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Erfahrungsbericht

für Herculaneum
4 Sterne Ein Ausflug in die Antike Bericht mit Bildern
140 von 140 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro Sehr sehenswert, sehr sauber, an einem Tag zu bewältigen

Kontra moderne Stadt ist sehr hässlich

Der Autor

Elfe45 Seit 19 Nov 2006

Ich pausiere zur Zeit hier bei ciao, aber ich komme wieder, keine Frage! mehr

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Hallo liebe Ciao-Gemeinde,

heute möchte ich euch über die archäologische Ausgrabungsstätte Herkulaneum berichten. Es ist die zweite antike Stadt, neben der bekannteren Stadt Pompeji, die von dem Ausbruch des Vulkanes Vesuv heimgesucht wurde.
Da ich im April 07 in der Region am Golf von Sorrent meinen Urlaub verbracht habe, sind wir an einem schönen Frühlingstag zum Ausflug nach Herkulaneum aufgebrochen.

1. Geschichte

2 .Anreise

3. Die moderne Stadt Ercolano

4. Eintritt

5. Das Ausgrabungsgebiet

***1. Geschichte***


Die kleine Stadt Herkulaneum lag an den Hängen des Vesuvs, dicht am Meer und nicht weit von der griechischen Kolonie Neapolis entfernt. Der Sage nach von Herkules gegründet, kann ihr Ursprung sehr weit zurückliegen. Bevor Herkulaneum Ende des 5. Jhs. v. Chr. unter die samnitische Herrschaft in Kampanien geriet, stand es unter den politischen und kulturellen Einflüssen von Neapolis. Es wurde nach dem Aufstand des nucerischen Städtebundes, dem Herkulaneum angehörte, gegen Rom, belagert und 89 v. Chr. von Titus Didius unterworfen und hatte dann Teil am römischen Munizipalisierungsprozess, der ganz Mittel- und Süditalien erfasste. Bis zum Jahr 79 n. Chr. entwickelte sich Herkulaneum zu einer mittleren Stadt mit 4000 Einwohnern, öffentlichen Gebäuden, regem Stadtleben und 2 natürlichen Häfen.

Während des verheerenden Vulkanausbruchs im Jahre 79 n. Chr. wurde die Stadt nicht unter einem Ascheregen vergraben, wie Pompeji, sondern von einer gigantischen Schlammlawine überrollt, die den Erdboden um 20 Meter erhöhte. Die gleichen Schlammflüsse erreichten das Meer und schoben die Küste etwa 450 Meter ins Meer hinaus.

Herkulaneum geriet in Vergessenheit und es wurde allmählich wieder bebaut, ohne zu ahnen, was sich im Erdreich darunter befand. Diese neue Stadt nannte sich bis 1969 Resina und wurde dann umbenannt.
1738 begann man mit Ausgrabungsarbeiten, nachdem man die Stadt durch Zufall bei einem Brunnenbau wiederentdeckt hatte. Diese Ausgrabungsarbeiten wurden in der Stollentechnik bis 1875 fortgeführt. Nach einer langen Unterbrechung wurden die Arbeiten "unter freiem Himmel" wieder aufgenommen. Von den ca. 2000 Hektar Ausdehnung der ehemaligen Stadt sind bis heute 4,5 Hektar freigelegt.***2. Anreise***


Wir sind mit der Schmalspurbahn Circumvesuviana nach Herkulaneum gefahren, deren Strecke von Neapel bis nach Sorrent führt. Man kann im Hauptbahnhof am Piazza Garibaldi in Neapel (Untergeschoss) einsteigen und fährt 9 Stationen bis nach Ercolano, oder steigt in Sorrento ein und fährt 23 Stationen bis nach Ercolano. Die Fahrdauer von Neapel bis Sorrento beträgt etwas mehr als 1 Stunde und die Bahn verkehrt im 30 - Minuten - Takt. Der Fahrpreis ist recht günstig und liegt je nach Fahrstrecke zwischen 2,00 € - 5,50 €.

Unser Startpunkt war Sorrent und ich kann diese Fahrt nur wärmstens empfehlen, da man einen herrlichen Ausblick auf den Golf von Sorrent und den Vesuv hat. Allerdings sieht man auch italienische Wohnblocks mit Wäsche auf den Balkonen und über die Straße gespannt. Die Bahn nimmt zwischenzeitlich ordentlich Tempo auf und passiert auch einige Tunnel. Ich fand diese Fahrt sehr anregend!

Selbstverständlich kann man Ercolano auch über die Stadtautobahn erreichen, ist aber bei der Fahrweise der Neapolitaner nicht sehr zu empfehlen.


***3. Die moderne Stadt Ercolano***


Am Bahnhof angekommen gingen wir die Stufen vom Bahnsteig hinab auf die Straße und wurden von Taxifahrern angesprochen, ob wir zum Vesuv fahren möchten. Dieses ist aber preiswerter mit dem Bus von dort aus zu bewerkstelligen.

Wir orientierten uns kurz und gingen dann an überlaufenden Müllcontainern und Bergen von stinkenden Mülltüten vorbei, in Richtung Stadt (ja, ja, die italienische Müllabfuhr)!

Wir gelangten auf die Hauptstraße, die einen ziemlich steilen Hang hinabführt.
Der Verkehr brauste an uns vorbei, eher hässliche Häuser säumten die Straße und auf den Gehwegen lag Unrat. Ärmlich aussehende Bewohner saßen auf einigen Bänken, Jugendliche lungerten herum, streunende Hunde überall.
Weit und breit kein einladendes Cafe oder Restaurant, nur ein wenig heruntergekommene Geschäfte. Nichts deutete auf diese berühmte Ausgrabungsstätte hin.
Nachdem wir die abschüssige Straße fast hinter uns hatten, gingen wir auf eine Mauer mit Torbogen zu. Und tatsächlich, es handelte sich um die archäologische Stätte "Herkulaneum"!

***4. Eintritt***


Am Eingang des archäologischen Austellungsgeländes ist die Kasse und ein kleiner Raum, in dem man Informationsmaterial in vielen Sprachen bekommt.

Der Eintrittspreis beträgt 10,00 € , reduziert für 18-24 jährige und Lehrer der EU 5,00 € , für Kinder unter 18 und Personen über 65 Jahre ist der Eintritt frei.
Man kann auch ein 3- Tagesticket erwerben für den Eintritt in Pompej, Herkulaneum, Oplontis, Stabia und Boscoreale für 18,00 €.

Öffnungszeiten sind von April bis Oktober 8:30 - 19:30 Uhr (letzter Einlass 18:00 Uhr) und von November bis März 8:30 - 17:00 Uhr (letzter Einlass 15:30 Uhr).

An der Kasse bekommt man eine kleine Broschüre mit Informationen und einen Übersichtsplan über die Anlage.
Nachdem wir das Kassenhäuschen hinter uns gelassen hatten gelangten wir auf eine Brücke, von der wir einen ersten Ausblick über das Ausgrabungsgelände hatten. Wir sahen in eine tiefe Grube mit Ruinen, aber auch Bäume und Menschenmassen.

Wir gingen eine ziemliche Wegstrecke um das Gelände herum und bekamen vor lauter staunen den Mund nicht mehr zu! Die Häuser des modernen Ercolano stehen direkt am Abgrund der Grube, oder anders herum, man hat inmitten der Stadt die antike Stadt ausgegraben. Wir hatten eigentlich erwartet, um die Ausgrabungsfläche Brachland anzutreffen, so dichte Bebauung rundherum hatten wir nicht vermutet.

Am Ende des Weges stehen einige Gebäude in dem sich ein Museumsladen, ein Cafe, und eine Gepäckaufbewahrung befinden.
Man muss dort größere Taschen, Rucksäcke, Schirme und andere sperrige Gegenstände abgeben, deshalb sollte man eine kleinere Tasche für die unbedingt benötigten Gegenstände mitnehmen Taschentuch, Butterbrot, Fotoapparat u. s. w.

Rauchen ist in der Anlage untersagt!
Toiletten gibt es nur hier, im Ausgrabungsfeld gibt es keine Toiletten!

Man kann sich an der Gepäckaufbewahrung einen Audioguide in seiner Sprache ausleihen. Dieser kostet auch noch einmal einige Euro (weiß nicht mehr so genau) und 50 Euro Pfand oder Personalausweis etc., dieses lohnt sich aber sehr, da sehr viele Informationen gespeichert sind , aber auch Anekdoten aus dem früheren Leben der Herkulaner . Es gibt an vielen Häusern Nummern, die man in das Gerät eingeben muss und schon erhält man die Erklärung.

Nachdem man alles erledigt hat geht man einen Weg mit Stufen hinab und gelangt in einen Tunnel, der einen ins eigentliche Ausstellungsgelände führt. Für Rollstuhlfahrer gibt es einen anderen Zugang.


***5. Das Ausgrabungsgebiet***


Als erstes nach dem Tunnel sieht man den antiken Strand mit den Bootshäusern, an dem man auch die Abdrücke einer Gruppe Menschen und ein Boot gefunden hat (sind aber nicht zu besichtigen). Der heutige Strand ist von hier aus nicht sichtbar, er befindet sich 450 Meter weiter, wie oben beschrieben.
Von hier aus muss man die Rampe der früheren Stadtmauer besteigen (Treppen) und gelangt auf den Vorplatz der Vorstadtthermen mit dem Grabaltar des M. Nonius Balbus, einem Senator der Stadt Herkulaneum. Es schließen sich einige Tempelanlagen an und man kommt dann in die eigentliche Stadt mit ihren Häusern und Villen.
Dadurch, dass die Stadt von der Schlammlawine eingehüllt wurde, sind die Gebäude viel besser erhalten als die Häuser in Pompeji. Die Hauser sind oft noch zweigeschossig, die Dachziegel sind noch erkennbar, Holzbalken wurden konserviert, selbst Möbelstücke sind noch erhalten.
Man kann in vielen Häusern herrliche Fresken bestaunen, in die Töpfe der Garküchen
Schauen und wunderbar erhaltene Mosaike ansehen.
Erschreckend fand ich, dass in einigen abgelegenen Räumen Initialen von Besuchern eingeritzt und sonstige Schmierereien hinterlassen wurden! So sind historische Zeitzeugen unwiederbringlich zerstört worden!

Man kann hier auch Personal bei der Konservierung und Erhaltung der Mauern beobachten. Das Mauerwerk und die Fresken werden mit Sprühfläschchen gesäubert und anschließend mit einer Masse konserviert. In der Anlage gibt es überall Mülleimer und das gesamte Areal ist, obwohl so viele Besucher dort durchgehen, sehr sauber!

Ich möchte die Vielfalt der Gebäude jetzt nicht einzeln beschreiben, denn das würde den Rahmen sprengen. Aber als besonders sehenswert möchte ich das Haus der Hirsche, die Männer- und Frauenthermen, das Haus mit der Zwischenwand und den Laden des Lanarius hervorheben. Nach ca. 4 Stunden Besichtigung haben wir ein Päuschen mit Butterbrot und Wasserflasche gemacht und festgestellt, dass unsere Füße uns nicht mehr tragen wollten!

Wir sind dann noch einmal durch die Straßen geschlendert und haben uns ausgemalt, wie das Leben vor nicht ganz 2000 Jahren hier von statten gegangen ist.
Nach gut 5 Stunden sind wir wieder Richtung Bahnhof aufgebrochen und sind zurück nach Sorrent gefahren.


***6. Fazit***


Ich und mein Mann können jedem, der einigermaßen gut zu Fuß ist, diese Besichtigung empfehlen. Verglichen mit Pompeji würde ich Herkulaneum jederzeit vorziehen. Es ist nicht so riesig und unübersichtlich, nicht so überlaufen und laut wie Pompeji, die Häuser sind besser erhalten und es ist einfach gemütlicher!
Man sollte aber auf jeden Fall festes Schuhwerk anziehen!

Mir hat nicht so gut gefallen, dass die moderne Stadt Ercolano so hässlich und schmutzig ist. Sie lädt nicht zum verweilen ein, man muss sie aber durchqueren, einen anderen Weg gibt es nicht.
Deshalb ziehe ich einen Punkt ab, denn es trübt ein wenig den Gesamteindruck.

So, nun lest und bewertet mal schön, eure Elfe45.

Bilder

für Herculaneum
Herkulaneum
von Elfe45 Elfe45

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Kommentare

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  • Lilanelke1978 27.07.2008 11:11
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Tazi 08.03.2008 22:10
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • bigsanuk 01.03.2008 20:07
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Dosenfleisch 15.12.2007 16:43
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • RubensfrauXXL 12.12.2007 13:03
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
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