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Erfahrungsbericht

für Holiday Reisen
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1 Stern Schöner Kotzen mit Holiday Reisen
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Empfehlenswert: Nein

Pro Reiseangebote ohne Vorwarnung im Briefkasten

Kontra Schlimm genug, um ein Trauma zu erzeugen

Der Autor

Raileigh Seit 10 Jan 2000

Hier erwarten Euch Texte ersonnen aus subjektivem Verbraucherempfinden. Auch für das Lesen... mehr

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Es schneit. Winterurlaub. Endlich.
Seit Jahren war es mir nicht mehr vergönnt, mit Skiern unter den Einlagen oder einem Schlitten unter den langen Männern, durch weißen knirschenden Schnee zu gleiten, die Welt im schlitternden Geschwindigkeitsrausch an mir vorbei fliegen zu sehen, Glühweinbetankt im Skilift auf eisige Höhen zu schaukeln und dampfend das Wort Grog in den Schnee zu pinkeln.
Ja Träumen, das ist etwas Schönes. Besonders vor Reisebeginn.
Doch Träumen kann man nicht trauen, besonders wenn sie auf so dornigen Betten gelagert sind, wie jene, die Holiday-reisen heißen, jenem Reiseunternehmen also, das es sich auf die Fahnen geschrieben hat, für mäßig viel Geld keine oder so wenig Erholung zu bieten, wie irgend geht.

An der Bushaltestelle, wo die Zeit des aktiven großstädtischen Schneetreibens längst der Vergangenheit angehört, gefriert der Regen, sobald er auf den Boden fällt. Die wenigen überdachten Stellen sind bereits besetzt.
"Können sie nicht vielleicht ein kleines bisschen rücken", frage ich und setzte vorsichtshalber noch ein markiges "Bitte!" hintenan.
"Dann wern meine Koffer nass" blafft es zurück. Es ist sechs Uhr Morgens. Kein Berliner ist um diese Zeit höflich.

Im Bus sitzt jeder wo er will. Eine Familie - zwei Erwachsene und zwei kleinere Kinder - wollen aus verständlichen Gründen zusammen sitzen. Es scheint aussichtslos. Auf den freien Einzelplätzen sitzen Reisetaschen, die nicht heruntergenommen werden. Zusammenrücken will auch keiner.
"Meine Tochter sitzt auch oben alleine!" blubbert ein Opa.
Alles was machbar ist wird gemacht. Also erstmal nichts und Abwarten was passiert. Als sich nach einer Viertelstunde nichts tut und die Familie immer noch keinen Platz hat, werden sie auf die Notgalerie, gleich hinter den Fahrer verfrachtet.
Die Reiseleiterin, eine 62-jährige Halbrumänin mit ausgeprägtem "WIE"-Syndrom sitzt auf dem Beifahrersitz und verwaltet die Cola.

Da ich schon einmal in Fahrernähe sitze, fragt mich dieser auch prompt, wie er denn jetzt rauskäme aus Berlin. Ich sei doch Berliner, ich müsse es doch wissen. Er sei doch Busfahrer, warum wisse er es dann nicht, frage ich zurück, bemüht meine, durch diese üble Startphase arg in den Keller gerasten Morgens-ist-sowieso-alles-öde-Laune, nicht deutlicher aus mir herausbrechen zu lassen.
Ob Berliner alle so unfreundlich seien, will er wissen. Ob die Busfahrer bei Holiday Reisen alle so schlecht ausgebildet seien, will ich erstmal nicht wissen. Ich erkenne es wenige Augenblicke später. Ich erkläre ihm, er solle dem Schild Richtung Dresden folgen, worauf er prompt falsch abbiegt und eine Runde Einbahnstrassenroulette für Reisebusse spielt. Morgens um Sieben.
Ich sage zunächst nichts mehr und lausche den philosophischen Lebensweisheiten eines Reisebusfahrers und der profunden Ahnungslosigkeit seiner, unserer Reisebegleiterin. Ich erspare ihm den Hinweis auf die erschreckenden Blutarmut, die ich unter seiner Wolfgang Petri-Mütze diagnostiziere.

Irgendwer will Würstchen. Heiß. Morgens um Acht. Irgendwo zwischen Berlin und Dresden. Der Würstchenkocher sei kaputt, versichert Frau "WIE" glaubhaft und bietet statt dessen kalte Würstchen oder Cola an.
Der Fahrer fährt wie ein Henker nach Dienstschluss. Achselzuckend und nicht wissend wohin. Einmal verfährt er sich und bleibt vor einer Brückendurchfahrt stehen, die eindeutig zu niedrig für den Bus ist. Das er dies bemerkt, bevor er hindurch fährt, rechne ich ihm hoch an.

Im Kassettengerät des Fahrers beginnt indes die Wolfgang Petri Kassette das dritte Mal. Irgendwann reißt sie. Hinter mir spendet jemand Beifall.
Manchmal kommen schweisstropfende, dünnbekleidete Menschen vom Oberdeck herunter und beklagen sich über die Hitze. Wolfgang Busfahrer klopft halbherzig auf einer beliebigen Armatur neben seinem Lenker herum und reißt sein Fenster auf.
Nach einer Weile erscheint jemand mit Mütze und Mantel und meint, jetzt wäre es zu kalt.
"Könn die sich nich entscheiden" mault er in sich hinein.

Irgendwo in Tschechien kommt ihm ein Reisebus der selben Firma entgegen. Am Morgen war dieser zur gleichen Zeit von Berlin abgefahren. Jetzt ist er auf dem Rückweg. Wolle fragt, wo er denn lang müsse?
Es dunkelt und wir befinden uns im Riesengebirge. Auf einem Berg hält er und mault über die Ausschilderung.
Ich fand die Schilder in Tschechien bisher immer übersichtlich. Ist der weiße Pfeil an einem Ortsnamen rechts angebracht, fährt man rechts, ist er links, fährt man nach links, ist er oben drauf, geht's geradeaus. Wolle sieht das anders.
Auf dem Berg gibt es keine Wendemöglichkeit. Wolle beschließt rückwärts wieder runter zufahren. Das ist sicher ein schweres Unterfangen auf einer breiten Straße an einem hellen Sommertag. Wie haben Winter, es dämmert und der Boden ist das, was man gemeinhin als arschglatt bezeichnet. Ich fühle mich in die armen Seelen versetzt, die auf der Titanic im Unterdeck hocken mussten und blicke demonstrativ nicht aus dem Fenster. An einer Wegbiegung hält er und läuft zu einem Haus, um sich zu erkundigen. Der Motor läuft, der Bus tuckert und der Lenker vibriert. Wir stehen noch immer am Abhang, als der Busfahrer wiederkehrt. Der Bus ist in seiner Abwesenheit nur geringfügig gerutscht. Jetzt fährt er wieder nach oben.
Spät in der Nacht erreichen wir ein Hotel in einem Ort namens Jelemnize . Im Prospekt besagten Reiseunternehmens war eindrücklich darauf hingewiesen worden, dass die Unterbringung in Spindlermühle oder einem Ort in unmittelbarer Nähe erfolgt. Ich will gar nicht wissen, was bei Holiday Reisen weit entfernt bedeutet.

Die Firma Holiday Reisen führt seit Jahren intensive Feldforschungen und aufwendige Studien durch, um seinen Reiseopfern nur die ausgesucht hässlichsten Unterkünfte möglich zu machen.
Bei dem Hotel in das wir eingewiesen wurden, haben sie dabei voll ins Schwarze getroffen.
Das Hotel nennt sich Cedron und beim Betreten der Halle ziehen sich meine Lippen zusammen, als hätte ich auf eine Zitrone gebissen.
Die Rezeption, die dunkel und verlassen in einer Ecke kauert, erinnert mich an die Kommandozentrale der Nervenstation in "Einer flog über das Kuckucksnest". Auf dem Tresen liegen ein paar Schlüssel für die Zimmer. Ein älterer Tscheche sagt, er heiße Reiseleiter und "Winsche enen scheenen Aufenthalt in 'Otel Cedroon".
Und geht.

Essen gibt es keins mehr, das Personal hat längst Freigang. In der Hotelbar gebe es aber noch Bier, erfahre ich.
Die schäbige Bar stammt aus dem Jahre 1977. Seit dem hat sich vermutlich nichts verändert. Ein typisches Mitropa-Restaurant. Der schmierige Barkeeper, der auf meine Bestellung hin, beleidigt reagiert, sieht aus, wie auf Bewährung draußen. Er glotzt mich mit einem Gesicht an, das vermutlich "Ein Glück, das ihr nicht wisst was ich denke" ausdrücken soll. Allerdings auf Tschechisch.

Die Lobby - ich nenne sie jetzt mal so, da dieser Raum mit den Sesseln in anderen Hotels auch so genannt wird - ist eisig. Ein Fussballautomat frißt eine Krone pro Spiel. Eine Tischtennisplatte und drei Sessel mit breitgessenem Cordbezug versuchen das tödliche Ambiente zu beleben, machen die Sache aber noch schlimmer.

Das Zimmer ist lau geheizt und will noch umgeräumt werden. Es gibt nur eine funktionierende Nachttischlampe und die steht an einem Ort, wo sie an keine Steckdose heranreicht. Das Bett ist hart. Ich bin müde.
"Morgen - Schnee - Jucheee!" denke ich im Einschlafen. Gute Nacht.
Und Danke, das ich bis hierher überlebt habe.

Der Morgen graut als erstes. Mir graut kurze Zeit später. Das Klo hat einen Lüfter, der an ein startendes Düsenflugzeug erinnert. Geduscht habe ich auch schon schöner.
Das Frühstück ist dann nicht ganz so schrecklich, wie ich es mir vorgestellt habe. Der Kaffee ist schwach, die Brötchen sind tschechisch, was eigentlich eine angenehme Sache ist und über den Aufschnitt kann man sich nur beklagen, wenn man kein Hunger hat.
Wie heißt es? "Hunger ist der beste Koch?" Diese alte bauernschlaue Weisheit lässt sich getrost auf die Formel erweitern, "Hunger ist auch der risikofreundlichste Zusichnehmer."

"Wer möchte nach Spindlern Myln fahren, der kann fahren mit Bus steht vor Hotel Cedron in zehn Minuten", verkündet der alte Herr Reiseleiter durch die Tür. "Bus fährt um 4 wieder zurück nach Hotel Cedron vielen angenehmen Taaag."
Für Vollpensionsgäste gibt es ein Fresspaket als Tagesration, gefüllt mit Brötchen, Banane und Trinkpäckchen.

Der Tag in Spindlermühle ist dann ganz angenehm. Schnee fällt leise, Glühwein zischt, ein rustikales Restaurant kocht für wenig Geld ein sehr leckeres Essen. Ein schöner Ort. Für diesen Ort habe ich gebucht, glaube ich. Die Welt sieht hier sauber, friedlich und nach Erholung aus.

Das Hotel lauert am Abend mit all der Schmuddlichkeit auf, die es zu bieten hat. Und das ist eine Monstrosität.
Es gibt ein warmes Abendbrot. Eigentlich will ich es nicht beschreiben. Doch der Kampf für Gerechtigkeit und Wahrheit, die Sehnsucht nach einem besseren, menschenwürdigeren Dasein drängt mich es zu tun.
Kennen Sie aufgewärmtes Dosenfutter mit dem Namen "Gulaschsuppe-pikant-mit-Soße-nur-aufwär​men-fertig"? Ich kenne Katzen die lieber an Magersucht eingehen, als so etwas zu sich zu nehmen. Wiskas ist dagegen wohl eines der nahrhaftesten Leckereien, die der Mensch seiner Katze in solch einer Situation wegfressen könnte.
In der Suppe schwimmt etwas, das ich als halbierte Schabe identifiziere. Bis aufs Klo, um zu Kotzen komme ich nicht, da mich eine Gestankswand aus Urinüberdeckendem Reinigungsgift abblockt. Ich verschwinde hinter dem Haus im schmelzenden Schnee.
Jemand tritt aus der Hintertür des Küchentraktes. Ich vermute den Koch in dieser Gestalt. Er hat ein frisch gewendetes Geschirrtuch um die Hüfte. Es muss frisch gewendet sein, den die Flecken wirken, als wären sie schon länger trocken.
Gelbe, zum Teil fehlende, zum Teil schiefe Zähne parodieren ein Lächeln, von dem ich nicht weis, ob es mitfühlend oder schadenfroh ist.
Schmierfleck, dein Name sei Koch!
Koch im Hotel "Cedron"! Qualifikationen: Dosenöffnen und Zusammenfegen.

Abends fällt der Strom auf unserer Etage aus und ich erwische den Hausmeister auf der Flucht. Er stolziert beleidigt zum Sicherungskasten, nachdem ich ihm klarmachen konnte, das Licht auch dann gebraucht wird, wenn es dunkel ist, bewaffnet mit etwas Aluminiumpapier aus einer Packung Schokolade um die Sicherung zu überbrücken. Dabei qualmt er unablässig und hustet feucht schimmernde Brocken in die Gegend.

Am nächsten Tag regnet es und der Bus für die Heimfahrt ist noch drei Tage entfernt. Schade, das Holiday Reisen nichts fürs Wetter kann.

Ich hätte gern ein paar Übertreibungen eingefügt, um diesen Tatsachenbericht ein wenig aufzulockern. Leider fielen mir keine ein.

Es gibt viele Wünsche, die ich gern erfüllt sähe.
Der maßgeblichste Wunsch, noch vor der Aufhebung der Bewährung für die Cedron-Mitarbeiter und die anschließende versehentliche Bombardierung des Hotels, wäre die Stilllegung der Reisefirma Holiday Reisen. Verantwortliche der Firma für die Hotelauswahl gehören mit Suppe bekleckert. Reiseopfer angemessen entschädigt und mit Überlebensmedaillen bedacht.
Dieses Reiseunternehmen habe ich insgesamt drei Mal getestet, beginnend bei einem Qualtitätsgrad, der tief unten begann und sich nun im freien Fall befindet.

Möge ein großer Radiergummi kommen und Holiday Reisen wegradieren.

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  • JBrueckner 01.03.2008 16:41
    Bewertete diesen Bericht als
    besonders hilfreich
  • fuechsin82 22.01.2006 17:49
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • dakota104 21.02.2003 16:29
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • sim-avenue 03.03.2002 12:33
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Black-Gizmo 26.03.2001 19:42
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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