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Musik zum "Anfassen" im Haus der Musik, Wien
Pro alles
Kontra nix
Gestern war ich mit meiner türkischen Brieffreundin, die Walzer so sehr liebt, im Haus der Musik in Wien. Auf die Idee, dort hin zu gehen, bin ich beim Lesen von ciao-Berichten über dieses Haus gekommen.
Die Adresse lautet:Haus der Musik
Seilerstätte 30
A-1010 Wien
Wir sind mit der U3 zum Stephansplatz gefahren, wo auch die U1 hält, und dann am Dom entlang am Mozarthaus in der Domgasse vorbei ziemlich geradeaus bis zur Seilerstätte zu Fuß gegangen. Man trifft direkt auf die Straße, wo es geradeaus nicht mehr weiter geht, und hält sich dann rechts.
Durch einen Torbogen landet man im ehemaligen Innenhof, der nun ein mit Glas überdachtes Foyer des Museums ist. Dort fiel mir als erstes auf der linken Seite ein schwarzer Flügel auf mit einem Schild, dass man sich den Schlüssel an der Kasse holen kann, wenn man dort spielen möchte. Ebenfalls im Hof befindet sich rechts eine kleine Caféteria, wo man auch in diesem Innenhof sitzen und Musik hören kann - entweder vom Klavier oder aus einem Lautsprecher.Geradeaus geht es dann zum Museum, wo an der Kasse eine sehr freundliche Mitarbeiterin saß. Ich sagt ihr, dass wir zwei Eintrittskarten bräuchten und dass ich im Internet gelesen hätte, dass es für Behinderte Ermäßigung gäbe. Sie fragte mich, ob ich eine Begleitperson bräuchte, und ich fragte sie, ob sie den Ausweis sehen wolle und ob das darin stehen müsse. Mit den österreichischen Schwerbehindertenausweisen kenne ich mich ja nun nicht so aus. Sie verneinte beides und ordnete mir meine Freundin als kostenlose Begleitperson zu, eine Steckkarte für die Liftbenutzung erhielten wir noch dazu. So kamen wir also zu zweit für 8,50 Euro in diese tolle und originelle Museum. Hier die offizielle Preisübersicht:
Erwachsene 10,00Schüler, Studenten (unter 27 Jahre), Senioren, Behinderte,Grundwehrdiener 8,50
Kinder unter 3 Jahren frei
Schülergruppen (ab 10 Personen) 6,50
Jahreskarte Erwachsene 80,00
Katalog 5,00
Persönliche CD 7,00
Garderobe 0,80
In die erste Etage fuhren wir also mit dem Lift.
Dort befindet sich das Museum der Wiener Philharmoniker mit einem Verkaufsstand dazu im ersten Raum. Rechts davon befindet sich ein Konzertsaal, in dem es ein Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker gab - auf Leinwand natürlich ….Links von diesem Verkaufsraum ging es in einen Raum mit ein paar Ausstellungsstücken zu den Wiener Philharmonikern. Das beste allerdings gab es in der linken hinteren Ecke: dort standen zwei Stehpulte mit Glasplatten, auf denen je ein Würfel aus einer Art Schaumgummi lag, links ein roter, rechts ein blauer. Vor uns war eine Leinwand wie im Kino, wo wir den Hinweis fanden, dass man hier einen Walzer komponieren bzw. mit diesen Würfeln würfeln kann. Auf der Leinwand konnte man dann die Entstehung des Werkes mit Notenbild und auch Ton verfolgen. Die jeweils gewürfelte Zahl erscheint in der linken oberen Ecke in der entsprechenden Farbe. Ist einer der beiden schneller fertig, erscheint auch ein Hinweis auf der Leinwand, dass nun noch der andere mit Würfeln an der Reihe wäre - einfach idiotensicher … Als wir nun unser Stück fertig komponiert äh gewürfelt hatten, wurde ein zweistimmiger Walzer gespielt, auf den wir dann auch Walzer tanzten - in dieser hinteren Ecke sah uns ja keiner, der uns für verrückt halten konnte …
Zuletzt erschien ein Hinweis, dass man das Werk an der Kasse kaufen könnte, was wir aber nicht machten.Hinter diesem Raum gab es noch einen Raum, der hauptsächlich Otto Nicolai gewidmet war, dem Komponisten von "Die lustigen Weiber von Windsor". Außerdem hingen dort noch andere Bilder von früheren Hofmusikanten, die wohl wichtig für die Wiener Philharmoniker waren, von denen ich aber noch nie gehört hatte.
Die zweite Etage ist dem Hören gewidmet. Hier gibt es viele Experimentierstationen mit Klang und Hören, auch der Hörvorgang als solcher wird anschaulich gemacht. Die Anordnung der Räume ist schneckenförmig und folgt so der Idee der Schnecke im Ohr, die mit dem Hörvorgang zu tun hat. Ich denke, man erkennt an meiner vagen Beschreibung, dass wir uns hier nicht so sehr lange aufhielten, da wir ja eigentlich in Sachen Walzer unterwegs waren.Gegen Ende des Rundgangs in diesem Teil des Museums gab es einen dunklen Raum mit gemütlichen Sofas in der Mitte und so einer Art kleinen Bildschirmen fast an der Decke auf jeder der vier Raumseiten. Jeder Bildschirm zeigte ein anderes Programm. Man konnte es sich dort in der Mitte gemütlich machen und bei so einer Art Trancemusik die Veränderung von Formen - passend zur Musik - auf den Bildschirmen verfolgen. Abschalten und sich wohl fühlen …
Dahinter gab es noch einen kleinen halbrunden Gang, dessen Anfang so dunkel war, dass er mich an eine Geisterbahn erinnerte. Aber um die Ecke gab es Licht genug. Hier waren an der Wand ganz viele Geräusche "aufgehangen", also es gab alle möglichen Hörvorrichtungen, an die man sein Ohr halten konnte, um z.B. so tolle Geräusche wie Gähne, Rülpsen aber auch Papierrascheln, die Geräuschkulisse vom New Yorker Broadway oder eines türkischen Bergdorfes anzuhören - es war einfach für jeden Geschmack etwas dabei, auch für Astrologen oder Astronomen: das Hintergrundrauschen des Weltalls und das Geräusch des Neptuns z.B.In der dritten Etage endlich trafen wir unsere Komponisten. Dort gab es durch schwarze "Vorhänge" voneinander abgeteilte Bereiche der einzelnen dort vorgestellten Komponisten. In jedem dieser Bereiche gab es eine Tafel mit den Lebensdaten des Komponisten in weißer Farbe und dem, was geschichtlich drum herum passierte oder über das Leben seiner Zeitgenossen in roter Farbe. Das fand ich eine super Idee.
Das Geheimnis der Trennung durch Vorhänge kann aber nicht alles sein, da man in jedem Raum die Musik des jeweiligen Komponisten hören kann, aber nicht durch die im nächsten gestört wird, d.h. man hörte wirklich nur die von diesem Komponisten und nicht die von allen.Der Rundgang beginnt mit Joseph Haydn, danach folgt Mozart, dann Beethoven, mein absoluter Lieblingskomponist, darauf Schubert, Johan Strauß und Gustav Mahler.
Bei Beethoven hielten wir uns ziemlich lange auf und machten auch Fotos mit dem großen Meister und uns - das Fotografieren ist dort nicht verboten. Bei Beethoven gab es auch ein großes Napoleonbild, eine Art Klavier, ein Riesenbild von ihm und eine Büste. Interessant waren die Ausführungen zu seinem chaotischen Haushalt mit Auszügen aus seinen Haushaltsbüchern. Außerdem gab es einen alten Herd als Anschauungsmaterial. Das berühmte Heiligenstädter Testament hing dort auch in einem Schaukasten in Handschrift und gedruckt, aber das finde ich so traurig, dass ich es nicht noch einmal gelesen habe.Das nächste Highlight war dann Johann Strauß, wo u.a. "An der schönen blauen Donau" gespielt wurde. Auf dem Boden hatte man Füße aufgeklebt, die den Walzerschritt zeigen sollten, was auch einige Wagemutige ausprobierten.
Nachdem wir alle Komponistenräume hinter uns gelassen hatten, hatten wir die Möglichkeit, selber die Wiener Philharmoniker zu dirigieren. Dazu musste man sich auf eine kleine Plattform vor der Leinwand mit den Wünschen, was man nun von vier ausgewählten Stücken dirigieren wolle stellen, mit dem Taktstock, der wie eine Taschenlampe aufgebaut war, das Stück anleuchten und auf einen kleinen Knopf dabei drück, es also wie beim PC nur mit anderer Technik anklicken.Zur Auswahl standen der Radetzkymarsch, Mozarts Kleine Nachtmusik, An der schönen blauen Donau und eins, was ich nicht kannte, was - glaube ich - Annenpolka hieß.
Hier standen viele Leute, die ihr Glück mit Strauß und Mozart probierten, aber alle schon nach kurzer Zeit von den nach der geglückten Wahl auf der Leinwand erschienenen Orchester ausgebuht wurden. Sie wurden hämisch gefragt, ob sie das zu dirigierende Stück überhaupt kannten, und bekamen noch andere "Nettigkeiten" zu hören.Ach ja: die Noten zu den Stücken hingen drum herum an der Wand …
Als ich denn an der Reihe war, hatte ich schon genau die Fehler der Vorhergehenden studiert und hatte den Ehrgeiz, für meine walzerliebende Freundin, die blaue Donau bis zum Schluss zu dirigieren - was mir zu meinem Erstaunen auch gelang. Es war nämlich wirklich nicht so einfach, das ganze Orchester mit diesem Lichtstrahl zu dirigieren und unter Kontrolle zu halten … am Ende bekam ich dann tosenden Beifall und Standing Ovations nicht von den restlichen Umstehenden sondern sogar auch von den Wiener Philharmonikern - das war doch mal was! *g*Mutig geworden versuchte ich es dann mit einem mir sehr schwer erscheinenden Stück, dem Radetzkymarsch - und da wurde ich dann auch binnen weniger Augenblicke ausgebuht und ausgeschimpft …
Noch eine Etage höher gab es dann einen Verkaufsshop, der endlich einmal keine Phantasiepreise hatte. Hier konnte man seinen Walzer kaufen und sich eine Urkunde ausstellen lassen über das erfolgreiche Dirigieren. Den Walzer ließen wir, aber die Urkunde nahm ich mit …Auch hier war die Verkäuferin sehr nett und freundlich und lustig.
Noch eine Treppe weiter gab es eine Caféteria, die aber schon geschlossen hatte. Um 18 Uhr schließen beide Caféterien, also die ganz oben ebenso wie die im Foyer.Fazit:
Ich kann das Haus der Musik nur uneingeschränkt empfehlen, es ist wirklich Musik und Hören zum "Anfassen" und hat uns beiden wahnsinnigen Spaß gemacht.Alles Liebe von Sabine
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MOFFt 14.12.2007 14:08
babis69 01.11.2005 00:09
JoernBln 16.08.2005 18:38
Da war ich auch schon, lohnt sich wirklich. Interessant auch, daß die Österreicher Johann Strauß neben Schubert und Mahler stellen. Schöner Bericht.
Baerchen2571 10.07.2005 11:25
Super geschriebener Bericht! Jetzt hast du mir richtig Lust gemacht dieses " Haus der Musik" auch mal zu besichtigen! Gruss Heike
Travelwriter 02.07.2005 01:42
Danke für die Infos, in dieses Haus möchte ich demnächst selbst mal gehen. Schade, das es zwar bis 22:00 offen hat (was außergewöhnlich ist), die Cafés aber so früh schließen. lg Andreas
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