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~ Heidelberg ~

5  07.09.2006

Pro:
schöne Stadt am Neckar

Kontra:
nix

Empfehlenswert: Ja 

SabineG1959

Über sich: Schade, dass man nicht über Kommentare zu einer wirklichen Diskussion kommen kann, hätte Euch gerne ...

Mitglied seit:16.10.2004

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Am ersten Septemberwochenende dieses Jahres machte die Singgemeinschaft einen Ausflug nach Heidelberg. Wir übernachteten im Rhein-Neckar-Hotel in Eppelheim bei Heidelberg, das landschaftlich schön und ruhig gelegen ist.

Von hier aus fuhren wir mit unserem Reisebus in die Stadt. Zunächst ging es den schon unter "Thingstätte" beschriebenen engen und steilen Weg den Heiligenberg hinauf zum Bismarckturm, von wo man eine wunderschöne Aussicht auf die Stadt, den Neckar, das Schloss und den Königstuhl mit der Bergbahn hat, zur Thingstätte und den beiden Klosterruinen. Dies alles liegt am Keltenweg, einem Rundwanderweg.

Anschließend ging es wieder den engen und steilen Weg hinab in die Stadt, wo wir die bereits unter "Neckarschifffahrt" beschriebene Rundfahrt mit dem Solarkatamaran geplant hatten. Direkt am Neckarufer verläuft die oder zumindest eine Hauptverkehrsstraße. Hier gibt es eine Haltebucht extra für Busse, wo man die Passagiere kurz aus- und einsteigen lassen kann. Die Busse selbst müssen dann zu einem Extra-Busparkplatz nahe dem HBF gefahren werden.

Von hier ist es nicht weit bis zur Alten Brücke und zu den Schiffsanlegestellen. Die Alte Brücke, auch Karl-Theodor-Brücke, ersetzte 1788 die früheren Holzbrücken, die immer wieder durch Hochwasser, Eis oder Feuer zerstört worden waren. Das Denkmal zu Beginn der Brücke soll wohl den Erbauer, den Kurfürsten Karl-Theodor darstellen. Die Türme und das Brückentor sind noch Reste der alten Stadtmauer Heidelbergs.

Die Rundfahrt auf dem Solarschiff führte uns ein Stück neckaraufwärts an schönen alten Villen vorbei bis fast zum Wehr, wo es auch eine Schleuse gibt. Dann wendeten wir und fuhren neckarabwärts unter der Alten Brücke und der Theodor-Heuss-Brücke hindurch. Am rechten Ufer kamen wir an den Neckarwiesen vorbei, einem Freizeitzentrum mit Liegewiesen, Spielplatz, Gastronomie und wunderschönen alten Bäumen.

Am anderen Ufer erblickte ich einen riesigen alten Bau, die Marställe, die heute als Mensa für die Studenten genutzt wird. Heidelberg hat die älteste Universität auf heutigem deutschem Boden, und die Hörsäle sind in der ganzen Stadt verstreut, teilweise auch in sehr alten Gebäuden. Gegründet wurde sie im Jahre 1386 von Ruprecht I.

Nach der Fahrt mit dem Schiff machten wir einen Stadtbummel und besuchten dabei die alte Aula, die heute noch zu besonderen Anlässen genutzt wird, und den alten Karzer, der sich im selben Gebäude befindet. Die Wände und noch erhaltenen Tische wurden mit Kunstwerken der Studenten verziert, die hier eingelocht worden waren. Zum Teil haben sie auch in romantischen Gedichten beschrieben, warum sie hier waren und wie es ihnen hier ergangen ist. Es waren mehrere kleine Räume unter dem Dach, in denen jeweils zwei Betten standen und ein Tisch mit zwei Stühlen. Ein Plumpsklo existierte auch noch. Wenn ich das richtig

Bilder von Heidelberg
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Patrizierhaus am Ende der Straße
verstanden habe, mussten die Studenten nur die Nächte dort verbringen, zu den Vorlesungen durften sie wohl gehen.

Bei unserem Bummel kamen wir an einem wunderschönen Patrizierhaus vorbei, das als einziges die Zerstörung Heidelbergs von 1689/93 überstand. Wir betrachteten mehrere Kirchen von außen, z.B. die barocke Jesuitenkirche in der Nähe des Universitätsplatzes und die Heiliggeistkirche auf dem Marktplatz. Sie stammt aus dem Jahre 1398 und trägt ein Barockdach aus dem Jahre 1698. Rund herum findet man Stände mit Souvenirs und Ansichtskarten.

Das Besondere an der Kirche ist ihre Zweiteilung: sie wurde von 1706 bis 1936 für beide Konfessionen genutzt, so dass durch die Teilung jede ihren eigenen Bereich hatte.

Außerdem wurden in ihr der Kirchen- und Universitätsgründer Ruprecht I mit seiner Ehefrau Elisabeth von Hohenzollern begraben.

Gleich gegenüber von der Kirche steht sich das barocke Rathaus, erbaut von 1701-1703, mit zwei neobarocken Anbauten aus den Jahren 1885 bis 1924. Das Glockenspiel, das dort jeweils um 12, 16 und 19 Uhr erklingt, haben wir leider verpasst.

Zu Abend gegessen haben wir in der absolut urigen Studentenkneipe "Zum Roten Ochsen", wo die Tische wie im Karzer mit studentischen Schriftzügen verziert sind, die sorgsam gepflegt werden. Hier spielte ein Klavierspieler, an manchen Abenden gibt es dort auch Auftritte mit Klavier und Gesang, diesen Abend gestalteten wir selber mit Gesang zu den Melodien des Pianisten, was sehr, sehr viel Spaß gemacht und zu sehr ausgelassener Stimmung geführt hat und uns missbilligende Blicke eintrug von Leuten, die sich dem Aussehen und Benehmen nach irgendwie hierher verirrt hatten und nicht so recht hier hinein passten. Ich meine, wir sind ein Chor, wir können also SINGEN und haben wirklich gesungen und nicht gegrölt oder so!

Sehr zum Bedauern des Pianisten mussten wir das Lokal seiner Ansicht nach viel zu früh verlassen, da wir ja noch was Wichtiges vor hatten und warum wir ausgerechnet dieses spezielle Wochenende für unsren Ausflug gewählt hatten: es ging um den Untergang Heidelbergs, um das Schauspiel, wie Heidelberg in den französischen Erbfolgekriegen zerstört worden war, nämlich um die Schlossbeleuchtung, die das brennende Schloss darstellen sollte, und das anschließende Feuerwerk.

Um dafür einen guten Platz am Neckarufer zu erlangen, mussten wir rechtzeitig los, da der direkte Weg über die Alte Brücke gesperrt war - von hier aus wurde das Feuerwerk abgeschossen - und wir einen Riesenumweg über das Wehr machen mussten. Die Plätze nahe der Brücke waren alle gesperrt, und die Polizei achtete auch peinlichst darauf, dass sich niemand innerhalb der Absperrung aufhielt. Auch das Wasser war voller Zuschauer, die sich auf den Fahrgastschiffen und auf kleineren Booten aufhielten.

Um 22 Uhr läuteten die Glocken, alles wurde dunkel, die Laternen gingen aus, die Lichter in den Häusern verlöschten, und langsam ging die rote Beleuchtung des Schlosses an, das nun rot glühend mit seinen vielen leeren Fensterhöhlen gespenstisch über der Stadt thronte. Langsam verlöschten auch die "Flammen", und alles war wieder dunkel. Kurz danach krachten die "Kanonen", das Schlachtengetümmel - äh - Feuerwerk begann. Da ich gerade rechtzeitig meinen neuen Fotoapparat mit Feuerwerksmodus erhalten hatte, habe ich den auch gleich ausprobiert, war aber irgendwie nicht so schnell wie die Knaller …

Zur richtigen Einstimmung auf das Feuerwerk wurde in mehreren Kirchen Händels Feuerwerksmusik aufgeführt, zusammen mit jeweils unterschiedlichen anderen Werken, was einige aus der Gruppe auch genutzt haben. Nach dem Feuerwerk und der Wanderung zurück über das Wehr trafen wir uns alle wieder an der Haltestelle für die Reisebusse und fuhren wieder ins Hotel zurück.

Der nächste Vormittag war dann ganz dem Besuch des Schlosses und des Königstuhls gewidmet. Wie gehabt wurden wir an der Bushaltestelle entlassen und fuhren wie schon unter "Bergbahnen" beschrieben zunächst zum Schloss. Dort hatten wir ca. 1 Stunde Zeit für den Schlossgarten, was aber lange nicht ausreichte, da dieser einfach riesig und über mehrere Terrassen in den Berg gehauen wurde. Er galt in den alten Zeiten als 8. Weltwunder. Der Erbauer war der Winterkönig Friedrich II, der mit 16 die 16-jährige Elisabeth Stuart, Verwandte des Sonnenkönigs Ludwig XIV von Frankreich heiratete, eine Liebesheirat, die aber auch aus Vernunftgründen angezettelt worden war.

Seiner Elisabeth zuliebe baute er das düster wirkende und ursprünglich zu Verteidigungszwecken gebaute Schloss in ein freundliches um, das dann aber dem Einfall der Franzosen bei dem bereits erwähnten Erbfolgekrieg nicht mehr stand halten konnte. Ein Teil der Verschönerung waren eben diese Gartenanlagen, die den Berg dem einfallenden Heer öffneten.

Das berühmte Elisabethtor im Garten ließ er in einer einzigen Nacht erbauen und schenkte es seiner Liebsten zum 19. Geburtstag. Auf dem Verteidigungsturm ließ er eine helle Etage mit vielen Fenstern statt Schießscharten aufsetzen, die dann als Ballsaal genutzt wurde.

Warum es zu dem Erbfolgekrieg kam und warum der Winterkönig nur einen Winter regierte, das würde hier zu weit führen. Das hing mit dem 30-jährigen Krieg (1618-1648) und Wallenstein zusammen und wäre einen separaten Bericht wert.

Nach dem Rundgang durch den Garten ging's zur Schlossführung. Hier erfuhren wir, dass der bereits erwähnte Kurfürst Karl Theodor die Schlossruine wieder bewohnbar machen wollte, sein Vorhaben aber aufgab, nachdem das Schloss wiederum abbrannte. Danach wurde es von den Heidelbergern als Steinbruch genutzt.

Der Franzose Baron Charles de Graimberg verliebte sich auf einer Heimreise nach Frankreich über Heidelberg in das Schloss, zog in den noch erhaltenen Teil ein und bemühte sich erfolgreich um die Erhaltung und Restaurierung des Schlosses.

Heute befinden sich in dem nicht zerstörten Teil viele alte Möbel - das Originalinventar existiert allerdings nicht mehr. Außerdem gibt es eine Rittersaal, in dem heute Abschlussbälle und verschiedene andere private und öffentliche Veranstaltungen statt finden.

Im Schlosshof wird man fotografiert und kann für 8 Euro das Bild kaufen. Von hier aus gelangt man noch auf eine weitere Aussichtsterrasse mit wunderschönem Blick über die Stadt und auf den gegenüberliegenden Philosophenweg, für den wir leider keine Zeit mehr hatten, und natürlich zum riesigen Fass (8x9m 221.726l Fassungsvermögen), das Karl Theodor für den Zehnten, also die Steuer in Form von Wein, erbauen ließ.

Ebenfalls im Schlosshof befindet sich der Eingang zum Apothekenmuseum mit zwei alten Apotheken und vielen weiteren Ausstellungsstücken zu dem Thema.

Wieder zurück zur Bergbahn fuhren wir eine weitere Station zur berühmten Molkenkur hinauf. Hier stand früher die Ober Burg von Heidelberg, das Schlossareal beherbergte die Untere Burg. Heute ist die Molkenkur ein Hotel mit Restaurant und Veranstaltungssälen für bis zu 400 Gäste. Hier haben wir lecker und stilvoll gegessen zu trotz allem moderaten Preisen.

Hier stand früher das Hotel "Schweizerhaus", das 1852 von einem Arzt Alfred Wagner erbaut wurde und wo Kuren mit Ziegenmolke angeboten worden waren, daher der Name Molkenkur.

Nach dem Essen ging es weiter zur historischen Bergbahn, wo also die alten Holzwaggons noch verkehren. Vom ca. 550 m hohen Königstuhl - Haltestelle der Bahn bei 549 m - haben wir uns den Wind um die Ohren wehen lassen und einen wundervollen Ausblick über Stadt und Neckar bis zur Rheinebene genießen können. Der Königstuhl ist der zweithöchste Berg des Odenwaldes.

Hier oben gibt es noch das kleine unter "Bergbahnen" beschriebene Museum und ein Hinweisschild zum Märchenparadies, das sich für einen Ausflug mit Kindern anbietet, wo wir aber nicht gewesen sind.

Von dem Ausflug nach Heidelberg bin ich immer noch ganz begeistert. Heidelberg ist eine wunderschöne alte Stadt mit Atmosphäre - nur die vielen Touristen überall stören … *g*

Ich kann einen Ausflug hierher nur uneingeschränkt empfehlen, finde aber ein Wochenende von Samstag mit Anreise und Sonntag mit Abreise, also eigentlich nur einen einzigen vollen Tag, viel, viel zu wenig.

Erwähnen möchte ich noch die vielen Wanderwege in den Bergen, auch mehrere Themenwege, den bereits erwähnten Kelten- und den Philosophenweg, dann noch einen Waldlehrpfad etc. Ich denke, einen oder mehrere Heidelbergausflüge sollte man mit einem Urlaub im Odenwald verbinden, damit die Anreise sich auch wirklich lohnt und man alles Schöne auch wirklich ansehen kann.

Viel Spaß! Alles Liebe von Sabine :)

PS: noch mehr Fotos s. http://www.sabines-kaleidoskop.de/Heidelberg.htm

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
esposa1969

esposa1969

27.06.2010 21:57

als Mannheimerin oft und gerne in HD

store_troll

store_troll

05.11.2006 14:52

Das weckt alte Erinnerungen ... Trollige Grüße

hertenbergerinna

hertenbergerinna

04.11.2006 01:38

Deine Bericht hätte ich gebraucht als ich mich hoffnungslos verfahren hatte und mitten in Heidelberg stand und nicht wußte wohin ich fahren sollte um wieder aus der Stadt auf die Autobahn zu gelangen , Gruß Inna : ))

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