuschung.
Erst im Nachhinein gewannen wir dem Vorgehen Verständnis ab. Vermutlich war es eine erprobte Form, den engen Raum voll auszulasten und den Gästen ein Suchen nach freien Plätzen zu ersparen. Und nach einigen gemeinsamen Mahlzeiten zum Frühstück und zum Abendessen fiel das reine Verstehen mit den Tischnachbarn aus Schwaben oder Sachsen beinahe leichter als die reine Verständigung.
Die Essenzeiten für das Frühstück und das Abendessen waren reichlich bemessen, so dass sie nicht mit den Kuranwendungen und kaum mit größeren persönlichen Vorhaben kollidierten. Mit den Speisen versorgten wir uns am Buffet. Als sehr hilfreich werte ich, dass die warmen Gerichte am zweiten Buffet durch Köche auf die Teller / Suppentassen gefüllt wurden. Die Auswahl konnte bereits durch Aushang vor der Saaltür, aber auch durch Stellkarten am Ausgabebereich getroffen werden. Zur Wahl standen allabendlich zwei Suppen, drei Fleisch- bzw. Fischgerichte sowie drei Sättigungsbeilagen. Salate, Obst, Wurstwaren, Brot, Desserts und Eis zur Eigenentnahme am großen Buffet ergänzten das Angebot. In diesem Bereich bediente man sich auch zum Frühstück bei ähnlichem Angebot. Statt des Eises gab es Kuchen, Cerealien, mehrere Brotsorten und verschiedene Brötchen, die allerdings allesamt meinen Zähnen tagtäglich nicht sehr wohl gesonnen waren. Im zweiten Buffet gab es jeweils wechselnde drei Angebote von gekochten Eiern, Rührei, Spiegelei, Wiener Würstchen, Grillwürstchen, gebratenem Schinken.
Zu beiden Mahlzeiten waren die Getränke inklusive. Während am Abend Kellner Rot- oder Weißwein, Bier, Wasser und diverse Säfte am Tisch servierten, mussten wir uns zum Frühstück am Buffet selbst mit Warm- bzw. Kaltgetränken versorgen. Für gehbehinderte Kurgäste war das wegen der doch recht engen Bestuhlung mit Problemen behaftet.

Eine Frage nach der Möglichkeit einer Buchung mit Vollpension kann ich verbindlich bejahen. Über Details ist mir allerdings eine wertende Aussage unmöglich. Ich weiß nur, dass die Platzkarte eines Kurgastes an unserem Tisch auch die Reservierung für den Mittagstisch auswies.
In der Sommersaison wird auf einer großen Außenterrasse ein a la carte Grillrestaurant betrieben. Bei einer Sitzprobe gönnten wir uns von dort einen herrlichen Blick auf das Kurviertel. Ehe wir uns jedoch für eine Einkehr zum Mittagessen durchringen konnten, wurden ausgerechnet in der Woche die Aufbauten und Gerätschaften entfernt und ins Winterlagen gefahren.
Für einen Imbiss, alkoholische und nichtalkoholische Getränke oder Kaffee und Kuchen gibt es des Weiteren von 10.00 bis 22.00 Uhr ein gemütlich eingerichtetes Cafe, das mittels eines Eingangs zur Straße nicht nur Hotelgästen zur Verfügung steht. Zwei ins Ohr geflüsterte Hinweise will ich noch loswerden. 1. Dort lässt sich mitunter für Paare und auch für Solisten bei Live-Musik das Tanzbein schwingen. 2. Die Räumlichkeit besteht aus je einem Raucher- und einem Nichtraucherabteil.

Mit dem „issich Kurausweis“ geschnuppert


In den Prospekten war unser Angebot als Schnupperkur ausgewiesen. Mir war folglich klar, dass es sich nicht um eine Kur zur Behandlung bestimmter Krankheiten oder Erschwernisse handeln würde. Laien wie ich sollten mal reinriechen, informiert, interessiert und angeregt werden.
Der vor Ort ausgehändigte Behandlungsplan, etwas großspurig als Kurausweis deklariert, war buchstabengleich mit den Angaben im Prospekt (Foto 8). Die Erregungen einiger Gäste waren mir deshalb unverständlich.
Die unterschiedlichen Heilquellen, Naturgase und Moore, die Marienbad als Kurort so empfehlenswert machen, wurden meines Erachtens sehr geschickt und gezielt einbezogen.
Besondere Erwartungen setzte ich in die Moorbehandlung. Ich hätte mich zwar liebend gern einmal im Moor gesuhlt oder so richtig schlammig gemacht, musste mich jedoch mit einem zugesagten Umschlag begnügen.
Von einem Gasbad hatte ich zuvor Details noch nicht einmal gelesen, geschweige denn Vorstellungen. Ich wurde in einen übergroßen blauen Plastiksack von den Füßen bis zum Hals gehüllt. Der wurde oben fest verschlossen und mit Gas gefüllt und aufgeblasen. Nur vom Zusehen hatte ich beim Aufplustern das Gefühl des leichten Aufsteigens. Angeblich soll das u. a. positiv für die Stärkung der Manneskraft sein. Vermutlich reichen 30 Minuten für eine spürbare Wirkung nicht aus. Da sorgt die Vorstellung, in einen übergroßen Müllsack gesteckt worden zu sein, schon allein für eine Abkühlung.
Vom Inhalt und der Organisation der Abläufe war ich beeindruckt und hatte keineswegs das Bestreben, nur an individuellen Vorstellungen messen zu müssen. Den einen störten die terminlichen Vorgaben, die mit gewohnten Essenzeiten kollidierten, ein anderer wollte die sechs Behandlungen auf sechs Tage verteilt wissen, ein dritter wollte im Interesse des weiteren Tagesablaufs nur in den Frühstunden berücksichtigt werden, ein Vierter …, ein Fünfter …, ein …. .
Wir richteten uns gern nach den vermutlich mühsam ausgeklügelten Ablaufplänen. Vielleicht grenzte es nach drei Tagen ungewollt in obige Richtung, als meine Frau zu mir äußerte: „Jetzt ist die Kur vorbei, jetzt ist reiner Urlaub.“
Ergänzend zur Schnupperkur sei angemerkt, dass zu den 35 verschiedenen Anwendungen so populäre wie Schokoladenmassage, traditionelle Thai-Massage oder Behandlungen mit heißen Lavasteinen kostenpflichtig zusätzlich gebucht werden können.
Unentgeltlich können beinahe vom frühen Morgen bis in den späten Abend das Fitnesszentrum, ein Hallenbad (8mal 6m) sowie ein Whirlpool genutzt werden. (Die Fotos 9 und 10 habe ich mit Erlaubnis des Hotels dem aktuellen Flyer entnommen).

Fazit


Die Schnupperkur hat meines Erachtens den Erwartungen voll entsprochen. Sowohl vom Hotel als auch dem Ort sind wir mit etwas Wehmut abgereist. Für Kur-Laien war es eine ganz neue Erkenntnis. M.E ist es besonders für ältere Bürger und bedingt für Menschen mit körperlichen Gebrechen geeignet. Die sehr kritischen Worte oder Berichte im Internet finde ich etwas personengebunden. Für jüngere Leute sowie Familien mit Kindern würde ich das Urteil als gerechtfertigt unterstützen.


Bilder

für Hotel Reitenberger, Marienbad
Herr Reitenberger
Herr Reitenberger: zu Lebzeiten aus Böhmen verwiesen
von elguwi elguwi
Herr Reitenberger

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Kommentare

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  • aga6jessica 30.05.2012 13:08
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    Sh:-) Lg Jessica

  • AnFa 29.05.2012 09:33
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • marku2007 25.05.2012 19:26
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    Topp...

  • Rollersfan 23.05.2012 17:13
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    Das ist schon interessant, wenn man auf Reiseportalen für ein - und dasselbe Hotel die unterschiedlichsten Bewertungen liest. Ich verlasse mich dann doch eher auf Ciao und Berichte wie diesen. BH und LG!

  • Mundi1 17.05.2012 10:46
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    Gerne die Höchstnote für diesen schönen Bericht! i

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