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Erfahrungsbericht

für Hotel Kap Farvel, Grönland
4 Sterne Wo Polarfuchs und Schneehase sich Gute Nacht sagen Bericht mit Bildern
144 von 144 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro Gemütlich, wunderschöne Lage, sehr freundliches Personal

Kontra Kein Kontra!

Der Autor

gudy2 Seit 23 Jun 2002

Ich werde nicht in euren Kreisen tanzen, weil ich eure Schritte nicht lernen will! Allen... mehr

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Heute möchte ich euch von einem ganz vesonderen Ort berichten. Es ist ein Platz, an dem man sich, selbst im grönländischen Winter, aufwärmen und sein Bündel niederlegen kann.
Er befindet sich in Nanortalik, einem kleinen Ort in Südgrönland, mit ca. 1400 Einwohnern, gleich am Ausgang des Tasermiut Fjordes.
Bevor ich euch etwas mehr über diese gediegenen Unterkunft erzähle, noch ein paar wichtige Fakten zu seinem Umfeld.

Nanortalik und somit auch das Hotel Kap Farvel, ist nur per Hubschrauber zu erreichen. Der Landeplatz ist nicht weit vom Hotel entfernt und im Sommer wird der Ort fast täglich angeflogen. Im Winter kommt es jedoch vor, dass die Hubschrauberflüge wegen Schneesturm und anderer Wetterbedingungen ausgesetzt werden. Dann ist Nanortalik völlig von der Welt abgeschnitten, denn Bus - oder Bahnverbindungen gibt es, wegen der landschaftlichen Bedingungen, in ganz Grönland nicht.
Der Name Nanortalik bedeutet zu Deutsch soviel wie Bärenort, Bärendorf, Bärenstelle. Gemeint sind hier die Eisbären, die jedes Jahr ab Mitte März, mit dem Treibeis aus dem Norden, den Ort erreichen.
Obwohl Nanortalik auf dem 60. Breitengrad liegt und somit kaum nördlicher als Oslo, Stockholm oder Helsinki, sind die Wetterbedingungen in diesen Städten doch absolut nicht mit Nanortalik zu vergleichen.
Die Schuld daran trägt nicht allein der Golfstrom.
In Oslo bringt der Golfstrom, milde Luft- und Wassermassen vom Golf von Mexico in den Atlantik und sorgt dafür, dass das Klima in Oslo milder ist, als es dem nördlichen Breitengrad entsprechen würde.
Auch der Westen Grönlands porfitiert vom Golfstrom - der Osten allerdings nicht und so treffen an der Südspitze, wo Nanortaik liegt, eiskalte und warme Luft - und Wassermassen aufeinander, was zu gewaltigen Tiefdruckgebieten führt, die sich dann ab und zu mal, gut spürbar, entladen. Außerdem ist nicht zu vergessen, dass nur ein paar Kilometer landeinwärts, das ewige Eis beginnt - das Inlandeis, das seit Jahrtausenden eine Dicke von bis zu mehreren Kilometern hat und fast die gesamte Landmasse Grönlands ausfüllt.
Wetter und Landschaft um Nanortalik ist rauer, als im übrigen Süden Grönlands. Spitze, schroffe, im Winter vergletscherte Granitberge säumen, wie hohe Türme, mit bis zu 2000 m hohen Gipfeln, die Ufer des Fjordes.
Wer in Europa ständig über das Wetter meckert, dem empfehle ich eine winterliche Woche in Nanortalik.
Ich bin fast sicher, dass er danach wie wieder ein schlechtes Wort über das deutsche Wetter verlieren wird!

Wer Nanortalik besucht und dort ein paar Tage verbringt, um die gigantischen Schönheit der Landschaft näher auf sich wirken zu lassen, ist im

Hotel Kap Farvel

gut aufgehoben! Eine große Ausahl hat der Besucher auch nicht, denn viele andere Übernachtungsmöglichkeiten gibt es einfach nicht. Neben dem Hotel Kap Farvel, dass im neueren Bereich sogar 3 Sterne hat, gibt es noch eine Youth Hostel mit 6 günstigen Zimmern, in der die Übernachtung in einer Schlafkoje, mit oder ohne Kopfkissen, zwischen 34 und 41 Euro kostet.

Das Hotel Kap Farvel hat ca. 20 Zimmer und ist unter folgender Adresse zu finden:

Isua B 304
P.O. Box 140
DK-3922 Nanortalik
Tel.: +299 61 32 94
Fax: +299 61 31 31
kapfarvel@greennet.gl

Der himmelblaue Holzbau, mit seinem einzigartigen Blick über den Tasermiut Fjord, wirkt schon von außen sehr einladend. Er hat zwei Eingänge, die mich anfangs ein bisschen verwirrt haben. Der erste Eingang führt direkt in die Bar und den Billardraum. Über den zweiten Eingang erreicht man das Restaurant.
Die Zimmer sind geräumig, einfach, aber zweckmäßig eingerichtet. Nicht jedes Zimmer hat ein eigenes Bad.
Im älteren Teil des Hotels gibt es 7 Einzelzimmer und 3 Doppelzimmer mit Gemeinschaftsbad und ohne TV.
Im neueren Teil gibt es 8 Doppelzimmer und 2 Familienzimmer (bis zu 4 Personen) mit TV und eigenem Bad.
Die Zimmerpreise bewegen sich zwischen 215 Euro (Familienzimmer), 199 Euro (Doppelzimmer mit Bad) und 100 Euro (Einzelzimmer ohne Bad), incl. Frühstück.
Wer auf den Fernseher nicht verzichten kann, dem steht ein TV Raum zur Verfügung.
Die Zimmer werden täglich gereinigt und wer jeden Tag ein neues Handtuch braucht, bekommt aus das.
Das gesamte Hotel macht in allen Bereichen einen sehr sauberen Eindruck!

An europäischen Standard, sollte man nicht denken, wenn man auf Grönland ein Hotel betritt. Den erlebt man wohl eher in der Haupstadt Nuuk. Das Hotel Kap Farvel strahlt viel eher eine sehr familiäre Atmosphäre aus. Im Eingangsbereich, gleich neben der Garderobe und der Küche, spielen kleine Kinder. Die Kinder in Grönland sind sowas von liebenswürdig und fröhlich, dass man sie gleich mit in den Rucksack packen möchte. Eine Rezeption, wie man sie in anderen Hotels gewohnt ist, konnte ich nicht entdecken. Man geht zur kleinen Bar, wenn man ein Zimmer reserviert hat oder eine Bestellung fürs Mittag- bzw. Abendessen aufgeben möchte. Auch wenn es Sprachschwierigkeiten gibt, wird man sehr geduldig und freundlich bedient.
Die völlig unkonventionelle Lebensart der Grönländer ist bei allen Sprachproblemen sehr hilfreich.
Versteht man die Speisekarte nicht, schleppt der Ober den Gast in die Küche und hilft bei der Menuwahl.
Auch die Küche überrascht mit makelloser Sauberkeit, die mir die Freude auf das Abendessen merklich vergrößerte.

Restaurant


Der eher kleine Gastraum ist einfach, aber gemütlich eingerichtet.
Seitlich, neben den gedeckten Tischen, ein großes Weinregal mit verschiedenen Weinen aus aller Welt.
Da ich wirklich absolut keine Ahnung von alkoholischen Getränken habe, werde ich mich darüber nicht weiter auslassen. Verschiedene Biersorten, Cola und Limo gibt es auch auf der Getränkekarte, aber da ich eher Wasser bevorzuge, kann ich auch dazu nichts sagen.
Das Restaurant ist nicht rund um die Uhr geöffnet.
Frühstücken kann man von 7.15 Uhr bis 9.30 Uhr
Mittagessen gibt es von 12 Uhr bis 13.30 Uhr und das Abendessen (nach vorheriger Bestellung)
wird zwischen 18 und 20 Uhr serviert.
Zu den Hauptmahlzeiten hat man die Wahl zwischen einem Tagesmenu oder A' la carte dishes.


Als ich gestern, nachdem das Wetter sich endlich mal wieder von seiner schönsten Seite zeigte, zu einer Wanderung in der Berge aufbrach, kam ich am Hotel Kap Farvel vorbei und dachte mir, es wäre schön den Tag nicht am Herd abzuschließen, sondern zum Abschluß der Wanderung, auf dem Rückweg, im Restaurant des Hotels lecker zu essen. Auf meinem Hinweg machte ich meine Bestellung für 18 Uhr und zog los. Der Einfachheit halber, wählte ich das Tagesmenu, von dem ich keine Ahnung hatte, was das überhaupt ist.
Hungrig und müde kehrte ich nach meiner Wanderung ins Hotel Kap Farvel zurück und setzte mich an den gedeckten Tisch. Fünf weitere Gäste hatten sich zum Abendessen eingefunden und wie ich festellte, hatten wir alle dasselbe bestellt.
Auf den Ober im Anzug kann man lange warten, denn den gibt es nicht. Man wird bedient von einem Inuit in ganz normaler Straßenkleidung und aus der Küchenluke schaut ab und zu der Koch mit Skimütze. Lange Wartezeiten gibt es auch nicht. Ich habe vielleicht 5 Minuten auf mein Essen und mein Wasser warten müssen.
Erstaunt über die Menge, die sich da auf meinem Teller befand, musste ich erstmal genauer untersuchen, was ich zu essen bekommen hatte. Deutlich erkennbar war der Rosenkohl und das Wurzelgemüse, aber das Fleisch schien mir unbekannt. Es roch hervorragend und nachdem ich den ersten Bissen probiert hatte, tippte ich auf Schweinefilet - medium, zart und weich wie Butter, köstlich gewürzt und viel zu viel für mein Magenvolumen.
Als Beilage gab es geröstete, ungeschälte Kartoffeln, gegrillte Zwiebeln und irgendein Gemüse, dass ich nicht kannte.
Der Nachtisch, den ich lieber esse als alles Fleisch der Welt, bestand aus einem hübsch angerichteten Stück Erdbeertorte mit Sahne und einem Schokotrüffel. Über den Nachtisch nur zu sagen er wäre lecker gewesen, ist untertrieben, denn er war göttlich!
Für 150 DKK wankte ich, mit vollem Bauch zufrieden nach Hause und plante im Kopf schon den nächsten Ausflug in dieses Restaurant, denn das Hotel Kap Farvel liegt nur ca. 100 m von meinem Wohnhaus entfernt.
Über das Frühstück im Hotel Kap Farvel kann ich nichts sagen, da ich dort nie gefrühstückt habe.
Rückblickend kann ich nur sagen, dass man das Mittag - wie das Abendessen, als überdurchschnittlich gut bezeichnen kann!

Ausflüge und Aktivitäten


sind jahreszeitlich bedingt sehr unterschiedlich. Im Sommer kann man eindeutig mehr unternehmen, als im Winter, jedoch ist alles was Nanortalik an Infrastruktur zu bieten hat, zu allen Jahreszeiten zu Fuß erreichbar.
Gleich links nebem den Hotel gibt es eine große Sporthalle und einen Fußballplatz, der sich an das Ufer des Tasermiut Fjordes schmiegt. Wer sich beim Sport verletzt, hat es nicht weit, denn gleich rechts neben dem Hotel ist die überaus gut ausgestattete Klinik Nanortalik.
Im alten Hafen, Sommer wie Winter gut erreichbar, findet man das, aus mehreren Gebäuden bestehende Museumsdorf.
Nanortalik gilt als Eldorado für Bergsteiger, Kletterer, Wanderer und Kajakfahrer. Ich weiß nicht, was die Menschen reizt auf den Sermitsiaq-Gletscher, den man per Schiff erreichen kann, zu klettern, aber es gibt ausreichend Kletterer, die sich, selbst bei winterlichen Temperaturen gern an diesem Gletscher versuchen.
Wer Wanderungen mag, sollte an gutes Schuhwerk denken. Die unebenen Geröllfelder ist nicht einfach zu begehen. Nanortalik ist von hohen Bergketten umgeben, aber es gibt einen kleinen Talseinschnitt, den selbst ungeübte Kletterer wie ich, bezwingen können. Auch er ist, im Winter nicht ganz ohne, aber der mühsame Weg lohnt sich. Hat man das Plateau erreicht, gelangt man nach ca. einem Kilometer zu einer Bergquelle, an der sich die Einheimischen ihr Wasser in Kanister abfüllen, weil sie meinen, dieses Wasser sei ganz besonders gut. Von oben hat man eine wunderschöne Aussicht auf die umliegenden Berge und den Tasermiut Fjord. Je weiter man sich von der Quelle entfernt, desto einsamer und eindrucksvoller wird die Landschaft. Wege gibt es nicht. Man muss sich schon ein bisschen durch die Wildnis kämpfen.

Sehenswert sind gewiss auch die warmen Quellen in der Nähe der Siedlung Alluitsup Paa und die Ruinen der Nordländer bei Herjolfsnæs. Ich habe beides nicht nicht gesehen, weil die Wetterbedingungen bislang nicht so waren, das sie mich zu einer Bootsfahrt reizten.
Im geschützten Tal der Dörfer Qinguadalen oder in Klösterdalen, liegt Grönlands einziges "Waldgebiet", in dem Birken bis zu 5 m Höhe wachsen. Es ist nicht groß, jedoch eine absolute Besonderheit, weil es außer an diesen Stellen, keine Bäume auf Grönland gibt.

Nur per Hubschrauber ist Nanortaliks Goldmine am Berg Kirkespiret erreichbar. Die Flugplätze sind jedoch ausschließlich den Minenarbeitern reserviert. Wer trotzdem Geld suchen möchte, wird oft in den Flüssen der Region fündig.
Im Sommer, wenn die Tagestemperaturen über 20 Grad erreichen, kann man Kanuto - oder Angeltouren unternehmen. Die Gewässer hier sind sehr frischreich.
Verpassen sollte man auch die kleine Holzkirche von 1916 nicht oder das Touristbüro, in dem man viel über Land und Leute erfahren kann. Neben Büchern in unterschiedlichen Sprachen (außer deutsch) findet man viel Handwerkskust, Informationen zu Touren der Region, traditionelle Kleidung, Schumuck, hochwertige Winterbekleidung oder Kartenmaterial.Geöffnet ist die Touristeninformation täglich, außer sonntags von 9 bis 16.30 Uhr und samstags von 10 bis 12 Uhr. Ein Besuch lohnt sich!

Wer gern als Selbstversorger reist und nur die Übernachtung und das Frühstück im Hotel Kap Farvel in Anspruch nehmen möchte, muss nicht hungern. Nanortalik hat zwei Lebensmittelläden, in denen es fast alles gibt, was der Mensch zum Leben braucht. Brot wird fast täglich frisch gebacken und auch dänischer Kuchen ist immer ausreichend vorhanden. Die Lebensmittelläden haben von 9 Uhr bis 17 Uhr geöffnet und wer zu spät von einer Tour kommt, kann bis nach 20 Uhr in einem Minimarkt einkaufen, in dem die Auswahl zwar kleiner, aber völlig ausreichend ist. Gleich neben dem Minimarkt ist auch der Grill von Nanortalik, in dem die Pommes hervorragend schmecken und der Hamburger sogar mit frischem Salat belegt ist.

Das Hotel Kap Farvel in Nanortalik ist nicht mit einem europäischen 3 Sterne Hotel vergleichbar, aber es ist ein Ort, an dem man sich wohlfühlen kann, denn an Gastfreundlichkeit und Unkompliziertheit ist er kaum zu überbieten. Hinzu kommt die traumhafte Lage mit Blick auf den Tasermiut Fjord und seine umliegenden Berge. Hier kommt der Ruhesuchende, wie auch der Aktive voll auf seine Kosten!

Bilder

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Hotel Kap Farvel, Grönland
Hotel Kap Farvel, Grönland
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Hotel Kap Farvel, Grönland

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  • Koenigin0310 28.01.2012 12:45
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    interessant, stamme aus "Südschweden "

  • bongilein 28.12.2011 14:34
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    Wieder ein erstklassiger Bericht von Dir ... besonders die Beschreibung der Mahlzeiten läßt mir das Wasser im Munde zusammenlaufen ... : - ))) LG bongilein

  • Oberlisbler 09.09.2011 17:54
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    Wunderschön ... :-)

  • wuzelduzel 08.06.2011 19:44
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • gerrhosaurus78 01.06.2011 14:59
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich

    Erstklassiger Bericht. LG, Daniela

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