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Erfahrungsbericht

für Happy Valley, Hongkong
5 Sterne Happy Valley nicht ganz so happy (H.K.IV)
83 von 83 Ciao User haben diesen Bericht als hilfreich bewertet Bewertungen ansehen
Empfehlenswert: Ja

Pro eine ganz andere Seite der quirligen Metropole

Kontra kaum

Der Autor

otto0816

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Der Name verspricht eine glückliche Zeit. Augenblicke des Glücks werden auch regelmäßig vielen Besuchern beschert. Noch mehr Gäste werden etwas unglücklicher sein. Trotzdem aber werden sie auf ihre Kosten kommen. Ein paar der Besucher werden hier auch immer wieder sehr unglücklich werden. Für viele Menschen wurde aber auch das glückliche Tal eine Endstation, besser noch, die Endstation.

Doch nun der Reihe nach. Per Fähre kam ich nach Hong Kong Island. Noch einmal ließ ich den Blick vom Wasser aus über die Skyline schweifen. Einige Minuten später würde ich durch die Hochhausschluchten laufen, Plätze und Straßen überqueren oder mir das Gedränge aus der zweiten Etage eines Busses oder einer Tram ansehen.

Routiniert spielte sich das Anlegemanöver ab. Eilige Fahrgäste standen schon vor der großen Klappe, die gleich danach heruntergeklappt als Brücke fungierte. Ich verließ die von Lantau gekommene Fähre über die ins Wasser ragende Landungsbrücke. Die nächsten Fahrgäste warteten schon am gegenüberliegenden Ende des Ganges, noch durch ein schwenkbares Gitter zurückgehalten. Pier 7 lag hinter mir. Rechts standen Taxis und auch viele Doppelstockbusse. Links legte gerade eine Star Ferry in Richtung Kowloon ab.

Der mittlere Teil des Fußweges war überdacht. Einige nutzten den so gebotenen Schatten. Bald zweigte der erste Fußweg nach links ab, gleichzeitig führte aber auch eine Rolltreppe nach oben in eine zweite Etage. Links, das mußte das Jardine House sein. Aus der Perspektive war es jetzt wieder eins von vielen Hochhäusern. Die 52 Etagen und die runden Fensteröffnungen in der Aluminiumfassade wirkten kurz zuvor, vom Wasser aus, noch ganz anders.

Die Fußwege hier oben über dem Straßenniveau führten zum Teil durch Etagen der Hochhäuser. Die erste Querstraße war auf diesem Wege einfach zu überqueren. In der zweiten quer verlaufenden Straße, sah ich schon die historischen Straßenbahnen mit den zwei Etagen. Ich sah mir einige der in kurzen Abständen kommenden Bahnen noch von oben an. Die in meine Richtung fahrenden Trams trugen als Ziel die Namen North Point, Shaukeiwan, Causeway Bay und natürlich Happy Valley. Manchmal kamen auch drei oder vier der Bahnen im Pulk angerollt.

Nur kurz mußte ich warten, bis meine Tram kam. Da noch genügend Sitzplätze frei waren, stieg ich ein. Dazu war die hintere Tür zu wählen. Zwei kleine Drehkreuze verhinderten dort das Verlassen der Bahn. Dazu war die vordere Tür beim Fahrer vorgesehen. Dort wurde dann auch beim Verlassen der Fahrtpreis entrichtet. Entweder hatte man passendes Geld, das sind zwei Hong Kong Dollar gewesen, die in eine Art Zahlbox zu werfen waren, oder man nutzte die praktische Octopus – Card, von der einfach abgebucht wurde. Die zweite Variante war praktischer.

Am hinteren Eingang führte eine schmale Treppe hinauf. Nun fuhr ich also oben, sogar ganz vorn. Entgegenkommende Straßenbahnen kamen mir rechts entgegen. An der nächsten Ampel, fuhr die Bahn bis auf einen halben Meter auf die davor stehende auf. Die Fenster ließen sich auch in Fahrtrichtung öffnen. Anderen Fahrgäste hätte ich so per Handschlag begrüßen können. Links stand jetzt auch noch ein Doppelstockbus. Die Straße wurde gut ausgelastet. Die Ampel gab die Fahrtrichtung wieder frei. Einige Straßenbahnen, durchweg alle mit zwei Etagen kamen entgegen. Auch einige Busse überholten. Harry Potter, so wie ich ihn schon von Plakaten kannte, sah von der Rückseite des Busses auf den nachfolgenden Verkehr.

Nach einem Abschnitt mit weniger Geschäften, waren die Fußwege in der Johnston Road wieder gut mit Passanten gefüllt. Von der Hauptstraße abgehende Gassen waren mit Ständen gefüllt. Hier schien es noch etwas enger zuzugehen. Vor Causeway Bay bog meine Bahn rechts in die Percival Street ab. Nach einer weiteren Rechts- und Linkskurve, sah ich rechts den Club, der seinen Namen mit den CCC abkürzen kann Ein C für Cricket, das war sofort auszumachen. Ein C stand natürlich für Club. Das fehlende C war der Ortsbezeichnung vorbehalten. Das war also der Craigengower Cricket Club (http://www.hklba.org/ccc.htm)

Ein Mercedes verließ gerade die Einfahrt, an der nicht nur das Schild „Members Only“ den Einlaß regulierte. Fast alle Fahrzeuge trugen hier in Hong Kong im Prinzip die britischen Plastikkennzeichen. Die Nummer begann dann mit zwei Buchstaben, denen bis zu vier Zahlen folgten. Der Mercedes hatte nur die 2008 auf dem Kennzeichen stehen. Der Zaun ließ aber Blicke auf den Rasen, der wie ein grüner Teppich aussah, zu. Meist ältere Spieler, weiß gekleidet, versuchten große schwarze Kugeln in die Nähe der kleinen weißen Kugeln zu rollen.

An der südwestlichen Ecke der Pferderennbahn, links neben einem Hindutempel, befand sich das „Hong Kong Sanatorium and Hospial“. Es stand unter dem Zeichen des grünen Kreuzes. Für ein Sanatorium wirkte es hier etwas laut. Die Straßenbahnen hatten an der Südseite der Rennbahn ein Wartegleis. Sie umrundeten den Sportkomplex so, daß er das Innere einer riesigen Wendeschleife bildete. Bevor die Straßenbahnen wieder auf ihre Haupttrasse zurückkehrten, quitschten sie in kurzen Abständen vor dem Sanatorium um die Kurve. In der Häuserfront folgte dem Sanatorium der Hindutempel. Er würde als solcher nicht hinter der grauen Fassade auffallen, stände der Name nicht in großen Lettern über dem Eingangsbereich.

Eine Mauer grenzte den „Parsee Cemetery“ zur Straße hin ab. Durch zwei schmiedeeiserne Tore ließ sich der Friedhof betreten. Die ringsum ansteigenden Hänge waren zum Teil so steil, daß sie nicht nutzbar waren. Ein Dschungel hatte hier einen ungestörten Lebensraum gefunden. Für den Friedhof selbst stand so fast nur eine Bucht zur Verfügung. Der größte Teil des zu nutzenden Geländes wurde inzwischen von einer Gärtnerei genutzt.

Eine zentrale Freitreppe führte zu einem Trauerraum. Nicht nur auf dem massiven steinernen Geländer, auch auf den breiten Stufen, standen jeweils große Kübelpflanzen. So war zwar nur der mittlere Bereich der Treppe nutzbar, es schien aber auch nicht mehr so viel los gewesen zu sein, wie in früheren Tagen. Einige Angestellte der Gärtnerei kümmerten sich um große Weihnachtssterne. Ein Absatz auf der Treppenanlage bot einem kleinen Brunnen Platz. Sogar in ihm fanden Pflanzen, natürlich Wasserpflanzen eine Bleibe. Ringsum standen verschiedene Bonsaigewächse in Schalen und Töpfen.

Die Gräber von indischen Hindus und Parsen befanden sich am linken Rand der Anlage. Auf schlichten, weißen Marmorsteinen waren fast alle Inschriften noch gut zu lesen. So stand beispielsweise auf einem weißen polierten Stein in goldener Schrift, daß jemand, der 1918 in Navsari (India) geboren wurde, nur ein Alter von 31 Jahren erreichte, und hier in Hong Kong 1949 starb. Darunter standen auch noch in einem Text die Zahlen 1288 und 1318. Zeit läßt sich eben auch anders zählen.

Es folgte der „Hong Kong Cementery“. Über der Mauer, die diesen Friedhof zur Straße hin abgrenzte, führte jetzt schon eine Hochstraße, parallel zur Mauer. Das Bild sah auf diesem Friedhof ganz anders aus. Grasflächen, auf denen die Steine standen, die auch auf einem Londoner Friedhof hätten stehen könnten, waren nicht so kurz geschnitten. Blumen gab es fast keine, weder natürliche noch künstliche. Der Zahn der Zeit hatte fast allen Steinen schon mehr oder weniger stark zugesetzt. Vögel scharrten im trockenen Laub. Große Bäume warfen nicht nur ihr Laub ab, sie verbreiteten auch Schatten über der Anlage. Ich war der einzige Besucher auf dem großen Areal. In der Nähe des Eingangs stand ein moderner Klotz, der sich hier nicht einpassen konnte. Es war ein moderner Zweckbau. In ihm befand sich ein Office. Ein Aushang wies in Verbindung mit einer unübersichtlichen Karte auf Grabstellen hin, die demnächst auslaufen würden. Viele Grabsteine standen hier schon sehr lange. Eine Theodosia verstarb 1843 im Alter von 24 Jahren. Ihr Dean war seitdem Witwer.

Wieder auf der Straße angekommen, inzwischen waren auf der gegenüberliegenden Seite die Rückseiten der Rennbahntribünen zu sehen, kam schon wieder eine der doppelstöckigen Straßenbahnen vorbei. Es folgte noch der „Saint Michael Catholic Cemetery“ und der „Muslim Cemetery“ mit dem Eingang an der nächsten Ecke. Einen muslimischen Friedhof hatte ich vor wenigen Tagen in Macau gesehen. Ich wechselte die Straßenseite.

Am nördlichen Ende des Tribünenkomplex befand sich das zur Pferderennbahn gehörige Museum. Das Oval der Pferderennbahn umschloß den Happy Valley Sports Ground. Mehrere größere Sportplätze hatten im Innern Platz gefunden. Die Pferderennstrecke ist heute so von Hochhäusern und Wolkenkratzer umgeben, daß diese selbst fast wie Tribünen wirken. Sie ziehen sich sogar die Hänge hinauf. Nur die Seite mit den Friedhöfen wurde bisher von der Bauwut verschont. Die Pferderennen, das ist aber schon wieder eine neue Geschichte, die Begeisterung der Hong Kong Chinesen für den Pferdesport, fürs Wetten oder für beides?

Danke fürs Interesse, Jörg


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Kommentare

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  • LoMei 04.06.2002 22:33
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • Torsten-Yvonne 01.06.2002 17:25
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich
  • RedTitan 14.05.2002 08:11
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    Sehr schöner Beitrag ! Werde im September in HK verweilen ! ( nur ein paar Tage ) Habe dir ne Mail geschrieben,da mich diese Octupus Card interressiert ! Hab ein paar Fragen dazu ! Danke schonmal ! ;)

  • SchafalMa 27.04.2002 18:01
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    Honkong, da war ich noch nie, ist sicher voll toll, ich will auch weeeeeeg aber sofort :-) echt sehr netter Bericht!! Warst du schonmal in Wien???ich war und bin in Wien, schon seit fast 17 Jahre lebe ich hier*g* (seit meiner Geburt :-))Lg aus Wien

  • onlyou 23.02.2002 12:35
    Bewertete diesen Bericht als
    sehr hilfreich

    Sag mal,bist du auch mal zu Hause,oder vielleicht der "Karl May"(nicht falsch verstehen) von ciao??*sfg**ansonsten,wenn du mal ne Begleitung suchst *smile*...onlyou

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