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Schöner Kotzen mit Holiday Reisen
Pro Reiseangebote ohne Vorwarnung im Briefkasten
Kontra Schlimm genug, um ein Trauma zu erzeugen
Es schneit. Winterurlaub. Endlich.
Seit Jahren war es mir nicht mehr vergönnt, mit Skiern unter den Einlagen oder einem Schlitten unter den langen Männern, durch weißen knirschenden Schnee zu gleiten, die Welt im schlitternden Geschwindigkeitsrausch an mir vorbei fliegen zu sehen, Glühweinbetankt im Skilift auf eisige Höhen zu schaukeln und dampfend das Wort Grog in den Schnee zu pinkeln.
Ja Träumen, das ist etwas Schönes. Besonders vor Reisebeginn.
Doch Träumen kann man nicht trauen, besonders wenn sie auf so dornigen Betten gelagert sind, wie jene, die Holiday-reisen heißen, jenem Reiseunternehmen also, das es sich auf die Fahnen geschrieben hat, für mäßig viel Geld keine oder so wenig Erholung zu bieten, wie irgend geht.
Im Bus sitzt jeder wo er will. Eine Familie - zwei Erwachsene und zwei kleinere Kinder - wollen aus verständlichen Gründen zusammen sitzen. Es scheint aussichtslos. Auf den freien Einzelplätzen sitzen Reisetaschen, die nicht heruntergenommen werden. Zusammenrücken will auch keiner.
"Meine Tochter sitzt auch oben alleine!" blubbert ein Opa.
Alles was machbar ist wird gemacht. Also erstmal nichts und Abwarten was passiert. Als sich nach einer Viertelstunde nichts tut und die Familie immer noch keinen Platz hat, werden sie auf die Notgalerie, gleich hinter den Fahrer verfrachtet.
Die Reiseleiterin, eine 62-jährige Halbrumänin mit ausgeprägtem "WIE"-Syndrom sitzt auf dem Beifahrersitz und verwaltet die Cola.
Im Kassettengerät des Fahrers beginnt indes die Wolfgang Petri Kassette das dritte Mal. Irgendwann reißt sie. Hinter mir spendet jemand Beifall.
Manchmal kommen schweisstropfende, dünnbekleidete Menschen vom Oberdeck herunter und beklagen sich über die Hitze. Wolfgang Busfahrer klopft halbherzig auf einer beliebigen Armatur neben seinem Lenker herum und reißt sein Fenster auf.
Nach einer Weile erscheint jemand mit Mütze und Mantel und meint, jetzt wäre es zu kalt.
"Könn die sich nich entscheiden" mault er in sich hinein.
Die Firma Holiday Reisen führt seit Jahren intensive Feldforschungen und aufwendige Studien durch, um seinen Reiseopfern nur die ausgesucht hässlichsten Unterkünfte möglich zu machen.
Bei dem Hotel in das wir eingewiesen wurden, haben sie dabei voll ins Schwarze getroffen.
Das Hotel nennt sich Cedron und beim Betreten der Halle ziehen sich meine Lippen zusammen, als hätte ich auf eine Zitrone gebissen.
Die Rezeption, die dunkel und verlassen in einer Ecke kauert, erinnert mich an die Kommandozentrale der Nervenstation in "Einer flog über das Kuckucksnest". Auf dem Tresen liegen ein paar Schlüssel für die Zimmer. Ein älterer Tscheche sagt, er heiße Reiseleiter und "Winsche enen scheenen Aufenthalt in 'Otel Cedroon".
Und geht.
Die Lobby - ich nenne sie jetzt mal so, da dieser Raum mit den Sesseln in anderen Hotels auch so genannt wird - ist eisig. Ein Fussballautomat frißt eine Krone pro Spiel. Eine Tischtennisplatte und drei Sessel mit breitgessenem Cordbezug versuchen das tödliche Ambiente zu beleben, machen die Sache aber noch schlimmer.
Das Zimmer ist lau geheizt und will noch umgeräumt werden. Es gibt nur eine funktionierende Nachttischlampe und die steht an einem Ort, wo sie an keine Steckdose heranreicht. Das Bett ist hart. Ich bin müde.Der Morgen graut als erstes. Mir graut kurze Zeit später. Das Klo hat einen Lüfter, der an ein startendes Düsenflugzeug erinnert. Geduscht habe ich auch schon schöner.
Das Frühstück ist dann nicht ganz so schrecklich, wie ich es mir vorgestellt habe. Der Kaffee ist schwach, die Brötchen sind tschechisch, was eigentlich eine angenehme Sache ist und über den Aufschnitt kann man sich nur beklagen, wenn man kein Hunger hat.
Wie heißt es? "Hunger ist der beste Koch?" Diese alte bauernschlaue Weisheit lässt sich getrost auf die Formel erweitern, "Hunger ist auch der risikofreundlichste Zusichnehmer."
Der Tag in Spindlermühle ist dann ganz angenehm. Schnee fällt leise, Glühwein zischt, ein rustikales Restaurant kocht für wenig Geld ein sehr leckeres Essen. Ein schöner Ort. Für diesen Ort habe ich gebucht, glaube ich. Die Welt sieht hier sauber, friedlich und nach Erholung aus.
Das Hotel lauert am Abend mit all der Schmuddlichkeit auf, die es zu bieten hat. Und das ist eine Monstrosität.Abends fällt der Strom auf unserer Etage aus und ich erwische den Hausmeister auf der Flucht. Er stolziert beleidigt zum Sicherungskasten, nachdem ich ihm klarmachen konnte, das Licht auch dann gebraucht wird, wenn es dunkel ist, bewaffnet mit etwas Aluminiumpapier aus einer Packung Schokolade um die Sicherung zu überbrücken. Dabei qualmt er unablässig und hustet feucht schimmernde Brocken in die Gegend.
Am nächsten Tag regnet es und der Bus für die Heimfahrt ist noch drei Tage entfernt. Schade, das Holiday Reisen nichts fürs Wetter kann.Ich hätte gern ein paar Übertreibungen eingefügt, um diesen Tatsachenbericht ein wenig aufzulockern. Leider fielen mir keine ein.
Es gibt viele Wünsche, die ich gern erfüllt sähe.Möge ein großer Radiergummi kommen und Holiday Reisen wegradieren.
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JBrueckner 01.03.2008 16:41
fuechsin82 22.01.2006 17:49
dakota104 21.02.2003 16:29
sim-avenue 03.03.2002 12:33
Black-Gizmo 26.03.2001 19:42
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