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Erfahrungsbericht

für HermSs, Paris
5 Sterne Hermes ist Luxus
22 von 22 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro Schön und edel

Kontra Sehr teuer

Der Autor

rentigger

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Seit meiner Schulzeit begleitet mich der Name Hermès . Denn unser Französischlehrer, ein liebenswerter, verschmitzter, zierlicher Mann, brachte uns zwar recht wenig Französisch bei („Glücklicherweise hat ja keiner von euch Französisch als Abiturfach - ach ja, außer der armen Maria“), dafür aber eine Menge über das Leben, Kultur und Antiquitäten. Jeden Morgen erwarteten wir gespannt die Zeremonie: er betrat den Klassenraum, hängte seinen Mantel auf den Haken (alle anderen Lehrer schafften den Weg quer durch das Gebäude vom Lehrerzimmer bis in die Klassen auch ohne Mantel), und dann kam der erregende Moment, in dem er sein Tuch ablegte.

Das war nicht einfach irgendein beliebiges Seidentuch, es war ein Tuch von Hermès! Ein solch kostbares Tuch mit diesem altehrwürdigen Namen legt man nicht einfach in die Ecke, man schüttelt es kurz aus und legt es sorgfältig zusammen! Wir erfuhren eine Menge über die Firma Hermès, die die besten Seidentücher der Welt herstellt (vielleicht auch die teuersten!), eine Firma, die vor vielen Jahren als Sattlerei begonnen hat. Im Lauf der Jahre kamen Lederwaren aller Art hinzu, dann Kleidung aus feinster, schwerer Seide und Accessoires aller Art. Ich wusste, irgendwas von Hermès werde ich mir jedenfalls nie kaufen, bei den Preisen!

Dann kam eines Tages meine Freundin Sabine mit ihrem ersten Hermès-Tuch an, ein Geschenk von ihrer ebenso lieben wie geschmackvollen und spendablen Tante. Ein leichter Hauch von Neid bei mir, aber ich würde nie so viel Geld für ein Tuch ausgeben! Mit der Zeit hatte Sabine mehrere wundervolle Tücher von Hermès , traumhafte Farben, hauptsächlich Reitermotive, immer von Hand sauber umnäht, so dass der Rand eine kleine „Rolle“ bildet.

Ich muss hinzufügen: ich bin selbst ganz verrückt auf Tücher, egal ob aus Polyester oder aus Seide; ich besitze Tücher und Schals in allen Farben, denn man kann wunderbar damit einem Kleidungsstück einen neuen Akzent geben, den „letzten Pfiff“.

Vor drei Jahren dann beschlossen Sabine und ich (eigentlich beschloss Sabine alleine, ich wurde förmlich überrumpelt!), dass wir zum Wochenende nach Paris fahren. Mittwoch überlegt, Freitag gefahren. Rein in den Zug und rein ins Abenteuer. Ein kuscheliges Hotel war schnell über die Touristenzentrale im Bahnhof gefunden, und sofort nach dem Einchecken waren wir auf dem Weg zu Hermès. Sabine hatte von ihrer lieben Tante DM 2000,- bekommen für den Kauf einer Handtasche dieser Nobelmarke, und die wollten wir natürlich schnell erstehen.

Nun rächte sich, dass ich so viel über Leben , Kultur und Antiquitäten gelernt hatte, und so wenig französisch; ich spreche zwar so eine Art Kauderwelsch-Französisch, die Einheimischen reden aber in einem Tempo, dass ich keine Ahnung hatte, was sie so erzählen. Traurig, aber wahr. Trotzdem, alle waren wahnsinnig nett und zuvorkommend. Das Beste war: wir hatten zwar eine Straßenkarte, aber keinerlei Ahnung, welche Adresse Hermès wohl hat. „Kann nur Champs-Elysées sein“, meinte Sabine. Also wanderten wir. Die ganze schon weihnachtlich geschmückte Prachtstraße entlang, Seitenstraßen rauf und runter. Plötzlich erschien uns ein Plakat mit Werbung für den neuen Duft von Hermès, Faubourg.

Wie sich herausstellte, ist dies die Heimatstrasse nicht nur von Hermès, sondern auch von Lagerfeld, Gucci, Givenchy und allen anderen berühmten Modehäusern. Ein Traum für jede Frau, wahrscheinlich ein Alptraum für die meisten Männer. Was dort für Mengen an Geld ausgegeben werden, man glaubt es kaum.

Inzwischen war es leider schon so spät, dass die Läden kurz vor Ladenschluss waren und wir nur kurz hineingehen, uns geblendet umsehen und wieder hinausgehen konnten. Klar waren wir am Samstagmorgen zwei der ersten Kunden bei Hermès. (Leider konnte Sabine ihre Handtasche nicht hier kaufen, als wir sahen, dass die Preise so bei DM 30.000,-- lagen! Dafür hat sie jetzt eine ganz rasante, exquisite Handtasche mit dem Label von Givenchy für schlappe DM 1500.--.)

Verhaltensregel für diesen Nobelladen: Nicht nach dem Preis fragen! Es ist nicht so, als würde man keine Auskunft erhalten, aber man erntet sehr mitleidige Blicke! Ein wenig blass wird man als Normalsterblicher, wenn man diverse Kunden rausgehen sieht, die mit dicken Tüten über und über beladen sind...

Mir gingen die Augen über. Mein Herz schlug schneller, ich geriet in Trance. Edelste Kleidung, Leder/Schuhe in bester Handwerkskunst genäht, Düfte, Schmuck...Die zauberhaften Tücher (90x90 cm), diese fast unerschwinglichen Kleinodien lagen dort in mehreren großen Vitrinen, zu kleinen Päckchen säuberlich gefaltet, jeweils zwei Beraterinnen (ich wage nicht, sie schlicht Verkäuferinnen zu nennen!) breiten die gewünschten Tücher zur Ansicht vor den Schlange stehenden Kaufwilligen bereitwillig aus, Tücher über Tücher flossen über das Glas der Vitrinen, und plötzlich überkam es mich. Ich hörte mich die Beraterin fragen, wie man diese raffinierte Art, ein Tuch zu tragen, hinbekommt (eine spezielle Faltung für den Blazer-Ausschnitt), sie erklärte es mir geduldig und ich durfte es bei meinem Lieblingstuch, zarte Orange- und beigefarbene Afrikalandschaft, anthrazitfarben umrahmt, selbst ausprobieren, welches ich natürlich sofort einpacken ließ. Ach und dann noch das mit der wunderschönen goldenen Sonne auf schwarzem Grund.

Sabine war fassungslos. Renate, die immer gesagt hatte, nie würde sie für ein Tuch so viel Geld ausgeben, zahlte locker mit ihrem guten Namen mal eben DM 435,- pro Tuch. Und war überschwänglich glücklich! Bin ich übrigens immer noch, drei Jahre später und noch um ein in Köln gekauftes Hermès-Tuch reicher. In Deutschland kostet solch ein Tuch übrigens DM 465,--.

Wir nahmen den dicken Katalog noch mit, unsere Tragetaschen und schwebten wieder auf die Straße. Tragetaschen? Ja, aber nicht irgendwelche! Es sind leuchtend orangefarbene Markenzeichen mit einem schlichten „H“ und einer kleinen Pferdekutsche samt stehenden Reiter und der aufgedruckten Anschrift:

HERMÈS
24, Faubourg Saint-Honoré,
Paris

Darin ein quadratischer Karton mit der gleichen Aufschrift, liebevoll zugebunden mit einem braunen Band (ratet mal, was darauf steht?), und darin endlich, in Seidenpapier eingeschlagen: das Tuch.

Ich hüte diese Schätze sorgfältig. Denn normalerweise würde ich niemals so viel Geld ausgeben für ein Tuch, obwohl ich Tücher so liebe. Merkwürdigerweise ist es tatsächlich so, dass man die echten Hermès tatsächlich einfach im Vorübergehen erkennt, obwohl es inzwischen Hunderte oder Tausende von Variationen gibt. Jede Saison gibt Hermès eine neue Kollektion unter einem neuen Motto heraus, immer wieder einmalig schön und edel.

Meine Tücher trage ich sehr häufig. Je nachdem, wie man sie umlegt oder bindet, sehen sie immer wieder anders aus. Ein traumhaftes Gefühl, sie umzulegen, diese unvergleichlichen, luxuriösen Accessoires. Non, je ne regrette rien - nein, ich bedaure nichts! Ich würde (werde?) mich gerne wieder mal höchstpersönlich verwöhnen mit einem so höchstpersönlichen Kleidungsstück!

Vielleicht kann das jetzt niemand nachvollziehen. Aber vielleicht achtet ihr bei Tüchern auch einfach mal auf das kleine Firmensignet und könnt bald auch sagen: „Ah, das ist das Echte!“

Hermès ist nicht nur eine Designerfirma. Für mich ist es ein kleines Stück Lebensgefühl und Lust. In allen großen Städten gibt es eine Filiale, aber die sind nicht zu vergleichen mit dem „Muttergeschäft“, dem Original in Paris. Trotzdem, einen Besuch sind die Geschäfte immer wert, freundliche Bedienung und Beratung ist auch ohne Kauf absolut selbstverständlich. Oh ja, es gibt auch wunderschöne Herrenmode, Hemden, Krawatten, Tücher, Uhren, Schuhe.....

Viel Spaß beim Bummel!


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Kommentare

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  • Ho-oh-Master 07.01.2005 17:03
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Jag-Lux 22.10.2003 19:09

    Hermès macht auch sehr schöne Gürtel! Und die Berater(Hermès Frankfurt) sind sehr sehr nett. Einfach einzigartig.

  • Muzikatz 22.08.2002 08:49
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • mozarteum 19.02.2001 11:18
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • getwell 16.02.2001 19:50
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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