Hemus-Air

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Mit Teewagen und Gardinen zurück in die 70er

5  14.09.2004

Pro:
freundliches Personal, saubere Flugzeuge

Kontra:
nix

Empfehlenswert: Ja 

Chrisjet88

Über sich:

Mitglied seit:20.05.2004

Erfahrungsberichte:13

Vertrauende:6

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 37 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

HEMUS AIR: RUSSENFLIEGER – NA UND?

Während meines Aufenthalts in Varna sollte ein Tag für die bulgarische Hauptstadt Sofia gedacht sein. Was liegt für mich – als Flugzeugfreak – näher, als mit Hemus Air dort hin zu fliegen?

DIE AIRLINE – SEIT 1991 DABEI
Hemus Air wurde 1991 gegründet und beschäftigt heute etwa 280 Personen. HMS – wie die Kurzform von Hemus Air lautet - ist eine Linienfluggesellschaft, scheut sich aber nicht, auch Charterflüge durchzuführen, oder kurzzeitig für andere Fluggesellschaften zu fliegen. So werden beispielsweise die Flüge der neuen bulgarischen Bexx mit den Tupolev 154M von Hemus Air durchgeführt. Ebenso werden manche Inlandsflüge mit dem Flugzeug der bulgarischen Regionalfluggesellschaft Flying Dandy durchgeführt. Für die Zukunft plant Hemus Air ihre Flotte weiter zu erneuern und noch besseren Service an Bord und am Boden zu bieten. Weitere neue Ziele sollen auf Billigflugbasis aufgenommen werden.

DIE ABFLUGHÄFEN UND ZIELE
HMS bietet regelmäßige Linienflüge von ihrer Basis am Flughafen Sofia nach Athen, Beirut, Bratislava, Bukarest, Dubai, Larnaca, Leipzig, Oslo, Prischtina, Skopje, Tirana und Tripolis an. Innerbulgarisch Fliegt HMS von Sofia nach Varna, im Sommer auch nach Bourgas.

DIE FLOTTE – RUSSENFLIEGER! NOCH!
Zur Zeit befinden sich insgesamt 18 Passagier- und eine Frachtmaschine in der Flotte: Zwei British Aerospace Bae146-200 (76 Sitze), drei Tupolev Tu154M (157 Sitze), sechs Tupolev Tu134A (76 Sitze) und sieben Yakovlev Yak40 (27 bzw. 30 Sitze). Bis auf die Bae146 sind alle Maschinen russischer Herkunft. Die Frachtmaschine ist eine LET Turbolet 410-UVPE. Des weiteren kommt hin und wieder eine komplett modernisierte Antonov An24 (48 Sitze) der Flying Dandy zum Einsatz. Diese Fluggesellschaft ist so auf HMS fixiert, dass die Kabine das Design von Hemus Air trägt. Das Durchschnittsalter der Flotte liegt recht hoch. So wurden die Tu154M und die Bae146 in den 80ern, die Yak40 und Tu134A in den 70ern gebaut. Aber HMS pflegt und wartet die Maschinen sehr gut, sodass sie immer noch ehrenvolle Dienste ausüben können. Dennoch sollen in die Jahre gekommene Yak40 und Tu134A durch die Bae146 ersetzt werden.

DIE BUCHUNG – ONLINE UND IM REISEBÜRO
Hemus Air Flüge lassen sich in jedem Reisebüro buchen. Auch wir haben in Deutschland unseren innerbulgarischen Trip von Varna nach Sofia gebucht. Inklusive Flughafengebühren zahlten wir 114€ pro Person. Die Flüge lassen sich aber auch im Internet buchen. Zum einen findet man eine Buchungsmaste auf www.hemusair.bg welche meines Erachtens etwas undurchsichtig ist. Man kann die Flüge (wenn es mehrere an einem Tag gibt) nicht wählen – nur das Datum. Die etwas sichere Variante ist die Buchung über einen Online-Reiseanbieter, z.B. www.start.de . Bitte schaut euch genau die Flugnummern an. Hemus Air hat irgendwie ein etwas konfuses Flugnummernsystem. Beispiel: DU977 um 19Uhr von Sofia nach Varna, DU9177 um 19:10Uhr am gleichen Tag ebenfalls von Sofia nach Varna.

DIE PREISE – INS AUSLAND GÜNSTIG –

Bilder von Hemus-Air
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Hemus-Air Bild 75130 tb
Antonov AN24 Flying Dandy
IM INLAND TEUER
Der große Vorteil bei HMS ist, dass die Airline Fixpreise anbietet. Egal wann man bucht, es gibt nur einen einzigen Tarif pro Strecke. Daher habe ich alle Preise (Quelle: Hemus Air) aufgelistet. Die Preise gelten für Hin und Rückflug zusammen, jedoch exklusive Flughafengebühren.

Sofia - Athen – Sofia 130€
Sofia - Beirut – Sofia 305€
Sofia – Bratislava – Sofia 170€
Sofia – Bukarest – Sofia 169€
Sofia – Dubai – Sofia 405€
Sofia – Larnaca – Sofia 195€
Sofia – Leipzig – Sofia 205€
Sofia – Oslo – Sofia 316€
Sofia – Prischtina – Sofia 165€
Sofia – Tirana – Sofia 170€
Sofia – Tripolis – Sofia 330€
Sofia – Varna – Sofia 105€
Sofia – Bourgas – Sofia 90€

Hemus Air bietet Sondertarife für Babies, Kinder, sowie für Studenten und Senioren an.

DER CHECK-IN – ONE HOUR BEFORE
Endlich kam nach den ganzen Faulenzertagen in Zlatni Pjasaci der Tag, an dem wir uns die bulgarische Hauptstadt Sofia anschauen wollten. Wir hatten uns Tags zuvor von der Rezeption ein Taxi bestellt, dessen Fahrer uns zur vereinbarten begrüßte. Die einfache Fahrt von Zlatni Pjasaci zum Flughafen Varna kostete 35 Leva. Dafür bot der Taxifahrer an, uns am Abend wieder abzuholen. Wieso auch nicht. So hatten wir die Gewissheit, dass wir am Abend nicht auf fremde Taxifahrer angewiesen waren. Etwa 1 ½ Stunden erreichten wir den Flughafen und wir suchten mindestens fünf Minuten lang nach den richtigen Check-In Schaltern. Diese werden aber erst etwa eine Stunde vor Abflug für Innlandsflüge geöffnet. Wir besuchten also das Hemus Air Büro, da wir – wie ich es Tags zuvor erfahren hatte – auf den Flug DU9177 von Sofia nach Varna gebucht wurden, obwohl wir Tickets für den Flug DU977 hatten. Die sehr freundliche Dame überschrieb die Tickets mit den richtigen Daten und wünschte uns eine angenehme Reise. So wurde es 11Uhr und die Check-In Schalter blieben leer. Kurze Zeit später wurden wir von Hemus Air informiert, dass sich der Abflug rund zwei Stunden verspäten würde.
Gegen 14:00Uhr, also bereits zwei Stunden nach der geplanten Abflugszeit durften wir endlich einchecken. Flott gingen wir in den kleinen Wartebereich für Inlandsflüge. Und was landete kurze Zeit später mit lautem Getöse auf der Landebahn? Die Antonov An24 der Flying Dandy, die uns nach Sofia bringen sollte. Nachdem die ankommenden Passagiere, sowie rund 20 Transitgäste das Terminal betraten, wurde 14:45Uhr als offizielle Abflugzeit bekannt gegeben.

DER FLUG – MIT TEEWAGEN UND GARDINEN ZURÜCK IN DIE 70ER
Gegen 14:30Uhr durften wir endlich den Bus, der uns zu der Antonov bringen sollte, besteigen. Die 43 Passagiere waren schnell im Bus, sodass wir bereits 5 Minuten später das Flugzeug erreichten. Die Propellermaschine sah zwar an einigen Stellen etwas dreckig aus, machte ansonsten aber einen sehr guten Eindruck. Sie hatte immerhin schon 37 Jahre auf dem Buckel! Da darf sie sich ruhig ein Paar Schönheitsfehler erlauben ;-)

Über eine flugzeugeigene Treppe im hinteren Bereich bestiegen wir die Kabine. Sofort wurden wir von den freundlich und aufgeweckt wirkenden Stewardessen auf bulgarisch und englisch begrüßt. Wir hatten freie Sitzplatzwahl, sodass ich mir die aller letzte Reihe aussuchte. Ich war angenehm überrascht von dem Sitzabstand der doch größer war, als ich gedacht hatte. Ich war eigentlich von der ganzen Maschine positiv überrascht, denn auch die Kabine machte einen sehr ansprechenden Eindruck. So hatte Flying Dandy blauen Teppichboden verlegt und bequeme Sitze im blauen Hemus Air Design einbauen lassen. Vor den runden Fenstern hangen Gardinchen, die die gleichen Muster wie die Sitze hatten. Warum Gardinen? Nun, an den Fenstern der An24 befindet sich nicht der übliche Sonnenschutz. So etwas gab es damals anscheinend noch nicht, sodass man kurzer Hand Gardinen einbauen lies. Gedämpftes Licht rundete die gemütliche Atmosphäre an Bord ab. Gepäck, dass nicht auf die Ablagen passte, konnte in einer Art Rumpelkammer am hinteren Ende der Kabine abgegeben werden.

Nach kurzer Zeit heulten die Propeller der Maschine so stark auf, dass der Rumpf anfing zu wackeln. Die Stewardessen begannen mit den Sicherheitsanweisungen, die in perfektem Englisch locker vorgeführt wurden. Da die Maschine über keinerlei Anschnallzeichen verfügt, kontrollierte die Crew besonders gründlich, ob auch jeder angeschnallt war. Wer mit den Gurten nicht zurecht kam, der bekam Hilfe von den Stewardessen mit einem freundlichen Lächeln.

Der Pilot löste die Bremsen und die Propeller heulten noch stärker auf als wir uns auf den Weg zur Startbahn machten. Schon bekamen wir die Startfreigabe und die Maschine setzte sich flott in Bewegung. Da die Motoren der An24 nicht gerade die stärksten sind, benötigten wir sehr viel Bahn, bevor wir uns mit unglaublich geringer Steigrate in den wolkenlosen Himmel über Varna erhoben. Nun in der Luft war die Lautstärke erheblich geringer, aber das vibrieren des Rumpfes lies kaum nach. Als wir unsere Reiseflughöhe von nur etwa 4300m erreichten machten die Stewardessen die Snacks und Getränke fertig. Ich musste mir das kichern verkneifen, als ich plötzlich sah, wie eine der Beiden mit einem schnuckeligen Teewagen nach vorne fuhr. Einer nach dem anderen bekam ein leckeres Schokocroissant und dazu einen Softdrink. Kurze Zeit später wurde auf Anfrage auch Kaffee serviert. Was will man mehr auf einem einstündigem Inlandsflug? Wir waren rundum zufrieden.

Nachdem ich alles verputzt hatte, ging ich zu den Stewardessen die mir sofort ein Lächeln zuwarfen. Ich sagte, dass ich ein Flugzeugfan aus Deutschland sei und gerne Fotos machen würde. Sie freuten sich richtig und hatten absolut nichts dagegen. Plötzlich meinte eine von ihnen, ob ich auch im Cockpit Fotos machen wolle. Ich entgegnete ihr mit einem etwas verduztem „Now?“ und eh ich das alles realisieren konnte, lief sie nach vorne ins Cockpit. Währendessen unterhielt ich mich mit ihrer Kollegin über das Flugzeug. Sooo als sei es ja noch nicht, nicht mal 40 Jahre. Ich wunderte mich etwas über ihr Verständnis des Wortes alt. Sie fliege gerne damit. Unser Gespräch wurde abrupt unterbrochen, als die andere Stewardess das Ok für einen Cockpitbesuch WÄHREND DES FLUGES gab. Verduzt aber glücklich schnappte ich meine Kamera und machte ich auf den Weg. Zwischen Passagierkabine und Cockpit befindet sich der Frachtraum, durch den ich mich zwängen musste, da doch sehr viel Gepäck verstaut war. Die Piloten begrüßten mich und wir unterhielten uns über die Maschine und die Flugroute. Es war recht viel Platz im Cockpit, sodass ich mich zu den Dreien setzen konnte und Fotos machte. Nach rund fünf Minuten verlies ich das Cockpit wieder und bedankte mich bei der gesamten Crew.

Etwa zehn Minuten vor der Landung in Sofia leiteten sie den Landeanflug ein, der doch etwas turbulent war. Vergleichsweise sanft landeten wir auf Sofias Flughafen und rollten zur Parkposition. Die Stewardessen koppelten die flugzeugeigene Tür wieder in das Scharnier ein, öffneten die Türe nachdem wir angekommen waren und ließen die Treppe vorsichtig zu Boden. Ich verließ als letzter die Maschine und bedankte mich nochmals für diesen angenehmen Flug.

Nach einem ausgiebigen Spaziergang – oder ehr Sprint – durch Sofias Innenstadt erreichten wir per Taxi (4 bis 7 Leva pro Fahrt) den Flughafen und Checkten für unseren Rückflug ein. Beide Flüge nach Varna, sowohl DU977 und DU9177 wurden an den gleichen Schaltern abgefertigt. Einige waren verwundert, dass sie nun zehn Minuten später fliegen sollten. Wir waren wohl die einzigen, die vorher wussten, dass es Flug DU9177 gab. Jetzt bekamen wir auch fest zugewiesene Plätze.

Diesmal bestiegen wir pünktlich die Maschine, eine Yakovlev Yak40. Besteigen ist hier wörtlich zu nehmen, da alle Passagiere über eine äußerst steile Treppe im Hinterteil der Maschine einsteigen mussten. Die Kabine war so klein, dass ich nicht aufrecht stehen konnte und mich gebückt zu unseren Plätzen vorkämpfte. Hemus Air tut sich und den Passagieren keinen Gefallen damit, vier statt drei Sitze in eine Reihe zu quetschen. Der Gang war nicht mal mehr 30cm breit. Wir erwischten zudem genau die Plätze, die hinter dem Kleiderraum lagen. Wir konnten unsere Füße also in keiner Weise ausstrecken.
Ansonsten war auch dieser Flug sehr angenehm und der Steward, der sich durch den schmalen Gang kämpfen musste, war ebenso freundlich wie die Stewardessen der Flying Dandy.

FAZIT – GERNE WIEDER
Hemus Air hat meine Erwartungen bei Weitem übertroffen und auch die Antonov und die Yakovlev waren absolut Top in Schuss. Da sieht man mal wieder, dass die Vorurteile gegenüber russischen, bzw. sowjetischen Flugzeugen eben NUR Vorurteile sind und dass die Herkunft und das Alter nichts über den Zustand der Flugzeuge aussagt. Mein Fazit: Ich würde jederzeit wieder mit Hemus Air und Flying Dandy fliegen.

Grüße
Chris

Ps.: Die Maschinen waren sogar etwas besonderes: Die Antonov An24 ist das erfolgreichste Kurzstreckenflugzeug der ehemaligen Sowjetunion und die Yakovlev ist das kleinste dreistrahlige Verkehrsflugzeug der Welt

Edit: Sorry. Aber mir kam die alte Überschrift doch etwas zu aufdonnernd vor. Daher habe ich eine etwas ironischere gewählt. Bitte nicht böse sein ;-)
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
ytraveller

ytraveller

23.04.2009 14:27

Ob ich wohl in ein paar Jahren auch noch in das tolle Vergnügen dieser Flieger kommen könnte? Ich glaube leider nicht. LG, Stephan

meteor01

meteor01

25.12.2006 19:10

Wie konnte ich diesen bericht verpassen>>>))))))))

rawadinec

rawadinec

03.07.2006 17:47

Einfash super..echt angenehm zu lesen und sehr informativ

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