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Die Touristenfestung von La Palma
Pro Ruhige, ladschaftlich ansprechende Lage
Kontra Vielleicht etwas viel Geld für Mittelklasse-Luxus
Das Hotel ‚La Palma Romantica’ liegt im Nordosten der Insel La Palma, südlich der Ortschaft Barlovento. Genauer gesagt, der Bau im südländischen Stil (mit Rundbögen-Wandelgängen, Veranden und Erkern) thront fast wie eine kleine Festung auf einer Anhöhe über dem Dorf.
Im Prospekt der TUI ist es mit 3 ½ Sternen ausgezeichnet.Vom Flugplatz La Palma aus erreicht man es nach einer ca. 1-stündigen Fahrt (mit dem Taxi geht es schneller, es wird einem empfindlichen Magen jedoch aufgrund der kurvenreichen Straßen mindestens einmal zum Speien.). Die Lage des Hotels ist tatsächlich herrlich – oberhalb von Barlovento zwischen Kiefernwäldern, mit Ausblick nach Norden und Osten auf das Meer, nach Südwesten auf den zentralen vulkanischen Berg der Insel.
Allerdings ist die Lage auch vielleicht etwas zu vereinsamt, denn von den berühmten „Königswegen“, den Wanderwegen, sieht man hier nicht ganz soviel, sie sind in dieser Ecke der Insel relativ dünn gesät. Zwar hat man zu Fuß nicht weit zur nächsten Caldera (ein ehemaliger Vulkankrater, der inzwischen zu einem Wasserreservoir umgebaut wurde), aber wer z. B. den Zentralvulkan erklimmen möchte, muß bis zum Beginn des entsprechenden Weges ein Stück fahren – entweder mit dem Mietwagen oder dem „Wahwah“, dem klapprigen Inselbus. Dafür läuft man zum nächsten Dörfchen – Barlovento, mit Apotheke, Kirche, Arzt, Post und SPAR-Supermarkt – knapp eine Viertelstunde an der Landstraße.Die Zimmer liegen auf 2 Stockwerke verteilt und sind groß genug, um – wären sie eine Garage – 4 größere PKW zu parken. TV, Badewanne, Fön, Balkon sind inbegriffen. Der Balkon ist ein Prachtstück: ein Holzbalkon der Sorte, wie sie auch nachträglich angebaut werden können, auf Stelzen auf der darunterliegenden Terrasse abgestützt. Der unsere ist merkwürdigerweise etwas ‚angebrannt’, als habe jemand versucht, auf dem Balkon ein Grillfeuer anzuzünden – mit dem Balkon als Grillrost und Feuerholz zugleich.
Die Zimmer haben ebenfalls alle Telefon, mit dem man theoretisch auch ins Ausland telefonieren kann. Allerdings scheint die Anleitung dazu veraltet zu sein, denn man landet trotzdem nur in der nächsten Etage.Als kostenfreie Einrichtungen gibt es einen allerdings recht unterkühlten Swimmingpool – genauer gesagt, zweie davon, einer im Haus, der andere außen – ersterer zusätzlich mit einem kleinen Whirlpool-Becken ausgestattet, dessen Wasser deutlich wärmer ist. Daneben gibt es einen kleinen Fitnessraum und eine Dampfsauna sowie eine Masseuse, die beiden letzteren kosten jedoch extra. Der Fitnessraum besteht aus einer Sammlung Hanteln, einer Art Kletterwand und einem Universaltrainer, bei dem man bis zu 100 kg Gewicht stemmen kann, und nicht zuletzt zwei Fahrradtrainern. Wer allerdings seine 10 km fahren und dies am Kleincomputer des Geräts einstellen möchte, muß sich seine Batterien für diese Gerätchen selbst mitbringen – und dann funktionieren sie auch noch nicht, da sie innerlich schon recht korrodiert sind.
Außerdem gibt es einen Tennisplatz sowie ein paar Tischtennisplatten. Bälle und Schläger können auch an der Rezeption ausgeliehen werden. Zu den Services gehört auch die kostenlose Fahrt mit dem Hotel-Kleinbus zu geführten Touren, oder auch zu den Piscinas, eine ca. 5 km (Fahrstrecke) entfernte Badebucht am Meer.Das Restaurant bietet ein äußerst reichhaltiges Frühstück mit Obst und Kuchensorten – sowohl kontinental als auch britisch. Das Abendessen ist zumeist auf Fisch ausgerichtet, entsprechend dem lokalen Nahrungsangebot. Die Aufmachung des ganzen Gourmetpavillons ist für meinen Geschmack recht edel, aber auch wenn darauf hingewisen wird, daß man ‚passend gekleidet’ kommen sollte, ist er noch weit von der Sorte Diniertempel entfernt, in denen man nur mit Anzug und Schlips eingelassen wird und die Höflichkeit der Kellner in nervtötendes Herumgeschwuchtel ausartet. Dafür allerdings, muß man sagen: die Küche macht dick. Trotz täglicher Extremsteilwandwanderungen habe ich 5 Kilo zugelegt.
Im Haus steht auch ein Autoverleih (Firma COMBA) zur Verfügung. Autos gibt es hier ab 25€/Tag (zB Seat Ibiza). Man sollte aber einen Tag vorher reservieren. Wer die fernere Umgebung erkunden will, ist auf das Auto ohnehin angewiesen, denn die oft erwähnten Wanderwege der Insel sind speziell in dieser Ecke recht dünn gesät. Man muß dazusagen, daß kleinere Beulen im Auto scheinbar recht generös gesehen werden, denn für einen leicht eingedrückten Kotflügel (Ursache unbekannt) mußte ich nichts extra bezahlen.Auffällig war für uns, daß wir mit Abstand die jüngsten Besucher waren – besonders offensichtlich war dies am samstäglichen ‚Animationsabend’, der scheinbar alle Gäste zusammengelockt hatte. Die Animation bestand aus einer Ein-Mann-Kapelle (mit Dr. Böhm-Heimorgel) und einem Liedgut, das auch gut zu einem venezianischen Gondoliere gepaßt hätte. Absolute musikalische Highlights: „Whenever wherever“ (Shakira) und „Quel Ironia“ („Aint it funny“ von Jennifer Lopez), gesungen nicht von kaffeebraunen Schönheiten, sondern von einem dröhnenden Kosakenbaß. Schaudernd entflohen wir, Frauen und Kinder zuerst.
Für sternklare Nächte wie jener, in der sich dies zutrug, verleiht die Rezeption sogar ein Teleskop in Kaufhausqualität, mit dem man auf der Dachterrasse die Saturnringe beobachten kann.Für Spanischlegastheniker wie mich: Das Hotelpersonal beherrscht in unterschiedlicher Qualität Deutsch und Englisch – und der Inhaber bemüht sich humorvoll, seinen Gästen spanische Vokabeln beizubringen.
Würde ich das Hotel noch einmal nehmen? Für meine Urlaubsansprüche: eher ein. Nicht daß es schlecht wäre. Aber ich habe mir von Einheimischen sagen lassen, daß es für die Klasse etwas zu teuer ist, und außerdem man auch als Rucksack-und-Zelt-Touri auf der Insel gut unterkommen kann. Außerdem sind für die passabel-aber-nicht-steinreich-Verdiener auch Mietbungalows eine preislich attraktive Variante.
Infos unter: www.hotellapalmaromantica.com
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